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Die Welt · 1899-05-26 · 21 (26.5.1899) · p. 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
21 (26.5.1899)
Article
Die Bahn nach Bagdad
Date
1899-05-26
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Oeite 4 „die Welt4' Nr. 21 10 Jahren mit dem heutigen zu vergleichen. Noch in der Mainummer der preussischen Jahrbücher finden wir das bestätigt. Die Vermehrung wird eine ganz gewaltige werden, sobald der Zionismus seine nächsten Ziele erreicht. Das Deutschthum hat jede Ursache, die Hoffnungen des jüdischen Volkes zu fördern, denn es fördert damit gleichzeitig sein eigenes Interesse in ideeller wie in materieller Beziehung. Auch die deutsche, wie alle anderen Nationen, hat viel an uns gutzumachen. Nimmt sie die Gelegenheit wahr, unseren heissen Wünschen die Erfüllung zu sichern, so trägt sie eine alte Schuld des Unrechtes ab. Und sie dient gleichzeitig sich selbst, indem sie sich einen zuverlässigen und dankbaren Freund für die Förderung der eigenen Zwecke, der geistigen, politischen und commerciellen Machtstellung in den Ländern erwirbt, die berufen sind, wie einst das Centrum der ganzen Welt zu werden. Es naht der grosse Tag. ...! Die Weihe des ersten Congresses, sie ruht noch auf unseren Gemüthern, sie verklärt unser Leben und erhellt jenen kleinen Kummer, der uns sonst ein grosses Trübsal scheint. Ein Ziel wurde damals aufgestellt, nach dem wir festen Blickes aufschauen, ein Weg wurde abgesteckt, den wir rüstig abschreiten; eine sichere Strasse in die viele Pfade münden. Wegmüde Pilger, frische Wanderer, jugendfrohe Gesellen, würdige Matronen und Frauen in der Blüte ihrer Jahre, schreiten mit uns, schlichte und gelehrte Männer, Besitzende und Arme : Das Volk. Wer sein Herz will höher schlagen fühlen, wer empfinden will, was es bedeutet, sein heiligstes Gefühl verschenken, Um es vertieft und veredelt wiederzubekommen, der wandere mit uns zur grossen Wegrast nach Basel. Dort wollen wir Umschau halten und Heerschau, die Freunde schätzen und die Feinde zählen, unsere Waffen schärfen und unsere Kriegsmittel sichern. Der Schatz wird gezählt und verwahrt, unser Kriegsschatz, der den ewig Friedlosen den ewigen Frieden, den Heimatlosen unter uns die gesicherte Heimstätte erwerben soll. Es naht der grosse Tag. .. .! Auf dem ersten Congresse wollten wir beweisen, dass das jüdische Volk nicht gewillt ist, abzudanken, sich selbst aufzulösen und zu vernichten. Seine Bejahung des eigenen Lebens, sie erfüllte uns mit stolzer Zuversicht und sie bürdete uns ernste Pflichten auf. Der zweite Congress brachte den Beweis, dass die Juden nicht warten wollen, weil sie nicht warten können, bis ein glückliches Ungefähr die Erlösung brächte; oder die wahre Vermenschlichung der Völker. Selbsthilfe wurde als Lösung aufgestellt; Sammlung der eigenen Kräfte und Mittel, so lautete die Aufgabe, die sich das jüdische Volk stellte. Und heute nach zwei Jahren dieser Bewegung stehen wir vor der Aufgabe, die Bank des jüdischen Volkes zu übernehmen und zu übergeben. Was auch unsere Gegner uns zu widersprechen wissen, wir blicken mit bescheidenem aber hohem Stolz auf diese Zeit zurück, wir sehen mit schwellendem Herzen der Zeit entgegen. Es naht der grosse Tag....! Eine redliche Wahl aus der Mitte jener, die sich heute schon zu ihrem Volke eingefunden haben, soll uns die Mitglieder dieses Congresses geben. Darum jene Vorsicht, die so viel Arbeit erfordert, darum die genaue Abgrenzung in Hundertschaften. Es sollen nicht drei oder vier Leute einen beliebigen Vierten nach Basel senden, damit er dort über das Gut des Volkes mitbestimme. Eines jeden Schekelzahlers Name geht nach Basel, dort werden die Listen geordnet, dann die Stimmzettel versandt. Nur solche, die aus Basel kommen, geben das Recht, auf die Wahl. Der Zusammenhang zwischen Schekelzahler und Wähler soll genau erwiesen sein. Nur hundert Schekelzahler sollen einen Mann wählen, der im Volksrathe mitreden darf. Das alles kostet viel Arbeit, die geraume Zeit erfordert. Darum beeile sich jeder, seine Schekelblocks einzufordern. Am 31. Mai endet die Zeit, in der man Wähler werden kann für den Congress in Basel. Es naht der grosse Tag..! Es naht der Tag, auf den Tausende, Hunderttausende — ja Millionen hoffen, dem unsere Brüder und Schwestern entgegenharren. Mit magischer Gewalt hat das Wort seinen Weg gebahnt in die Herzen unseres Volkes. Baseler Congress. Man erwartet keine Gaben für heute und morgen von uns, keine Geschenke, die degradieren. Arbeit soll geschaffen werden, Arbeit auf dem gesicherten Boden der alten Heimat, die Vorbereitung einer Zukunft, frei von Sorge um Ehre und Charakter, um Leib und Leben. Das zu berathen und in die Wege zu leiten, ist unsere Aufgabe in Basel. Manches ist erreicht und vieles erst zu erringen. Wir haben früher nur das Elend jener gekannt, die sich nach Palästina sehnen, jener die erhoffen, auf dein Boden der Väter ein neues Leben zu beginnen. Nun ist uns auch die Kenntnis des Landes geworden, nach dem die alte Sehnsucht lockt. Auf dem geweihten Boden der Patriarchen in der alten Zionsstadt Davids hat Se. Majestät der deutsche Kaiser eine zionistische Abordnung empfangen, die ihm von den Wünschen und Hoffnungen des jüdischen Volkes sprechen durfte. Unsere Ideen sind mit einem Ruck aus der Reihe der Wolkenreichsgründungen, in die unsere Feinde sie einfügen wollten, ausgeschieden, sie sind eine ernste Bewegung geworden, von der die Grossen und Mächtigen Kenntnis nehmen. Wir haben die Erde unserer alten Heimat kennen gelernt, diese Erde, die nach Wasser dürstet und nach ihren Kindern hungert — nach ihren Söhnen, denen die starke Wünschelruthe der grossen Liebe gegeben ist, mit ihr die geheimen Schätze zu heben. Wir haben die alte Judenerde kennen gelernt und die kräftigen Männer, die aus trockenen Hügeln gedeihende Weinberge schufen und üppige Fruchtgärten aus Sümpfen. Die Erde lechzt nach Wasser. Die Brunnen rauschen in der Tiefe und sie locken und rufen . . . Auf, mein altes, Volk! Komme und hebe die Schätze, die sich Dir ergeben wollen! Ihr taumelt von Land zu Land, meine Kinder, hier aber ruht die Quelle Eurer Kraft. Es naht der grosse Tag. Ein Blatt Papier. Eine kleine Geldmünze. Wer zögert, und eilet nicht? Das hungernde Volk, es ruft! Die heimatlosen Brüder, sie flehen! Jene, die vorausgezogen sind, ins Heilige Land, sie harren! Unsere Feinde lauern! Die Gleichgiltigen, sie spotten! Die Mächtigen dieser Erde blicken uns nach. Voll Theilnahme und Sympathie. Wer bedarf noch einer Mahnung? Wir bereiten uns vor zum grossen, Zum entscheidenden Congress. Es naht der grosse Tag-! H. Y.-St..

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