Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 12 (20.8.1897)
- Article
- Die Juden in der Bukowina
- Date
- 1897-08-20
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 12. ,Pi«$w<r Seite 5. einen schwunghaften Handel, sind schlau und gerieben und im Großgrundbesitz sind sie sehr zahlreich vertreten. Aber Niemand hat noch über sie ein Wort verloren. Die Juden dagegen haben hauptsächlich den mittleren und kleineren Handel in Händen, sie betreiben fast ausschließlich die Handwerke des täglichen Lebens, sie sind kleine Grundwirthe. Der Reichthum hat nur bei etlichen die landesübliche Höhe erreicht, diese sind an den Fingern abzuzählen. Aber der Antisemitismus der Rumänen besteht. Nicht in der lärmenden Fornr westlicher Cultur, nur dem priifenden Auge bemerkbar. Er schleicht im Verborgenen umher, kein Mensch hat ihn verbreitet, keine Zeitung hat ihn verkündet. Am allerwenigsten ist er der Schemel für politischen Ehrgeiz. Denn der Bauer kümmert sich nicht um hohe Politik. Wenn er sich einnial nach Wien erkundigt, fragt er höchstens wie das Getreide dort steht. Der Antisemitismus äußert sich vorläufig nur in sarkastischen Worten dem Einzelnen gegenüber oder in kleinen Excessen, die noch nicht zur Höhe galizischer Cultur sich aufgeschwungen haben. Es ist der traditionelle Judenhaß in alten Formen versteinert, der Spott über ein Volk, das seine Heimat verloren und dessen Gemüthleben und Cultur nicht begriffen werden, dessen tragische Größe dem Einfältigen nur Hohn und Verachtung entlockt. So erklärt die primitive Cultur manches, was in fortgeschrittenen Ländern unverständlich ist. Da vertröstet man noch die Juden mit der „geistigen Mission". Die Bukowinaer Juden sind aber verstockt, ungläubig. Sie glauben nicht daran. Der Zionismus wird das Land im Sturmschritt erobern. Der: Cort0t:cf3. Die vorbereitende Commission hat bereits einen Secretär des Congreßbureaus von Wien nach Basel geschickt. Alle Zuschriften unb Telegramme wolle man einfach ndressiren: Zi o nisten-Eon greß B a s e l. -st * * Von einzelnen Personen, die sich in den letzten Monaten durch hämische und tückische Angriffe ans die Veranstalter des Congresses bemerkbar gemacht haben, werden jetzt die perfidesten Mittel arifgewendet, um den Congreß zu schädigen, Uneinigkeit zu stiften und das zu verhindern, was die wesentlichste Ausgabe der Berathung sein soll: eine würdige und vernünftige Discussion der uns bewegenden Fragen.^ Wir glauben, daß diese einfache Warnung genügen wird, damit alle, die es mit dem Zionismus ehrlich meinen, vor solchen Manövern auf der Hut seien. -st -st Diejenigen Delegirten, welche bisher ihre Mitgliedskarten nicht erhalten haben, brauchen ihre Abreise darum nicht zu verschieben. Sie werden die Duplieatc in Basel vom Congreßburean erhalten. rst -st -st Die Herren Dr. S. R. Landau und Dr. Sigmund Werner wurden vom Wiener Einzel verein „Landstraße" des Verbandes „Zion" >n Congreßdelegirten gewählt. -st -!- -st Die Wiener academische Verbindung ,X i b a n o n i a" sendet zum stonisten-Congreß in Basel als ihren Vertreter stad. med. Leopold ilei n. * * * Der Verein „Zion" in Czernowitz hat Herrn Dr. Mayer -bner, alten Herrn und Gründer der „Hasmonäa", zum Delegirten ur den Congreß ln Basel gewählt. Derselbe hat auch beim vorbereitenden Comite ein Referat^nber: „Die Lage der Inden in der Bukowina" ^gemeldet. -st -i' Aus Krakau wird uns telegraphin: „Die heutige Generalversammlung des Krakauer „Chowewe Crez Israel" erklärt sich völlig einverstanden mit dem Programme des Basler Congresses. Möge der Allmächtige seine Berathnngen leiten. Julius Schönwetter, Vicepräses." -st »st -st Unter den angemeldeten Congreßmitgliedern befindet sich auch der englische Schriftsteller I. Z a n g w i l l. Der Centratverein „Zion" in Sofia hat einem Delegirten, Herrn Karl I. H erbe r t, dem Präsidenten der dortigen deutschen Cultusgemeinde eilte motivirte Vollmacht für den Congreß mitgegeben. In diesem von mehreren hundert Unterschriften bedeckten 'Documente werden die Grundzüge der zionistischen Bestrebungen mit begeisterten Worten entwickelt. Zum Chrendelegirten der bulgarischen Zionisten wurde Doctor H e r z l gewählt. -st -st * Die Congreß-Mitglieder von 9t o w n o und N i k o l a j e lv lvnrden telegraphisch au ge in e l d et. -st * Die Herreil Wilhelnt Groß, Dr. Heinrich Loewe und Rechtsanwalt Adant Rosenberg auS Palästina sind bereits auf deut Wege nach Europa. Dr. Loewe reist über Marseille direct nach Basel, die zwei anderen Herren durften vorher noch nach Wien kommen. -st -st -st Das unter Aufsicht des Rabbiners Cohn stehende jüdische Restaurant ist das „Hotel Braunschweig", Basel, Spolenvorstadt. Folgende Hotels in Basel empfehlen sich den Congreßbesuchern: Basler Hof, Wilder Mann, Deutscher Hof und Hotel Krafft New-York er Krief. Von Michael Singer. Attt 26. Juli 1898. Ich folgte gestern der Einladung des Herrn Richard G o t t h c i l, Professor für orientalische Sprachen an der Columbia-Universität, und verlebte in dem gastlichen Hause desselben einige überaus angenehme Stunden. Ich hatte das Vergnügen den Vater des Professors, den greisen Rabbiner der sührendell Reform gemeinde in den Vereinigten Staaten, Herrn Dr. Gustav Gottheil kennen zu lernen. Beide, Vater und Sohn siild voll ungemein gewinnendem Wesen und von imponirender Gelehrtheit. Unser Gespräch drehte sich, lvie nur selbstverständlich, um den Zionismus. Zu meiner nicht geringen Jrende überzeugte ich nlich bald, daß nicht allein der jugendliche, von Begeisterung getragene Professor, sondern auch der greise, tebenSerfährene Reformrabbiuer gesinnungstreue Zionisten und bereit sind, unsere Bewegmlg mit den mächtigell Waffeil ihres Geistes, ihres Wissens und ihres großenEinflusses zu unterstützen. Rabbiner Gottheit hat seiner Gemeinde, die qualitativ und quantitativ die vornehmste in den Vereinigten Staaten ist, beit Geist wahren Fortschritts, religiöser Duldsamkeit und freiheitlichen Denkens eingeprägt. Cr weiß aber, daß wir in unserer Bewegung mit Jactoren alter Art zu rechneil haben. Ueberdies ist Rabbiller Gottheil - nnb dies zeichnet ihn vor allen Refornlrabbinern so vortheilhaft aus, --- lvarinfühlender Inde geblieben, der das Heil der Jlldenheit ilicht in der Assimilirung, sondern in der Belvahrnilg des jüdischen BolkScharakterS silcht. Dr. Gottheil verurtheilte daS Vorgehen der Herren Mahbaum-Vogelstein ziemlich scharf und hat er seine diesbezügliche Ansicht in einem an die „Allgemeine Zeitung des Jildellthnms" eingesandten Artikel ausgesprochen. Allerdings" fo meinte der greise GotteSmaun mit feinem Lächeln, „müssen wir'noch abwarten, ob jene Zeitschrift meinen Anfsast veröffentlichen wird." _ Dem Congresse können weder Vater, noch Sohn beilvohnen. Crsterer ist durch sein Älter, letzterer biircli Bernfsgeschäste daran verhindert. Beide sehen aber den Congreß als ausschlaggebend au für das fernere Geschick des Zionismus. Ein Interview, welches der Pariser Vertreter der Rew-Uorker „Sun" mit Herrn Dr. Mar Rordan batte und das in der gestrigen Ausgabe des benannten Blattes veröffentlicht worden ist, ivirkte lvie eine Bombe. Die Glut, mit welcher Herr Nord au die Berechtigung der Bewegung nachwies, und die kernigen Worte, mit welchen er den deutschen Rabbiner- Verband niederschmetterte, erregten allerorts Aufsehen. Jür das zielbewußte Streben der Zionisten in Amerika mag der Umstand sprechen, daß dieser Tage sich aus den Vertretern sämmtlicher Zionsvereine eine Central--Körperschaft gebildet hat, deren Aufgabe es ist, in die Cinzelvereine neue Ideen zu tragen, durch Herausgabe Volk Broschüren und sonstige Druckschriften, dtlrch Veranstaltung von Massenversammlungen den Zionismus in weitere Kreise zu bringen. Cs werden auch populäre Vortrüge in rascher Jotge veranstaltet werden. Vorläufig finb vier solche Vorträge unter folgenden Titeln in Altssicht genommen worden: 1. Was wir Inden wollen. 2. Die Ver-