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Die Welt · 1899-03-03 · 9 (3.3.1899) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
9 (3.3.1899)
Article
Die Anglosachsen, das Volk Israel
Date
1899-03-03
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 9 , „Die Welt“ Seite 5 Auszug aus Aegypten, die Besitzergreifung Palästinas, die Regentschaft Davids, die Thronfolge durch Salomo, die Trennung der zehn Stämme nach Salomos Tode, uw vermittelst zahlreicher Argumente zu dem Resultate zu gelangen, dass die zehn Stämme nie das Los der anderen zwei Stämme — über der ganzen Erde zerstreut zu sein — theilten, sondern dass sie die Bestimmung hatten, „the great British Empire“, das große britische Reich, zu schaffen, um die biblische Mission zu erfüllen, nämlich: „die zerstreuten Brüder, die Stämme Judah und Benjamin, mit Israel wieder zu vereinigen, um sie nach Palästina zurück zu führen, daselbst den Thron Davids aufzurichten, und so das Reich Gottes durch die Dazwischenkunft des Messias herzustellen." — Sie nennen fid) „The Chosen People o f Go cl“, das auserwählte Volk Gottes, „denn sie sind gemäß den Verheißungen, welche ihrem Vater Abraham gemacht wurden, die zahlreichste und mächtigste Nation der Erde; denn es gibt keinen Welttheil, in welchem sie nicht ihre Besitzungen haben". Und nun werden alle die „Gates" (Thore) ausgezählt, welche sie von Gibraltar und Malta an bts zu beit Falkland Islands erworben haben, womit das Wort Gottes zu Abraham (Genesis 22,17 und 24, 60) erfüllt erscheint. Allerdings fehlt ihnen noch das eine Große Thor ,/l? li e S u b 1 i m e Porte“, die Hohe Pforte, allein auch diese wird kein Hindernis bilden. „Dass dieses „Große Thor" bald unserer Nation offen stehen wird, damit wir unser eigenes Land Palästina zurückbekommen, in dessen Nähe sich dieses befindet, damit wir unsere Brüder, die Juden, in dieses Land zurückbringen, wenn wir selbst dort sein werden." (Jeremias 111, 18.) Weitere Beweise: Sie, die Briten, sind tüchtige Geschästsleule, tapfere Krieger, weise Gesetzgeber, ganz so wie Israel es war. Sie halten die zehn Gebote und feiern den Sabbath, wie — außer Israel — kein anderes Volk. Sie sind so reich, dass sie es nie nöthig haben, bei anderen Völkern Anlehen zu machen. „Wir sind so wohlhabend, weil Gott uns die Macht gibt, Reichthum zu erwerben (Deut. 8, 18); wir haben fast allen Nationen der Erde Geld geliehen, aber wir haben es nie nöthig, von ihnen zu borgen (Deut. 25, 6). Wenn unsere Regierung Geld braucht, leiht ihr unser Volk, leihen unsere Bankiers oder unsere Brüder, die Juden, niemals jedoch leiht uns der Fremde." Sie unterscheiden zwischen Israel und — Judah; sie nennen sich „Israelites“ und die int Golus lebenden sind ,.Jews“. — Der Verfasser weist sogar aus der Geschichte Englands genealogisch nach, dass die Königin Victoria von der jüdischen Königsfamilie abstammt: „Und so ist unsere Königin in gerade Linie ein Glied des königlichen Hauses Judah. Weil wir Israel sind, hat Gott es vorgesehen, dass wir eine unbestrittene Thronfolge haben. Ein gesetzlicher Erbe der Linie Davids muss immer unseren Thron einnehmend -i- * * Von demselben Verfasser, Philo-Jsrael, erscheint alljährlich ein elegant ausgestatteter,, A n g l o -1 s r a e 1 A1 ni a n a c‘ mit Beiträgen von christlichen und christlich gewordenen jüdischen Theologen (Hebrew-Chrirtians) mit der gleichen Tendenz. — Ferner gibt derselbe eine Wochenschrift heraus: „The Banner of Israel“. Dieses Banner ist nicht etwa der Schild Davids, sondern das britische Wappen mit dem Löwen nnd dem Einhorn. Unter dem Löwen befindet sich der Vers ans Micha 5, 8, und unter dem Einhorn ist der Vers aus Deut. 33, 17. — Aus dem 15. Jahrgang, 1891, ist zu ersehen, dass dank der Zweigvereine in den verschiedenen Städten Englands die Bewegung zugunsten der Hypothese, welche kurzweg „the Identity“ genannt wird, im Wachsen begriffen ist. * * * Neben den genannten Publicationen, welche in London erscheinen, existiert eine stattliche Reihe von in Amerika herausgegebenen Schriften mit den gleichen Zielen und der gleichen Organisation. „Our Hope" (Unsere Hoffnung) betitelt sich eine Monatsschrift, welche sich hauptsächlich an die Juden wendet. Ihre meisten Mitarbriter sind „Christian-Rabbis“, welche in allen Sprachen, auch in Hebräisch und Jargon (Yiddish), ihre Lehrsätze mit Citaten aus dem Alten Testament für ihre Zwecke zu erhärten suchen. Eine zweite Schrift ist: „The Messiah and His People Israel“, „Der Messias und sein Volk Israel". Eine dritte, wohl die beachtenswerteste, heißt: „The scattered Nation“, „Die zerstreute Nation", herausgegeben von David Baron. In der Oclober-Nummer 1898 fesselte meine Aufmerksamkeit die gelungene Illustration von zwei polnischen Rabbinern und, im Zusammenhänge damit, ein Bericht über den zweiten Baseler Congress, erstattet von Mrs. Baron. Diese Dame war als „Reporteress“ aus dem Congresse. Ihr Bericht ist correct und ziemlich vollständig; dass sie zugleich ihre Ansichten über den Zionismus zum besten gibt und die Rede Dr. Gasters nach ihrer Weise kritisiert, ist von ihrem Standpunkte als Berichterstatterin für die „Scattered Nation“ nicht auffallend. Hier ihre Schlussbetrachtung, „The Religions Stone* — „Der Stein" — anspielend aus die Sage vom Grundstein im Münster zu Straßburg, in Dr. Gasters Rede: „Wenn aber Dr. Gasters mit großem Beisalle aufgenommene Rede den religiösen Geist des Zionisten-Congresses richtig auslegh so ist dies ein prahlerischer Geist der Selbst- Verherrlichung, zu streben nach dem Lande, und nicht nach dem Herrn, ihrem Gott und ihrem König David." Sodann folgt die Rede wörtlich, und die Christian- Jewess reflectiert also: « „Was.ist das für ein Stein, von welchem Dr. Ga st er sagt, dass derselbe den Grundstein des Judenthums bildet, und wenn daraus geschlagen wird, das ganze Gebäude in Schwingung geräth? Die jüdischen Schriften sagen viel darüber, aber es scheint, dass die jüdischen Rabbiner rufen: Friede, lasset uns in Ruhe, sonst geht unsere Gemeinschaft zugrunde! — Wissen sie denn nicht? — Gewiss, sie wissen es, dass die ganze Nation seit 2000 Jahren sich in fortwährender Schwingung befindet, zersplittert ist, und ihre Bruchstücke in aller Welt sind? Warum? Weil auf den Stein geschlagen wurde. Er wurde zum Stein des Anstoßes, zu einem Berg von Sünden für beide Häuser Israels." (Jerem. 8, 14 und 15.) Mit dieser Wiedergabe sei die Tendenz dieser Vierteljahrsschrift gekennzeichnet, welche zu ihren Mitarbeitern gar viele Männer zählt, deren Namen über ihre Abstammung keinen Zweifel lassen und die im Dienste der evangelischen Mission stehen, lieber 300 solcher Hebrew-Missionaries sind fortwährend auf Reisen, um Juden für die von ihnen vertretene Sache zu gewinnen. Die Berichte, welche sie ihren Vorgesetzten über ihre Thätigkeit schicken, zeigen, mit welchem Eifer nnd Geschick sie ihrem Berufe obliegen. Sie benützen jede Gelegenheit. welche ihren Zwecken förderlich erscheint. So suchen sie am Samstag-Nachmittag jene Straßen auf, wo Juden in größerer Anzahl wohnen, um die jüdischen Familien auf ihren Spaziergängen oder beim Teuipelgang zu treffen, sie ins Gespräch zu ziehen und ihnen ihre Ideen darzulegen. Sie gehen ztt diesem Zwecke auch in die Koscher-Restaurants und verfolgen ihr Ziel auch in den Eisenbahnwaggons. Die Evangelisation eines Juden ist jedoch, wie sie mittheilen, nicht leicht und gelingt nicht oft. In den Kreisen der Protestler muss man doch oder sollte man wenigstens von diesen Vorkommnisseu Kenntnis haben und die Folge sollte sein, die dem Zionismus gegenüber beobachtete feindliche Haltung aufzugeben, denselben vielmehr kräftigst zu fördern, weil der Zionismus allein den Abfall vom Judenthume zu verhindern und die Abbröcklung aufzuhalten vermag, indem er bei seinen Anhängern das Selbstbewusstsein weckt, den engen Anschluss an die eigene Nation fordert und dadurch dem jüdischen Leben jenen idealen Inhalt verleiht, dessen es sich trotz aller Assimilations-Bestrebungen nie zu erfreuen imstande sein wird. * * *

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