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Die Welt · 1897-12-17 · 29 (17.12.1897) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
29 (17.12.1897)
Article
Judenexcesse in Rumänien
Date
1897-12-17
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Sette 12. Nr 29 ftc wieder Muth, bMüßten die Truppen mit Hurrahrufen und setzten, auf den Trottoiren weitermarschierend, die von den Truppen freigelaffen wurden,- ihre ZerstdrungSarLeit mit großer Verve fort, während die Gendarmen ruhig und gemächlich ihres WegeS weiterritten. „Die Kerle lachen Euch ja in'S Gesicht-und thun, was sie wollen"^ rief ich einem an. der Queue de- Zügereitenden Unterofficier zu. „6e 8L ne f&cem, asä ea („WaS sollen wir thun, es ist so"), brummte er achselzückend und. ingrimmig lächelnd. . In der Catea BacareSci, die ich mir gegen 5 Uhr, wo schon vollkommene Ruhe herrschte, noch einmal ansah, erblickte ich eine ganze Menge bön Nachtgardisten. „Sind Schlägereien vorgekommen?" fragte, ich einige von den Leuten, „Wir wissen nicht, Herr", lautete die Antwort, „wit sind'gerade jetzt hierher kommandiert worden und waren bei den Scan baten nicht dabei." Auch von'jüdischer Seite wurde durch die Zeitungen die Nachricht verbreitet^ dass die Juden für denselben Sonntag eine neue Versammlung auszuschreiben gedachten und dass dieselbe in einem im Judenviertel gelegenen Saale a-gehalten werden solle. Die Sanitätscommission bezekchnete jedoch den 'fraglichen Saal als ‘ gesun dheitsgefährlich und die Polizei verbot, seine Verwendung zur beabsichtigten Volksversammlung. Von Seiten der Juden horte man daun nichts mehr, als dass sm sich beim König zu beschweren gedächten, dass die Polizei während.des Tumultes bei Gelegenheit der früheren Versammlung ihre Schuldigkeit nicht gethan habe. Von Seiten der llniversitätsjugeüd dagegen wurde ein-Aufruf erlassen, in welchem es heißt: „Namens des diplomatischen Corps avisierte der insfichc Gesandte Fonion gestern den Cabinetschef Sturdza^ dass für die Schädigung fremder Unterthanen bei den letzten - Bukare.stcr Pöbelexcessen Schadenersatz verlangt werden würde." Mer wohl für die Angehörigen der „fremdev" jüdischen Nation Schadenel^ätz vttlängen wird!? Meltchroirik. Das in unserer Nummer vom 10. December gebrachten Porträt Heinrich Heines von P, Schick stammt aus der Porträtscoflyctioü de^'^rlagsänstglt I., .Brncktnann, in München. ' Pyn der Scylla zrr Bvzeznovsky. Wie uns aus Mn. gemeldet wird, sind die dortigen Juden ihres Deutschthums, das ihnvn -in letzter'Zeit so viel Unannehmlichkeiten bereitet Hat, runde geworden und givßtelilheiks ins Lager der Tschechen übergegangen. Die deutschen Firmntafeln der jüdischen Geschäftsleute ' rvuMn ^m'ter Assistenz des Polizeit-rnnrissärs heruntergenonimen und mit'lsche'chischen vertauscht, und die Cultusgemeinde hatden Beschluss gefasst, die deutsch-israelitische. Schule auszulösen und diei^Schülcr .in die tschechische Volks-: und Bürgerschule aufnehNien zu kasftu. Bon diesem Beschlüsse wurde die Jicner Gemeindevertretung bereits verständigt. Eine seltsame Kunde kommt' aus Brunn. Wie £bte ^Morst. Prt/' melden, planen die BrüNner Juden, die bisher das BMner des Deutsch lhums hochgchalteu haben, für die Oerwrskehendcu Gemeiudemahlen einen partiellen Strike, weil die . Deutschliberalen ' ein Separalbi'mdnis mit den Antisemiten geschlossen haben. . '' Die Verhandlungen gegen die Prager Exeedentsn begannen irr Prag am 11. December vor dem Strafgerichte. Bis mittags würden sechs Angeklagte wegen Auflaufs, öffentlicher Gewalthat und Drebstahls zu Freiheitsstrafen von drei Wochen hiI zu einem Jahre schweren. Kerkers verurtheilt. ' . Nachklauge zu den Prager Exeessen. Das sociald.eMokratische Organ „Pravo Lidu" erzählt: „Am Samstag abends schritten durch die Palackgasse in der Stadt Weinberge zwei elegant gekleidete, mit der slavischen Tricolore geschmückte Herrm. Der eine erzählte unter lautem Lachen: Als am Samstag der Pöbel eben den Laden eines jüdischem Kaufmannes fthräch und plünderte, gieng eme alte Jüdin vorüber und machte eine Bemerkung, die eine Beleidigung der plündernden Nation in sich schloss. Der Pöbel hörte das und stürzte sich auf dix Frau. Diese flüchtete in ihrer Angst in einen Fleischerladen. Der Pöbel forderte von dem Fleischhauer die Auslieferung der Fratz und drohte im Weigerungsfälle mit der Verwüstung des Ladens. Der Fleischer lieferte die Frau trotzdem nicht aus. Aber seine Gattin befahl einem Gesellen, die Frau hinauszuwerfen, was auch geschah. Nlry stürzte sich die Menge, auf die Frau, rissTsie zu Boden, bearbeitete sie mit den Fäusten, zerrte sie bei den Haaren und schleifte sie durch die Gasse. Und dann — so erzählte der Herr weiter — gab der Fleischergeselle der Frau einen solchen Wurf, dass sie auf mich zuflog; ich aber versetzte ihr seinen solchen Stoss, dass mir die Hand brummte. Dann kamen Wachleute, denen man erzählte, die Jüdin habe die Tschechen in höhnischer Weise beschimpft, worauf die Wachleute die Jüdin 7 abführten. : Der" elegante Herr ist' ein bekannter tschechischer Agitator!" Teutonischer ' Dank. DaZ Organ des Deutschnationalen Prade, „Deutsche Bolkszeitung", wendet sich gegen die Einleitung von Spenden für die Opfer der Prager Plünderungen, da die Geplünderten zumeist Juden seien. Stammesdeutschen dürfe man den Schaden vergüten, Juden nicht. In der Sitzung vom 10. d. M. urgierte G.-R. Weißwasser den in der vorletzten Sitzung gestellter Antrag wegen Unterstützung der Deutschen in Prag, die durch die tschechischen Pöbelexcesse in ihrem Eigenthum Schaden litten. Bürgermeister Dr. Lueger: der Antrag ist, wenn ich nicht irre, in der letzten Sitzung gestellt worden. Der Antrag wurde, wie mir von Seite des Präsidial-Bureausmitgetheilt wurde, einem Stadtrathe übermittelt. Es ist nun selbstverständlich, dass man diesem Stadtrathe auch einige Zeit lassen muss, um die Angelegenheit zu studieren. Der Herr Collega hat ja nicht nur eine Sympathiekundgebung beantragt, sondern auch eine Geldunterstützung. Und da muss man sich doch etwas erkundigen, wer sie braucht. (Zwischenrufe links: Juden.) Ein Preisausschreiben für ein antisemitisches Theaterstück veröffentlicht der Verein „Zwazek narodowochrzescijanski“ (christlich-nationaler Verband) in Lemberg. Hauptbedingung : Judenhehe mit Musikbegleitung. Auf dem Parteitage der Deutfcheonservativen Brandenburgs, sagte die Parteigröße Dr. Kropatschek, das confervative Programm vom 8. December 1897 entspreche noch heute den conservativeu Grundsätzen. Der Satz: Die Deutschconservdtiven bekämpfen den vielfach sich vordrängenden und zersetzenden jüdischen Einfluß — bestehe immer noch zu Rechte. Auf zum Kampfe gegen das Judenthum gelte noch immer als Parole. Walsin-Esterhazy. Ein pensionierter Officier, der den Major Walsin-Esterhazy während des tunesischen Feldzuges im Jahre 1882 kennen, gelernt, machte einem Lyoner Blatte folgende Mittheilungen: „Esterhazy war bei uns allen sehr schlecht angeschrieben. Der Spitzname „Nal8am-Na1a88i8", den wir ihm gaben und dessen Klang an Walsin.Esterhazy erinnert, drückte kurz und bündig die Meinung aus, die wir von ihm hatten: „Malassis“, (verrückt), „Malsain“ (ungesunder Verkehr). Als Chef des Auskunftsdienstes der Expedition gefiel Esterhazy dem Oberbefehlshaber General Logerot ganz und gar nicht. Alle Welt hatte übrigens den Eindruck, als befinde sich der Dienst in schlechten Händen. Esterhazy hatte verschwenderische Gewohnheiten; er hatte die -verrücktesten Launen und sparte nichts, um sie zu befriedigen. Eines Tages wollte er in Sfax seine .Freunde bewirten, und da man bei der brennenden Hitze keine Mittel besaß, um sich kühle Getränke zu verschaffen, sandte er eigens . ein Schiff nach Malta, um Eis zu holen. Da darf man sich nicht wundern, dass Esterhazy sich ruinierte, wenn er überhaupt je ein Vermögen besessen hat." Die englischen Philo-Zionisten. Der Londoner Correspondent des „Woschod" berichtet eingehend über die stetigen Fortschritte der zionistischen Bewegung und betont unter anderem, dass die englische christliche Geistlichkeit mehr Sinn für den Zionismus bekundet, als die — jüdischen Rabbiner. Die Euealyptnspflanzungen in den palästinensischen Colonien. Man hat vor Jahren in einigen Oerrlichkeiten Palästinas über die relativ häufige Erkrankung der Bewohner am Malariasieber geklagt. Obwohl die Colonien davon so ziemlich verschont waren, so hat man doch zur Verhütung der Erkrankung, respective zur Assanierung des Bodens Eucalyptusbäume gepflanzt.. Seit der in den Fünfzigerjahren in Australien gemachten Wahrnehmung des günstigen Emfluffes den solche Anpflanzungen ausüben, hat man überall die vesten Erfahrungen damit gemacht. Dieser günstige Einfluss wird aus die dem Eucalyptus, infolge seines raschen Wachsthums zukommende Eigenschaft zurückgeführt, dem Erdreich in großer Menge Wasser zu entziehen und den sumpfigen Boden trocken zu legen, dann Ozonlsierung durch die balsamischen Ausdünstungen des Eucalyptus. In den palästinensischen Colonien Pflanzt man die Eucalyptusbäume in einer Distanz von zwei Meter von einander. Schon am Ende des ersten Jahres sind die Bäumchen eineinhalb Meter groß. Nach circa fünf Jahren haben die Bäume eine Höhe von beiläufig fünf bis sechs Meter und die Dicke eines kräftigen Mannesärmes. Nach dieser Zeit wird jeder zweite Baum ausgehoben, da sich sonst die Bäume gegenseitig im Wachsthum hindern würden, so dass dann die Entfernung zwischen zwei benachbarten Bäumen vier Meter beträgt. Die Colonien Sichren Jakob und Petach Tikwah haben je 60.000 Eucalyptusbäume, Maskereth Batja circa 20.000, ebenso Rischon L'Zion, Gederah an die 30.000 rc. Das Holz des EucalyptuSbaumes wird zu verschiedenen Tischlerarbeiten verwendet, wegen der Billigkeit sogar als Brennholz. Die Anpflanzungskosten sind geradezu minimale.

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