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Die Welt · 1908-12-24 · 52 (24.12.1908) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
52 (24.12.1908)
Date
1908-12-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIEMELT KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6 V/ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XII. JAHRO. KÖLN. 24. Dezember 1908 p-nrfc D"nn'e* l!?D3 "b No. 5£ DIE PROPHETISCHE RICHTUNG UNSERER ZEIT } I Wir hatten in unserm Altertum zweierlei Propheten: kühne, schärfe," höchst unangenehme Kundiger der Wahrheit, die oftmals die Zukunft entschleierten und die Gegenwart durch quälende Weissagungen beleuchteten, und —■ süße, sanfte Wortführer der Heuchelei, bequeme und zufriedene Genußmenschen, deren Mund von Versicherungen überfloß, alles sei am besten auf dieser besten der Weiten. Die erstem haben sich als Zierde unseres Volkes, als Juwelen in der Krone menschlicher Zivilisation für alle Ewigkeit erhalten; ihre Namen werden bis zum Ende der Zeiten sonnenhell dem Geiste unserer Nation auf all seinen Irrfahrten voranleuchten, während die letztern, .in dem Orkus der Vergessenheit versunken, von unserer Geschichte nur kürz als 'schändliche •Baalspriester; registriert werden. Welche Richtung verdient es, als ein nachahmenswürdiges Vorbild für uns zu gelten? Es ist klar, daß iiur die erstere darauf einen Anspruch ' erheben kann. Nicht um das Problem des. Optimismus und Pessimismus handelt es sich hier. Unsere Propheten waren die größten Optimisten, aber ihr Optimismus gipfelte in einem fernliegenden höhen,Punkt: die äußerste Entwicklung eines Obermenschentums stellte sich ihrem begeisterten Schauen, als eine Vödkerbrüderschaft dar, als" ein Sieg der Gerechtigkeit und der Liebe, als eine Apotheose,;- die^. den Schluß des-Geschichtsdramas glanzvoll verklärt. Das war der idealeZukünftsöptimismus unserer Propheten. Ein spicher Optimismus . hindert . nicht, die Gegenwart ruhig. und nüchtern zu beobachten; im Gegenteil, er bietet für diese Beobachtung die notwendige Perspektive, den Maßstab des Kontrastes. Ein solcher Optimismus, dem ein starkes Streben zugrunde liegt, blendet die Augen derjenigen nicht, die die jetzige Läge genau betrachten wollen; er verdunkelt auch den Geist nicht, um die Verhältnisse, die Angelegenheiten und die Pflichten "der Gegenwart nicht zu begreifen. Jeder Mensch kann und soll seinen sehnenden und schmachtenden Blick nach jener lockenden, lichtvollen Perne rich±enr-.;Bacfe. jenem Zeitpunkt wenn er innerlich geläutert; vercaakommnet und äußerlich in die glückfidistßH£,$ieafcten Verhältnisse gestellt sein wird.: Würde aber* .dieser Mensch mit einemmal, ohne. sich stufenweise zu entwickeln, ohne den. Bedingungeft seiner Lage, seiner augenblicklichen Pflichten und der Kraft der Verhältnisse und der Umgebung, in der £r lebt, Rechnung zu tragen, es versuchen, - durch eiri£n verwegenen und unbesonnenen Sprung, durch, ein verzweifeltes Saltomortale an sein Endziel:/föeranzurennen, so würde er dem letztern hierdurch, .nicht nur näher, sondern auf eine unermeßliche Distanz ferrfer gerückt. Es ist ein. bekanntes Wort, jeder Soldat müsse in seinem Ränzlein den Feldmarschallstab tragen. Aber wie würde ein Soldat aussehen, wenn er sieh auf Grund dieses Feldmarschalltraumes sobenehmen wür<|e, als ob. er schon Feldmarschall wäre! "i Wie bei Individuen, so auch; bei Menschengrupp|n. Daß sie ..sich einst ...vereinigen„werden,,., daß^die .Ejpe voll: sein wird: der, Erkenntnis, wie.1 das' ^Te^-^es Wassers, daß diejenigen, die der Haß trennt, "eTnst vpn Liebe umschlungen seih werden, Geschfecftter, Völker, Rassen, — dieser sittliche Wegweiser soll allen/Volkern wie eine Feuersäule auf den Bannen ihrer-Bestcebingbn voranleüchteh. Aber absurd und föricht wäfe-es, 'dieses Bestreben einem einzigen Volke oder einer einzigen Zeitepoche als Monopol-zu Verleihern . Das erhabene, allgemeih-mehschüche -ZülumtMdeal;-w^d nicht am richtigen Platz und nicht in der rechten 2§eit zur Geltung käme, zu einer verkrüppelten,; verkütatneiien und sinnlosen. Parodie hei^gedruckt weräenT'" l Denken wir uns, daß .,die - Tschechen, die äie Deutschen, die Polen, die die Ruthenen, oder, die, Russen, die die Polen entnationaiisieren wollen, sagen/wurden: Wir streben, zum Ideal der Völkerverbrüderung, die ^m Ende der Tage eintreten muß! Denken wir uns diese Botschaft im Munde der Panslawisten, Hakatisten usw. Das wäre Vfie^iderlichste und sc^mähBehsfe Besudelung und Verunglimpfüng des Ideals! Dehn nach einer höhern Humanität .müssen alle streben,- jeder riäcti;'seirfem Geiste, im' Einklang mit seiner eignen Geschichte, und solange Nationalitäten überhaupt existieren, ist jedes Attentat gegen das Bestehen irgendeiner Nationalität ein Verbrechen. Es ist dies mit der menschlichen Moral unvereinbar, denn die 'Moral gebietet; das Wesen, das Recht des Nächsten zu schonen wie das eigne, und im Sinne unserer jüdischen Maxime, die .auch das

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