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Die Welt · 1899-07-14 · 28 (14.7.1899) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
28 (14.7.1899)
Article
Amateur-Landwirtschaft
Date
1899-07-14
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Seite 7 Nr. 28 „Die H Welt“ Ich brauche nur daran zu erinnern, dass es auf dem zweiten Gongresse bei der Definition des Wortes „Orient'4 von Dr. Bodenheimer direct als „Eintrittsthür zu Palästina“ bezeichnet wurde. Der Autor, den ich citiere, war Director der Larnaca-Filiale der Banque Ottomane und zeitweise englischer Gonsul. (Gypern war damals noch türkisch. Die Verhältnisse auf der Insel haben sich übrigens, soweit landwirtschaftliche Fragen in Betracht kommen, inzwischen sehr wenig geändert.) Hamilton Lang gibt in seinem trefflichen Buche*) über Gypern seine Erfahrungen als landwirtschaftlicher Amateur wieder in einem äusserst lehrreichen Gapitel: „Meine Farm in Gypern". Ich lasse hier eine Hebersetzung folgen: In einem Consular-Berichte über die industriellen Classen in Gypern habe ich die Ansicht ausgedrückt, dass ein Capital, welches mit praktischer Kenntnis und Sparsamkeit angewendet würde, in landwirtschaftlichen Unternehmungen auf Cypern sicherlich einen respectablen Nutzen ab würfe. Ich bin mir der Verantwortung wohl b ew u s s t, die ich mit einer solchen Aeusserung auf mich lade und halte es für meine Pflicht, in einer Sache, von der das Vermögen ab hängen kann, ohne Reserve die Gründe anzuführen. Ich gelangte zu meiner Ueberzeugung nicht so vom Hörensagen, oder durch theoretische Berechnung einer Möglichkeit, sondern auf Grund persönlicher, thatsächlicher Erfahrung, auf Grund von pecuniären Resultaten,* während eines Zeitraumes von 10 Jahren. Ich gebe zu, dass die meisten ähnlichen Experimente in anderen Theilen der Türkei nicht gelungen sind, aber in fast allen diesen Fällen des Misslingens hatte die Ursache nichts zu thun mit der Qualität des Unternehmens selbst. Und mein Vertrauen zu meiner günstigen Meinung ist umso grösser, weil ich persönlich keine praktische Kenntnis besass und überdies konnte ich nicht in dem Masse, in dem es nöthig gewesen wäre, die Principien einer strieten Sparsamkeit durchführen. Denn für mein landwirtschaftliches Experiment hatte ich, bei meinen anderen Nebenbeschäftigungen, nur einen T h e i 1 der Zeit zur Verfügung, die ein anstrengender Beruf mir für Liebhabereien übrig Hess. Ueberdies noch machte ich meine Erfahrungen auf einer Farm, die weit hinter dem Durchschnitte cyprischer Bauerngüter zurückstand, und auf einem Boden, der viel schlechter war, als viele Terrains, unter denen ich hätte wählen können. Ich gab der Farm bei Pyia den Vorzug, weil sie durch ihre grosse Nähe bei Larno ca mir bequem lag und mir so als Sommeraufenthalt dienen konnte. Aus diesem Grunde allein wählte ich sie. Ich will die Resultate meines landwirtschaftlichen Unternehmens in so klarer Form geben, als nur möglich. Obgleich sie sich auf einen kleinen Massstab beschränkten, zeigen sie doch deutlich, was bei grösserem Betriebe erzielt werden könnte. Die Farm bei Pyla, die ich auf 10 Jahre in Pacht nahm, ist etwa 6 Meilen (englische) von Larnoca enfernt. Sie besteht aus circa 1000 Acres anbaufähigen Landes, worunter nur 60 Acres Livadia Land, das heisst Land, welches ohne künstliche Bewässerung Sommer-Ernten hervorbringen kann. Die Farm besass auch eine Quelle, gross genug, um 7 bis 10 Acres Baumwoilpflanzungen zu bewässern. Sie war von den früheren Pächtern gründlich vernachlässigt, und als ich sie übernahm, waren nur 65 Acres schlecht gepflügtes Land für die Aussaat geeignet. *) R. Hamilton Lang, Cyprus, its history, its present resources and future prospects, London, 1878. Seite 356—370. Da mein einziger Zweck in einem interessanten Versuch bestand, obgleich ich nicht die Absicht hatte, dabei Geld zu verlieren, so begann ich die Arbeit mit nur 4 Joch Ochsen, mit dem Vorbehalt, ihre Anzahl zu vergrössern, je nachdem die Sache ihren Fortgang nehmen würde. Mein erster Farm-Aufseher war ein Nubier, ein früherer Sclave, der das Land lange Jahre bearbeitet hatte. Er war ehrlich und verstand die Farmarbeit gründlich. Nach seinem Tode engagierte ich seinen Sohn, der alle die guten Eigenschaften seines Vaters geerbt hatte. Besondere Fähigkeiten und Kenntnisse kamen also weder bei dem Herrn noch dem Diener in Betracht. Als Ackerleute benutzte ich Eingeborene, Mohammedaner und Christen. Meine Ochsen waren die besten, die auf der Insel zu haben waren. Zehn Jahre hatte ich die Farm, davon waren zwei Jahre besondere Unglücksjahre infolge einer noch nie dagewesenen Trockenheit. Vier Jahre hatten wir unter Heuschrecken zu leiden*) und nur zwei Jahre von den zehn waren wirklich gut. Die Natur ist mir also in keiner Weise günstig gewesen. Bis zum vierten Jahre waren alle Ausgaben nur Auslagen für dieVorbereitungen. I m vierten Jahre pflanzte ich mit vier Joch Ochsen 72 Acres Weizen, 117 Acres Gerste, 5 Acres Bohnen und 27 Acres Baumwolle — und ausserdem mit Hilfe von Eingeborenen 30 Acres Weizen, 26 Acres Gerste und 18 Acres Baumwolle. Meine Auslagen waren zu dieser Zeit gestiegen auf 125.000 Piaster, also 1150 türkische Pfund. Im vierten und fünften Jahre kaufte ich je ein Paar Ochsen dazu und im siebenten Jahr erreichte meine Aussaat mit eigenen Zugstieren 128 Acres Weizen, 124 Acres Gerste, 6 Acres Bohnen, 27 Acres Baumwolle und 1 Acres Hafer, — mit Hilfe von Eingeborenen 73 Acres Weizen, 78 Acres Gerste, 18 Acres Baumwolle. Mein Arrangement mit diesen Eingeborenen war so, dass ich das Land und das Saatkorn stellte, und die Production gleichmässig getheilt wurde. Im letzten Jahre meines Pachtvertrages war meine Pflanzung: Mit eigenen Stieren 262 Acres Weizen, 202 Acres Gerste, 5 Acres Bohnen und 25 Acres Baumwolle, — mit Hilfe von Eingeborenen 135 Acres Weizen und 202 Acres Gerste. Meine Buchführung war perfect, und in ihr liegt das Geheimnis meiner Controle über die Resultate. Die Pachtsumme, die ich zahlte, repräsentierte vollauf fünf Percent vom Werte der Farm und auf alles Capital, das ich hineinsteckte, wurden dem Unternehmen acht Percent Zinsen per Jahr debitiert. Im siebenten Jahre (das sechste war ein trockenes Jahr) hatte ich alle meine Auslagen zurück und noch einen Ueberschuss von 210 Pfund türkisch, und am Ende des zehnten Jahres (nachdem auch das neunte extrem trocken gewesen war) hatte ich einen Nettoprofit von 901 Pfund türkisch. Meine Auslagen hatten für wenige Monate das Maximum von 1150 Pfund erreicht. Für diese Auslagen erhielt ich acht Per cent per Jahr und hatte amEnde meines Pachtvertrages über 900 Profit, nachdem ich alles verkauft hatte, worunter manches mit bedeutendem Verlust. Aber während dieser Zeit hatte ich für den Aufseher und einen Clerk (Buchhalter) 770 £ bezahlt, um welchen Betrag mein Profit grösser hätte sein können, wenn ich selbst, was ich leicht konnte, mein Clerk und Aufseher gewesen wäre. In jedem Falle hätte das Salair, das ich *) An dieser Stelle steht in Parenthese : Eine Plage, die nie wiederkehren sollte — ich kann hinzufügen, dass in der That inzwischen die Heuschrecken in Cypern völlig au gerottet wurden.

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