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Die Welt · 1899-08-11 · 32 (11.8.1899) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
32 (11.8.1899)
Article
Die commercielle Zukunft Palästinas
Date
1899-08-11
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die Melt" M. 3Z präcisierten sechs Culturherde näher betrachten, so fallen zwei derselben besonders ins Auge: der von allen Seiten zugängliche mesopotamische, und der wie eine Oase erscheinende Culiurherd an den breiten Flussthälern des Nil. Als Bindeglied zwischen beide Culturcentren hineingeschoben erscheint uns Palästina nebst Syrien, deren Völkern die natürliche Aufgabe zutheil wurde, zwischen Beiden zu vermitteln, sie zu einer höheren Einheit zu führen. Und die Cultur folgte den Wegen des Handels. Die Bedeutung, die die Phönicier zu ihrer Zeit erlangten, ist bekannt. Man weiss, dass dieses ursprünglich arme Fischervolk zu einem solchen von Kaufleuten und Seefahrern wurde, das im Handel fast die ganze Welt beherrschte. Auch erzählt uns die Geschichte von einem anderen Handelsvolke, den Philistern, die die Westküste Kanaans bewohnten und jenen Fünfstädtebund gründeten, deren ehemalige Vorstadt Gaza war. Wir Juden zeichneten uns im Handel nicht besonders* aus. Die Berührung mit fremden Völkern, die als verunreinigend gescheut wurde, verhinderte die Entwicklung desselben. Erst unter dem König Salomon lässt sich ein kleiner Aufschwung jüdischen Handels constatieren. Derselbe erwarb einen Hafen am Rothen Meere und übernahm so bei dem colossalen Verkehre, der zwischen Phöniciern und Indiern herrschte, die Vermittlerrolle, die bis zu diesem Zeitpunkte die Edomiter inne gehabt hatten. Als dann mit dem Sturze des chaldäischen Reiches das Arierthum die Semiten in der Leitung der Weltgeschichte ablöste, schöpfte man den Urstoff europäischer Cultur aus dem Blumengarten des Orients Dieser selbst aber verfiel. Jahrtausende waren seither verflossen. Europa hatte sieh lange schon erschöpft; es suchte neue Kraft. Da gieng es vorerst nach dem Westen — bis ins .Unendliche hinein. Heute ist auch Amerika nicht mehr das Wunderland von ehedem. Es ist an Elementen aller Art gesättigt, die Zeit des allgemeinen Reichthums längst vorüber. Man strebt jetzt nur mehr nach dem Osten. Der einst kleine mesopotamische Gulturherd wird zum grossen Culturcentrum des Ostens, von den Ufern des Euphrat und Tigris bis zu den meerumspülten Gestaden des mächtigen Reiches am Hoangho. Und auch am Nil ist alles wieder neu erwacht. A lexandrien, das einstige Emporium des Welthandels blüht mächtig wieder auf. Aegypten verzeichne te in den letzten Jahren einen Umsatz von 750 Millionen Mark, und wie wird diese Summe erst jetzt steigen, nachdem der Sudan erschlossen ist Der grosse Osten ist im Werden, Aegypten aber schon geworden. Wie soll Palästina nun die Stellung, die ihm die Natur gegeben, erfüllen? Die Frage birgt die Antwort in sich. Es muss den Anschluss suchen, wird ihn finden. Das W i e lässt heute keinen Zweifel mehr. Die Landlinie, die nach Aegypten führt, geht mit der Küste parallel: Haiffa — Jaffa — Gaza — Port- S a I d — Alexandrien. Auf palästinensischem Boden besitzt, nun diese Linie weder Strassen noch Häfen für den Seeweg, und welche Bedeutung könnte z. B. Gaza, das doch ganz nahe bei Port-Said liegt, diesfalls erlangen. — Es ist bestimmt, dass von dem grossen Verkehre, der in Port-Said herrscht, ein nennenswerter Teil nach Palästina abgelenkt werden könnte. Laufen doch über Port-Said alle deutschen, englischen, französischen, österreichischen, italienischen, niederländischen und spanischen Schiffe, deren Wege nach Indien, Japan, China, nach der niederländischen Besitzung Batavia, nach Ost -Afrika, Abessynien und Australien führen. Hätten wir nun bei einem Anschlüsse an Aegypten in gedachter, Weise Sorge um den Absatz unserer Products? Nein,, man würde uns den Wein, das Getreide, die Wolle, die Orangen, die anderen Agrumen, das Oel etc, aus den Händen reissen. Conservative. schläfrige Elemente werden mir vielleicht erwidern, dass auch s o alles Absatz finde, dass man auch jetzt Wein, Getreide etc. naeh Aegypten schicke. Dieser Verkehr entspricht aber einem Kleinkrämerthum und nicht der Aufgabe, die uns die Natur selbsl, den Welthandel betreffend, vorgezeichnet hat. Ueberdies ist jetzt nur ein verschwindend kleiner Theil des Landes bebaut. Mit der fortschreitenden Zeit wächst auch die Grösse der bebauten Fläche. Wenn man annimmt, dass Palästina als ausgesprochenes Weinland wenigstens in seinem nördlichen Theile immer zunehmende Quantitäten Wein producieren wird, so wird es nothwendig sein, Absatzqucllen zu finden, die den Wein nicht aus Liebe zur Sache der Colonisation, : sondern dem effectiven Bedarfe entsprechend aufzunehmen in der Lage sind. Palästina ist ein Wunderland; wir brauchen, nachdem einmal die agricole Bewegung durch uns Juden selbst in den richtigen Schwung gebracht ist, nur noch den vermittelnden Handel. Wir Juden waren ursprünglich kein Handelsvolk. Vertrieben, in alle Weitenden zerstreut, hat man uns die Rolle des Vermittlers aufgedrängt. Wir haben gelernt, unsere Aufgabe richtig erfasst. Und jetzt, wo allerorts der Ruf ertönt: „Nach Zion auf!“ — da sollten unsere Brüder nicht auch in dem angestammten Lande auf dem Posten sein? In Palästina winken Ideale und auch — Dividenden! Der Einzelne selbstredend kann nichts thun; djie Massen armer Leute und das Häuflein hiesiger jüdischer Kaufleute, sie können einerseits den Stein, der auf dem Golde liegt, allein nicht wegbringen, sie können aber auch andererseits die Wege, fremdes Gold hereinzuführen, allein nicht bahnen. Sie brauchen Hilfe. Kommen aber ihre Brüder aus anderen Welten und helfen an dem grossen Werke mit, dann ist auch der Erfolg gesichert. Wenn jüdisches Capital einmal den Wert des Lapdes erkannt hat, dann wird auch jüdisches Capital das alles schaffen, was uns fehlt. Und dieser Zeitpunkt ist nicht ferne. Das Land ruft jetzt erwacht sein Können selbst in alle Welten, und was Fremde hören, wird auch bei Juden nicht verhallen. Wenn wir hier im Lande das erste Dampfross von Aegypten kommen sehen, und dann der erste Hafen Schiffen Schutz gewährt, ist Palästina auch für alle Welt erschlossen. Dann werden zuerst in Gaza Magazine, Docks, Telephone, elektrische Werke für Beleuchtungszwecke, Malzfabriken, vielleicht auch andere industrielle Etablissements, Warenhäuser, Hotels etc. entstehen. Jaffa wird bei Anschluss an Haiffa, das ja weiter via Damaskus mit Bagdad verbunden werden dürfte, zum Einfährtshafen, für den internationalen Transit-und Eigenhandel werden, und dies wird all die aus einem so grossen Verkehre resultierenden Gründungen im Gefolge haben. Wie Jaffa als Seebad,' wird Haiffa mit seinem Panorama vom Berge Karmel Einfluss auf den Fremdenverkehr gewinnen und so dem alten Magnet des Landes, Jerusalem, neue Anziehungspunkte hinzufügen. Die kleinen Zwischenhäfen, von der ägyptischen Seite an gerechnet r Aska lo n, Cäsaräa, Tantura und speciell für die Oolonien in Samaria, Akka, Tyrus, Sidon, sie werden alle wieder Bedeutung erlangen, je nach der Lage und deU Productionszweigen des Hinterlandes verschiedem Das

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