Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 13 (27.8.1897)
- Article
- Die ideale Hilfe
- Date
- 1897-08-27
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Ar. 13. (feeite 3. wir auch auf dem Baseler Congresse nicht vergessen dürfen. Fassen wir daher in Basel folgende Beschlüsse: 1. Die Leitung der Partei hat namens des Congresses einen Appell an die e u r o p ä i s ch e W e l t zu richten. Derselbe soll in männlich-würdiger Weise, kurz und bestimmt, ehrlich und offen, die Sympathien Europas für die zionistischen Bestrebungen erbitten. In allen Cultursprachen abgefaßt, möge er allenthalben verbreitet und den bedeutenden Persönlichkeiten direct zugestellt werden. 2. Die Leitung der Partei hat einige Zeit nach Versendung des Appells die agitatorische Verwerthung der Resultate, d i e O r g a n i s a t i o n d e r P h i l o z i o n i st e n und die Anbahnung regelmäßiger Beziehungen zwischen diesen und den Zionisten zu veranlassen. Die IDoche. Wien, den 26. 18!)7. Die nächste Woche gehört dem Congreß. Wir können heute keinen wichtigeren lind würdigeren Gegenstand für lmsere Betrachtungen finden, als diese Veranstaltung, die sich trotz aller Spötteleien, Ränke und Anfeindungen durchgesetzt hat. Unsere Freunds wissen, was alles gegen den Congreß aufgeboten worden ist. Wir haben die Mehrzahl dieser Jämmerlichkeiten mit Stillschweigen übergangen, weil wir das betrübende Schauspiel nicht noch in die Breite zerren wollten. Späterhin wird es unseren Gegnern wohl kaum zur Ehre gerechnet werden, daß sie mit solchen Mitteln eine Bewegung bekämpften, von der es vielleicht nicht gleich sicher war, daß sie allen nützen werde, von der aber jeder Unbefangene breÄleberzeugung gewinnt, daß sie Niemandem schaden könne. Schon fällt es uns heute leicht, die Störungsversllche, soweit sie den Congreß betrafen, nachsichtiger zu beurtheilen, denn sie sind erfolglos geblieben. Wir können herite noch nicht wissen, was der Congreß an positiven Ergebnissen zu Tage fördern wird. Aber daß er sich überiiaupt versammelt, daß Juden aus den verschiedensten Ländern auf einen nationalen Ruf herbeieilen, ist eine Thatsache von Bedelltung. Es wird sich nun darum handeln, diese Thatsache nicht verdunkeln und verkümmern zu lassen. Auf dem Baseler Congreß wird sich zum erstenmal ein ehrlicher Versuch, die Judenfrage in humaner und moderner Form zu lösen, der Welt vorstellen. * * * Schon hat die zionistische Bewegung überall die Aufmerksamkeit ernster Politiker erregt. Jeder Tag bringt »ms bcmerkenswerthe Aeußerungen hervorragender Tagesblütter und Revuen. Wir können das vielleicht am besten mit dem Worte charakterisiren, daß die Judenfrage sich in die Zionsicage umzllwandeln beginnt. Wer ist so verstockt — auch ivenn er zu den Gegnern des Zionismus gehört — nicht einzusehen, daß hierin eine wesentliche Besserung der Discussionsform für alle Juden sich vorbereitet? Wer es heute noch nicht einsieht, wird es morgen einsehen müssen. Altch das ist eine werdende Thatsache. Wer die werdende nicht anerkennt, wird sich doch vor der gewordenen beugen, niögucherweise sogar am tiefsten. Die auf den fertigen Erfolg warten, sind dann die ergebensten Diener. Aber viele Juden und oder thun heute noch spröde, weil ihnen eine alte Fchmi vor der öffentlichen Besprechung jüdischer Angelegenheiten in den Gliedern steckt. Und nur um Gottesmillen nicht ausgelacht werden! Als ob an dem bischen Gelächter oon Dummköpfen, an den faulen Witzen, die Einem nachgeworfen werden, auch nur das Mindeste läge. Man erinnere sich nur der Albernheiten, die über den Socialisums vor zehn Jahren gesagt und geschrieben wurden. Welche Caricaturen in den Blättern, auch in den nichtwitzigen, >vie troffen die Klugen von Spott, wie schüttelten sich die Besitzenden vor Angst bei der bloßen Nennung seines Namens! Heute gibt es keinen Menschen mehr, der den Socialismus nicht ernst nähnie, keinen Staatsmann, der nicht mit ihm rechnete. Also getrost und Kopf oben und keine schwachen Nerven gezeigt! Viel vom Eindruck, den der Baseler Congreß auf die politische Welt machen wird, hängt vom Maß und der Wiirde der dortigen Berathungen ab. Jedes einzelne Congreßmitglied trügt mit an der Verantwortung, Niemand soll vergessen, daß die kleinen Schwächen von Vereins- und Versammlungsmenschen gerade in Basel übler wirken müßten, als irgend anderswo. Streit, Nörgeleien, lärmende Scenen, Obstructiv», die doch in jeder größeren Versammlung Vorkommen, weil ein paar Leute genügen, um sie hervorzurusen, würden in Basel einfach zu einem Zeugniß wider die Richtigkeit unserer Principien, wider die Möglichkeit ihrer Ausführung aufgebauscht werden. Wir vertrauen übrigens auf den gestmden Sinn und den ernsten Willen der Versammlung. Sie wird eine Störung nicht dulden, bei aller Freiheit der Meinungsäußerung, die sich in den Grenzen der Schicklichkeit bewegt. Freilich, was ist störend, was istschicklich? Es läßt sich nicht einzeln aufzählen und kaum definiren. Aber das gesunde Taktgefühl gibt darauf in jedem Falle Antwort. Wenn wir solchen Betrachtungen hier überhaupt Raum gebe», so geschieht es nur in der Vorsicht aller Möglichkeiten, auch der entferntesten, die unserem Werke schaden könnten. Wir halten es nahezu für ausgeschlossen, daß ein illoyaler Wille sich in die Versammlung einschleichen könne, aus die viele, viele Tausende unserer armen Brüder mit Sehnsucht und Erwartungen Hinblicken. Dieser Congreß ist der große Rath, dem eine große That folgen soll, folgen muß, folgen wird. Das möge sich Jeder gegenwärtig halten, der an der Versammlung theiluimnit, der also mit verantwortlich ist für die Würde des Congresses. Auch wird man in keinem Ai'genblicke vergesse» dürfen, daß ein unbedachtes Wort unseren armen Stammesgenoffeu gerade in jenen Ländern schaden kann, wo es ihnen schon jetzt schlecht geht. Möge die hoffnungsvolle Versammlung ohne eine» einzigen Mißton verlaufen, ohne umnännliches Jammern, ohne thörichte Anklagen, ohne Hetzworte, ohne unduldsames Eisern. Man lasse nur das hervortreten, was uns einigt und auch in den bösesten Zeiten zusammengehalten hat. Und je mehr die Mißgunst sich bemühen will, den Congreß zu verspotten und zu schmähen, umsomehr muß aller Streben darauf gerichtet sein, daß er weder lächerlich noch verächtlich werde, sondern ernst und groß und allen Juden zur dauernden Erhebung. Der Congreß nnd die denschen. Anden. Bo» Salomo Liebhardt In den letzten Tagen dieses Monats werden sich in Basel 200 Vertreter jüdischer Gemeinden aus Amerika, aus Europa und Palästina znsammenfiuden, um zu berathschlagen, wie das uralte Projekt eines Judenstaates zu verwirklichen und die sogenannte „Judenfrage" ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen wäre. Allem Anschein nach wird sicl> dieser Congreß der Zionisten zu einer ständigen Zeiterscheinung ausgestalten, so das; den natioualdeutschen Rabbinern Berlins die Gelegenheit zu geharnischten Protesten niemals auszugehen braucht. Aber es scheint fast, daß die Herren die Unfruchtbarkeit dieses Beginnens schon erkannt haben und es lieber mit der vielgepriesenen Methode des Todtschweigens versuchen wollen. Wenigstens die große Mehrzahl deutscher Zeitungen versucht es mit dieser Methode, und glaubwürdige Zeugen, die sich den Blättern als Berichterstatter für den Congreß anboten, versicherten stets, daß die ablehnenden Bescheide der Redactionen jüdische Namensnuterschriste» trugen. Wenn also eine Erscheinung, die zum Mindeste» auf eine gewiße, culturhistorische Bedeutung Anspruch hat, von der deutschen Presse gänzlich ignorirt wird, so Fist dach wohl ein Zeichen, wie stark die deutschen Juden ihrem Vaterland» schon anhängen, wie