Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 37 (15.9.1899)
- Article
- Der Talmudbauer
- Date
- 1899-09-15
- Page
- 16 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 16 „£>ie Welt“ Nr. -37 „Ich liehe Euch an, kommt rasch hinüber zum’jjj’allen Satzungen? Ist mir der Talmud fremd? Habe ich Begräbnisplatze. Es gibt ein grosses Unglück, wir machen^*nicht alle Fasttage mit Euch gehalten?“ uns lächerlich vor der ganzen Welt und sündigen *j^M|f„Ja, ja, ja, ja!“ murmelten sie. „Ihr seid ein gegen die heiligsten Gebote Gottes!“ wahrhaft frommer Jude!“ Sie eilten hinunter durch das Stadtthor, über das Kidronthal hinaus gegen das Grab Absaloms. Dort ruhen die Frömmsten der Judenheit, die hierhergekommen waren, um in der heiligen Erde ihre letzte Heimstätte zu finden. Man sah schon von ferne eine aufgeregte Menschenmenge. Heb Joine, der Arzt und die Bewohner des Hospizes eilten vorwärts; ihnen entgegen liefen einige Männer, denen zahlreiche Steine nachgeworfen wurden, mit entsetzten Gesichtern. Doctor Rapp sprach einige hastige Worte zu ihnen: „Es war ein Unrecht, es war nicht nothwendig ins Missionsspital zu gehen, wir hätten noch Platz gehabt für Eure Frau“. „Aber Herr Doctor, es ist so nahe von uns, — es war mitten in der Nacht — und wir konnten sie nicht so weit tragen bis zu Bikur Cholim“. „Ja, ja, ich entschuldige es auch. Gott sieht in die Herzen. Ich weiss, Ihr seid ein guter Jude. — Aber kommt, wir müssen diesem Aergernisse ein Ende bereiten“. Eine dichte Masse aufgeregter Männer stand ihnen gegenüber. Alle in langen, verschiedenfarbigen Kaftans, hellgestreiften Kutten, schwarzen aus Atlas, neuglänzenden und geflickten. Die Köpfe mit Mützen oder Hüten jeglicher Art und Form bedeckt. Alle aber mit glänzenden Gesichtern und schweißtriefenden Schläfenlocken, die wie kleine Schlangen hin und her zuckten. .Am meisten scandalierten die jüngeren Leute, halbwüchsige Burschen. Er trat zu den Aufgeregten: „Es ist Chiliul häschern, ein Aergernis in Israel! Vergesset nicht, dass die ganze Welt auf Jerusalem sieht; man wird es überall erzählen, man wird es schreiben und drucken, dass Ihr Eurer Schwester kein Grab gewährt habt! “ Ein wüstes Geschrei scholl ihm entgegen: „Mission — taufen — Geld — wir hungern und darben, weil wir Juden sind, und sie —“ Der Oberem aufs englische Hospital kam zur Zeit der grossen Flucht aus Russland, als viele Judenkinder sich taufen Hessen, um dem Elende zu entgehen, um von den Missionären Brot zu bekommen. Aber heute sind wir stärker und gefestigter. Kein Jude tauft sich so leicht in Jerusalem und die Missionäre sind vorsichtiger, besonders bei Kranken. „Sie ist eine Jüdin geblieben, seid ruhig und lasset sie begraben. Ich bringe Euch die Erlaubnis dreier Rabbinen“. „Rabbinen — vielleicht gar vom Chacham Baschi, dem Sephardi?“ Wir halten nur zu unserem Raw. „Nein, ich wusste, dass kein Sephardi sich bei diesem Scandal betheiligen würde. Die russischen, polnischen und ungarischen Rabbinen sind einverstanden“. „Wer garantiert uns, dass sie nicht schon getauft ist? Dass es keine Sünde ist, sie hier in dieser heiligsten Erde zu begraben“. Doctor Rapp richtete sich ernst auf: „Ich!“ Und da er die zweifelnden Mienen bemerkte und die abfälligen Worte hörte, sprach er laut: „Hat irgend jemand etwas gegen mich und mein Judenthum einzuwenden? Hat mich jemand essen sehen, ehe ich mein Morgengebet beendet hatte? Bei mir dauert es oft länger als bei Euch, dass ich mein Schema Israel sagen kann. Hat mich jemand gesehen, den Sabbath entheiligen? Gibt es eines der Gebote der Thora und unserer Weisen, das ich jemals verletzt habe? Lebe ich nicht mit Euch als der Angehörige Eurer 'Gemeindei treu Herausgeber: P. Nasshauer. Verantw. Red,: Erwin Rosenberger. „Und habe ich nicht bei Tag und Nacht, in Noth und Gefahr mein Leben dem Euren gewidmet? Habe ich je eine Krankheit, eine ekelhafte Seuche gescheut?“ „Nein, nein, nein!“; „Dann wünsche ich im Namen des Judenthums und im Namen meiner Wissenschaft, die mir Gott zu seiner Ehre und zu Eurer Hilfe gegeben hat, dass Ihr dieses Weib in Frieden begraben lasst“. Viele murrten, alle aber warfen die Steine zu Boden, die meisten kehrten sich wüthend ab; und einige halfen die Frau zur letzten Ruhe zu bringen, darunter auch Reb Joine und sein Sohn. Als das Grab geschlossen war, giengen sie gemeinschaftlich zurück zur Stadt. Doctor Rapp nahm den jungen Mann beim Arm: „Es hat mich gefreut, dass Ihr Euch heute früh der armen Frau und ihres kranken Kindes angenommen habt“. „Wie sollte ich nicht? Ist es doch eines der ersten Gebote“. „Ihr seht, junger Mann, wie die Gebote hier gehalten werden? Roher Eifer, finstere Unduldsamkeit“. Der Arzt unterbrach jäh seine Rede und schaute prüfend seinen Begleiter an. Fast ein Jahrzehnt lebte er unter seinen Stammesbrüdern in Jerusalem, immer bereit zu helfen und zu heilen, aber stets bemüht, als strenger und eifriger Bekenner des Judenthums zu gelten: er wusste, dass ein Arzt seinen Patienten auch ein Seelenarzt sein soll und er wusste, dass jener Jude, der nicht streng nach den Gesetzen lebt, den Frommen ein Aergernis und ein Greuel sei, dem sie sich nicht erschließen würden. Aber das hübsche, offene Gesicht Chajims flösste ihm Vertrauen ein, und der junge Mann kam ihm auf halbem Wege entgegen. (Fortsetzung folgt) Briefkasten. D. Segali, Sulina; Verein „Jischub Erez Hakodesch“, Jerusalem; Comite der Zionistischen „Talmud Thora“, Lodz; 8. Chait, London; Rabbiner Dr. A. Freudenberg, Krementschug; Berthold Feiwel, Ludweishofen; J. M., Jocheljtschik; Boris ,Barbasch, Odessa; Verein „Zion“, Nadworna, Vito Anan, Ancona; Philip Sherman, Liverpool; Jacob Morenu und Frau, Sapazkin; 8. Lennox Loewe, Brighton; J. Theiweios, Odessa; Lazar Margulies, Braiia; Oh. E. Mozkin, M.-Blagowjäschtsch; Karol Klein, Botosani; Dr, Bruck, Hornel; Heinrich Korngold, Kiew; A. Campeanu, Negresti; Adolf Bernhardt, Braiia; J. L. Litwak, Dolina; M. Urban und Frau, Focsani; J. D. Bally, Bukarest; Zionistische Jugend, Dornawatra; Josef Reiseber, Braiia; M. D. Klig, Braiia; Verein „Zion“, Dornawatra; Moses Schmidt; Samson Jakowljewitsch. Nikolajew; N. Rabinovicz und Frau, Piatra N.; Leo Münz und Frau, Rostoff a.0.; Hillel Ziatopoisky und Frau, Kiew; „Bene Zion“, Nikolajew; Abraham Rubin, Piatra N.; J. J. Diesentschik und Frau, Kontor; Societatea „Chowewe Zion“, Dorohoiu; H. Berliner, Wien; L. Horowitz, Daraboni; Ad. Donath, Krems! er; „Bnei Zion“, Foltischeni; Jul. Steiner, Wien; 8 Rynarzewsky, Cöln; B. Schiresohn, Cöln; Julius Schönwetter, Krakau; N. Rappaport, Wien; M. Botpsencanu, Genf; S. Bergmann, Wien; Akad. Verb. „Unitas“, Wien; L. Sitzmann, Wien; A. 8. Ezechiel Jahuda, Strassburg; Ad. Pollak. Tobitschau; Bernhard Fuchs, Wien; E. Torczyner und Frau, Wien; Leopold Morgenstern, Craiova; X. T. Alter und Frau, Mlawa; Dr. J. Korkis, Lemberg; T. M. Schlepski, Wien; „Verlag Esra“, Berdttschew; Löbel Taubes, Koiomea; M. Lukatscher und Frau* Oman; Sylvain Brunschwig, Herr und Frau B. Brunschwig-Kuhn, Basel; AI. Dessler, Berditschew; Herrund Frau Jonas Wolpe, Frankfurt a; M. Herzlichsten Dank für die freundlichen Glückwünsche. Moses Rohatyn. Besten Dank. Der Vorfall ist aber doch zu unbedeutend. Dr. Seitz, Limmbach. Besten Dank für freundliche Zuschrift. L. L . . . I, Wien. Nun ja, wir wissen eben die Vorzüge der geschätzten Einsendungen nicht immer voll und ganz zu würdigen, Buchdruckerei »Industrie* (S. Bergmann) VIII., Schlösselg. 11