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Die Welt · 1899-05-12 · 19 (12.5.1899) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
19 (12.5.1899)
Article
Eine Gerichtsverhandlung
Date
1899-05-12
Page
7 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 „Die-$- Welt'« Seite 7 eingefenbet hat, die Ehrenbeleidigungsklage zu überreichen. (Bewegung.) . Damit entfällt, glaube ich, die Einvernahme des Herrn Bahar. Was den Herrn Dr. Nordau anbelangt, so hätte ich auch nichts dagegen, wenn er einvernommen werden würde. Wir würden die Beschuldigungen, die Herr Dr. Herzl angeblich gemacht hat, aufrecht erhalten, wenn Sie gesagt hätten, welche es sind. . Wenn Sie z. B. sagen würden, dass Herr Dr. Herzl Herrn Dr. Nordau gesagt hat) Sie haben Briefe unterschlagen und erbrochen, so würden wir das zugeben. Wenn Herr Dr. Herzl Herrn Dr. Nordau gesagt haben soll, dass Herr Dr. Landau zur Zeit, als er bei der „Welt" in bezahlten Dlensten gestanden ist, gegen Bezahlung für gegnerische Blätter Artikel geschrieben und eingesendet hat, so würden wir auch das zugeben. Herr Dr. Landau soll nur sagen, was Herr Dr. Herzl gesagt hat; je mehr, je lieber. Denn in diesem Proeesse verkehrt sich gewissermaßen die Beweisführung. Es wurde nämlich Herrn Dr. Herzl Verleumdung und Entstellung vorgeworfen, folglich muss Herr Dr. Herzl beweisen, dass dasjenige,, was er vorgebracht hat, der Wahrheit entspricht. Dr. R o s e n f e l d beantragt nun die Vernehmung einer .Anzahl von Zeugen und schließt: Dafür, dass er für gegnerische Blätter gearbeitet hat, zur Zeit, als er bei der „Welt" engagiert war, führe ich als Zeugen Herrn Dr. Herzl und Dr. Werner, welche beweisen werden, dass Herr Dr. Landau, welcher über Empfehlung des Herrn Dr. Herzl zum Correspondenten des „Jewish Chronicle“ in London bestellt worden ist, — des Herrn Dr. Herzl, dem Herr Dr. Landau zu so unendlicher Dankbarkeit verpflichtet sein soll, me es Herr Dr. Landau bei seiner Individualität gar nicht fassen kann, — Artikel einsendete, in welcher er die zionistische Richtung angriff. Dr.Herzl stellte hierauf Landau in der Türkenstraße zur Rede, und Landau gab sein Ehrenwort, dass diese Artikel nicht von ihm herrühren, während er es später zugab. Wenn es aber Dr. Herzl gewusst hat, dann muss ich daraus das Zugeständnis entnehmen, dass er zur. Zeit, als er bei der „Welt" für. Geld arbeitete, zugleich für die „Jewish Chronicle“ schrieb. Angeblich soll auch die Entlassung Landaus unrichtig dargestellt worden sein. - Ich führe dafür als Zeugen Dr. Siegmund Werner und den BuchdruckereibesitzerMüller, dass Dr. Werner, als er erfuhr, dass Landau Briefe unterschlagen hatte, dem Landau eine Ohrfeige gegeben hat und - dass Landau darauf mit den ihm eigenen großen Schritten weggegangen ist, ohne darauf zu erwidern, und dass er deshalb entlassen worden ist. Diese Seene hat der Landau indirect zugestanden, und ich führe mich darüber als Zeugen. Nach der Berichtigungsverhandlung kam es zu einem Wortwechsel zwischen Landau und mir, und ich habe in Gegenwart Dr. Werners gesagt: Von diesem Herrn haben Sie die Ohrfeige bekommen, jetzt bekommen Sie sie von mir. Darauf rst Dr. Landau mit denselben großen Schritten weggegangen. (Heiterkeit.) Dr. Landau (unterbrechend): Mit dieser Geschichte sind wir noch nicht fertig! Dr. Rosenseld: Ja, ich wiederhole es nur, um Ihnen die Verhandlung leichter zu machen. — Die Beweisanträge werden die Wahrheit der Behauptungen des Dr. Herzl darthun, so dass sie keine Verleumdung und Entstellung sein werden. Nun komme ich zu den Artikeln. Bor allem gibt Landau zu, dass sie anonym sind. Nichtsdestoweniger nehme ich freiwillig die Beweislast für die Thatsachen auf mich, und wir werden alle Thatsachen beweisen. Allein damit aus Dr. Herzl auch nicht der geringste Schein fällt, als ob er mit seinem Wissen ihn angreife, so führe ich Dr. Herzl und Dr. Werner als Zeugen dafür, dass, als jene Correspondenz aus London kam, Herzl ausdrücklich erklärt hat: „Ich wünsche nicht die Aufnahme derselben", und dass Dr. Werner gegen den Willen Herzls dieselbe gebracht hat. Dafür aber, dass er thatsächlich für andere Blätter schrieb, gibt Zeugnis, dass die Bloch'sche Wochenschrift, in welcher Landau engagiert ist, ein gegnerisches Blatt ist (Dr. Herzl: Das schärfste!), und ich habe recht gehabt, wenn ich sagte, dass Landau gleichzeitig für mehrere Blätter schrieb, solange er bezahlt wurde (Dr. Landau: Nicht gleichzeitig!), nein, gleichzeitig nicht, aber nacheinander, er hat sich nicht der Bigamie schuldig gemacht, er hat die Frauen nacheinander besessen, zuerst war er Zionist, dann Antizionist. (Widerspruch des Dr. Landau.) Dr. Herzl will einige angeführte Thatsachen des Dr. Landau nicht unwiderlegt lassen, weil sie nur vorgebracht wurden, um in die Oeffentlichkeit ausgesprengt zu werden. Doch Dr. Rose nseld hält es nicht für nöthig, indem er erklärt: „Sagen Sie, Herr Doctor, einfach, dass es Lügen sind.'" Darauf wurde die Verhandlung vertagt. P Die jüdische Colonialbank. Jetzt hat die Zeit der stilleren Arbeit begonnen. Das ungeheure Material von so verschiedenartigen, zumeist kleinen Share-Anmeldungen muss gesichtet, geordnet, registriert werden. Es wird in den nächsten Wochen wohl keine Gelegenheit sein, neue Verlautbarungen zu machen. Die Bank wird jetzt in der üblichen, geschäffcsmässigen .Weise organisiert. Die vom 2. bis 4. Mai in London versammelten Directoren W o 1 f f s o h n, Kann, Heymann, Rosenbaum, Lourie, . Sachs und die Governors haben nach der erfreulichen Constatierung, dass das geforderte Minimum von Shares erreicht undüb er- ■ s c h r i 11 e n ist, alle weiteren nöthigen Massfegeln zu der vom englischen Gesetze verlangten Concentrierung der Anzahlungen in London veranlasst. Die Gelder werden zunächst bei verschiedenen Banken ersten Ranges in sicheres Depot gegeben, bis die Jüdische Colonialbänk zu ihrer selbstständigen Geschäftsthätigkeit schreitet. Die Bänken in Russland, welche als Contocorrentstellen für die Jüdische Colonialbank figurieren, werden vom Directoriüm zur Einsendung der gesammelten Beträge aufgefordert. Die Shares weiden mittlerweile gedruckt und ausgestellt werden. Dem vielfach geäusserten Wunsche, dass die Shares nicht auf Namen, sondern auf den Inhaber läuten sollen, wird in jedem Falle Rechnung getragen werden.. So weit bisher eine Leb ersieht möglich ist, haben sich ungefähr zweimalhunderttausend Zeichner an der Subscription betheiligt. Von den technischen Schwierigkeiten, mit welchen das Bankbureau zu kämpfen hatte und hat, erhält man am besten dadurch eine Vorstellung, dass beispielsweise in Russland allein in sechshundert Orten gezeichnet wurde, dass aber von diesen erst 450 Orte ihre Subscriptionslisten eingeschickt haben. Selbstverständlich wurde vom Directorium nur das thatsächlich Abgelieferte in Rechnung gezogen. Das Gesammtergebnis ist demnach gewiss weit grösser, als bisher ziffernmässig fest gestellt worden ist. Die noch ausstehenden Sammlungen werden den bereits heute gesicherten Erfolg nur vergrössern. Das Bankcomite, das einen scheinbar undurchführbaren Auftrag vom zweiten Baseler Congress erhalten hat, wird dem dritten Congress das glücklich zustande gebrachte Werk vorlegen. Die zionistische Bewegung hält heute um ein gutes Stück weiter! Der dritte Congress. Hiermit werden die Vereine und Inhaber von Schekelblocks aufgefordert, die Einsammlung der Schekel zu. betreiben, da die Wahlen zum dritten Comgresse demnächst in Angriff genommen werden müssen. Das Secretariat des Congressbureaus wird die Mittheilungen Nr.'* 2 für die Schekelzahler in der nächsten Woche-versenden. Diese enthalten die Wahlordnung für den Congress. Wer sich daher an den Wahlen zu betheiligen wünscht, möge mit der Entrichtung des Schekels nicht zögern. Das Bureau in Basel wird heuer eine viel grössere Arbeit zu -bewältigen haben. Es ist im allgemeinen Interesse gelegen, dass die Vorkehrungen überall beschleunigt und die Blocks nach Basel abgeliefert werden. Das Actionscomite. Weltchronik. Die Lage der luden in Persien. Aus Schiras, der durch ihre Rosen berühmten Stadt in Persien, kommen Meldungen, die erkennen lassen, dass^ die'Juden dort durchaus nicht auf Rosen gebettet sind. Vielmehr geht es ihnen noch viel schlechter, als in anderen persischen Städten, weil der dortige Scheich, Said Scherif (Scherif: heilig, Ehrentitel der Nachkommen Mohammeds), das Volk gegen sie aufwiegelt. Said Scherif ist ein furchtbaier Zelot Und ein blindwüthiger

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