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Die Welt · 1899-10-27 · 43 (27.10.1899) · p. 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
43 (27.10.1899)
Article
Ein Kaiserwort
Date
1899-10-27
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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<►-4 Redaction ► Erscheint jeden Freitag. 4 ►-» Preise der Anzeigen: und Administration Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern Die viermal gespaltene Petitzeile WIEN an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Der Inseratenteil IX., Türkenstrasse Nr. 9. Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. wird Dienstag abends geschlossen. Telephon 14199. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. *-i f Manuscripte nicht zurückgesendet. < ►---< Ra711(fGnraiea■ Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 6 fl. 12 Kr., halbjährig 3 fl. 6 Kr. Kür das Ausland: Deutsch- OuZiUgOpiuiüCa land ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 8hg., halbjährig 7 8hg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50Kop., Schweiz, Krankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Eres. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40 Ct. Nr. 43 Wien, 27. Ovtober 1899. 3. Jahrgang HMT» Da Ende dieses Monats eine grössere Anzahl von Abonnements abläuft, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Administration. Ein Kaiserwort. Von 0. Erter. Der deutsche Kaiser hat neulich im Hamburger Rathhause eine grosse Rede gehalten. Den Anlass bot der Stapellauf eines neuen Linienschiffes. Ort und Gelegenheit waren vortrefflich gewählt, denn Hamburg ist die erste Seehandelsstadt Deutschlands und eine der ersten der Welt. Weite Horiz onte, von denen der Binnenländer nur eine sehr mittelbare Vorstellung besitzt, eröffnen sich dem Blicke in dem gewaltigen niederdeutschen Handelsemporium, und Kaiser Wilhelm 11. überfliegt, wie man weiss, diese weiten Horizonte mit einer erstaunlichen Intuition, wie nur irgend einer der grossen Seefahrer, die einst auf das Meer sich hinauswagten, um neue Welttheile zu entdecken. Es ist freilich nichts mehr zu entdecken, aber zu erschlossen ist noch gar viel, und diese Erschliessung ist eine Arbeit, welche unserer Zeit einen ihrer wesentlichsten Gharakterzüge verleiht. Man nennt den Kaiser Wilhelm II. einen modernen Herrscher, aber das Prägnante ist in diesem Falle nicht das Moderne schlechthin, sondern das Moderne, insoweit es sich als eine ungeheure V ielseitigkeit darstellt, die aus der Enge des Hergebrachten hinausstrebt, um die europäische Giviiisation zu einem Besitzthum der ganzen Welt zu machen. Auf diesem Wege ist Wilhelm II. ein Führer von hinreissender Vorbiidlichkeit, mächtig in Wort und Willen, und seine Hamburger Rede rüttelt mit unwiderstehlichen Accorden die Zeitgenossen auf, sich zu besinnen, wohin an dem Wendepunkte zweier Jahrhunderte der Compass der Menschheit zeigt. Was in besonderer Absicht auf die innere Politik in Deutschland' die Hamburger Kaiserrede enthält, d^s hegt ausserhalb unserer Betrachtung. Unser Augenmerk bilden folgende bätze: „Blicken wir um uns her, wie hat seit Einigen Jahren die Welt ihr Antlitz verändert! Alte Weltreiche vergehen und neue sind im Entstehen begriffen. Nationen sind plötzlich im Gesichtskreise der Völker erschienen und treten in ihren Wettbewerb mit ein, von denen kurz vorher der Laie noch wenig bemerkt hatte. Ereignisse, welche umwälzend wirken auf dem Gebiete internationaler Beziehungen sowohl wie auf dem Gebiete des nationalökonomischen Lebens der Völker und die in alten Zeiten Jahrhunderte zum Reifen brauchten, vollziehen sich in wenigen Monden.“ Es kann in der That nicht plastischer die grandiose Wandlung gekennzeichnet werden, die sich, man darf sagen über Nacht, in der Weltphysiognomie vollzogen hat, und das Anziehendste dabei ist, dass derjenige, der sie verkündet, nicht ein receptiver Zuschauer der ereignisreichen Metamorphose ist, sondern seiner Zeit und den Mitlebenden voranschreitet als der Negotiorum gestor des neuen Weltgeistes. Kaum noch in dämmerndem Zwielichte waren die Umrisse des neuen Weltbildes zu erkennen, da deutete Kaiser Wilhelm II. schon hinaus auf die See als den künftigen Schauplatz des Völkerverkehres, und entschlossen sendete er seine gepanzerten Schiffe aus, um an der chinesischen Küste des Stillen Oceans seiner Nation ein Pied-ä-terre zu sichern für die Ausbreitung ihres Handels und den Absatz ihrer Production — „einen Platz in der Sonne“, wie sein Minister sagte. Das alte spanische Weltreich vergieng in dem Kampfe mit der nordamerikanischen Union, das junge Japan entfaltete seine märchenhafte Lebenskraft, und neben England richtete als Weltmacht das neue Deutsche Reich sich empor mit einer Cpncurrenzfähigkeit auf Mn Gebieten des friedlichen Wettbewerbes, dass der Hpfangs spöttisch gemeinte Ruf „Made in Germany“ äich bald in eine sehr ernsthafte Parole des Welthandels verwandelte. Gerade in Hamburg, dessen Handelsmarine nur von der englischen noch übertroffen wird, während sie die französische bereits um das Doppelte überflügelt hat — gerade in Hamburg, wo eine Fahrt nach New-York oder nach dem Gap der guten Hoffnung nicht viel mehr bedeutet als ein Aus* ffug nach Berlin oder Paris, in dem Rathhause der Hansa-Erbin, wo die grossen Rlieder als Senatoren um den grünen Tisch beisammensitzen, war der rechte Ort für den Appell, den Wilhelm II. an sein Volk richtete, um es anzufeuern zur Opferwilligkeit und Ausdauer in dem Antheile an den weltbewegenden Interessen. In Europa lebt sich der Friedensgedanke allmählich immer fester ein, seitdem den Völkern der Weg in die Ferne erschlossen ist, und wenn Bismarck

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