Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 35 (1.9.1899)
- Article
- Generalversammlung der jüdischen Colonialbank
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 3 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 36 „Die Hl Welt“ Seite 3 Nachträge zum Gongress. Generalversammlung der Jüdischen Colonialbank. Donnerstag, den 17. August, fand in Basel unter dem Vorsitze des Herrn Wolffsohn sowohl eine ausserordentliche, als auch eine ordentliche Generalversammlung der Action äre des Jewish Colonial Trust statt. Die erstere betraf mehrere Modifieat i o n e n der Gesell Schafts - Statuten, deren wichtigste den Zweck hatte, die Colonisation auf Syrien und Palästina zu beschränken. Die dahingehende Resolution wurde einstimmig angenommen. Im Ganzen waren 217 Actionäre anwesend. Auch in der ordentlichen Generalversammlung führte Herr D. Wolffsohn aus Cöln den Vorsitz, an dessen beiden Seiten die Directoren, die vollzählig erschienen waren, Platz genommen hatten, während die Mitglieder des Aufsichtsrathes gegenüber sassen. Als Vertreter der Rechtsanwälte war Herr B entwich von der Firma Bentwich, Watkin Wilhams & Gray zugegen. Nachdem der General-Secretär Herr James H. L o e w e die Bekanntmachung behufs Einberufung der Versammlung verlesen hatte, wies der Vorsitzende darauf hin, dass der von dein stellvertretenden Vorsitzenden Herrn J. Kann anlässlich der kürzlich abgehaltenen statutarischen Versammlung gegebene Bericht einen vollständigen Ueberblick über die Geschichte der Gesellschaft enthalten habe, so dass er sich heute auf rein geschäftliche Angaben beschränken könne. Infolge des kurzen Bestehens konnte den Actionären keine Bilanz vorgelegt werden, eine solche sollte, wie üblich, nach Ablauf des ersten Geschäftsjahres veröffentlicht werden. Die Gesammtzahl der bis jetzt subscribierten Actien betrug circa 300.000, wovon 257.000 bereits registriert waren. Die Zahl der über die ganze Welt vertheilten Städte und Plätze, aus denen Subscriptionen eingelaufen waren, überschritt 1000. An Actionären zählte man 100.000 und die Zahl wuchs noch täglich. An barem Gelde waren 59.235 Pf. St. 16 6 Sh. in Theilbeträgen von 10.000 Pf. St. bei den ersten Banken Londons zinsbringend deponiert, während das Guthaben der Gesellschaft auf dem Continent circa 4000 Pf. St. betrug. Die zweiten Raten waren fällig und werden bereits in vielen Orten eingezahlt. Die Ausgaben für die Gründung dieser phänomenalen Gesellschaft waren dem ursprünglichen Anschläge gleichgekommen, und zwar zwischen 8—10.000 Pfund Sterling, einschliesslich sämmtlicher Spesen von der ursprünglichen Inception des Planes bis fast zum heutigen Tage. Diese Summe schloss u. a. ein 2051 Pf. St. 5 Sh. für Stempelsteuer auf das Capital, 1000 Pf. St. für eine neue Stempelgebür auf die Zutheilungsbriefe, die nur einen Monat vor Zutheilung der Actien in Kraft getreten war. Ferner die sämmtlichen Ausgaben für Miethe, Salaire, Gerichtskosten, Drucksachen in vielen Sprachen, Fracht, Reisespesen, Porto und Depeschen. Sowohl die Fiscal-Behörden, wie die Rechnungsrevisoren behaupteten, dass die Liste der Actionäre die grösste der Welt sei, und verlangten für die Gesellschaft eine demgemäss ausnahmsweise Behandlung, welche eine sehr kostspielige gewesen war. — Der Vorsitzende wies darauf hin, dass die ganze Arbeit, die sonst über 15 Monate hätte repartiert werden sollen, innerhalb 4 Monaten von ihnen ausgeführt worden sei, nämlich die ursprüngliche Gründung, die Subscription, die Actienzutheilung, die Register, die statutarische und die Generalversammlung, und die Actionäre würden demnach beurtheilen können, was nothwendig gewesen ist, um alles zum Congress fertig zu haben.— Schliesslich gab der Vorsitzende einige Informationen in Betreff des interimistischen Bankbureaus in Basel uni sprach den Dank der Directoren aus für das zahlreiche Erscheinen der Actionäre. Hierauf wurde den Directoren der Dank der Actionäre für den ausführlichen Bericht votiert und Herr W olffsohn aufgefordert, den Vorsitz weiter beizubehalten bis zur Wahl der neuen Directoren, da die bisherigen in Gemässheit der Statuten nunmehr zurücktraten. Auf den Vorschlag von Herrn V ogelsohn aus Lodz wurden die jetzt resignierenden Directoren einstimmig wiedergewählt, zusammen mit Herrn Dr. Katzenellsohn an Stelle des früher schon demissionierten Herrn S. L. H e y m a n n. Herr Dr. Katzenellsohn war von den Directoren warm empfohlen worden und hatte die Absicht, bereits nach London abzureisen. Der besondere Dank der Directoren wurde auch Herrn S. L. Heymann ausgesprochen für seine schwere, aber erfolgreiche Arbeit in den präliminaren Stadien der Gründung. Die Rechnungsrevisoren, Herren Jackson, Pixley&Co., welche in der Buchführungs-Abtheiiung der Gesellschaft Ausserordentliches geleistet hatten, wurden einstimmig wiedergewählt. In Beantwortung einer Anfrage seitens mehrerer Actionäre erklärte der Vorsitzende, dass die Bureaus der Bank nicht nur niemals am Sonnabend offen gewesen waren, sondern dass dieselben auch in Zukunft eine halbe Stunde vor Eingang eines jeden Sabbathes und eines jeden Festtages bis zum Schluss dieser Festtage streng geschlossen bleiben. Diese Mittheilung wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen und die Versammlung schloss mit einem Dankesvotum für die Directoren, den General-Secretär und das Londoner Personal. * * Ins Präsidium des Cougresses wurden ausser Doctor Herzl noch gewählt: als Vizepräsidenten Dr. MaxNordau, Dr. Moses Gaster und Dr. Max Mandelstamm. Als Beisitzer fungierten : Dr. Kohan-Bernstem, Professor Doctor Gottheit, D. Wolffsohn, S. Pineies, Dr. Kornhäuser, Doctor Bodenhelmer, Dr. Jasinowski. Als Schriftführer wurden gewählt: Ingenieur Ussischkin, Dr. Niemirower, De Haas, Frau Professor Gottheil, Dr. Klee, Dr. Isidor Marmorek, Ben-Ami und Ingenieur Temkin. Damit war das Bureau des Kongresses constituiert. * . * * In das Wiener Actionscomite wurden gewählt: Dr. Herzl, Dr. Kokesch, Dr. Kah n, Doctor Schnirer und Architekt Dr. Marmorek. Die Wahlen für die einzelnen Landsmannschaften ergaben folgendes Resultat: Galizien: Dr. Rosenheck, Dr. Kornhäuser, Dr. A. K o r k i s. Bukowina: Dr. Mayer-E b n e r. Oesterreich - Ungarn: Dr. Schreier (Brünn), Dr. Weiss (Graz). Amerika: Prof. Gottheil, Rev. St. 8. W i s e. Transvaal: Ingenieur L. Kessler. Frankreich: Dr. A. M ärmere k. Schweiz: Dr. Friedmann. Bulgarien: Dr. Carl Herbst. Italien: Dr. P. Ravenna (Ferarra). England: Dr. Umanski, M. J. Cohen, Sir Francis Montefiore. Belgien: S o 1 k o w s k y. Aegypten: Bogdadli. Rumänien: Dr. Lippe, 8 Pin eies, Dr. J. Stern. Deutschland: Dr. Bodenheimer, Dr. Rülf. Russland: Dr. Jasinowski, Temkin, Dr. Bruck, Prof. Mandelstam m, Dr. T s c h 1 en o f f, Ussischkin, Profe sor B i e 1 k o w s k y, Rabbiner Rabbino wicz, Bangiersky, Dr. Kohan- Bernstein, Jakobsohn. Als Revisoren wurden gewäh’t: Gustav G. Koben (Hamburg) und Solis-Cohen (London).