Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 4 (27.1.1899)
- Article
- Der ethische Sinn bei den Juden
- Date
- 1899-01-27
- Page
- 4 (sequence 3)
- Language
- German
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etite 4 ‘Jh.. .4 Viel Nutzen ziehen dürfen und sich zu diesem Zwecke lebenslänglich einsperren lassen. * Die Franzosen beabsichtigen, anlässlich der nächsten Pariser Weltausstellung Eulen nach Paris zu tragen. Colossale, Zentnerschwere Eulen. — Unweit des Marsfeldes soll, als noch nie dagewesener „Clou", ein hundert Meter hoher und hundertundfünfzig Meter im Durchschnitt haltender künstlicher Vulcan errichtet werden. Die Geschichte wird nicht weniger, als sechs Millionen Francs kosten. — Ein klassisches Beispiel gallischer Verschwendungssucht. — Wozu die überflüssigen Ausgaben? Ganz Paris steht doch heutzutage auf einem regelrechten Vulcan. * -!c * Im letzten Journal des anthropologischen Institutes - von Großbritannien erschien ein Aufsatz über die Eingeborenen des Warri-Bezirkes im englischen Schutzgebiete an der Negerküste, der sich mit der Hautfarbe der Neger beschäftigt. Daraus erfahren wir, dass reinblütige Neger bei der Geburt rosig sind wie junge Ratten und erst nach drei bis vier Monaten schwarz werden. — Sind das aber Glückspilze, die Neger! Durch vier, sage vier volle Monate ihres Lebens können sie auf die natürlichste, bequemste Weise ihre Rasse verleugnen, durch vier volle Monate stecken sie in einer Haut, der man das Negerthum nicht ansieht. — Diejenigen Juden, die kummervoll unter der Last ihrer^Kassenmerkmale dahinwanken, werden mit einem eigenen Gemisch von Wehmuth und Neid über das wundersame Naturspiet Nachdenken, das den Negern für eine, wenn auch noch so kurze Zeit gestattet, keine Neger zu sein. Ach Gott, viel würden unsere Juden dafür geben, wenn sie sich für vier — für drei - für zwei — für einen Monat eine so inkonsequente brave Wechselhaut aneignen könnten. — Ja, sie würden sich sogar,- wenn sie. den äußerlichen Juden loswerden könnten, gar nichts daraus machen, das Exterieur junger Ratten dafür einzutauschen. * * * Das „Leipziger Tageblatt" erzählt von einer den guten Gesellschastsrlassen angehörenden mildthätigen Frau, die in den Straßen von New-Uork den Leuten die Stiefel putzt und den Ertrag dieser Dienstleistung humanenStiftungen widmet.So ein schönesVorbild selbstloserMenschenfreundlichkeit sollte auch in Wien Nachahmung-finden. Nur wäre es zur Erzielung eines sehr hohen Ertrages angezeigt, dass der betreffende milde Engelsich-bie zahlreichen, in Wien domicilierenden, ungewaschenen ' Mäulev -zur Reinigung ausersehe. An allseitiger kräftiger Unterstützung würde es nicht fehlen. Wir sind überzeugt, dass zum Beispiel die Wiener „Arbeiterzeitung", die anlässlich des Kolomeaer Tallesweberstrikes in jeder Sonntagsnummer ihren Mund gegen die Zionisten ausleert, ihr gesammtes Redactionspersönal für einen so eminent wohlthätigen Zweck sofort zur Verfügung stellt. Das gäbe ein hübsches rundes Sümmchen. Und wenn dieses dem Strikefond der Tallesweber zugeführt würde, so hätte die „Arbeiterzeitung" endlich einmal mit ihrem immerdar, thätigen Mundwerk auch etwas Praktisches für die armen Tallesweber geleistet. — klebrige ns, wir wollen nicht unhöflich sein. Gerade bei der „Arbeiterzeitung" hätte es die obige Samariterin nicht nothwendig, die Sprechwerkzeuge purisicierend zu behandeln. Hier könnte die New-'Iorker Methode ganz gut beibehalten werden. In der „Arheiter- -zeitung" ist der Artikel „Stiefel" .sattsam vorhanden. * Wie erinnerlich, wiederhallten vor nicht gar langer Zeit sämmtliche Zeitungsspalten des In- und Auslandes von den schallenden Küssen, die in Amerika einem einfachen Lieutenant verabreicht wurden. Lieutenant Hobson hatte während des spanisch-amerikanischen Krieges im Hafen von Cuba an einer lebensgefährlichen Stelle mit großer Todesverachtung Lorbeern gepflückt, indem er daselbst das Sperrschiff „Merrimac" versenkte. Nachdem er dies gctha» -hatte und glücklich mit dem Leben davongekommen war, -streckte er sich keineswegs der Länge nach auf seinem schwellenden Lorbeerpfühl aus, sondern kehrte dieser botanischen Unterlage, die ja doch nur der Flora des -Landes angehörte, den Rücken, und begab sich auf Reisen. — Es winkten ihm die patriotischen Töchter des Landes. Und wirklich sah sich der tapfere Lieutenant nirgends in seinen kühnsten Erwartungen getäuscht. Ueberall, allüberall bereitete ihm die patriotische Frauenwelt begeisterte Ovationen, die sich zu zahllosen Küssen zuspitzten. Der tapfere Hobson war auf seinem Triumphzuge von Frauenlippen . aller Altersstufen förmlich umlagert, in allen Gesellschaften, wo er erschien, wurde er von Mund zu Mund herumgereicht, und das lebhafte Schnellfeuer laut tönender Küsse, das auf den tapferen Hobson eröffnet wurde, dauerte gewöhnlich solange, bis die Erschöpfung des angreifenden -Theiles den tapferen Hobson zwang, in die nächste Stadt > zu reisen. So absolvierte er nach und nach die über- ‘ wiegende Masse der amerikanischen Frauen. — — Und jetzt, nachdem der tapfere Hobson mit Küssen geradezu, übersäet vor der ganzen Welt dasteht, kommt auf einmal ein eigenthümlicher Pferdefuß an ihm zum Vorschein. Ein Pferdefuß, dessen Anblick dem gesammten Wiener christlichen Frauenbund die jähe Zorn- und Schamröthe in die , Wangen treiben muss — ein semitisch zugestutzter Pferde- ' fuß. Mit lautem Kreischen werden die Wiener Frauen erfahren, dass in den Gliedern des tapferen Hobson, wie die Durchforschung seiner Familienpapiere ergeben hat, jüdisches Blut rinnt; Fleisch vom Fleische Israels war es, was von den nichts ahnenden arischen Frauen Amerikas an die Lippen gepresst wurde. Diese ganze sündige Affaire entpuppt sich somit als gewöhnlicher jüdischer Gaunerstreich. Der raffinnierte Hobson hat den „Merrimac" versenkt, um durch diesen Köder die amerikanischen Frauen dranzukriegen. Die schnöde Geprellten verbergen vorläufig ihre schmerzliche Entrüstung in der Tiefe ihres Herzens. Im Uebrigen dürfte Hobson, wenn eine oder die andere Frau eine Sühne verlangen sollte, unter dem Drucke der öffentlichen Meinung mit einer vollgiltigen Begleichung des Schadens nicht zögern. Er wird die unrechtmäßig erschwindelten Küsse den reclamierenden Frauen wieder ehrlich zurückgeben. Erwin Rosenberger. Aus Frankreich. Menton, im Jänner 1899. LieberFreund! Sie haben recht. Ich mag ja wirklich in meinem letzte» Schreiben die liebenswürdigen Schwächen der Franzosen etwas zu hart beurtheilt haben. Sie meinen, es habe mich vielleicht ein wenig irritiert, dass das Erste, was ich an den Mauern der Häuser dieser schönen Stadt sah, die Aufrufe der „Libre Parole1an ihre Leser waren. Mein Gott! Ich war ja aus Wien gekommen. lieber solche Kleinigkeiten sind wir Wiener Jude» Gottseidank schon längst hinaus. Es hat mich eher amüsiert, dass ich soviel hunderte Kilometer reisen konnte, ohne dass die Anschauungen der Menschen sich, gleich dem Klima, gleich all -ihren natürlichen und socialen Verhältnissen, geändert habe». Nein, das war es nicht. Mich hat aber etwas anderes in -Harnisch gebracht. Das war die loi Grammont. La loi Grainmont punit.... Hundertmal habe ich das gelesen. In