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Die Welt · 1899-04-07 · 14 (7.4.1899) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
14 (7.4.1899)
Article
Massenmeeting in London
Date
1899-04-07
Page
8 (sequence 3)
Language
German
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str. 14 Leite tz „Die Welt« wir uns selber! — Wir fordern Euch auf, ein Pfund zu riskieren, eine Aetie, deren Betrag in ganz geringen Raten abgezahlt werden kann. Ist das vielleicht zu viel? Was haben nicht die Führer an Zeit, Kraft und Herzblut geopfert! Nicht um eine wilde Speculation mit Eurem Oelde handelt es sich, darum wird das Unternehmen officiell nicht Bank, sondern Trust (Treue, Vertrauen) genannt. In Treuen soll das Geld des Volkes für das Volk bewahrt werden. Entscheidet Euch nun! Aber setzet die Gewissheit vor Eure Entscheidung, dass es einst kein glänzenderes Ehrendiplom geben wird, als den Anteilschein des Armen, des armen Ehrenmannes, der durch seinen Anteilschein nicht reich wird geworden sein, aber die Saat wird gesäet haben einer goldenen Ernte der Zukunft!" Mr. J. de Haas beantragte ein Dankesvotum für den Redner. Der Antrag wurde unter stürmischem Beifalle der Versammlung angenommen. Ehe der schöne Abend zu Ende gieng, brausten noch einmal Beifallsrufe durch den Saal. Sie galten diesmal den Führern, Dr. Herz 1, Doctor N o r d a u, Dr. Gasten und der J üdis chen Colonialbank. Blätterstimmen. Natürlich fehlt es auch nicht an mancherlei höhnischen und herabsetzenden Bemerkungen über den Prospect der Jüdischen Colonialbank in verschiedenen Blättern, die gewohnt sind, von der Hochbank Trinkgelder geschenkt zu bekommen oder zu erpressen. Zeitungen dieser Kategorie erinnern höchstens daran, dass Papier aus Lumpen gemacht wird. Eine weitere Bedeutung kommt Angriffen von solcher Seite nicht zu. * An die Juden der Niederlande hat Banquier Kann im Haag einen energischen Aufruf zur Betheiligung an der Banksubscriplion erlassen. Es heisst da: „Wir dürfen doch nicht annehmen, dass auch nur ein einziger von uns nicht gerne mitarbeiten will, wenn es gilt, den Millionen unglücklicher Stammesgenossen, den Parias von Osteuropa auf eine entschiedene Weise zu helfen. Und wenn dem so ist, bleibt nur noch die Frage: Bietet die Jüdische Colonialbank dazu die Möglichkeit?" — Es ist kein Zweifel, dass die Frage bejaht werden muss. — Der schwungvolle Aufruf wurde in allen jüdischen Zeitungen Hollands abgedruckt, und auch die grosse Tageszeitung „Het Algemeen Handelsblad" hat ihn übernommen. * In viele deutsche Blätter ist ein Artikel der angesehenen „Conservati ven Correspondenz“ übergegangen, der „von einer ihr politisch nahestehenden Seite" herrührt. Wir entnehmen dem bemerkenswerten Aufsatze einige Stellen: „Das Zionistische Actionscomite in Wien, der leitende Ausschuss der Partei, verbreitet in vielen tausenden von Exemplaren einen Aufruf zu Zeichnungen für eine Jüdische Colonisationsbank. Es ist genügende Aussicht vorhanden, dass das geplante Institut Thatsache wird. Da somit der Zionismus von Worten zu Thaten übergegangen ist, verlohnt es sich, die Bewegung etwas genauer anzuschauen und Berechtigung wie Durchführbarkeit ihrer Endziele zu prüfen." Hieran schliesst sich eine objective Darstellung der Ziele des Zionismus, und der Aufsatz endigt mit den W orten: „Zur Durchführung dieser Pläne soll vor allem die oben erwähnte Bank dienen, welche Landkäufe vermitteln, Credite gewähren und industrielle Unternehmungen 6nanderen soll. Man hofft die Einwilligung der Türkei zu erreichen, indem man auf die finanziellen und moralischen Vortheile hinweist, welche sich aus der Besiedlung der wüst liegenden Provinz mit einer betriebsamen, den Arabern stammverwandten Bevölkerung für die Pforte ergeben würden. Der officielle Zionismus versichert, die Souveränitätsrechte des Sultans streng respectieren zu wollen, und meint so die Befürchtung zerstreuen zu können, als solle der Türkei zu den vielen „Fragen“ noch eine jüdische Frage geschaffen werden. Die Bedingungen für die Colonisation Palästinas sind an sich sehr günstig. Der Boden ist verwildert, aber fruchtbar, das Land ist ausserordentlich schwach bevölkert, der Boden zu etwa zwei Dritteln Regierungseigenthum, das in Erbpacht gegeben wird. Auch in klimatischer Beziehung lauten die Zeugnisse unparteiischer Kenner günstig. Für Deutschland würde ein Gelingen der über Erwarten angewachsenen Bewegung von Vortheil sein. Für die im Elend verkommenden jüdischen Massen im Osten zu sorgen, gebietet die Nothwendigkeit. Erinnern sich die Juden ihrer Stammesherkunft und der sich aus dieser ergebenden Verpflichtung, so wird deshalb niemand annehmen, dass sie unpatriotisch seien. Werden vielmehr die westeuropäischen Länder von dem dauernden Zuströmen erwerbsloser armer Juden befreit und wird so der brennendste Theil der Judenfrage durch den Zionismus praktisch gelöst, so wird man es der Bewegung Dank wissen, wie man ihren theoretischen Zielen schon heute die Billigung nicht versagen kann.“ * Der „Jewish Express" in Leeds (England) vom 31. März a. c. schreibt über die Jüdische Colonialbank einen glänzenden Artikel, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Das diesjährige Passah-Fest ist für das ganze jüdische Volk* in allen Ländern der Erde von grösster 'Wichtigkeit, es ist ein Pessach Hagadol, wie es noch nicht seinesgleichen war in unserer vieltausendjährigen Geschichte, seit die Juden, aus Aegypten erlöst, zu einem selbständigen freien Volke geworden sind. An dem ersten Tag Chol hamoed, am 28. März wurde officiell die Jüdische Colonialbank in London eröffnet, mit der Erlaubnis der Regierung, Shares zu ein Pfund herauszugeben. Ein jeder Jude, der theilnehmen will an dem grossen Werke, das jüdische Volk in seiner alten, theuren Heimat Palästina wieder ansässig zu machen, hat die Möglichkeit, solche Shares zu erwerben. — Wessen Herz wird nicht gerührt, wessen Auge nicht feucht von Freudenthränen, wer begreift es nicht, welch grosser, historischer Augenblick für das jüdische Volk gekommen ist! Glücklich sind wir zu preisen, dass wir in der Zeit des Erwachens des jüdischen Volkes leben dürfen. Welche Freude, die Einigungisraels, seine Neubelebung mitanzusehen, seine Begierde, mit allen Kräften, mit den schwersten Anstrengungen seine Befreiung aus dem Golus durchzusetzen. Lasst uns an diesem Passah aus tiefstem Herzen den Segensspruch sagen: UEfpl 1JTTW ♦mn po uinrn 1 Zwei mächtige Factoren musste uns der Herzlische Zionismus schaffen, wie er im „Judenstaat" umschrieben ist: Die „Society of Jews" und die „Jewish Company". Die erste muss sich mit allen Interessen unseres Volkes beschäftigen, seine Politik führen, es organisieren, sammeln, seine körperliche und geistige Erhebung leiten. Die „Society of Jews" soll die anerkannte Autorität, nicht nur bei den Juden, sondern auch bei allen anderen Völkern sein. Die „Jewish Company" führt nur praktisch aus, was diese Autorität wissenschaftlich und politisch vorbereitet hat. Sie soll in steter Abhängigkeit von der „Society" das Geld beschaffen, das zur Ausführung der zionistischen Pläne nöthig ist. Die „Society of Jews" ist der Congress, die „Jewish Company“, das ist die Jüdische Colonialbank. Die Bank ist eine jüdische, sie wird unter Aufsicht des Congresses nur solche Geschäfte machen dürfen, welche den Interessen des gesammten jüdischen Volkes dienen. Hätten wir das Glück gehabt, dass unsere jüdischen Finanzbarone wirklich Juden wären, wir hätten schon lange eine jüdische Bank mit einem grossen Capital gehabt, und der Plan Herzls wäre seiner Realisierung bedeutend näher. Aber unsere jüdischen Millionäre kümmern sich um alles eher, als um das jüdische Volk. Ein beliebiges bankerottes Ländchen ist ihnen mehl wert, als ihr eigenes Volk. So sind wir gezwungen, die zwei Millionen Pfund durch eine Subscription aufzubringen. Bekanntlich hat Herzl zur Aufbringung des Actiencapitals der „Jewish Company" drei Wege angegeben, erstens durch die Hochbank, zweitens durch eine Mittelbank, drittens durch eine volkstümliche Subscription. Die Verhältnisse haben es mit sich gebracht, dass wir den dritten Weg eingeschlagen haben. Sollen wir uns darüber kränken? Es wäre gewiss besser, wenn das ActienCapital der Bank hätte höher sein können. Es ist bedauerlich, dass gerade mehrere unserer reichsten Juden abseits stehen in dem wichtigen Augenblicke, in dem wir für unsere Zukunft etwas Grosses vollbringen wollen. Spätere Historiker werden sieh gewiss nicht wenig wundern über die Blindheit und Herzenshärte unserer Millionäre. Während die Massen des Volkes nicht zum geringsten Theile gerade durch die Schuld dieser Reichen unter dem Drucke des widhendsten Judenhasses leiden, während sie eine furchtbare Anstrengung machen, um dem ganzen Volke zu helfen, stehen diese Reichen ab-

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