Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 22 (29.10.1897)
- Article
- Wilna
- Date
- 1897-10-29
- Page
- 14 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite *4. Die Herzen vieler waren bewegt, die Geister aufgerüttelt.' Diese in ihren religiösen Anschauungen so weit auseinandergehenden Elemettte fühlten sich solidarisch als Theile des jüdischen Volkes. Und die Anwesenden trugen die Gedanken zu den anderen hinaus, hatten Je doch einen Hauch des zionistischen Kongresses gespürt und in eine^ Stimmung stch versetzt, die nur in historischere Zeiten - auffommt. ' ' ' '■ 8. MozK^m V eveinsnaeh vrchten. Die jüdisch-akademische Verbindung „UtEas" bcgieng am 20. l, M, im Saale des'Restäurant Kaisethof-dle EröffnutiAsfei'er' ihres SömesterS. Schon lange vor^Beginn. dds Festes war> der geräumige Saal' bis auf das letzte. Plätzchens gefüllt. . . Präses eanä. l a n d e r" eroMete denAbend mit seiner . gehaltvollen LendenztöLjl/ in der ex' den'/.Äasrlet' EöngresS zum AuS- , gangspunkte .seiner- , Betrachtungennehiyeutz, vom.Mturphilosophischen ' Standpunkte .bewies, dass der Zionismus die einzig.mögliche Lösung der Judenfrage sei? -Die officiellen Toaste auf die' „allen Herren", die Gäste, -die Damew hielten, die Mitglieder -der Verbindung. Für die ftim Commerse vertretenen Verbindungen, und Vereine sprächen eauck. .meä. Hahn' (Jvria), eanä. jur. F c tir e l (Veritas). Den DM für. den Damenloast sprach Frl. Grete Ilm, indem sie in einem humoristischen Gedichte die Männer überhaupt und die Männer Zions ganz besonders hoch leben ließ. Dr. Karl P o l l a k brachte einige pyn den „syrischen Melodien" unter lebhaftestem Beifalle zu Gehör. Dr. Max Zerusal e m . dankte namens der.alten' Herren in 'kernigen Worten; derselbe leitete auch in gewohnt strayWer Weise-den, unofficiellen Theil des Festes, welcher die Theitnehmer jn ^rMicher Stimmung /noch lange beisammen hielt. . Der Perei« jüdischer Müvchen „Hadafsa" hält seinen nächsten Vortragsuachmitlag. Sonntag den 31. d. M. im Sitzungssaale ' der isr. Cultusgemeinde, I., Sciteustettengasse. Gäste sind willkommen. Wien. Montag, 25. October fand der Eröffnungscommers der „Zionistischen Vereinigung" statt. Der Abend gestattete sich zugleich zu einer Sympathiekundgchung für den Leiter derselben, Berthold F e i w e l. Für die. vielen Verdienste, die sich Berthold F eiwelum den Zionismus speciell in Mahren e'iworben hat, hat ihm die Vereinigung vor seinem Abschied von Wien den'Dank und die Anerkennung, ausgesprochen. Lembyrg. Am 83. d,,M. fand die Äenercllversammlüng bestzipn isti sch c n H an vlu n g sgx Hilfen - V er b a:i des ,,Jvria^ statt. Auf der Tages- ' orvnung'stand die*Mahl des Ausschusses. Gewählt wurden die Herren: Moritz Ihr, Pxasident, Leo K o stf l e r, * Vice-Präsident,: Berthold Goldstein , Sdcretär, Moritz Mandel. Cassier und in. den Ausschuss unter Anderen I g e l, Hübel, S ch o r r und Sand. Hierauf /ergriffe Herr Salomon Schiller das Wort-und begründete in 'einer' län- Mein Grotzvaker. Von R. Drainir». (Schluss.) Der Großvattr machte die Vorbereitung zum Bcgräbniß. »Wer ist dirftr Knabe?" fragte ich ihn. »Das ist Schlome Chones." Diesen Knaben hatte ich gekannt. Er war mein Spiel- - gcnosfe, und öfters pflegten wir uns Räthscl und schwierige . Talmudstellen yorzulegen, um unsere Kräfte zu messen. Mein Großvater nahm ihm die schwarze Decke vom Gesicht und wollte.ihn hinaustragen. Diesen Augenblick öe- " /nntzte^ich,. rncincil Kameraden zu bctrachtcri. Er sah aus, als wür^e er schlafen, die Apgen waren geschlossen, und das durchsichtig blasse Gesichtchen drückte Ruhe und Frieden aus. Mich'durchzuckte ein heißer Schmerz, und meine Augen füllten sich mit Thronen. Vor einer Woche noch hatte ich - mit ihm "gespielt,: und seine Stimme hatte so silberhell geklungen . . . und nun war er todt! — Ich stand vor einem unlösbaren Räthscl. Was ist der Tod? Wie kann Jemand todh sein, der gestern noch gelebt hat, gelebt wie ich? Werde auch ich sterben? Wird man auch mich durch die Hintcrthür meiner großelterlichen Wohnung hinaustragen und mich dort in die finstere, kalte Erde betten? ... Warum bewegt er sich nicht, warum laßt er sich das ruhig gefallen und schreit nicht nach Hilf!??" 'Vergebens suche ich nach Worten, um das auszudrücken, was mich damals bewegt hat. gcrcri Rede den Zionismus. Redner entwarf ein Bild einstiger Ldischcr - Herrlichkeit, malte in wahrheitsgetreuen Farben biebuftere Gegenwart. Seine. RedstWng in dem Satze aus:?>MZer Zionismus ist-der einzige Rettungsanker""! . ,5; Nachher fand' ein Cornrncrs statt, und nach Absingung zionistischer' Lieder gieng die Gesellschaft auseinander. " rnf Hier ist ein wissenschaftlich-zionistischer VvrÄn im Entstehen Hegrifien. Die Statuten desselben wurden vom .Proponenten Dr. K o r n h Lus e r bereits , bxr Statthalterei. überreicht. Sein Name -wird Nach der berüMteü Zeitschrist Smölensky's ,,Przed8pit" (Morgenröthe) lauten. ■ int.; JaleszHyki Hier hat sich ein neuer jüdisch-nationaler Verein auf Gkurid des Baseler Programmes gebildet. Die' BroSlynev Chowewe Zion, gegenwärtig .der stärkste /.Verein er zählt, nahezu 400 Mitglieder — wühlte seineVearntcn für ,den nächsten Termin. Gewählt wurden: Präsident I. Maniloff, 'Schatzmeister Arthur Roth, sin. Secretär F. Rtzsenthai und prot. Sccrelär Jacob W e i z n e r. Dem bisherigen verdienstvollen Präsidenten, Herrn Jacob Rapp a.p ort wurde für sein, erfolgreiches Wirken proto- ' kovarisch Dank gesagt. Dieser Verein hat schon jetzt, die Entsendung eines Delegierten znm Congress nach Jerusalem beschlossen, und werden für diesen Zweck Bereits; Gelder deponiert. / Wie verlautet, ist Herr Dr. Pen e les, der bekanntlich der Seelsorger der hiesigen portugiesischen Gemeinde ist, im Begriffe, in seinen ' Kreisen einen zionistischen Verein ins Leben zu rufen.' Z erts chriften-RrtnVsÄjctn. Das angesehene Magazin >,ReyielV Contemporain"'veröffentlicht einen Artikelaus der Feder Dr.. Theodor Herzlos. . Auch ' Dr. Pereira M c n d es referiert für die ,,N o r th A m e r i c a i n Review" in einem den Zionismus warm-befürwortenden Beitrag. Das in Amsterdam erscheinende besprach in . sehr sympathischer Weise die Artikel von P e n t wich NnV'Z Ä U g will über den Zionismus. _ RttMche ZMtMgen Unsere Zeitungen und Zeitschriften beschäftigen Ich" NN mer noch mit dem Baseler Congress und eine jede -deutet ihn nach ihrer Art; erfreulich ist cs aber, dass.sie.ihm alle eine sympathische Seite abzugcwinnen wissen. Die „N o w o sti", die „N ow oj e Sr c m ja", das.'bcdputeudste .antisemitische. Organ Russlands und insbesondere die' „P e t'e r s b u r. g s k i j a W i e d m o ft i" haben den Zionismus sehr sympathisch besprochen. Auch . der' „W osch o d" schlägt einen anderen Ton an; nur der.„Jsraelita"' verharrt noch Zimmer auf seinem Standpunkte, indem.er.,in^lgNA-thmsgen.NM'krln die > zionistische. .Pewegnng .als.' wpHlsüiüiges/'Detzinnen,''' als nie zu verwirkli- .-chendes Hirngespinst verschreit/ Wir wollen hoffen, dass auch diese . Zeitschrift, die doch die Interessen der polnischen Judenheit wertritt, eines : Besseren belehrt werden wird. - ' J. U. leto n. Schon wollte ihn mein Großvater hinaustraqcn. »Trage ihn nicht bei dieser.Kälte hinaus," bat ich, „Hab'-doch Mitleid mit ihm!". —/„Die Tobten fühlen nicht," war seine Antwort, „Du hast cs ja in der Bibel gelernt." — „Ich gehe mit und werbe. Dir helfen," erbot sich .einexmeiner kleinen Onkel. — ,„Bleib' nur ruhig chier, ich brauche Dich nicht." Schweigend'verließ er das Zimmer. Eine Zcitlang hörten wir noch seine Schritte im Schnee des Friedhofs knirschen. Nach einiger Zeit kehrte die Großmutter zurück und brachte Brot, Zucker und einige Holzscheite. Mit einem -Schlage änderte sich die Scene. Jubelnd warfen sich die Kinder auf das Brot. Der eine bearbeitete mit einem Messer die Rinde, ein anderer riß mit den Händen cm Stück vom weichen Brot ab, cin dritter wühlte mit den Nägeln.im Brot herum. Jeder Anstand war vergessen. Die kleinen Geschöpfe wollten durchaus leben, obwohl sie den Dod nicht im geringsten fürchteten. Die Großmutter heizte den Öfen ein und stellte einen Topf mit Wasser ans Feuer, damit der Alte sich durch ein 'Glas Thee erwärme, wenn er vom Friedhof zurückkehrtc. Genau genommen, war cs kein Thec, was sie da vufgoß, ^sondern Blätter, von denen man für einen Groschen eine ganze Menge erhält. Merkwürdigerweise war die. Gtoßmutter verdrießlich. 'Sie schien dieEKostbarkeiten erst nach langem Kampfe und nach Aufwand ihrer ganzen Ueberredungskunst erhalten zu haben.