Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1899-09-29 · 39 (29.9.1899) · p. 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
39 (29.9.1899)
Article
Der sociale Geist des Judenthums und das jüdische Volk
Date
1899-09-29
Page
5 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3315709-3315796-3315836-3390820--15000-3390905
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„Die H Welt“ Seite 5 Nr. 39 yüx" (Jgr ^licike, Flügel der katholischen Nätionajökonomen, W MM Mch Le Iisy^ Mä^tzkrLyDo8s Locialistsn. '»W^&iWiP: also,. weder in der Bibel npch im Talmud diese äiii dem Sebacher, Rasierenden Lehren an getroffen Hetzen, werden wir sje vielleicht eher bei den Philosophen tiMfinijeii, diö Israel entstammten? HWW^'^ei Mr" ^tzpdh^bei Spinoza werden wir sie ÄHeMp.^ De^MätMjsMus des elneü und der Pantheismus W^ten keipeh kaum kür eine Apologie de§ Aueh *fo$ Ricardo ist dies nicht der Fall, noch Meiv^Marx oder ein Lassälle sein» die derar^&J^€|brenv;0änz uh Gegentheil! Wird man etwa be- ÜMtM^^iDeü7 Dr OolbertisMÜs, der UercäuMsmus — ' KkvnÄMische Theorien darstellen — seien MWcÜs Joviale Anschauungen? Thomäs Mün, Uolhert oqgr Frabfcbis Malön sihd keine Juden, ebensowenig Smith, trptz se^n^S iMüstxiellen Systems, auch nicht Bentham, der „W VWbeiUWbK dÄs Wuchers" schrieb, auch Turgot nicht, der di,e .volle preilieit der CapitalsVerzinsung forderte. Wenn es M sbÄaies tzMtem gipt, Ms auf dem Schacher basiert, so ist M .sicher hlcht das System „des deutschen Juden Marx", W&C’.'.ilm..' dbr bräye Anarchist Bakunin nannte — sondern das. System Saint-Simons, der sagte: „Ich habe die Mission erhalten, Händen des Clerus, des Adels und des Richterstandes die politische Mapht zu entreissen und sie in die Hände der,; Gewerb strvlbßn den zu legen.*) Wo Mdeh wir also die Spur dieses „socialen Systems'der Juden, das auk dem Schacher basiert?" Hören wir Marx. Er sägt: „Also nicht nur im Pentateuch, im Talmud., in der jetzigen Gesellschaft finden wir das Wesen des 'heutigen Juden, nicht als ein abstractes, als ein höchst empirisches Weäeh." Das will heissen, dass der Jude, praktisch, in der Gesellschaft; in deren Mitte er lebt, einen Geist bethätigt, dtzr auf dem Schacher basiert, und dass er diesen Geist immer bethätigt hat. Aller Wortmacherei entkleidet, heisst das, der Jude sei seit seinem Eintritt in die christliche Welt nur zum Schacher geeignet gewesen, und d&s ist es sicherlich, was wir am Grunde all der Urtheile ubä all der Theorien finden, die gegen die Juden gerichtet Sind, oSW darauf Anspruch machen, in wirtschaftlicher Beziejiuhg Klarheit über den Juden zu schaffen. Wie konnte sich nur ein solcher Irrthum verbreiten, wie konnte er von HWnern mit scharfem und weitäusschauendem Geiste aufgenömmen werden? Das muss ich zum Schlüsse noch auseinahdCrsetz^ii. / Denken wir uns einen Historiker, der, um ein Volk zü;e studieren, um seine Charakteristik, seine Philosophie, spin Ideal Sau schildem, sich darauf beschränken würde, eine der Cläspeh in diesem Volke seiner Betrachtung zu unterziehen. Wenn er nur die Proletarier berücksichtigt, wird er vielleicht zu dem Schlüsse kommen, dass die sociale Anschauung dieses Volkes auf einer handelsfeindlichen Gesinnung und auf der Arbeit basiert sei. Wenn er wiederum seine Forschungen nur auf die bourgeoisen Finanz-, Industrieuri d Handelskreise erstreckt, wird er mit ebenso grossem Hechte erklären, dass der sociale Geist dieses Volkes auf dem Schächer gegründet sei. Keine Nation wird den Consequenzen einer derartigen Geschichtsschreibung entgehen können. - Das nun ist eben den Juden passiert. Sie wurden unter dem'Gesichtspunkte des Schachers nicht nur von den Antisemiten betrachtet, sondern selbst von den Juden, die ihre Geschichte schreiben wollten. In gewissen Punkten stimmt ßftirniöiit mit Grätz überCih. Was sie unterscheidet, ist nur, dijäss“-^rärfei'^äuf mildernde Umstände plaidiert. Auch er erflärtv der Jude treibe Handel und mache Geldgeschäfte, ahbr nur;: Weil er dazu gezwungen worden sei. Das ist eine KMdfäische Behauptung; in Wirklichkeit ist es die jüdische Bourgeoisie, die dem Schacher und den Geldgeschäften ob- ÜeM hnd hicht j;,die Juden". Die jüdischen Geschichtsschreiber haben ebeh immer nur die Geschichte der jüdischen BbMgML^e zym Gebrauche der jüdischen Bourgeois ihrer Zeif-geschrieben. Sie haben das Volk nicht gekannt, sie Wüääteh Lichts von ihm, sie haben es vermieden, das Volk kennen zu lernen. Ihre Geschichte war nur als Vertheidigungssc&riffc der Juden mit Rücksicht auf die Christen geschrieben, $Me Geschichte, :zu dem Zwecke abgefasst, um die immer zunehmenden Assihiilations-Bestrebungen der Juden aufzuzeigen — was nicht richtig ist. Sie-waren beständig von dem Vorurtheiler:b^&Pgen; keine Geschichte der Juden als Nation zu schreiben. l ■ In Wahrheit ist aber diese Geschichte gar nicht anders verständlich. Die Juden haben niemals aufgehört, ein Volk W^«ch^..Wpnn es unter ihnen verschiedene Typen gibt, das neisävWehh sie, Wie öie heute sind, nicht von einem einzigen *) Systeme industriel, pag. 167. Paare abstammen, so ist es doch nichtsdestoweniger wahr, dass diese ethnographischen Typen, die.untereinander verschieden sind, doch nur ihren eigenen, besonderen Charakterzug aufweisen. Sie haben eine gleiche geistige Veranlagung. Ich spreche im allgemeinen; denn wenn ich die englische Geistesanlage studiere, so werde ich zum Objecte meiner Prüfung picht etwa die Kinder der in Frankreich lebenden naturalisierten Engländer nehmen. (Schluss folgt.) Die Shares der Jüdischen Colonialbank. Die Ausfertigung der Ailotementbriefe (Zutheilungsscheine mit Bestätigung über erfolgte Anzahlung) wurde bekanntlich schon vor dem ITI. Baseler Congresse zu Ende geführt. Durch die ungenaue Ausfüllung der Subscriptionsscheine war diese Arbeit unendlich verzögert worden. Nunmehr ist auch mit dem Drucke der Shares selbst begonnen worden. Die Actien der Jüdischen Colonialbank sind künstlerisch ausgestattet. In einem Geviert von ungefähr 100 Quadratzoll ist auf weissein Grunde eine geographisch getreue Landkarte Palästinas in Blau gezeichnet. Der Ueberdruck ist schwarz. Mehr als die Hälfte des Shares ist dem englischen Texte eingeräumt. Die rechte Seite gehört der hebräischen Uebersetzung. Eine schmale Zierleiste umrahmt das Ganze. In den vier Ecken finden wir die Entstehung der Bank und ihre Zwecke und Ziele dargestellt. In der linken oberen Ecke die Klagemauer, davor betende Juden. Rechts oben der jüdische Bauer, der den Pflug führt und das Saatkorn der Erde anvertraut. Die Bank fördert aber auch industrielle Unternehmungen. Rechts unten ein weiter Fabrikssaal. Nebst dem Ackerbau und der Industrie wird , auch der Handel und Verkehr . blühen. In der unteren linken Ecke ist die Perspective eines Hafens am Jordan gezeichnet. Zwischen den verankerten grossen Handelsschiffen schiessen kleine Zillen durch. Arbeiter sind mit dem Ausladen der Waren beschäftigt. Ueber die Brücke braust ein Zug. Die Philosemiten und das wahre Interesse der Juden. Von Max Aram. Man weiss, dass es neben den leidenschaftlichen Feinden der Juden auch leidenschaftliche Freunde und Verteidiger derselben gibt, und dass man, wie jene Antisemiten, diese Philosemiten nennt. Während der Kaiser Hadrian, der anfänglich kein entschiedener Widersacher der jüdischen Bewegung gewesen, die völlige Niederwerfung und Ausrottung Israels anstrebte, seitdem er zur Zeit seines syrischen Aufenthaltes tiefer in die Kenntnisse der jüdischen Lebensverhältnisse und Einrichtungen eingedrungen, wird ihre Liebe nur umso leidenschaftlicher, in je nähere Beziehungen sie zu den Juden treten. Nun hätten die Juden ja eigentlich keine Veranlassung, diese Liebe mit anderen als dankbaren Gefühlen zu erwidern. Wenn es auch sonst bisweilen Vorkommen mag, dass Gott einen vor seinen Freunden beschützen muss, so dürfte sich dies doch nicht auf sie beziehen. Aber der Zionismus, der doch einen völlig neuen Begriff des Judenthums heraufgeführt hat, muss gar wohl, oft in einen leisen milden Widerspruch zu denen treten, die gewiss aus den aufrichtigsten Motiven jüdische Interessen vertreten. Wie er öfters den Rabbinern entgegentreten musste, die ja sicherlich von Liebe für das Judenthum erfüllt sind, so mag es ihm mit den Philosemiten ergehen. Die Kategorien der Philosemiten sind äusserst mannigfaltig. Es gibt welche, die in der Schwäche der Jnden vielleicht eine erwünschte Gelegenheit sehen, den Adel ihrer Seele, ihre Grossmuth zu bethätigen und die bei der Beschützung in einem unschuldigeren Sinne das gemessen mögen, was Ni e tzsche das „Pathos der Distanz" nennt. Und andere mögen wieder durchaus eines Objectes für ihre altruistische Seelenstimmung bedürfen. Sie mögen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.