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Die Welt · 1899-03-31 · 13 (31.3.1899) · p. 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
13 (31.3.1899)
Article
Die Millionen der Ica
Date
1899-03-31
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Zette 2 „Die H Welt“ Nr. 13 dabei nicht länger aufhalten. Nur eohstatieri sei, dass die Gründer der Jüdischen Colonialbank für ihre Unterschrift auf dem Prospecte nicht bezahlt werden, sondern dass sie im Gegeniheile dafür zahlen. Alle, wie sie da stehen, Mann für Mann, haben sich eine Ehre und ein Vergnügen daraus gemacht, zu den bedeutenden Gründungskosten das Ihrige ä fonds perdu beizutragen, und es ist vollkommen ausgeschlossen, dass sie von dieser Aufwendung jemals für ihre eigene Tasche etwas profiti* ren können. Nur insoferne sie gleich anderen Subscribenten Actien zeichnen, können und werden sie die rechtmässigen Dividenden beziehen. Und während die Hochbänker wohl von ihrer Prospectunterschrift einen unmittelbaren Nutzen haben, aber das ausgegebene Wertpapier nicht für sich behalten und diese Thatsache zu verschweigen pflegen, haben die unbezahlten Errichter der Jüdischen Colonialbank auch selbst Shares genommen — einzelne bis zu zweitausend Stück — und diese Anlage auch in schicklicher Weise bekannt gemacht. Diese Publication erfolgte, damit man im Falle einer bedeutenden Courssteigerung den Errichtern der Bank auch nicht den Vorwurf machen könne, sie hätten aus ihrer genaueren Kenntnis der Verhältnisse einen Vortheil gezogen, der nicht jedem zugänglich war. Auf der anderen Seite aber musste gezeigt werden, dass sie das Vertrauen zur volksthümlichen Unternehmung, das sie anderen zumuthen, auch selbst bethätigen. Es kann nicht schaden, wenn wir diese Unterschiede der Art und des Verfahrens gerade in dem Augenblicke deutlich ins Licht setzen, wo wir anscheinend auf den Wegen der Hochbänker wandeln. Gewisse Theile unserer wohlbekannten Aufgabe sind durch Geld zu lösen. Aber es ist ein Irrthum kleiner Leute, zu glauben, dass dies genüge. Und mancher bleibt klein auf einem Berge von Geldsäcken. Die „praktischen“ Leute, die uns nicht verstehen wollen oder mit ihren unzulänglichen Gehirnen nicht verstehen können, begehen den Fehler, die Sache rechnerisch zu* entscheiden. Wenn die Ansiedlung einer Familie 5243 Francs - und 27*/2 Centimes kostet, was kostet die Ansiedlung von 17.926 Familien? Wozu dann noch eine Menge Complicationen kommen, welche den bornierten Scharfsinn unaufhörlich beschäftigen. Die 17.926 Familien haben mindestens 17.926 verschiedene Verhältnisse. Wieviel Dunam Boden, wieviel Samen oder Keben, wieviel Pferde, Esel, Kühe und Ochsen brauchen sie? Nun, so kindisch ist das Exempel nicht zu lösen. Wollte man in dieser Form ausrechnen, wieviel Geld zur Ansiedlung des jüdischen Volkes nothwendig ist, man käme auf einen phantastischen Betrag, Jedenfalls genügt dazu weder das Actiencapital der Jüdischen Colonialbank, noch das Vermögen der Ica* noch das der vielen anderen Colonisations-Gesellschaften, noch das aller Bankbarone. Die wirkliche Ansiedlung der jüdischen Massen, welche sich danach sehnen, auf dem Boden, den sie wünschen, muss man wohlauf mehrere Milliarden veranschlagen. Die „praktischen“ Rechner werden nun mit ihrem überlegensten Lächeln sagen, dass diese Milliarden zuerst ebenso liquid daliegen müssten, wie beispielsweise die dritthalbhundert Millionen der Ica. Und Leute mit solchem Horizont wollen eine so grosse Volkssache beeinflussen. Ist es ihnen denn ganz und gar versagt, die primitivsten Erscheinungen der Volkswirtschaft zu verstehen? Soviel Geld gibt es nicht, um ein Volk zu transportieren und anzusiedeln» Hingegen genügt dazu eine einzige, einfache, allgemeine Idee, wie es unsere volksmässige ist. Ich weiss nicht, ob zu dem ideenreichen Baron Hirsch oder zu Baron Edmund Rothschild jemals, wie zu mir, Leute gekommen sind, die sich als Besitzer kleinerer oder grösserer Vermögen vorstellten und Rath verlangten, wie sie sich „drüben“ ansiedeln könnten. Es waren darunter Leute, die zweihunderttausend Francs und mehr besassen, oder Gruppen, deren jedes Mitglied den Besitz von zehntausend Rubeln nach weisen musste. In solchen Fällen können die „Praktischen“ gar nichts thun, weil es sich da nicht um den Vorspann von Ochsen handelt, auf den sie einzig und allein gut eingeübt sind. Wohl aber wünschen diese Ansiedler auf eigene Faust und mit eigenen Mitteln die rechtlichen Sicherheiten, deren Herbeischaffung wir „Politischen“ uns zur Aufgabe gemacht haben. Wir stehen nicht mit Gönnermiene da und erweisen nicht ein paar Familien Wohlthaten, die sich knapp auf die Köpfe der zufällig Begünstigten beschränken und schon deren Verwandte und Nachbarn in unveränderter Noth lassen. Wir betrachten uns vielmehr als freiwillige Beamte und unbelohnte Diener des ganzen Volkes, dem wir neue Existenzbedingungen bereiten wollen. Darum ist unsere rechnerische Formel eine andere, und wer wagt es, ihre Richtigkeit zu bestreiten? Wir sagen nämlich: Es ist soviel Geld noth wendig, als Leute kommen werden. Die „Praktischen“ sagen umgekehrt: Es können nur so viele Leute hingehen, als Geld für ihre Ansiedlung flüssig ist. Nach unserer Rechnung steht das zu investierende Capital in geradem Verhältnisse zur Zahl der Ansiedler. Für wenig Ansiedler wenig, für viele Ansiedler viel Geld. Die Entwicklung muss eine natürliche, organische sein. Haben denn unsere Gegner nie etwas von der Geschichte grosser Ansiedlungen gehört? Von der epischen Zeit der Völkerwanderung bis herauf in unsere Transvaaltage ist der Grundzug der gleiche. Den Auswanderer löst ökonomische oder moralische Noth einzeln oder in Massen vom Boden. Er sucht einen anderen Fleck Erde und wird sich dort niederlassen, wo ihm bessere Bedingungen gewährt sind, wo er Arbeit und Sicherheit für das Erworbene, und mehr Freiheit, Recht und Ehre finden wird, als an dem verlassenen Orte. Wir sehen es folglich nicht als unsere Aufgabe an, die Leute hinüberzuschaffen. Unsere Aufgabe ist es: drüben für sie bessere Bedingungen herzustellen. Dann kommt, wer will. Dann kommt, wer Arbeit und Sicherheit für das Erworbene sucht, wer etwas mehr Freiheit, Recht und Ehre gemessen will, als er jetzt hat. Die Bank aber wird der türkischen Regierung finanzielle Dienste leisten, insoweit und insolange hierfür ein Gegenwert in der Form von ausreichenden Rechtszilgeständnissen für die Ansiedler erfolgt. Die Investition von Arbeitskraft und entsprechendem Untern ehniungs-Capital muss sich allmählich vollziehen, geleitet von der Colonialbank und mit dem allerdings nicht zu unterschätzenden Rückhalte der millionenreichen Colonisations-Gesellschaften. Das ist der ganze Plan, der doch wohl klar und praktisch genug ist. . Nun sind aber um die Bank herum schon so viele Märchen erzählt worden, dass man auch manche thörichte Vorstellung widerlegen muss, obwohl die Widerlegung eigentlich auch schon komisch wirkt. Das Actiencapital der Bank soll keineswegs an die Colonisten vertheilt werden, wie es ja auch nicht bestimmt ist, in den türkischen Staatsschatz zu fliessen. Wohl aber soll das Institut die Aufbringung von Anleihen unter den besten Bedingungen und die Anregung von Unternehmungen vermitteln: agriculturelle, technische, industrielle, commercielle. Das sind die Mühlen, die der Bach zu treiben hat. Dass eine noch so gross-

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