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Die Welt · 1897-09-17 · 16 (17.9.1897) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
16 (17.9.1897)
Article
Zustände in Palästina
Date
1897-09-17
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4. ßv&m Nr. 15. von Transjordanien anschwellen, in Bassins reservirt würden, so könnte durch „künstliche Irrigation die Cvltur immer weiter in die Wüste vorgeschoben werden". Wüste und Einöde würde zu einem „wonnigen Platze, die Steppe jauchzte aus und blühte wie eine Rose." — Das alte agadischc Wort von der wunderbaren Elasticität unseres heiligen Bodens würde sich buchstäblich bestätigen. Ich bekräftige voll und ganz die von Dr. Schnirer in seinem Referate ausgestellte Thesen über das bisher geübte praktische C o l o n i s a t i o n s s y st e m, die ja früher schon von mir ans Grund eigener Anschauung in Wort und Schrift zum Ausdruck gebracht wurden. 1. Unbeschadet der bestehenden Colonieen, die selbstverständlich soweit es zweckdienlich ist, erhalten werden müssen, bedarf das bisherige Colonisationswerk einer radiealen, einschneidenden Reforui. Kein Schritt zu neuen Colonisations-Unternehnningen ehe dafür ein gesicherter Rechtszustand geschaffen ist! Die scharfe aber vollkommen gerechtfertigte Kritik, die Dr. Schnirer an dem bestehenden Backschischwesen übte, wird jeder Kenner der Verhältnisse ohne jeglichen Vorbehalt unterschreiben müssen. Alle Betheiliglen, sowohl die betreffenden türkischen Beamten, als auch die jüdischen Vermittler, werden durch dieses Backschischunwesen ganz und gar corrumpirt. Man hat mir bedeutet, die jetzt existirenden jüdischen Colonieen wären als landwirthschaftliche Versuchsstationen keinesfalls zu unterschätzen. Aber mit dem Wohl und Wehe von ca. 1000 Fauülieneristenzen, darf man doch nicht allzu lange experimentiren - und überhaupt würden edelgesinnte, finanzkräftige Gönner durch Etablirung wissenschaftlich geleiteter, wohlbestallter Gutswirthschaften viel zweckdienlicher und zielbewußter gerade dieser Phase der Zionssache dienen können, als es bisher geschehen ist. 2. Kein Administrations- und Bevormundungssystem im eigentlichen praktischen Colonisationswerke sondern freie genossenschaftliche Arbeit unter einer einheitlichen, demokratisch c o n st i t u ir t e n C e n t r a lleitung. Dazu Regelung und Beaufsichtigung der Einwanderung und Ansiedelung seitens einer solchen Centralleitung. Ein Wort über das „Z i o n - C e n t r a l - C o m i t e", das im Januar 1894 sich in Paris organisirte. Anfangs war beabsichtigt, daß dieses Comits das g e s a m m t c Colonisationswerk leite. Aus einer gewissen Ursache, die sich zur Veröffentlichung nicht eignet, beschränkte sich seine Wirksamkeit schließlich auf die Einrichtung der Arbeitercolonie Kastinie, und die Unterstützung resp. Reorganisation von Mischmar Hajarden in Gemeinschaft mit der I. C A. Man wirkt jetzt darauf hin, bereits anderweitig gekaufte Ländereien mit in Palästina ansüßigen Volksgenossen zu besiedeln, vor Allem mit Zöglingen aus Mikwe-Jsrael, aber auch mit jüdischen Landarbeitern und einem großen Theile der städtischen, jüdischen Jugend von Jerusalem, Safed, Tiberias, Damascus u. s. w., deren liebster Wunsch es ist, das Land fruchtbringend zu bebauen. Hier muß auch betont werden, daß den nicht unter der Patronanz des russischen Chowewei Zion-Comitös stehenden Colonisten zuviel der französische Geist vorherrscht, der gerade nicht darnach angethan ist, dem Zionismus zu Nutz und Frommen zu gereichen. Auch in den Ansiedelungen deren Gründung die I. C. A. jüngst in Aussicht gestellt hat, dürfte wohl dieser unjüdische Geist nach wie vor vorwallen. Auch das gegenivärtigbestehende Abhängigkeitsverhältniß der nieisten Colonisten kann nicht dazu beitragen einen gesunden kräftigen, freien und unabhängigen jüdischen Bauernstand auszubilden. Das Unvermögen des „ Zion - Centra l - C o m i t e s", die Führerrolle in der Bewegung zu spielen, hat folgende Gründe: 1. Da die Mitglieder des Comitös in Paris, London und Berlin wohnen, und der russische Vertreter vor jedem wichtigen Beschlüße sich erst von Odessa Rath einholen muß, ist das Operiren des Coinites das denkbar Schwerfälligste. Jedes Mitglied hat übrigens auch seinen Privatberus, der die beste Zeit und die besten Kräfte absorbirt und nur in den Mußestunden kann es sich mit den Comitearbeiten beschäftigen. 5. Trotzdem der Walstmodus vorschreibt, daß l nicht in Paris ansäßige Mitglieder im Comitö Sitz und Stimme haben müssen, so ist doch die Zusammensetzung des Comitös als eine durchaus willkürliche, undeniokratische zu bezeichnen, und zwar deshalb, weil der überwiegende Einfluß der Pariser Vertreter kein offenes, freies, allen Zionisten klares Handeln znläßt. 3 dis 4 Herren in Paris, und die gleiche Anzahl in Jaffa und in der Mehrzahl der Fälle nur die Letzteren entscheiden schließlich über die specielle Verwendung der Gelder und den Massen, die das Geld hergeben, wird gar kein oder ein höchst unvollständiger, generalisirender Rechenschaftsbericht abgegeben. Auch über den Charakter der Unternehmunge» haben diese ivenig initzusprechen. Aus Obgeschildertem ergeben sich mit unerbittlicher Logik die folgenden von einer echten und rechten zionistischen Organisation zu beherzigenden Wahrheiten. 1. Ihr Central-Comite muß aus Männern zusammengesetzt sein, die der Central-Leitung ihre ganze Zeit und Kraft widmen. Keine S p o r t - Z i o n i st e n! — Die zionistische Organisation hat, wenn nöthig, diesen Männern einen Ehrensold auszusetzen. - 2. Die Central-Leitung darf keine oligarchische, sondern muß eine demokratisch constituirte, dem Congreß in allein Wesentlichen verantwortliche sein. Die Schilderung des Chalukawesen und das jüdische Schulwesen überlasse ich meinem Freunde Dr. Heinrich Lo ewe, der sich in letzter Zeit diesbezüglich in Palästina genall liuigesehen hat. Nur so viel will ich bemerken, daß die Chaluka auf keinen Fall abgeschafft werde» darf, so lange nichts Besseres an ihre Stelle gesetzt ist. Aber eine C h aluka- Resorm ist dringend erforderlich. In diesem Zusammenhänge will ich noch im Fluge über die jüdischen A r b e i t e r v e r h ä l t n i s s e zu I e r u s a l e m einige Daten anführen, die ich hauptsächlich meinem Freunde Wilhelm Groß, Commissionär in Jaffa llnd Jerusalem verdanke. Während der letzten 2 Jahrzehnte ist dort infolge der neueren Colonisationsbewegung die jüdische Arbeiter- und Handwerkerzahl bedeutend angewachsen, so daß jetzt daselbst das Arbeitsangebot die Nachfrage iveit übersteigt. Von ca. 2000 hier in Betracht kommendcn Familieil finden kaum 490 spärliche Beschäftigung. Das dararis sich ergebende Elend kann man sich lebhaft vorstellen. Eine Abhilfe ist selbstverstündsich nur durch Schaffllng von Arbeitsgelegenheit möglich, wodurch auch der Chaluka-Reform bedeutender Vorschub geleistet wäre. Also in erster Reihe, Vervielfältigung der bereits bestehenden Jndustriebranchen. Viele Rohprodukte oder nur Halbfabricate werden nach Europa expvrtirt, anstatt im Lande zu marktfähigen Artikeln verarbeitet zu werden. Arbeit ist in Palästina billig, und das Land bietet für nutzbringende Capitalsanlngen ein weites Feld. Die Entwickelung von Industrie und Handel in Palästina ist außerordenlich vielversprechend. Folgende von Herren Groß und Bambus gestellte Anträge seien hier in Fornr von Anregungen vorgebracht: 1. Einsetzung einer Commission zur Prüfung des bestehenden Chalukasystems und der palästinensischen Arbeiterverhältnisse durch Sachverständige aus verschiedenen Ländern, und auf Grund ihrer Berichterstattung wo möglich Vereinbarung mit den Palästina-Vereinen und der I. C. A. betreffs Verwirklichung der vorzunehmenden Reform. 2. Als vorbereitender Schritt zur Erzielung des für die Colonisation Palästinas absolut unentbehrlichen gesicherten Rechtszustandes, sei eine Rechtsschutzbehörde (aus europäischen Zionisten, die das türkische Recht kennen) zu schaffen. Zum Punkte des p a l ä st i n e n s i s ch e n Exports und I ui p o r t s sei Folgendes angeregt:

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