Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 16 (17.9.1897)
- Article
- Ein Zeitroman
- Date
- 1897-09-17
- Page
- 15 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 16. Seite 15. »ahme sein. Diese grausame Erkenntniß trifft ihn mit marterndem Geißel hieb. Unbewußt suhlt er — fühlt auch der Dichter — daß uinem Volke, dem zu Leiden auserwählten, der Pfad verleren gegangen ist. Die heutigen Juden sind keine Rasse >die Anthropologen haben dies längst bewiesen), kein Volk, keine Nation. Das Volk bedarf des Bodens, in dem es wurzelt, die Nation des psychologischen Zusammenhaltens. Tonn Ein Gedanke bildet die Nation. Der fehlt dem modernen Judenthum. Die Mauern der alten Ghettos sind gefallen, und mit ihnen das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Die Emancipation der Juden hat sie zersprengt, Vermont, das unzerbrechliche Bündel Pfeile in die Holzstäbchen verwandelt, die einzeln jedes Kind zerbrechen kann, wie die alte Fabel lehrt. Entweder das Judenthum verschwindet aus der Welt, ever es wird kraft eines Wurzelbodens wieder zum Volke oder kraft eines Gedankens zur Nation, Kann es diesen Poden nicht erwerben, diesem Gedanken nicht die Macht verleihen, daß er in den Herzen aller Juden leuchtend aufenteht, dann hat sich Israel überlebt und die Zeit ist da, e in den Sarg zu legen. Dann wird es zerrieben werden in; alltäglichen Guerillakriege, im Kampfe ums Dasein deS Einzelnen. Einmal war Israel ein Volk. Mit der Verheißung k-s gelobten Landes hat Moses es dazu erzogen. Mit dem betreten Kanaans ist es dazu geworden. Einmal, als das Tioich in Trümmer fiel, war es die Nation. Die Religion v or der psychologische, eiserne Kitt. Aber unsere Zeit strebt aus der Religion heraus. Sie hat ihr die Weltherrschaft evlzogen, ihr Himmel und Hölle genommen. Der Mensch ' >.ul> kann ohne Glauben nicht leben. Wir suchen eine» reuen Glauben, wir Alle, Alle, Alle hoffen aus den Messias, > warte» ihn. Dieser Sehnsucht, dieser Erwartung hat Wassermann Ausdruck gegeben. Unsere ganze Zeit pulsirt in seinem -uclie. das manchmal so verworren und so widerspruchsvoll ist wie unsere Zeit. Und wenn man es recht bedenkt, in der moderne Jude, wie er heute vor uns steht, in sich i.'lbst ein Widerspruch. Er muß aufhören, Ausnahme V;t sein. Vielleicht haben wir aus Wassermann's Roman mehr l» rausgelesen, als der Verfasser hineinlegen wollte. Auch wlirde dafür sprechen, daß es ein echtes Dichtwerk ist, d> mi der Dichter gibt immer mehr, als er zu geben glaubt, o eilich ist in dem Buche ein Ueberguellen, ein Brodeln und Sturmeswehen, ein Gemisch von Klarheit und Unklaren l, ein Ringen von Wollen und Können, in dem das Können n cht immer Sieger bleibt, aber das sollte Keinen von der tüte abschrecken. Die echten Dichter sind selten geworden in unserer Zeit? 25 itcb c r xr> dt. I. More Haj'lydim (Kinderlehrer). Praktische Lehrmethode für k hebräische Spruche in russischer und deutscher Spruche von I. Dawi ' Verlag „Tnschijah", Warschau, 1897. II. Ederr-Haj'lpdim (Kinderwoune). Hebräisches Lesebuch für b' fugend. Nebst Uebersetzung der Bocabeln in Russisch, Deutsch, rzösisch und Englisch. Bon demselben. 2 Bände. Mit dem Fortschreiten der jüdisch-nationalen Idee erwachte auch rege Bewußtsein, daß der rege Religionsunterricht, wie er an unseren - llteu bestellt ist, unserer Jugend nicht jene Kenntnisse beizubringen aag, welche ihr mit dem allmäligen Schwinden des „Eheder" innner Hi igänglicher werden. Das Bedürfnis; nach Lehrmitteln wurde in den >n Jahren in der hebräisch lesenden Welt lebhaft verspürt, nach Lehr- *vdie eine jüdische Bildung auf jüdischer, d. h. hebräischer '^umdlage vermitteln sollen. Man gab die Parole aus: „Jbhrith l'Jbu, Hebräisch für Hebräer! Soll die Jugend jüdisch erzogen werden, '0 ->ars man sich nicht mit den hundert (oft noch welliger) Bibel Versen ganzen Schuljahre, begütigen, so muß die hebräische Sprache nach der- -ai Methode lind mit demselben Interesse studirt werden, wie man -wlage alle arideren Sprachen studirt. Wer einmal in der Lage war, repetitorendienst für Neligionsnnterricht zu leisten, weiß von den Dualen zu erzählen, die sowohl Lehrer als auch Schüler beim Eindrillen vnr 5 -6 Bibelversen auszustehen haben, findet es auch begreiflich, rvenn manche Eltern über die Quälerei ihrer Binder mit dem barbarischen Hebräisch trostlos klagen. Die Eltern haben arrch nicht so gariz Unrecht; sie würden ebenso Recht haben, über das Latein zu klagen, wenn man mit Horaz und Tneitus und nicht zuerst mit einenr Uebungsbuch znr Einübung der Grundelemente nnd der Nächstliegenden Bocabeln begänne. Es ist daher unbegreiflich, wenn man die Verkehrtheit der Methode des hebräischen Unterrichtes noch nicht überall (ungesehen hat. Es gibt ja noch viele Eltern, welche es wünschen, daß ihre Binder hebräisch verstünden und noch viele Gemeinden, wo M ah b aum's Reeept „zurVertilgung der hebräisches: Sprache von Gottes Erdboden" noch lange nicht zur Anwendung kommt. In solchen Kreisen diirfte das Bedürfnis; nach systematischen modernen Lehrmitteln vorausgesetzt werden. Daß dieses Bedürfnis; an manchen Orten thatsächlich besieht, bezeugt die große Zahl von Lehr- und Lesebüchern krach den verschiedenstell Methoden, die den hebräischen Büchermarkt in Rußland in der letzten Zeit förmlich iiberschwemmen. Besonderes Interesse für die pädagogische Literatur legt die, seit kann: zwei Jahren in Warschau bestehende Verlagsanstalt „Duschijah" an den Tag. In der kurzen Zeit ihres Bestandes verdanken lvir der „Tuschijah" eine große Anzahl von billigen (a 4 Kop. per Bündchen Lesebüchlein für die Jugend, nebst mehreren Elementarbüchern und anderen Pädagogischen Mitteln, zu denen das vorliegende Buch gehört und die entschieden allen Anforderungen des modernen Sprachunterrichtes entsprechen. Der Autor dieses Buches gehört zu den heute bedeutendsten hebräischen Schriftsteller!! und hat es auch verstanden in: ersten Buche einen entsprechenden Wortschatz in leichtfaßlicher Methode zu bieten, ebenso wie er im zweiten eine Auslvaht von sinnreichen Lesestücken, ausgezeichnet durch Schönheit der Sprache und des Styles, zu treffen wußte. Das; besonders das Lesebuch, wie kann: ein anderes vorher erschienenes, seinen: Zwecke entspricht, bezeugt der Umstand, das; es in sehr kurzer Zeit drei Auflaget erlebte. Auf den Vorzug, daß es in 4 Sprachen die Voeabeln bietet braucht nicht erst ausinerksau: gemacht zu werden. Bei der Vielsprachigkein unseres Volkes ist eine einheitliche Erziehung der Jugend sehr schwer und die Juden in einen: Lande können nur selten sich die geistigen Pro ducte ihrer Brüder, die anderswo wohne::, aneignen. Es ist nur zu wünschen, das; diese Bischer in allen Ländern, fiir welche sie bestimmt sind, sich solcher Verbreitung erfreuen, wie in ihrer russischen Heimat. M. B. Die Herren Du. M. I. Berdyczewski und Dr. Markns Ehrenpreis, versenden folgenden Aufruf: Die neuerwachten geistigen Bedürfnisse unteres Volkes, sotvie die in der zeitgenössischen hebräischen Literatur herrschende Zerfahrenheit, veranlassen die Unterzeichneten, ein neues literarisches Eentruu: zu schaffen - für die grvtze und innner größer werdende Masse von Juden, welche hebräisch lesen und hebräisch schreiben. Der Bücherverlag „Techija" „Wiedergeburt" , den wir gründen, will der Gesauuntausdruck der vielgestaltigen jiidischen Geistesarbeit in der Gegenwart sein. „T e ch i j a" erstrebt die Wiedergeburt unserer nationalen Eultur: Alles, was wir denken und fühlen, wonach wir uns sehnen und was wir hoffen, soll in „T e ch i j a" einen Ausdruck finden. Unsere Natioualliteratnr soll wieder ein treues Bild der ganzei: Volksseele werden. Deshalb niüssen auch unsere großen Talente, die in fremden Sprachen schreiben, für unsere eigene Eultnrarbeit wiedergewonnen werden. Das Hebräische soll wieder die gcu:ze Geistesarbeit der Juden in sich vereinen. Daneben soll das Beste in der Weltliteratur und das Unvergängliche in unserer eigenen alten Literatur seinen Platz finden. Was menschlich ist in: besten Sinne, :n::ß auch jüdisch sein: und was unser eigenes Volk Ewiges geschaffen, muß auch unvergänglich in: V o l ksb ewußtseiu leben. Unsere Verlagswerke werden in fortlaufender Reihenfolge nach Art der besonders' in Deutschland verbreiteten Universalbibliotheken — zun: Preist, von 12 kr. für die Nununer zur Ausgabe gelangen. Die Billigkeit der Bücher ist bei uns eine Grundbedingung des geistigen Fortschrittes. Die hohen Bücherpreise müssen aushören, ein Bildungs- Hindernis; zu sein. Die Kleinsten und Aermsten werden durch unsere Verkaufsbedingungen in der Lage sein, sich um wenig Geld eine brauchbare Büchersannn'lung anzuschaffen. „T e ch i j a" :vird als Erlverbsgenossenschaft mit beschränkter Haftung - österr. Handelsgesetz vom 9. April 1873, R.-G.-Bl. Nr. 70 - mit den: Geschäftssitze in Lemberg, gegründet. Das Griindungseapilal beträgt 5000 fl. (fünftausend Gulden "österr. Währ.). Dasselbe soll durch die Ausgabe von 200 Antheilscheinen a 25 fl. zusammengebracht werden. Der'gezeichnete Betrag kann in vier Theilen in: Laufe des ersten Geschäftsjahres bei den: zu wählenden Genosfeuschaftscassier eiugezahlt werden. Die Thätigkeit der Gesellschaft wird an: 15. October 1897 beginnen. Die näheren Bestinnnungen der Genossenschaft werden der con ftitnirenden Generalversammlung zur Genehmigung vorgelegt lverden. Ort und Zeit der Generalversanunlung werden, nach erfolgter Zeichnung der Antheilscheine, den Genossenschaftern bekanntgegeben werden. Was wir anstreben, ist die Befriedigung eines allgemein einpsundeuen Volksbedürfnisfes: :oir erhoffen daher auch allgemeine Förderung. An Sie, sehr geehrter Herr, erlauben wir uns die höfliche Bille zu richten, durch Zeichnung von Antheilscheinen das Zustandekommen der Verlagsgeseltjchaft „T e ch i j a" zu fördern. Auch bitten :vir Sie, in: Kreise Ihrer Freunde für die Zeichnung von Antheilscheinen thätig sein zu wollen. Beitrittserklärungen sind an D r. Ehreup r e : s, D i a k o v a r (Slavonien), zu richten.