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Die Welt · 1899-08-18 · 33 (18.8.1899) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
33 (18.8.1899)
Article
Stimmungsbilder
Date
1899-08-18
Page
5 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 33 „Die H Welt“ Seite 5 gegen die Urheber des schändlichen Verbrechens herrscht allgemeine Erbitterung. * Das Extrablatt der „Nationalzeitung“ charakterisiert treffend die Stimmung. Es lautet: „Bulletin der Nationalzeitung. Basel, den 14 August 1899 (mittags 12 Uhr). Attentat auf L a b o r i, Rennes, den 14. August. Heute morgens, als Labori sich, wie gewohnt, ins Kriegsgericht begeben wollte und den Quai Chateaubriand betrat, tauchte hinter einer Mauer plötzlich ein zerlumptes Individuum auf und gab auf Labori aus unmittelbarer Nähe einen Revolverschuss ab. Labori, mitten in den Rücken getroffen, taumelte und stürzte zu Boden. Passanten dessen ihm die erste Hilfe angedeihen. Der Zustand Laboris soll sehr ernst sein. Es ist eine heftige Blutung eingetreten. Die Sitzungen des Kriegsgerichtes sind suspendiert. (Es muss nach den „niederschmetternden Aussagen des Generals Mercier“ mit der Sache des Generalstabs nicht am besten stehen, dass ihr ein Meuchelmord an dem sympathischen und hochbegabten Vertheidiger Z o 1 a s und Mitvertheidiger D r e y f u s' nachhelfen soll. Eine Verschiebung der Entscheidung erreichen die Gegner allerdings, aber, so hofft die ganze rechtlich denkende Welt, die Vergeltung soll die Schuldigen nur um so sicherer treffen).“ * * * Montag um halb 5 Uhr nachmittags findet eine Sitzung der österreichischen Delegierten statt. Um 6 Uhr tagt die galizische Landsmannschaft. * * -k- Für die Sitzung der Culturconferenz wird folgender Antrag vorbereitet: In den palästinensischen Schulen sind hebräische Lehrbücher der allgemeinen Wissenschaften einzuführen. * * * Montag, G Uhr abends. Bis zur Stunde sind 377 Delegierte vorgemerkt. * -i- * Das Delegiertenabzeichen ist ebenso wie im Vorjahre ein Davidsstern auf lichtblauer Rosette. — Die Delegiertenkarten zeigen sinnige Rand Verzierungen; den siebenarmigen Leuchter, dann eine Gruppe symbolischer Gestalten: einen ehrwürdigen Greis, der über drei jüdische Feldarbeiter segnend die Arme breitet. * * Die amerikanische Presse ist am Congrcsse durch 8 Berichterstatter vertreten. Am.Abend konnte man ein interessantes Schauspiel beobachten. In einem dämmerigen Winkel der Gallerie, mit den Gesichtem gegen die Ostwand des Gongresssaales, stellt ein „Minjan“ Juden und verrichtet das Mincha-Gebet. Es kommen einem unwillkürlich die Abbildungen der Jerusalemer Klagemauer in den Sinn. Pie Beter sind russische Juden, darunter einige Rabbiner. Die langen Bärte, die sdmr (geschnittenen Züge, die schwarzen Talare, die zahlreichen Verneigungen, die singende Gebetweise — ein typisches Stück Orient . . . -i- Aufsehen erregte die Ankunft der T r a n sv a a l e r Delegierten. Wie uns Herr Leopold Kessler aus Johannesburg mittheilt, währte die Reise von Johannesburg nach Capstadt drei Tage. Die Reise nach Southampton per Schiff dauerte IG Tage. Dazu kam dann die Reise von England nach Basel. Die Transvaaler Delegierten repräsentieren zusammen 18 Hundertschaften, also 1800 Wähler. Der Zionismus hat, wie wir von Herrn Kessler erfuhren, in Transvaal sehr begeisterte Anhänger. Der Hauptstock der dortigen Zionisten recrutiert sich zumeist aus eingewanderten russischen Juden. Die wirtschaftliche Lage der Juden in Transvaal ist nicht ungünstig. Sie schliessen sich dem Zionismus nur an, um das Los ihrer bedrückten Brüder lindern zu helfen. Bekanntlich hat sich Transvaal in hervorragendem Masse an der Actienzeichnung betheiligt. * * * I. Sitzung. Dienstag vormittag. Der Saal ist dicht besetzt. Nach oberflächlicher Schätzung dürften 300—100 Delegierte im Saale sein. Die erste Sitzreihe ist von Damen occupiert, die Gallerie dicht besetzt, auch dort die Damen in grosser Zahl. Die Spannung des Augenblickes auf allen Mienen. Auf den Ehrenplätzen der Gallerie nehmen die Rabbiner aus Russland, R u m ä n i e n, G a 1 i z 1 e n Platz. Plötzlich stürmischer Applaus, Händeklatschen, Tücherschwenken. Auch die Gallerie betheiligt sich an dem Beifallssturm. — Her zi, Nordau und die anderen Mitglieder dos Actions-Comites erscheinen auf der Tribüne; Chiefrabbi G a s t e r aus London und S. Pineies aus Gal atz sitzen neben dom Präsidium. Nachdem sich der Beifall gelegt, beginnt H er z 1 zu sprechen. Die Rede Dr. Herzls. Geehrte Gongressmitglieder! In der feierlichen Stunde, da sich die Abgeordneten des jüdischen Volkes, aus weitesten Fernen kommend, hier vereinigen, sei unser erstes Wort ein Dank an die schöne, freie Stadt, die uns wieder gastlich aufnimmt. Diese Dankbarkeit wird nicht nur von den hier Versammelten empfunden, sondern auch von ihren Auftraggebern in sehr entlegenen Theben der Welt. Basel, der Baseler Gongress, das Baseler Programm — diese Worte klingen unserem Volke heute schon vertraut und bedeuten ihm einen Trost, eine Hoffnung. Zum drittenmale sind wir hier, um die Beschwerden und Wünsche einer Nation zu erörtern, die wieder zum Leben erwachen will. Es mochte anfangs scheinen, vielleicht scheint es manchem auch jetzt noch so, als ob nicht viel damit getlian wäre, dass wir hierherkommen und Reden halten, Reden voll von Seufzern. Aber diese Zweifler übersehen, dass auch in anderen Vertretiingskörporn nur geredet wird. Und wer wird leugnen, dass Reden von solcher Stelle den stärksten Einfluss aut Gegenwart und Zukunft des Volkes ausüben? Aus dieser Erkenntnis haben wir uns bemüht, uns eine Stelle zu schaffen, von der unsere Worte gehört werden: diese jüdische Tribüne! Da unser Volk nicht in das Leben der Vorzeit zurückkelircn, sondern zum Leben der Gegenwart erwachen soll, musste es vor allem solch ein modernes Organ erhalten, um den Willen zum Dasein üussern zu können. Darum ist diese Tribüne ein kostbares Gut, das wir uns erworben haben. Hüten wir es wohl! Durch den Ernst und die Ruhe unserer Berathungen können wir das Ansehen dieser Tribüne immer höher lieben. Durch Unbesonnenheiten und Gezanke würden wir es rasch zerstören. Diese Tribüne wird so hoch sein, wie die Reden, die man auf ihr hält. Unseren Worten verleiht keine äussere Macht Nachdruck; wenn sie also irgendeine Bedeutung haben sollen, kann cs nur

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