Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 29 (17.12.1897)
- Article
- Bernard Lazare
- Date
- 1897-12-17
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
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Rk- SV. J: MHWe Seite ». Bernard La;are. Das ist der Mann, dessen Name Hinte auf aller Lippen ist. Wenn der Process Dreyfus revidiert werden wird, wenn der unglückliche Capitän seine Freiheit und seine Ehre wieder erlangen wird —und wir hoffen das zuversichtlich — so verdankt er dies vor Allem der umthigen Initiative und den nimmermüden Anstrengungen Beruard Lazares. Ganz allein, inmitten einer förmlichen Mente von wüthenden Kläffern, übernahm Bernard Lazare die Vertheidigung eines Mannes, den das Urtheil von sieben Officieren zu den: schrecklichsten, unsäglichsten Martyrium verdammte, ein Urtheil, wodurch Schwache oder Nachgiebigkeit der Hetze und den Drohungen dev Antisemiten sich zugänglich erwiesen, welch letztere zur Zeit des Proccsse fast allmächtig waren, da man sie für die Verwahrer compromittierender Papiere hielt, welche die einflussreichsten Mitglieder der Regierungsmajorität betreffen sollten." Aber Bernard Lazare ließ sich nicht bange machen. Er schrieb seine Brochure, in welcher er seiner Meinung über die Unbilligkeit und Ungerechtigkeit Ausdruck gab, die man gegen den? Capitän Drcifus begangen habe. TTTTTTTT WM MM 2 , Ly*. *y MM m TT;T TT TT die Schmach des als erwiesen angenommenen Verbrechens auf das ganze jüdische Volk fallen sollte. Wer vom Anfang an die Campagne verfolgte, die Bernard Lazare unternahm, um der Wahrheit über die Affairc Dreyfus zum Durchbruch zu verhelfen, der weiß, welchen Muth dieser stets wachsame Kämpe in seinen Polemiken Haben musste, um aus der Reserve herauszutreten, welche sich unter diesen schmerzlichen und delicaten Verhältnissen selbst diejenigen unserer Brüder auferlegten, dic von -der Unschuld des Deportierten auf der Teufelsinsel vollkommen überzeugt waren. Man sagte ihm : „Nehmen Sie sich in Acht! Sie greifen in ein Wespennest! Der Process Dreifus fand hinter verschlossenen Thüren statt. Es sind jetzt in diese Angelegenheit sieben höhere Officiere mit ihrem Namen verwickelt; cs gibt außerdem eine förmliche Coalition von Interessen, eine ganze Anzahl von Politikern, die aus 3. Als man erfuhr, dass es Bernard Lazare war, der mit soviel Kühnheit und Offenheit die Vertheidigung des unglücküchen jüdischen Officiers übernommen habe, war die ganze französische Presse sehr überrascht. Selbst Henri R o chefort machte in seinem Blatte, dem „Jntransigeant", trotzdem er aufs heftigste Lazares Ansicht bekämpfte, vor dem schriftstellerischen Talente und Muthe unseres Freundes eine tiefe Verbeugung. Allein trotz seines unbestreitbaren und auch unbestittenen Talentes, trotz seiner Beziehungen zu den Leuten der Presse und der Literatur musste sich Bernard Lazare als unpatriotisch, ja antipatriotisch behandelt sehen. Ja selbst seine journalistische Stellung litt schwer. Uebcrall begegnete er dem größten Widerwillen, ja der größten Abneigung. Man denke doch! Einen „Berräther" vertheidigen, und noch dazu in dem „verrathenen" Baterlande desselben! Die