Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1899-06-23 · 25 (23.6.1899) · p. 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
25 (23.6.1899)
Article
In der Stille
Date
1899-06-23
Page
3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3315796-3315822-3388622--13441-3388748
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 25 „Die A Welt“ Seite 3 nunmehr prägnant ausgedrückt, die zionistische Idee, könnte auch hier eine wundersame, befriedigende Wirkung thrm. Sie hat, indem sie jüdische Künstler zu vornehmer Wahrhaftigkeit, zu stiller Geruliigkeit zurückführte, bereits die ersten erziehen können, welche sich den idealen, zigeunerhaften, edlen zugesellen dürften; und die in dieser Gern higkeit im Stillen, ja vielleicht gar im Verborgenen schaffen können, weil sie sich nicht zu betäuben brauchen mit flüchtigem, eitlem Tages- und Zeitungsruhm, sondern sich von den innersten Culturkräften individuellen und nationalen Lebens können durchströmen lassen. Bei den Unterhaltungen, welche doch ein engeres Zusammen schlossen bedingen, wie Tanz Vergnügungen, Vereinsunterhaltungen und dergleichen, hat sich nach einer kurzen liberalen Epoche zumeist eine gar strenge Sonderung vollzogen zwischen Juden und Christen; wohl überall haben die Juden schon ihre sonderlichen „Geselligkeitsvereine", „Ressourcen", „Harmonieen" oder „Logen". Diese Erscheinung käme nun der zionistischen Idee entgegen, sofern sie den Juden gewissermassen abhärtete, wetterhart machte gegen das Wort „Jude", „jüdisch". Es geschieht häufig, dass Christen, die im Gespräche mit Juden ganz harmloser Weise das Wort „Jude" gebrauchen, roth werden und sich unterbrechen, weil sie damit gekränkt zu haben fürchten : und Juden selber können eine gewisse thörichte Befangenheit nicht immer verleugnen. In diesem Sinne vermöchte gar wohl ein höheres zionistisches Bewusstsein abhärtend zu wirken. Desgleichen könnte die Gruppe von Vereinen eine wichtige. mittelbare und unmittelbare Förderung des zionistischen Gedankens enthalten, welche sich mit der physischen Ausbildung des Menschen beschäftigt; vor allem jegliche Sportvereine. Bereits des zionistischen Gedankens erste Regungen, die Studenten vereine, haben ihr die sorgsamste unmittelbare Aufmerksamkeit zugewandt und auch ungeachtet des Spottes mancher Universitätslehrer und Commilitonen über die „Makkabäer" Bedeutsames erzielt. Auch mittelbar kommt der Zionismus der körperlichen Ausbildung förderlich entgegen. Wie er ehrlich und unbefangen die Folgen der Ghettoverkümmerung eingesteht, so gibt er gern, was freilich unbestreitbar, zu, dass in des Ghettos dumpfer Mauei luft die Juden physisch verkümmert und verschüchtert geworden seien. Aber zugleich weckt er bereits höheres Ehrgefühl und Ehrgeiz, und nun spannen sie ihre Kräfte an, eben damit es nicht heissen solle, dass der Jude feiger wäre, und erzielen, wenn die natürlichen Bedingungen nicht allzu ungünstige, gar Schönes; und wenn ihre Kinder vielleicht auch wiederum schwächlich sind, so beginnt nunmehr die, Stärkung bereits mit der Erziehung, so dass die Wirkung immer nachdrücklicher werden muss in aufsteigender Linie. Dergestalt mag. während der politische sichtbar organisierte Zionismus activ und thatkräftig schafft, allein seinem positiven, endlich begrenzten Ziele zuneigt, in der Stille das pri vate Leben von Tag zu Tag sich so entwickeln, dass es den Boden für eine zionistische Gesinnung auflockert und verbreitet, welche sich zum mindesten in einem wohlwollenden Interesse äussern würde für jene thatkräftigen Bestrebungen. Theilnahme an mühseligen Vorbereitungen, gleichsam an dem ewigen Brüten über jenen Eiern, mag nicht von denen verlangt werden können, welche doch in dem Umkreise ihrer Thätigkeit und ihrer Familie ihr Lehen erfüllen wollen; aber ist einmal ein stolzes leidenschaftliches Gefühl geweckt, persönlicher und nationaler Würde, dann darf wohl erwartet-werden, dass sich in der Stunde einer wirk 1 i e h je n Entscheidung bereits alles zum besten gestalte. Die Jüdische Colonialbank. Da der (Jours der fremden Werte in Rumänien in letzter Zeit bedeutend gestiegen ist, und die Tendenz infolge der misslichen ökonomischen Lage eine anhaltend steigende ist und sein wird, sieht sich der Verwaltungsrath der Jewish Colonial Trust Ltd. London (im Einverständnisse mit der Bankcentrale für Rumänien) veranlasst, den Cours des englischen Pfund in Lei um 25 bani zu erhöhen, um so bedeutende Coursverluste hintanzuhalten. Der Wert einer Actie beträgt demnach von jetzt ab Lei 25*50 (an Stelle des bisherigen Lei 25*25), wovon alle Aclionärelreundliehst. Kenntnis nehmen mögen. # * Die in der vorletzten Nummer angeführten Umrechnungssätze beziehen sich nur auf die Fälle, in denen Subscribenten au sl än d i sch e Banknoten oder Valuten nach London zu schicken gezwungen sind, aber nicht auf die Umrechnung im Auslande bei der Absendung von englischen Rimessen nach London; in letzterem Falle gelten die früheren Sätze, nämlich 1 Pfd. Strl. Rubel 9.50 Frcs. 25.25 Mk. 20.15 fl. 12.—. Wenn aber ein Suscribent gezwungen ist, z. B. für 5 Actien österreichisches oder deutsches Geld zu remittieren, so muss er (ä fl. 12.10) fl. 00.50 oder (a Mk. 20.50) Mk. 102.50 senden, da der Coursverlust bei solchen kleinen Banknoten in London allzugross ist. Im Hinblick auf verseilLedene Anfragen, die uns aus unserem Leserkreise zugekommen sind, dürfte nachfolgende Aufklärung erwünscht sein: „Die Idee, welche der Form des englischen Actien-C■ertificates im Allgemeinen zugrunde liegt, ist dasPrinoip der Sicherheit. Ein in das Gesellschafts- Register eingetragenes und auf den Namen dos Inhabers lautendes Actien-Certificat gilt in England als die richtigste Form, in welcher diesem Princip Ausdruck gegeben werden kann. Infolgedessen werden auch die auf die Actie entfallenden Dividenden mittelst einer Zahlungsanweisung, auf den Namen des registrierten Inhabers lautend, an dessen eingetragene Adresse jeweils abgeführt, ln dieser Weise ist ein Abhandenkommen des Certificates oder des Dividendenscheines ohne wirklichen Schaden, denn nach gehöriger Verifikation des Inhabers wird einfach ein Duplicat ausgefertigt. Dieses auf den Namen lautende Certificat erfordert gar keinen Stempel, ausgenommen bei Besitzveränderung, in welchem Falle das Ueberweisiings-Document zu stempeln ist; ohne Entrichtung dieses Stempels kann jeder spätere Käufer einer Actie das Cessionsdocument im Bureau der Gesellschaft behufs U eh ertrag ung auf seinen Namen nicht vorlegen. Der Tarit für diesen Stempel ist in der vorletzten Nummer der „Welt“ genau angegeben. Das Princip von Inhaberactien ist in England nur als Resultat von Umständen und auswärtigen Einflüssen entstanden, und das Gesetz hat dieses Princip in erster Reihe bei auswärtigen Anleihen, die in England marktfähig sind, und hei Hypotheken-Gertificaten anerkannt. In zweiter Reihe hat das Gesetz, den Usancen des Continents Rechnung tragend, und zur Erleichterung der Circulation von englischen Actien auf dem Continent bestimmt, dass es statthaft sein, soll* unter gewissen Umständen und Bedingungen eingetragene Name ns actien in anonyme Inh ab er actien um zuwandeln, und zwar steht es einem jeden solchen eingetragenen Inhaber einer Namensactie frei, den Umtausch gegen eine anonyme Inhaberactie zu, verlangen. indes erfordert, eine solche Actie sofort bei der Emission einen Stempel im dreifachen Betrage des oben angeführten Tarifes. Dagegen ist b.ei der Besitzveränderung einer , solchen anonymen Inhaberactie kein Cessionsdocument erforderlich und daher auch kein weiterer Stempel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.