Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 15 (10.9.1897)
- Article
- Rede des Dr. Kaminka (Prag)
- Date
- 1897-09-10
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
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V Nr. 15. MAE Seite 11. Männer in Verbindung stehen sollten. Dieser Cvlnmission wurde es anheim gegeben, 1) eine officielle Genehmigung der russischen Regierung zu erlangen: 2) bei der türkischen Regierung die Beseitigung der damals schon aufgetanchten Schwierigkeitetl zu erwirken; 3) eine Commission nach Palästina zu schicken, nur die Bedürfnisse der inzwischen entstandenen Colonieen an Ort und Stelle zu beobachten: 4) neuen Colonisten zu einer Ansiedlung zu verhelfen. Im Aufträge des Verbandes reiste K. W. Wissotzky im Frühjahr 1885 nach Palästina und cutf Grund seines Be richtes wurden die drei Colonieen P et ach T i kw a, Gadra und Jessud Ham aale zur Unterstützung empfohlen. Im Jahre 1890 wurde nach vielen vergeblichen Mühen endlich durch den set. Alexander Zederbaum, Redacteur des „Hainelitz" die Genehmigung der russischen Regierung für die officielle Organisation der ColonisationsgesellschafL in Odessa erwirkt. Sie besteht seitdem als „Gesellschaft zur Unterstützung Ackerbart und Industrie treibender Israeliten in Palästina und Syrien". Ihre Mitgliederzahl schwankte zwischen 2700 und 4800, die Einnahmen betrugen ca. 30—45.000 Rubel jährlich, wobei in Betracht kommt, daß der Gesellschaft durch die Landesgesetze die Errichtung von Filialen und eine zweckuläßige Organisation außerhalb Odessa's versagt sind. Die Gesellschaft war in der Lage zur Unterstützurrg voll Colonieen in den Jahren 1885—1890 einen Betrag von ca. 275.181 Frcs. und seit der officiellen Genehmigung in den Jahren 1890 -93 ca. 215.137 FrcS. in „ „ 1893—96 „ 206.069 „ im verstoßenem Jahre_„ 179.922 „ im Ganzen seit 1890 ca. 6 A.128 ^rcS. zu verwenden. Mit diesen Subventionen wäre jedoch wenig erreicht worden, wenn nicht Baron E. v. R., außer beu von ihm selbst gegründeten und ganz erhaltenen Colortieen, auch den aubci'eit rheilweise Subventionen gewährt hätte. In den letzten Jahren wurden manche Colonieen auch durch größere Beträge von Seiten des Vereines §Esra" in Berlin, sowie von Zionsfrennden in Paris und London unterstützt und im verflossenen Jahre wllrde endlich auch vom Curatorium der großen Baron Hirsch-Stiftung (Jewish Colonisation Association) ein Beitrag für die Cvlonisation in Palästina bewilligt. Der gegenwärtige Stand der Colonien ist folgender:*) a) t n Iudü ci: Dunain, Seelen. 9v i s ch oii t c z i o it (seit 1882) . 6.600 400 P c t a ch Tikwa (seit 1878) 13.850 670 W a d i C h a n i n. 4.000 160 Gadra (1882 von der Gesellschaft „Biln" gegr.) 3.000 100 E k r o n (1882 durch Baron v. R .)..;. 4.090 160 R e ch v w v t h (1890, Gesellschaft „Merlucha wenachlä" in Warschau) . . 10.500 170 B e e r T o b y a oder Castine . 5.600 120 Moza. 400 15 A r t u f. 5.000 20 b) i n G a l i l ä et: S i ch r o n Jacob (1882 durch Chowawe Zion in Galatz gegrülldet, dann vom Baron übernommen) nebst Unigebung. C h e d e r a (1891, durch eine Gesellschaft in Rußland), am Mittelmeer .... Rosch Pina (gegr. 18- >; vom Baron subventionirt; Seiden j. mnerei) .... I e s s u d h a m a a l e.2.500 M i s ch m a r h a j a r d e n (Wacht am Jordan) 2.600 (unterstützt von „Esra" und Jew. Col. Assoc. E n S e t h i m.3.000 M ethule (Baron R.).12.000 zusamuien ca. . Was das Leben in den Colonieen betrifft, so wird es als Mißstaud bezeichnet, daß in bcu größeren imb besser eingerichteten Colonieen zu viel französischer Geist und Steigung zum Luxus herrschen. Die Eltern erstreben für ihre Kinder eine Ausbildung in Paris und Hegen noch eine gewisse Geringschätzung für das einfache imd gesunde Bauernleben. Doch wurzeln sich die Colonisten-Familien immer mehr ein. Die jüngeren Leute sprechen hebräisch, fühlen sich als echte Landeskinder und arbeiten mit Fleiß und Hingebung. Die hebräische Mittelschule in Jaffa ist eine wichtige Pflegestätte nationalen Geistes und verdient auch vom praktischen Gesichtspunkte die Aufmerksamkeit der Freunde der Colonisalion. Ferner ist es wichtig, daß, neben dem Ackerbau, Industrie und Handel durch die neue Immigration gefördert werden: es sind diesbezügliche verschiedene Vorschläge gemacht worden, die zu prüfen Sache eines vom Cougreß;,u wählenden besonderen Comites sein wird. Die Handelsbewegung im Lande i)t gegenwärtig eine verhältnismäßig unbedeutende. Ich will hier über den auswärtigen Handelsverkehr über Jaffa einige Zahlen anführen. Im Jahre 1695 betrug der Werth des E x Port e s über Jaffa: (Artikel mit über 100.000 Frcs. jährlichem Bert'ehrswerrlst. Jerusalmner Fabrikate und Schnitzereien .... 375.000 Frcs. Lupinen (Wolfsbohnen) . 100.000 „ Orangen . . . . 1,500.00') „ . . 750.000 „ 555.000 „ . . 225.000 „ . . 125.000 „ Zusammen mit noch verschiedenen Artikeltt betrug der Gcsauunt- Expvrt: 4,472.500 Frcs. Mohn . . . Seife . . . Obst und Gemüse Wein .... I m p o r t: (Artikel mit über 100.000 Frcs. jährlichem Verkehrswerth) Kohlen Kaffee (aus Arabien . . Medicamente. Mehl. Häringe. Glas und Porzellan . . Eifert und andere Metalle Maschinen. Indigo und andere Farben Kleiderstoffe, Wolle, Seide 200.000 Frcs. 525.000 200.000 „00.000 175.000 150.000 450.000 100.000 125.000 175.000 16.000 650 29.000 170 6.000 118.230 3372 gewidmet sind (an etwa 5.000 Dunam wovon ca. 30.000 Dunarn dem Weinbau 8,000.000 Weinstöcke sind gepflanzt) und der Obstzucht. *) Ausführliche Berichte über die einzelnen Colonieen sind dem Congreß zu vcit aus Jaffa zugegangen. Papier. 175.000 „ Kartoffel. 240.000 „ Zucker. 525.000 „ Weilt und Liqueur . . . 150.000 „ Bauholz. 450.G 0 „ Nebst minderwlästigen Artikeln, Betrag des Gesammt-Jmpvrtes ca. 7,371.500 Frcs. Diese Zahlen können für manche industrielle llnterueh- Mttngen als Wegweiser dienen. Es wird aber Aufgabe des Eongresses sein, bei der Erweiterung des Rahutens der Colonisation ztt ermitteln, welche Jndttstrieen mit Erfolg nach Palästina verpflanzt werden könnten. Die zweckmäßige Erweiterung der Colonisation bedarf jedenfalls eines z i e l b e w u ß t e tt B o r g e h e n s, vor Allettt aber gewisser juristischer Reformen oder solcher besonderer Privilegien, wie sie der Congreß vom Wohlwollen S.M. des Süll tans erwartet. Denn in der Weise wie bis jetzt kann un m ög lieh weiter cotonisirt werden. Die Massen-Einwnnderung von Juden ist bekanntlich verboten worden:, das Verbot wurde aber von den unteren Beamten derart verschärft, daß keinent Jud e n d e s Lande s in Jaffa gestattet wird (mit AuSnähnte französischer, englischer tmd ainerikanischer Juden. Die Arabeverhöhnen und belästigen die Ankommenden, die sich indirekt die Erlaubnis zu landen erwirkt haben. Auf den Rattten eines Im den wird kein Landbesitz im Grirndbuch eingetragen. Die Ar! des Landerwerbes ist überhaupt eilte furchtbar mühselige. Es wird mir ein merkwürdiges Beispiel berichtet. Die Colouic Chedern war ursprünglich Eigenthnnl von 18 Personen, deren Antheile jedoch nicht abgegrenzt waren: als die Colvnie 1891 von einer Gesellschaft von 70 Personen erworben wurde, iw;