Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 36 (8.9.1899)
- Article
- Transvaal-Fragen
- Date
- 1899-09-08
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Ma/iÄfcfc. *-4 Redaction ► Erscheint jeden Freitag. < ►-H> Preise der Anzeigen : und Administration Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern Die viermal gespaltene Petiizeile WIEN an die Redaction oder Administration: Wien, IX., FboT* TnaorsitorHVioil IX., Türkenstrasse Nr. 9. Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. wird Dienstag abends geschlossen. Telephon 14199. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. ♦-—--- > Manuscripte nicht zurückgesendet. 4 ►- RfWndCTWMCfl1 Oesterreich- Ungarn: ganzjährig 6 fl. ----- 12 Kr., halbjährig 3 fl. 6 Kr. Für das Ausland: Deutsch- DCZiUgdJilGlüUi land ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 8hg., halbjährig 7 8hg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40 Ct. Nr. 36 Wien, 8. September 1899. 3. Jahrgang Transvaal-Fragen. Von 0. Erter. Wir haben einiges Interesse an dem Geschicke des südafrikanischen Boerenstaates. Die zionistischen Delegierten aus Johannesburg, die auf dem Baseler Gongresse so warm begrüsst wurden und so bekenntnistreu sieh bewährten, gemahnten uns nicht bloss an den weltumspannenden Charakter der zionistischen Bewegung, sondern sie erschienen uns auch als lebendige Zeugen der Attraction, die trotz allem der Zionismus übt. Auch in der Transvaal-Republik empfinden die Juden die alte Bitternis der Diaspora und vorenthalten ist ihnen, obgleich sie ein äusserst wertvolles Element der Bevölkerung bilden, der volle und uneingeschränkte Genuss der bürgerlichen Rechte. Es ist, wenn man geschichtlicher Erinnerung nachgehen will, eine naturgemässe Anhänglichkeit, von welcher die Juden zu allem, was holländisch ist, beseelt sind. Holland war in der fürchterlichen Zeit der spanischen Judenaustreibung das gastliche Asyl, die Namen Uriel Acosta und Baruch Spinoza wecken in jeder jüdischen Seele einen ergreifenden Wiederklang. Von Holland aus giengen jene jüdischen Sendboten nach England, um bei Oliver Cromwell die Wiederzulassung der Juden auf englischen Boden durchzusetzen. Die holländischen Boers in Transvaal braucht man an der glorreichen oranischen Tradition nicht zu messen, sie sind durch die natürliche Beschaffenheit ihrer Staats- und Lebensbedingungen auf die Enge agrarischer Anschauung verwiesen und die Furcht vor allem Fremden — Ausländischen — ist ihnen vermöge ihrer Entwicklung gleichsam ins Blut übergegangen. Man kann auch von dem aufgeklärtesten Boer, auch von dem Präsidenten Krüger, billigerweise nicht verlangen, dass er die freie Auffassung eines in der modernen Civilisation gereiften Europäers bekunde. Die Thatsache ist nun aber doch vorhanden, dass auch in der Transvaal-Republik der Jude Veranlassung hat, sich nach Selbstbestimmung, Rechtssicherheit und Heimatsgefühl zu sehnen, und diese Thatsache, beglaubigt durch die Entsendung der Johannesburger Delegierten zum Baseler Gongresse, ist vielleicht eines der beredtesten Rechtfertigungsmerkmale des Zionismus. Denn immer muss man sich vor Augen halten, was die eigentliche causa movens der zionistischen Bewegung ist und auf welchen Existenzgrund sie sich beruft. Wir Juden — so lautet das durch die schrecklichsten Erfahrungen bekräftigte Credo des Zionismus — haben, wohin immer das Schicksal uns verschlagen hat, nicht zu gewärtigen, dass wir jemals aufhören werden, den anderen als Fremde zu gelten. Es mögen zeitweilig Intervalle kommen, in denen man uns dies weniger spüren lässt; aber ob man uns mit Zuckerbrot oder mit Peitsche tradiert, ist doch stets eine Frage der Willkür. Darin machen auch die erlauchtesten Staaten und die fortgeschrittensten Völker keine Ausnahme; der Brosamen der Duldung, der uns hingeworfen wird, kann uns dafür nicht schadlos halten, dass wir uns als Fremde, als Tolerierte, als Leute „ohne Haben und Ar“, als Heimatslose fühlen. Deshalb muss der Jude sich zurüeksehnen nach der heimatlichen Scholle, nach lebendigem-'Volksgefühl, nach persönlicher und rechtlicher Bürgschaft inmitten einer rastlos vorwärts drängenden Civilisation, an der er doch, auch unter den schwierigsten Bedingungen, die er als Jude zu erfüllen hatte, sich redlich seinen Antheil verdient hat. Ja, gerade weil er sich mit dieser Civilisation rückhaltslos identificierte. hat sich die Sehnsucht nach Zion in ihm mit realem Inhalt erfüllt, ist sie aus einer automatischen Geheisformel in ein leidenschaftliches Verlangen um gewandelt worden.* Und wie stark dieses Verlangen bereits ist, wie weit es reicht, das hat uns die Anwesenheit der zionistischen Transvaal-Delegierten auf dem Baseler Congress mit ganz besonderer Deutlichkeit zum Bewusstsein gebracht. Sie wirkte auch als blosse Thatsache wie ein wichtiges Ereignis. Wir brauchten nicht erst an die inneren Reibungen in der südafrikanischen Boers-Republik, nicht an VVitwatersraad und Uitlanderthum, nicht an die englisch-transvaale Convention und an die Unabhungigkeitsf age zu denken; für uns war es ohne weiters klar, dass ein neuer Beweis geliefert war für die Unwiderleglichkeit unseres Glaubens au den Sieg der zionistischen Idee. Ware dem diesjährigen Congress nichts anderes nachzurühmen, als dieser wahrhaft phänomenale Antheil der 'zionistischen Delegierten am südlichsten Rande des „schwarzen Infolge der Feiertage war es unmöglich, die „Mittheilungen des Actions-Comites“ dieser Nummer beizulegen.