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Die Welt · 1899-09-01 · 35 (1.9.1899) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
35 (1.9.1899)
Article
Generalversammlung der jüdischen Colonialbank
Date
1899-09-01
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 „Die A Welt“ Nr. 35 Als Stellvertreter: Feldstein (Warschau) und Nachmias (Bukarest). * * * Aus Anlass des Geburtsfestes des Kaisers Franz Josef I. fand Freitag nachmittags 2 Uhr in der Baseler Synagoge ein Festgottesdienst statt, dem die österreichischen Delegierten des Zionistencongresses beiwohnten. Chiefrabbi Dr. G a st e r, London, hielt die Festrede. Der berühmte Kanzelredner hob die ausgezeichneten Herrschertugenden des greisen Monarchen hervor. Er bemerkte, dass es ihm eine hohe und besondere Freude sei, zu Ehren dieses Monarchen, der die Juden zu schützen wisse, zu sprechen. Die Juden, hier zu einem jüdischen Congresse versammelt, halten die Vaterlandsliebe so hoch, wie irgend ein anderes Gut. Sie wollen Juden sein und bleiben, aber sie beten für das Wohl der Herrscher jener Länder, die ihnen zum zweiten Vaterland geworden. Darum haben auch die hier anwesenden Oesterreicher den heutigen Tag nicht vergessen, und sie senden ihre Gebete empor zum Himmel für das Wohlergehen des Kaisers, den sie als treuen Freund und Beschützer verehren. Das Gebet für den Kaiser wurde von Herrn Obercantor D r u j a n gehalten, der in bekannter Meisterschaft den liturgischen Theil des Festgottesdienstes in der vorgeschriebenen Weise verrichtete. * 4- * Wir haben noch nachzutragen, dass in die Colonisations-Commission auch Herr Rosenblüth aus Ploesti gewählt worden ist. * * Das in München erscheinende „Vaterland“, eine grobe antisemitische Zeitung, bringt folgenden hübschen und, wie die Congresstheilnehmer bezeugen können, wahrheitsgetreuen Bericht: Schweiz. Der dritte Zionistencongress in Basel fand einen echt jüdischen Abschluss. Es trat nämlich ein gewisser „Schriftsteller“ Triesch aus Philadelphia auf, der sich für die Auswanderung nach Cypern aussprach, da in Palästina den Christen verschiedene Districte zur autonomen Verwaltung garantiert seien. Darauf erhob sich ein furchtbares Gemauschel der erzürnten Jüdenschaft, das immer stärker wurde, so dass Herr Triesch seine eigenen Worte nicht mehr verstehen konnte und seinen Sermon abbrechen musste. Das Gemauschel gieng schliesslich in eine solenne Prügelei über, welcher Dr. H e r z 1 nur durch den Hinweis auf den hochheiligen Sch a b e s ein Ende machen konnte. Und diese Gesellschaft will sich in Zukunft selbst regieren? Vielleicht schlagen sie sich dann einander todt und die Juden frage ist definitiv gelöst. „lieber Veranlassung des Herrn Ed. Sshwage r-Tamow haben nachfolgende Vorstandsmitglieder des Vereines „Ahawas Zion“ in Tarnow eine an den Baseler III. Congress gerichtete Beglückwünschungs-Adresse und Sympathiekundgebung unterfertigt: Der Vizepräsident Julius Hochfeld (Lemberg), die Secretäre Dr. med. Anselm Ader (Tarnow) und Eduard Schwager (Tarnow), die Ausschussmitglieder: A. Apfelbau m (Rzeszow), Moses Aschkenasy (Zbaraz), Emil B r o ch (Tarnow), Herman Engelberg (Tarnobrzeg), Chaim Fried mann (Boryslaw), Lazarus Landau (Gorlice), Sigmund Lifschütz (Brody), B. Maschler (Tarnow), Wolf Strammer (Jaroslau), L. Taubes (Kolomea), A H. Z up nik, Präsident des „Zion“ (Drohobycz), J.M. Eozmarin (Lancut), E. S. Neumark (Tarnow), D. H. Tiger (Lemberg). Eine zweite, mit zahlreichen Unterschriften bedeckte Beglückwünschungs-Adresse aus Tarnow sandten: die zionistische Jugend und der Verein „Haschachar“. * * * Bei den Verhandlungen des dritten Zionistencongresse hat ein Hammer ' statt einer Glocke auf dem Präsidententische des Amtes gewaltet. Dieser Hammer wurde von den amerikanischen Zionisten als Widmung an Doctor Herzl gesendet und ist ein Schaustück der Drechslerkunst. Er besteht aus Ebenholz und Elfenbein, hat reichen Silberbeschlag und ist mit hebräischen Sinnsprüchen und dem jüdischen Löwenwappen geschmackvoll verziert. Der Hammerkopf trägt das Brustbild Dr. H e r z 1 s in Email auf Perlmutter. In Niv34 soll es auf S. 20, von ob. Z. 9 statt „Gründerspesen44 richtig heissen: „Gründershares“. * * * Wie Dr. Herzl in Basel erzählte, arbeitet er an einem Roman, welcher die Zustände des neuzuschaffenden Gemeinwesens, zwanzig Jahre nach der Entstehung, schildert. * * * Rede der Frau Professor Gottheil (New-York). Gehalten am ersten Congresstage, Meine Damen und Herren! Ich bin stolz darauf, diesem Congresse anwohnen zu können, auf dem zürn erstenmale die Gleichheit des schwachen mit dem männlichen Geschlechte zum Ausdrucke gelangt. Ich möchte Ihnen nur erzählen, wie die Situation unserer Frauengesellschaften in Amerika ist. Bei meiner Rückkehr im vorigen Jahre von diesem Congresse gab es in New-York bloss eine einzige Frauengesellschaft. In den übrigen Vereinigten Staaten gab es gemischte Gesellschaften, aus Frauen und Männern bestehend. Heute haben wir in New-York 5 Frauengesellschaften, und ich glaube nicht, dass es in den ganzen Vereinigten Staaten eine einzige Stadt gibt, in der keine solche Frauengesellschaft bestände. Ich kann bloss von der Umgebung von New-York sprechen. In Brooklin, Jersey, Baltimore, Philadelphia und Washington, überall nehmen die Frauen an der zionistischen Bewegung theil. Und wie könnte es anders sein? Ist es nicht unsere Pflicht, die Pflicht der Frauen Israels, mitzuarbeiten an der Restaurierung des jüdischen Volkes? Ist es nicht unsere Pflicht, an unsere Kinder zu denken? Ich will noch weiter gehen. Ich würde sagen : Ijjs ist unsere Pflicht, dass, solange nur noch ein Jude in SclaVerei sich befindet und leidet, wir uns alle noch als Sclaven betrachten sollen. Denn wir leiden alle mit ihnen. Darum haben wir Frauen Amerikas die Interessen des Zionismus zu unserer Herzenssache gemacht. Und wir thun das Menschenmöglichste, um diese Realisierung des zionistischen Ideals durchzuführen. Die Schwierigkeiten sind gross und ich brauche es Ihnen nicht zu sagen. Prof. Gottlieil hat es Ihnen gerade mitgetheiit. Aber unsere Bestrebungen haben sich trotzdem nicht einen Augenblick verlangsamt und ich kann sagen, dass heute der Zionismus in Amerika geachtet ist (Stürmischer Beifall). Ich muss Ihnen übrigens sagen, dass die intelligenten Frauen, gestatten Sie mir diesen Ausdruck, in Amerika durchwegs Zionistinnen sind (Stürmischer Beifall). Ganz besonders beglückwünschen wir uns, dass in New-York, in der ältesten Congregation, eine zionistische Vereinigung zustande gebracht wurde, nämlich in der portugiesischen Synagoge. Hier haben wir wohl eine gemischte Gesellschaft, aber die Frauen in dieser Gesellschaft sind Zionistinnen von ganzem Herzen (Stürmischer Beifall), und wenn wir es auch in diesem Augenblick zu keinem grossen Resultate gebracht haben, in dem nächsten Jahre hoffe ich ein besseres mittheilen zu können, wenn ich wieder hieher komme. Und nun noch eines. Bei der Banksubscription sind in Amerika die eifrigsten Theilnehmer die Frauen gewesen. Es ist mir eine angenehme Pflicht, den Namen einer solchen zu erwähnen. Es ist unsere Secretärin Mlle. Fisch mann, ein junges 19jähriges Mädchen, welches für sich allein hundert Subscriptionen für die Bank zustande gebracht hat. Ein Verein, der aus 60 jungen und gewiss armen Fabriksarbeiterinnen besteht, hat selbst 30 Actien gezeichnet. Die Frauengesellschaften haben gethan, was sie thun konnten, und ich hoffe, es wird noch besser werden. Aber ich will, dass unser bescheidenes Beispiel unseren Schwestern in Europa zum Ansporn gereichen möge, dass sie trotz aller Schwierigkeiten, welche sich ihnen entgegenstellen, nicht vergessen sollen, ihren Eifer zu verdoppeln und ihr

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