Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 32 (11.8.1899)
- Article
- Die commercielle Zukunft Palästinas
- Date
- 1899-08-11
- Page
- 11 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 32 „Die H Weit44 Seite 11 Strassennetz wird sich, dem Bedarfe entsprechend, allmählich weiter entwickeln, und. wenn einmal eine Küstenbahn Palästina durcheilt, wird auch eine Strasse deren Strang begleiten und ihre Arme auch nach Innen strecken. Auf einen Strassenzug der Zukunft möchte ich edoch besonders aufmerksam machen, das ist die Linie Gaza—Akaba, der türkischen Hafenstadt am gleichnamigen Golf, der ins Rothe Meer führt. Das heutige Akaba, arabisch Akabet el Misrle, mit seinem kleinen Kastell, entspricht dem Aelana des Alterthums, wo Salomo seine berühmte Expedition nach Ophir ausrüstete. Auch die Römer erkannten die commercielle Bedeutung Aelanas und stellten sie unter den speciellen Schutz der zehnten Legion. Damals aber dachte man von Aelana aus nur an den Handel mit Ophir, dem Wunderlande am Ganges. Heute können wir aber von Akaba, das übrigens schon knapp an die Aegypten zugehörige Sinaihalbinsel grenzt, leicht mit E r y t h r ä a, Abessyni en und Aden arbeiten. Und das sind alles keine unlösbaren Probleme; wir brauchen nur zu wollen, dann können wir. Wenn wir uns nur um unsere Fahne scharen, werden wir schon wissen, wohin wir sie zum Siege führen sollen! Eine Gerichtsverhandlung. Wir werden von dem Dr. 8. R. Landau wieder mit einer unwahren Berichtigung auf Grund des § 19 des Pressgesetzes belästigt. Leider ist eine Zeitung gezwungen, solche Berichtigungen aufzunehmen, auch wenn sie nachweislich unwahr sind. Wir bringen daher im Nachfolgenden die uns aufgedrängte Zuschrift. Herrn Erwin Rosenberger, verantwortlicher Redacteur der „Welt", Wien. Mit Bezug auf den in Ihrer letzten Nummer vom 14. Juli 1. J. veröffentlichten Artikel, betitelt: „Eine Gerichtsverhandlung", fordere ich Sie auf Grund des § 19 Pr.-Ges. auf, folgender Berichtigung in Ihrer nächsten Nummer Raum zu geben: Es ist nicht wahr, dass ich auf die Frage des Dr. Rosenfeld geantwortet habe: „das weiss ich nicht"; es ist nicht wahr, dass ich auf die Frage des Richters geantwortet habe: „Ich erinnere mich nicht." Wahr ist vielmehr, dass ich auf die Frage des Dr. Rosenfeld geantwortet habe: „Ich weiss nicht, es ist nicht meine Aufgabe, dem Gegner die Beweispflicht zu erleichtern; seine Sache ist es, die incriminierten Artikel vorzulegen." Wahr ist weiters, dass ich auf die Frage des Richters geantwortet habe: „Von einem Vertrauensmissbrauch ist keine Rede, da ich alles, was ich im „Jewish Chronicle" über die Taktik des Actionscomites schrieb, direct dem Dr. H e r z 1 in Gegenwart seiner Frau sagte." Wahr ist ferner, dass ich am die Aussagen des Zeugen E i s s, als ob ich die Gepflogenheit hätte, andere Pulte zu durchstöbern, antwortete : „Das musste ich thun, da Herr E i s s die in mein Referat gehörigen englischen, polnischen und Jargonblätter auf andere Pulte legte." Wahr ist ferner, dass der Zeuge Herr Erwin Rosenberger, verantwortlicher Redacteur der „Welt" erklärte, die Aussage des Dr. Werner, er habe mir einen Schlag ins Gesicht gegeben, sei nicht wahr. Wahr ist ferner, dass ich gegenüber der Aussage des Dr. Werner, dass sich oft auf seinem Tisch erbrochene Briefe befunden haben, eine Nummer der „Welt" vorlegte, aus deren Annoncen ersichtlich war, dass im März 1898 zwei Administratioiisbeamte der „Welt" wegen Eröffnung und Unterschlagung von Briefen entlassen wurden. Wahr ist ferner, dass mein Vertheidiger Dr. O r rsiein dazu bemerkte: „Das will man jetzt dem Doctor Landau in die Schuhe schieben." Wahr ist schliesslich, dass Zeuge Sitz mann auf die Frage meines Vertheidigers, woher er von der behaupteten Verwendung der Vereinsgelder für meine Zeitung wisse, erwiderte: „Ich kann mich nicht erinnern, von wem ich dies gehört habe, einige Leute haben dies gesagt; ich kann für diese Beschuldigung keine Verantwortung übernehmen." Wien, 17. Juli 1899. Dr. S. R. Land au. Weltchronik. Ein nationaljüdischer Künstler. Vor kurzem berichteten wir über die Ausstellung von Sculpfcuren des jüdischen Bildhauers Dr. Alfred N o s s i g in Paris. Es dürfte unsere Leser interessieren, Näheres über diese Ausstellung zu erfahren, die in Paris allgemeines Aufsehen hervorruft und lebhaft besprochen wird. Die Exposition füllt einen Saal der „Gallerie des Champs Elysdes" und umfasst siebzehn Nummern. Es befinden sich darunter sowohl Entwürfe grösserer Statuen, als auch Statuetten, Reliefs und Büsten. Unter den ersteren sind für uns Juden besonders „Der wandernde Jude“, „König Salomon" und „Juda Makkabi" Von hohem Interesse. Namentlich fesselt uns Nossig durch die eigenartige, echt nationale Auffassung seiner Gestalten. „Nossig ist als Plastiker vor allem bestrebt" — schreibt die „Nordd. Allg. Zeitung" —, neue Ausdrucksformen zu finden und den Rassencharacter zu betonen; er schafft neue Typen, wie dies Balzac vom Bildhauer forderte.“ Und über den wandernden Juden hinwiederum äussert sich Felix Vo gt in der ,Münchener Allg. Zeitung": Nossig hat einen Ewigen Juden mit einer faltigen Denkerstirn und mit dem Mosesbart des Michel Angel o geschaffen, der nicht als wanderndes Symbol des schlechten Gewissens, sondern als würdiger Vertreter des alten Bundes, dessen Schriftrolle er im Arme hält, aufgefasst ist." — Unter den kleineren Standbildern der Ausstellung fällt vornehmlich 'der Charakterkopf Max Nord aus ins Auge. Es dürfte unsere Leser noch interessieren, dass Alfred Nossig sich auch als Dichter einen geschätzten Namen erworben -hat. Unter anderem schrieb er das Drama „Göttliche Liebe", das im nächsten Herbste in Wien zur Aufführung gelangt. Die Juden in Sevilla. Die Londoner jüdischen Zeitungen bringen einen Aufruf für die jüdische Gemeinde in Sevilla. Es haben sich dort eine Anzahl von Juden aus Tanger und anderen marokkanischen Städten niedergelassen. Es sind circa 30 Familien mit 220 Seelen, welche sich vom Handwerk und Kleinhandel mühsam ernähren. Sie haben weder eine Synagoge noch eine Schule, noch selbst einen Begräbnisplatz. Die Kinder wachsen auf, ohne das geringste zu lernen. Schon ganz jung werden sie dazu benützt, auf den Schiffen mit Süssigkeiten und marokkanischen Pantoffeln hausieren zu gehen, und sie erlernen dabei freilich einige Sprachen, sie reden etwas Arabisch, ein schlechtes Spanisch, ein noch schlechteres Französisch und ein paar Brocken Englisch und Deutsch. Aber alle übrigen Kenntnisse gehen ihnen vollkommen ab. Allen diesen Uebelständen abzuhelfen, haben die Juden in Sevilla jetzt einen Verein gebildet, der einen Begräbnisplatz kaufen soll, sowie eine kleine Schule und Synagoge einrichten wird. Da ihnen aber die Mittel dazu fehlen, so wenden sie sich um Unterstützung an ihre reicheren Glaubensgenossen in Europa. Die Juden in der persischen’Hauptstadt Teheran, welche in dem Absätze der russischen Waren nach Persien eine Hauptrolle spielen, haben über ihre derzeitige Lage in der Residenz des Schahs recht beängstigende Mittheilüngen an