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Die Welt · 1897-10-29 · 22 (29.10.1897) · p. 16

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
22 (29.10.1897)
Article
Mein Großvater
Date
1897-10-29
Page
16 (sequence 3)
Language
German
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Är. .32. tel .W-: Als der. Morgen zu.graiun Mifhvg,, kehßtc .mein Woßvalcr vom. Friedhof ziiiirck, - Ich sah, wir rr anf tzc„ Oft» k. och, während lcift. Swßjer sich semer Brust eMWtzeu. Seine Hönde zitterten, chrstiges Husten erschütterte^,ftmen ga»z«m, Körper, seine Lippen bewegten sich. Hch bengte' mich vor, um ihn zu belauschen, und hörte ihn leise, v-or sichhW murmeln: „Es war-kein Gold, ein Todtenschädel war-D ... Schon hatte ich den Schatz in Händen . .. Wmum habe ich ihn fortgeworfen und. gegen den Schädel vertauscht? .... Weh', wie brennt mir der Kopf!... Mein Kopf, mein Kopf!; . . Wer sticht. mich, amt Nadeln in die. Seite? .. Durch sein Klagen, ward die Großmutter aus dem Schlafe geweckt. Sie erhob sich und fragte-: „Was fehlt . Dir, Chaim, was schmerzt Dich?" « „Ich habe den Schatz gefunden," gab er zurück.; „Sprich keine Dummheiten!" Sie betastete seinen Kopf, sah mit Schrecken seinen irren, starren Blick und schluchzte lallt auf. , „Warum weinst Du, Debora? Siehst Du denn nicht - die funkelnden Goldstücke, die am Boden umherrollen? ' Erneutes Weinens Die Kinder erwachten und richteten sich auf ihrem Strohlager auf. „Freut Euch, Kinder," rief der Großvater, „jetzt werdet ihr keinen Hunger mehr leiden und nicht mehr barfüßig gehen.. ., ich habe einen Schatz gefunden.. sammelt schnell die Goldstücke, schneller, schneller!" „Euer Vater ist sehr krank, betet für ihn." Wir begannen zu Keinen. Das regte ihn nur noch mehr auf, und er ries mit Anstrengung: „Sammelt die Goldstücke! Berget den Schatz! Alles geschah ja nur Euretwegen!" Bald kamen auch die Nachbarn herbei. - „Was ist Dir, Chaim, wie siehst Du aus? Warum redest Du irre?" fragten sie. „Liebe Nachbarn, warum steht Ihr? Was zaudert Ihr? Nehmt doch die Goldstücke! Bringet Sacke herbei! Es ist genug da für uns alle... Nicht für mich allein habe ich den Schatz gesucht, auch für Euch.... Wer weiß noch so gut wie ich, wie arm Ihr seid. Bei Eurem Tode werdet Ihr nicht einmal so viel hinterlassen, daß man Euch anständig begraben kann." .Die Nachbarn und Nachbarinnen steckten die Köpfe zusammen und besprachen sich, leise. Sie beschlossen, sich an die Todten zuwenden, daß sie für ihn beten. Nach einigen Tagen erhob sich mein Großvater vom Läger. Ich weiß nicht, ob die Fürsprache der Todten das bewirkt hat, oder-ob seine unverwüstliche Natur, gegen die auch Mangel und Krankheiten nichts vermochten, den Sieg davongetragen hat. Seit damals nannte ihn die ganze Stadt Chaim, den Schatzgräber. * * ± Bis an sein seliges Ende hörte er nicht auf, nach dem - Schatz zu graben, den die Franzosen auf ihrer Flucht auf seinem. Friedhof vergraben haben sollen. Nicht nur, daß er ihn nicht fand, er begrub auf dem Friedhof auch noch seinen eigenen Schatz, den. alles Gold der Franzosen nicht aufwiegen konnte: meine Großmutter Debora. Ohne den Franzoscnschatz hatte mein Großvater siebzig Jahre gelebt, ohne seinen anderen Schatz hat er auch nicht eine Woche leben können. Einige Tage nach ihrem Tode wurde der Todtengräber selbst begraben. Wird er dort seinen Schatz wiedersinden? Vücherwrlk. Dr. Heinrich Sachse reäivivus. Zwei Jahre hörte man nichts von ihm, der gute Sachse war ganz verschollen, denn Dr. Heinrich Loewe hielt sich in Palästina auf. und nun bringt uns der bekannte zionistische Verleger Hugo Schildberger in Berlin ein neues Büchlein von ihm „Zionistencongress und Zionismus . . . eine Gefahr?" (Preis 30 kr.). Der Verfasser bespricht das feindselige Verhallen der deutschen Juden gegen den Zionismus. In der Abwehr dieser Bewegung reichen sich Orthodoxe und Reformer brüderlich die Hände, nicht zu vergessen der großen Mittelpartei. die aber nichts anderes ist, als die Masse der ^religiös Indifferenten. Und doch ist der Zionismus im modernen Judenthume die erste Partei, die nicht religiöse Fragen aufwirft und doch Herim?/»eber: ‘JP'aTtf'mffr. 9r?rrrr*ilrrrfT:dif,r SPrhrctnr: Dr. K durchaus-jüdisch ist. Bon den vielen LLge,rj, die die Zionsgegner verteilen)-soll eine siefoü^erK stigmätistrt ibeiÄrP vtzri Vorwurf, der .'.Zionismus Hei daZ jkrnd des - 'MüfemWnijuK. Mnd. * diHe- Herrerr wollen . die jüdische Geschichte und VdS'sozenanntstHdMe..^HMelAMrn".-hamrn? „Min, nicht der Antisemitismus,''..nicht'die_NstWschaft-.,^'jbic.lLmän- - eipation und die Frühest haben d6n ZioniSM^ geschafft . siüb rkur der Freiheit verdanken v die zionistischen btzvale ihre EsiOeH-ilUg/ dehn nur ein freies Volk .kann für-- Freiheit UmpfepA Kennen dE.ZndM.M , Uemen den Antisemitismus, und sie sin^d dach begeisterte Ziomsten? „Der Zionismus ist eben jn Europg tz)ie in Hepren üno m Jtlbien 'Vmr eine Aeußerung jener psychischem Wellenbewegung,' die'' dyn gMzeN Bo ttsorganismüs Jsvaels durch bebt." Aber Men uuermesslichenüSck^aden hat der Antisemitismus augerichtet, er hat die jüdische Denktmise cmrumprert. Das jüdische Volk dürste das chnrige^ sein) das sich selber mit: den Augen seiner Feinde betrachtet. Der Verfasser" citiert ein' Inserat aus dem „Berliner Tageblatt" des Juden Wdals Mosse: - . > Tüchttgle« BsrrLüfer (Shrist) . suche pr/'i.'.OH. fiir'm. MMl-s.-GeschLft. > PHMvar. und Gehaltanspr. erb. VreifSwaw. H. Cohn. Gegen diese Vertreter des jüdisch-teligiosen Bewusstseins wendet sich Dr. Loewe in voller Schärfe, und sie -verdienen.auch reichlich die Abfuhr, die er ihnen, zu Theil werden läßt. In dem zweiten. Theile gibt der Autor seine reichen Erfahrungen'wieder, die er in Palästina sich gesammelt. Das viele Unglück, das "er dort'gesehÄ Und'die- Miss stände, namentlich 'daS Unwesen der Chalukah, das er in größtes Nähe zu beobachten Gelegenheit hatte, haben ihir verleitet, gegendie herrschende Ansicht, die Colonisation zu sistieren, zu opponieren. Die Liebe,,die aus seinen Aussührungcn für chie Colonisatiön spricht. ehrt..'ihn,/'aber es passiert ihm dabei einerseits der Lapsus, die Colonisatiynsvexeme rtnd ihr allerdings humanitäres Wirken, das sich' aber nür Im Rahmen der privaten Wohlthätigkeit bewegt," zu ernst zn nehrnen, und/andererseits auch die Congressbeschlüsse nicht g a n z rich tig aufz u» fassen. Die zweckdienliche 'Förderung her Besiedelung Palästinas. *ift nur ein Thcil des Commentars zum Hauptbeschluss der öffentsiDrcktztlich gesicherten Heimstätte. Belehrend und inteveffant, wentt auch betrübend, sind die Daten über die Chulukäh. Was her Verfasser Lber die Agitation und zweckdienliche Propagierung des Zionismus' in Deutschland sagt, ist uns nicht neu, die wir das löbliche Wirken der „National-jüdischen Bereinigung in Köln" kennen. Die Broschüre, die sich als eine Fortsetzung der vor zwei Jahreu erschienenen Broschüre „Antisemitismus und Zionismus" darstellt, wird gewiss, ihren Zweck als „jüdische Aufklärungsschrift" erreichen. , - : Sfjhr. Die „Schweizer Hauszeitrmg" bringt in Nr. 1 des 28. Jahrganges ein wirkungsvolles Stimmungsbild „Mirjams Gebet. J Ein Erinnerungsblatt zum Zionisteneöngress-in Basel." Prof. Moritz Lazarus hat den ersten Band feines' Werkes „Die Ethik des Jttdenthums^, aw dem er rett zwanzig Jahren arbeitet, vollendet. Dieser die allgemeinen Grundlehren des JudeMhunis behandelnde Theil des Werkes wird noch vpr Ablauf dieses Jahres erscheinen. Auch der zweite, die specielle Sittenlehre dl^s Füdenthmus behandelnde Theil wird in nicht allzuferner' Zeit erscheinen. Professor Hem an, der christliche Verfasser des vor 15 Jahren erschienenen Werkes „Die historische Weltsteilttttg der . Juden und die moderne Jndenstrage^ lässt soeben, im bekannten Vellage P. Kober in Basel eine Broschüre über den Zionismus erscheinen. Der .erste Druckbogens der ürss'vorliegt, lasst die kommende KHM uberäus interessant erscheinen. Der Verfasser beweist feine genaue Kenntnis der Bewegung und ihrer Ziele. Was er da sagt,, ist uns nicht neu, aber wie er .es sagt, und dass wir aus christlichem Muntre dus bestätigt hören, was wir oft schon gefaxt, gicbt der Proschüre ein n eigenen Reiz. „Man hat den Juden mft einem gewissen .Rechte vorgeworfen, dass auch ihre berühmtesten Namen nichts Originelles geleistet, in Kunst und Wissenschaft keine neuen Bahnen eröffnet hätten! Das ist natürlich. Schließen sich erst die Juden zur emheftlichM Nation zusammen, wurzelt ihr Denken im heimischen-Boden, dann ipird gewiss und naturgemäß der Quell, ihres Geisteslebens neu sprudeln und in originellen Schöpfungen sich ausprägen." Wir machen schon jetzt unf.ro Gesinnungsgenossen auf diese Broschüre aufmerksam. ' * Sch. Der bekannte hebräische Schriftsteller R. A,'. Brandes st-bl demnächst eine Sammlung von kritischen und wiffenschafllichen Aufsatz ih Bihel und Talmud betreffend, unter dem Titel .„Wechkar, u-bikore!' " heraus, von welcher uns bereits zwei gedruckte Bogen vorliegen. Dir kannten Herrn Brandes bisher als Belletristen, und.zwar als einen der bervorradendstech wüssten, dass er meisterhaft Romane und glänzer dc Novellen und Feuilletons zu schreiben versteht; durch diese Sämmüng sehen! wir ihn in die Reihe der Gelehrten treten und sind,, soviel wir aus den bereits gedruckten Aufsätzen über „Die Agada-Bücher", „Mc">'s nach dem Talmud", „Die Farben nach jüdischvolklicher Äufsaffung" :c. schließen können, von seiner Originalität, auch auf wiflenfchastlichem Gebiete völlig überrascht. Wir hoffen, dass diese Arbeiten Brnudes' der verdienten Anerkennung sich erfreuen werden, wie es' seinen unsterbliliiei! Romanen „Hayath W'bachaim" (Ritualgesetz und Leben) und halzowoth" (Die Extreme) und kleineren belletristischen Arberten bisher gelungen ist. : M. B. r«nb Werner. Druck von Jt'cob Dux Wien. Vitt.. Laudongasse Nr. 5?/

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