Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 4 (27.1.1899)
- Article
- Der ethische Sinn bei den Juden
- Date
- 1899-01-27
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3315796-3315801-3384256--10426-3384385- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jf*tf>** Är. i Sette ä Sitten und Lügen und in dem Kampfe gegen die gesellschaftlichen Vorurtheile offenbart. Im Alterthum war die Mission Griechenlands eine ästhetische nnd philosophische, die Mission Roms eine politische, die Mission des Judenthums eine, ethische, mit dem Unterschiede, dass die Rolle Griechenlands und Roms schon längst beendigt ist, während das jüdische Volk die mehrhundertjährige Arbeit seines Stammes noch immer fortsetzt. In alter Zeit nahm der ethische Sinn die Gestalt des Prophetenthums an, was nichts anderes war, als die leidenschaftliche Kritik der Sitten, der Widersprüche nnd Gegensätze in der Gesellschaft, ein riesenhaftes Unternehmen, eine logischere, aufrichtigere, weniger lügenhafte Moral schaffen zu wollen. Die großen Schöpfungen der jüdischen Literatur, Hiob, die Propheten, die Evangelien sind Poöme — der Sittlichkeit. Die prophetische Begabung des Stammes ist noch immer nicht ausgestorben, sie hat nur andere Gestalt angenommen. Der Socialismns ist eigentlich dasWerk zweier Juden: Marx' und Lassall's. Der Socialismns aber ist im Grunde nur die scharfe Kritik unserer jetzigen gesellschaftlichen Ordnung. Marx ist sozusagen der Jesajas der Finanzwelt. Nordau hingegen schrieb zur Kritik der Moral eines der gelesensten Bücher. Der Hang zur Moralkritik, der in den großen jüdischen Geistern so lebendig ist, lebt auch im ganzen Volke. Einen großen Theil der deutschen Socialistcn bildet die gutsituierte jüdische Bürgerschaft. Der alte ethische Sinn, die ewige Unzufriedenheit mit dem sittlichen Zustande der Menschen ist es, was diese vermögenden Bourgeois in das Lager der Socialisten treibt. Man kann indes nicht behaupten, dass der Jude seine Mission fröhlichen Sinnes erfüllt. Kein Bolk hat so viel Traurigkeit um sich verbreitet, wie das jüdische. Der Pessimismus ist die chronische Krankheit der jüdischen Seele. Das ganze alte Testament, mit Ausnahme etwa des „Hohen Liedes", verbreitet trüben, eintönigen, bleischweren Pessimismus. Hiob, die Ilias des semitischen Geistes, ist eine endlose Klage. Neben dem ethischen Sinne und dem Pessimismus neigt die jüdische Denkweise gerne den extremen Lehren zu. Der jüdische Verstand ist außerordentlich tief, aber nicht biegsam, immer aber leidenschaftlich oder einseitig. Er vermag gewisse Erscheinungen in staunenswerter, heller Beleuchtung vors Auge zu rücken, in die verborgensten Einzelheiten dringt er ein, aber den organischen Zusammenhang der Dinge kann er nicht erfassen. Die großen semitischen Geister sind infolge ihrer Leidenschaftlichkeit von ihren Lehren so eingenommen, dass sie dieselben für absolut wahr, halten, stellen daher auch die extremsten Theorien als absolute Sätze hin. Mehr oder weniger hält sich ein jeder für einen Messias. Er ist überzeugt, wenn er es, auch nicht eingesteht, dass er zur Schaffung einer neuen Weltordnnng berufen sei. Dieses Selbstbewusstsein ist — allerdings immer in anderer Gestalt — in den Propheten; es lebt in Marx, der die Revolution des Proletariats in Aussicht stellt, es lebt auch in Lombroso, der den wahren Maßstab für die Rechtsprechung gefunden haben will. Die Behauptung, die absolute Wahrheit nnd die absolute Moral zu besitzen, macht uns den maßlosen Hochmuth dieses alten Volkes verständlich, sich als das von Gott auserwählte Bolk auszugeben. Die Propaganda ist eine der größten Schöpfungen des jüdischen Feuergeisles. Der glorreichste Tag der Weltgeschichte ist es, da die Apostel zur Eroberung der römischen Welt auszogen, nicht aber deshalb, weil an diesem Tag der Keim des Christenthums verbreitet wurde, sondern weil die Juden mit diesem Tage eine bis dahin unbekannte Kunst lehrten, die Künste wie man eine neue Idee verbreiten müsse. Zu den Grundzügen des jüdischen Charakters sind übrigens der Pessimismus und -er ethische Sinn hervorznheben, denn nur diese haben das Volk zur Erfüllung einer großen geschichtlichen Mission befähigt. Warum ist der jüdische Stamm mit Pessimismus unethischem Sinne so saturiert? Es ist schtver, hierauf zn antworten. Unleugbar indeffen ist es, dass Pessimismus und ethischer Sinn aus einer Wurzel emporwachse». Sie sind die Reaction der Unzufriedenheit und Unruhe. Man könnte sagen, dass der Jude des Glückes nicht fähig ist, dass er zu der Qual ewiger Unzufriedenheit verurtheilt ist. Als würde ihm etwas fehlen, als würde ein innerer Sporn einem unbekannten Ziele ihn zutreiben, das er nicht erreichen kann. Die Nervosität, die wir alle heute mehr oder minder fühlen, martert dieses Volk. Diese ewige Unruhe stammt auch daher, dass der gebildete Jude sich - geistig und sittlich doch gewissermaßen fremd fühlt unter der Menge, in der er lebt. Der Mensch kann einen bestimmten gesellschaftlichen Kreis beherrsche», kann Ruhm, Macht und Reichthum erwerben, wenn aber sein Charakter dem des Volkes, in dessen Mitte er lebt, nicht entspricht, kann er nicht glücklich werden, weil da seine Persönlichkeit sich nicht ausleben kann. Der Jude kann nicht Schritt halten mit der dem Glücke zuschreitenden Menschheit. Er will mit seinen eigenen Schritten gehen, da eilt er vorwärts, bringt Unordnung in die Reihen, stößt überall an. So gelingt es ihm oft, an die Spitze der Marschierenden sich zu stellen, da trifft ihn jedoch der Unwille aller derjenigen, die er überflügelt hat. Mit Misstrauen begegnen sie ihm, denn sie können es nicht begreifen, warum er nicht mit allen übrigen in Reih' und Glied gehen will. 8.1. Die Woche. Wien, 27>. Jänner 1889. In der letzten Zeit ist wieder einmal ein interessantes historisches Factum in augenfälliger Weise ans Tageslicht gezogen worden. Ein merkwürdiger Fund, den die „Münch. N. Nachr." melden, - beweist nämlich, dass die Erzeltern gewisser Juden bereits in vorsintflutlicher Zeit, noch vor Adam, über die Erde gewandelt sind. In einer uralten geologischen Schichte hat man die Spuren eines solchen Ahnen im fossilen Zustande gefunden, nämlich ein Ei, das er bei einem passenden Anlass gelegt hat. Es ist ein Riesenei von 1900 cms Kubikinhalt, welche Dimensionen schließlich bei einem Straußenei nicht gar so verwunderlich sind; das Ei stammt aus - der Pleistocän-Periode der Erde. — Es hat also bereits damals Politiker gegeben, die bei Verfolgungen,. um sich nicht -zu erkennen zu geben, den Kopf schlau in den Sand steckten und nichtsdestoweniger manche empfindliche Leibschäden einheimsten. , -* Nnd wo hat man die Keime dieser chinesischen Politik gefunden? — Es ist bereits gesagt: Im nördlichen China. * * ' ' . - * Aus England wird wieder ein philosemitischer Act gemeldet: Ans Anordnung des Ministeriums des Innern sollen die in den britischen Gefängnissen internierten jüdischen Sträflinge am Passahfeste und anderen hohen jüdischen Feiertagen nicht zur Arbeit herangezogen werden. — Es verlautet, dass die antisemitischen Fractionen des österreichischen Reichsrathes sich gerne bereit erklären würden, einen gleichlautenden Antrag einzubringen. Aber unter einer Bedingung: dass alle österreichischen Juden insgesammt von dieser schönen Gesängnisreform möglichst