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Die Welt · 1899-08-25 · 34 (25.8.1899) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
34 (25.8.1899)
Article
Die Rede Dr. Max Nordaus
Date
1899-08-25
Page
5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 „Die H Welt“ Seite 5 wehren ihn empört ab. Aber gerade ihre Geistes- und Gharakter-Eigenthümlichkeiten bürgen mir dafür, dass sie ihren Widerstand aufgeben werden, wenn wir erst einenAnfang von greifbarenErgebnissenaufzuweisen haben werden. (Heiterkeit) ImKampfe haben wir auf diese Juden nicht zu rechnen. Manche von ihnen werden uns sogar in den Rücken fallen. Im Siege aber werden voraussichtlich viele von ihnen zu uns kommen. Nun, sie sollen uns auch dann willkommen sein. (Allgemeine Zustimmung und lebhafter Beifall.) Sie sind ja für ihre kurzsichtige Seele und für ihre Kleinmüthigkeit nicht verantwortlich. Ich werde Sie vielleicht in Erstaunen setzen, wenn ich Ihnen sage, dass ich selbst die Renegaten, die jüdischen Antisemiten, die Speichellecker der adeligen Salons milder zu beurtheilen gelernt habe. Ich habe sie bei frommen, christlichen Veranstaltungen in aristokratischen, grösstentheils schroff antisemitischen Gesellschaften verbrennen sehen. Ich habe in den Büchern ausgezeichneter Beobachter, wie Anatole France und anderer, gelesen, was sie alles zu erdulden haben, um sich in antisemitischen Adelskreisen einzuschleichen, mit welcher Schmach sie sich tränken lassen müssen, um auf einem gräflichen Balle zu tanzen oder einem herzoglichen Pumpbruder Geld leihen zu dürfen. Da begriff ich erst diese Leute und ihr Wesen. Da erwachte erst in mir die Erkenntnis, dass sie die echten Söhne der grossen Vorfahren sind, die auf der Folterbank und auf dem Scheiterhaufen ihr edles Leben aushauchten. Auch sie erleiden freiwillig alle Martern ' und selbst den Feuertod. Auch sie entfalten ebensoviel Heldenthum, um ihr Judenthum zu verleugnen, wie ihre grossen Väter, um dem Judenthume treu zu bleiben. (Tosender Beifall und lang anhaltendes Händeklatschen im Saale und auf der Gallerie.) Grollen wir diesen armen Blutzeugen der Assimilation nicht. (Heiterkeit.) Begnügen wir uns damit, uns von ihnen loszusagen, wie sie sich von uns lossagen. Rechnen wir auch auf die „Praktischen“ nicht, die uns anheim geben, uns im Kampfe die Knochen zerbrechen zu lassen und die sich Vorbehalten, zu uns zu kommen, wenn der Sieg errungen ist. Dagegen dürfen wir nichts unversucht lassen, um zu der jüdischen Menge zu gelangen, die vom Zionismus noch nichts oder nicht das Richtige gehört hat. Wenn unsere natürlichen Mitarbeiter, die Rabbiner, uns im Stiche lassen, nun, so wird es ohne sie gehen müssen. Wir müssen und werden es erreichen, dass die ungeheuere Mehrheit des jüdischen Volkes ihre zionistische Gesinnung, ihren Willen zu nationalem Dasein laut vor aller Welt bekennt. (Lauter und lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Aber dazu ist erforderlich, dass jeder einzelne Zionist sich immer und überall seines Apostelamtes voll bewusst bleibe. Passive, beschauliche Zionisten, Rentner des Zionismus, Zionisten des Ruhestandes, darf es nicht geben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir müssen unausgesetzt predigen, leimen, werben. Das Flaggensignal, das wir für unsere ganz heilige Kämpfer schar hissen, ist dasjenige Nelsons am Tage von Trafalgar: „Israel expects everybodv to do hw duty!“ „Israel erwartet, dass Jeder seine Schuldigkeit thut!“ (Stürmischer, sich immer wieder erneuernder Beifall und Händeklatschen. — Hüte- und Tücherschwenken auf den Gallericn. — Redner wird von allen Seiten beglückwünscht.) Finanzbericht des Actionscomites. Erstattet am ersten Verhandlungstage des III. Zionistencongresses von Dr. 0. Koke sch. Die treibende Kraft der zionistischen Bewegung ist nicht das Geld. Mag dies auch in vielfacher Beziehung mit Recht der nervus rerum genannt werden, zur Entstehung und Entwicklung unserer Bewegung waren ganz andere Factoren massgebend: die moralische und physische Noth unseres Volkes, das sehnsüchtige Verlangen, derselben zu entrinnen, das Fehlschlagen und das Fehlen anderer Mittel zur Beseitigung derselben, die durch unsere Religion und Tradition erhaltene Liebe zu unserem uralten Heimatlande, die Begeisterung unseres Volkes und die aufopferungsvolle Arbeit Einzelner. . . Das sind die treibenden Kräfte unserer Bewegung, welche für gar kein Geld in der Welt angeschafft werden könnten. Aber die beste Maschine, die von unversiegbaren Kräften getrieben wird, kann des Oeles nicht entbehren und dieses Oel ist für uns das Geld. Die Hauptquelle, aus der uns dieses Oel. zufliessb ist die Schekelinstitution. Nebstbei kommen anch Spenden ein. Die Einnahmen vom Erlöse zionistischer Agitationsmittel, wie Broschüren, Medaillen, Nadeln etc. sind eigentlich nur eine Deckung der für dieselben gemachtem Auslagen und sollen .hier nur der Vollständigkeit halber am geführt werden. Was die Schekelinstitution betrifft, hat sich dieselbe bereits eingebürgert. Jeder Zionist weiss, dass er mindestens einen Schekel im Jahre zu bezahlen hat und viele warten nicht einmal, bis man ihn eincassiert,, sonderst bringen oder schicken ihn selbst. Der Modus der Schekeleinhebung ist ja allbekannt. Die Controle ist auf mehrfache Weise gesichert: 1. Die Schekelquittungen werden aus einem ei gen s; hierzu fäbricierten Papier mit zionistischem Wasserzeichen hergestellt und in Blocks ä 25 Quittungen ausgegeben; Ueber die ausgegebenen und zurückgestellten Blocks und über die auf dieselben eingezahlten, aus den Juxten ersichtlichen Beträge wird genau Buch geführt. 2. Gleich nach Einführung der Institution wurde .bestimmt, dass eingehende Beträge von drei Mitgliedern des Actionscomites bestätigt werden müssen und dies in der „Welt“, dem von den meisten Zionisten gm lesenen Blatte, veröffentlicht werden. 3. Vor den Wahlen zum Congresse werden für jeden Wahlkreis besondere Listen der Schekelzahler angefertigt und jedem Wähler zugesandt, so dass sich jeder Schekelzahler aus dem Vorhandensein seines Namens in der Liste überzeugen kann, dass der von ihm an den Blockinhaber bezahlte Schekel 'an die Centrale abgeführt wurde. Eine Ausnahme wird diesbezüglich aus localen Gründen nur in einigen Ländern gemacht. Die Gesamintsumme der im abgelaüfenen Congressjahre eingegangenen Schekel beträgt. . . . . FL 114,370.15 Die eingeiäufenen Spenden betragen . . „ 2,005.— Der Erlös der Agitationsmittel beläuft sich auf.. . . ... . . „ 1,028.35 Es ist zu bemerken, dass die Schekelzahlung in diesem Jahre durch die Banksubscriptiön beeinträchtigt war. Die Ausgaben zerfallen in Administrations- und Agitationsspesen. Zu ersteren gehören: Die Erhaltung der Bureaux in Wien und Basel, sowie in den anderen Ländern.- die Spesen der Schekehnanipulation und die umfangreiche Correspondenz. . . Zu letzterer : Agitationsbroschüren, Subventionen und Reisespesen etc. Die Gesammteinnahoien uiijl -Ausgaben stellen sich wie folgt dar : '

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