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Die Welt · 1899-09-01 · 35 (1.9.1899) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
35 (1.9.1899)
Article
Sommerfrischlergedanken
Date
1899-09-01
Page
9 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 35 „Die Hr Welt44 Seite 9. den Körnersamen schwingen und in die Scholle des Heimatbodens streuen wird. Solche Gedanken sind es, die den Sommerfrischler überkommen, der in dankbar gefühlter Neukraft den Hügel hinanschreitet, von dessen umrauschter Höhe er auf sein wildrebenumrankt.es Häuschen niederblickt. Von der heiligen Erde fliesst Genesungswärme an ihm empor. Linde Luft und Du, von den letzten Thauperlen wiedergespiegeltes Sonnenlicht, was seid Ihr gut und mild! Und dann hebt sich mein Blick und sucht das ferne Land, dessen ich herzlich gedenke: Heimatland, geliebtes, ersehntes! Und wo meine Brüder, kernige Pionniere, auf Feldern, denen gleich, die ich hier zur Rechten un 1 zur Linken habe, in Hoffnungssorge sich mühen. Ich grüsse Euch! Und unwillkürlich kommen mir die wundervollen Verse des neuhebräischen Dichters ins Gedächtnis: „Wie hab’ ich Euch, blühende Felder so gerne, Bin froh, Euch zu schau’n! Ihr lasst mich der Brüder gedenken, die ferne Die Heimat bebau’n! Auf Hügels Hohe zur selbigen Stunde Und hergewendet, Erwidern den Gruss sie mit zuckendem Munde, Den ich gesendet! Der vermeintliche heilige Leuchter. Von Herrn Dr. Grünt ut in Jerusalem erhalten wir die folgende interessante Zuschrift: In Nr. 30 Ihrer werten Zeitschrift (S. 10) brachten Sie eine Notiz, in der es sich um den bei den Ausgrabungen am Ponte Sixto aufgefundenen Leuchter handelt, welcher bekanntlich als aus dem Tempel in Jerusalem stammend ausgegeben ward. Dies wird dort eben bestritten, u. zw. aus dreifachen Gründen. Erstens: Der im Tempel von Jerusalem im Gebrauch gewesene Leuchter war aus massivem Golde, der neulich aufgefundene aber ist ein bronzener — „der“, so wird dort hinzugefügt, „von einem römischen Künstler etwa zweihundert Jahre vor der Zerstörung des Tempels für den einfachen Hausgebrauch angefertigt wurde.“ Hiegegen ist zunächst zu erinnern, dass keine Nachahmung der heiligen Geräthe, welche sich im Tempel befanden, gestattet ist, nicht einmal zur Verwendung in Synagogen oder Lehrhäusern, geschweige für den Privatgebrauch. Vergl. Mechilta editio Friedmann, S. 73, ferner Tr. Roscli- Haschanah S. 23 a und b und Parallelstellen. Man müsste denn annehmen, dass ein Nichtjude sich den in [Rede stehenden Leuchter anfertigen liess, was mir aber völlig ausgeschlossen scheint. Die anderen zwei Gründe lauten: „Der Leuchter hat gar keine Aehnlichkeit mit dem Leuchter, der auf dem Triumphbogen des Titus . .. zu sehen ist. Zudem ist es ja bekannt, dass der Leuchter aus dem * jerusalemischen Tempel ... in die Tiber geworfen wurde, wo er noch heute im Schlamme vergraben liegt. „Er kann daher“, wird scheinbar mit Recht gefolgert, „nicht anderwärts vergraben sein.“ Die Folgerung scheint richtig, ist es aber nicht. Sie setzt voraus, dass es im Tempel keinen bronzenen oder ähnlichen Leuchter gegeben hat. Liesse sich aber nachweisen, dass es wohl einen solchen gegeben, und dass der sogar v e rschieden von dem goldenen war, dann stürzen alle drei Gründe in Nichts zusammen. Denn wenn der goldene Leuchter nach Rom kam und noch heute in der Tiber vergraben liegt, so schliesst das nicht aus, dass der bronzene anderwärts aufgefunden werden kann. Es wird daher im Nachstehenden unsere Aufgabe sein, nachzuweisen, dass es thatsächlich einen solchen oder doch zumindest ähnlichen Leuchter im Tempel gegeben hat, u. zw. gerade etwa zweihundert Jahre vor der Zerstörung des Tempels. . In der citierten Boraitha (R. H. 24 b) wird die Frage aufgeworfen ob es gestattet sei, einen hölzernen, siebenarmigen Leuchter anzufertigen. Die Antwort lautet: Nein. Motiviert wird sie durch folgende Erzählung : Als die Hasmonäer nach der Vertreibung der Syrer aus Jerusalem an die Reinigung des Tempels giengen — also unter Juda Makkabi — da fanden sie den heiligen Leuchter nicht und so mussten sie sich in der Eile und aus Mangel an edlem Metall eines hölzernen bedienen. Und was einmal im Tempel war — führt der Mischnah-Lehrer *) aus — darf nun nicht nachgeahmt werden. Demgegenüber machen die Weisen geltend, jener Leuchter sei nicht aus Holz, sondern aus Eisen (Sp"D) an” gefertigt worden, jfjQ QHsm; später machten sie einen aus Silber, noch später, als wieder Gold in das Land kam, machten sie einen goldenen Leuchter. Was ist aber y'ff'Z? Nichts anderes als Zinn. — Was wissen wir. O n k e 1 o s (Numeri 37, 22) übersetzt es mit 8^28 S° lesen unsere Ausgaben, welche La. aber entschieden falsch ist. Editio Berliner liest dafür was richtig sein kann, wenn man es für eine Metathesis für das talmudische pp;} annehmen will. Für jeden Fall kann unser pjQ nichts anderes als Zinn bedeuten (Vergl. A r u ch s. v.), was gemengt mit Eisen oder einem ähnlichem Metalle, eine Art Bronze gegeben hat. Auch war dieser Leuchter anders beschaffen als der heilige Leuchter im Tempel sein sollte. Für diesen fordert die Bibel: Kelche, Knäufe und Blumen, jener hat dies alles entbehrt. Darum heissen auch seine Arme Vergl. die Tossafiten zur bezogenen Talmudstelle s. v. D^TlB^- Diese Beschreibung passt ganz auf den Leuchter, der am Ponte Sixto aufgefunden wurde. Indess soll hiemit die Identität nicht schon als erwiesen hin gestellt werden; für jeden Fall aber mahnt dies zur Vorsicht, nicht voreilig zu urtheilen. Die Sache muss erst von Fachmännern untersucht und geprüft werden, ehe man sich für ein Pro oder Contra entscheidet. Wichtig ist der Gegenstand genug, um die Mühe nicht zu scheuen. Eine Handhabe zur weiteren Untersuchung mögen vorstehende Zeilen liefern. Die russischen Juden und die Wehrpflicht. Die in Petersburg erscheinende Zeitung „Chronika Wosschoda“ brachte kürzlich einen interessanten Leitartikel, der in wortgetreuer UÜbersetzung also lautet: Der im „Regierungsanzeiger“ publicierte Bericht des .Ministers des Innern über die Resultate der Einberufung zur Wehrpflicht im Jahre 1898 gibt einen neuen ziffermassigen Beweis des längst festgesetzten, aber aus irgendwelchen Gründen noch nicht anerkannten Factums, dass die Juden sich der Wehrpflicht, nicht nur nicht „entziehen“, sondern zum Heere ein Contingent Recruten stellen, welches die gewöhnliche Norm bedeutend übertrifft. Der „Regierungsanzeiger4 ist ein officlelles Organ, welches in allen Redactionen und Behörden gehalten wird, und wir fordern^ alle diejenigen auf, welche sich für die Aufklärung der Wahrheit interessieren, die Nr. 47 dieser Zeitung vorzunehmen, die Zahlen durchzugehen und folgende sehr einfache Aufstellung zu controlieren : Einberufen wurden im vorigen Jahre 953.195 Mann, darunter 51.410 Juden, und zum Militär angenommen wurden im ganzen 284.583 Mann. Es wurden also 29*857% der Einberufenen angenommen. Bei einer regelrechten und gleichmässigen Verkeilung der Gesammtzahl der Ausgehobenen zwischen Juden und Nichtjuden müssten der Aushebung unterliegen 269.235 Nichtjuden und 15.348 Juden. In der That sind aber ausgehoben worden: 267.988 Nichtjuden (um 1247 Mann weniger als nach der Norm erforderlich sind) und 16.595 Juden (um 1247 Mann mehr als die Norm). Mit anderen Worten: die Juden haben 1247 der Aushebung unterliegende Nichtjuden ersetzt. Die Ungleichmässigkeit der Verkeilung wird besonders klar, wenn man *) R. Jose bar R. J e h u d a.

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