Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1908-12-18 · 50-51 (18.12.1908) · page 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
50-51 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
– (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316296-3316347--51374-3379149
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Leben. Und nirgends, nirgends — dies darf jetzt als unumstößliche Tatsache gelten — stehen die Juden in einer so innigen Beziehung zur Natur, nirgends empfinden sie solche Liebe zum Boden, nirgends in-der Welt werden sie sich so an die Scholle festbinden lassen, wie in Palästina. Dies sollen alle im Auge behalten, die an der Rückkehr der Juden zur Landwirtschaft Interesse haben. Dieses Interesse lebt in weiten Kreisen des Judentums. Dieses Bestreben kann, nur in Palästina realisiert werden, anderswo bleibt es überall ein Sportunternehmen. Es wäre aber ein Jammer, dieses vielleicht unbewußte, aber im modernen Juden sicherlich vorhandene elementare Bedürfnis nach Land verkümmern zu lassen. Dieser Gedanke, durch frischen Erdgeruch dem jüdischen Volke neue Kraft zuzuführen, liegt dem Jüdischen Nationalfonds zugrunde. Wir waren in der Zeit der Diaspora immer gezwungen, leichte bewegliche Habe zu besitzen, unser ganzes Vermögen jederzeit in ein leichtes Reisebündel zusammennehmen zu können, um zu jeder Stunde reisefertig zu sein. So waren wir immer unstät, ohne Boden unter den Füßen, in der Luft schwebend. Deshalb ist das Verlangen nach Boden, nach Seßhaftigkeit so stark. Und der Jüdische Nationalfonds soll eben der eiserne Reservefonds an Grund und Boden für das jüdische Volk sein. Der Nationalfonds, zusammengebracht von Gaben sämtlicher Mitglieder der Judenheit, soll Grund und Boden in Palästina zum ewigen Eigentum des Jüdischen Volkes erwerben. Bei seinen jetzigen Mitteln muß der Nationalfonds sich hauptsächlich darauf . beschränken, durch Förderung jener Institutionen, die an der Besiedelungstätigkeit Palästinas mitarbeiten, den Erwerb von Boden durch Juden mittelbar zu beschleunigen. Aber wenn durch eine gesamte Beteiligung aller Juden an den Sammlungen für den Nationalfonds seine Einnahmen eine wirklich große Höhe erreichen würden, könnte er erst in erwünschtem Maße weite Landstrecken erwerben und sie durch jüdische Arbeit wieder unser werden lassen. Um eine systematische Kolonisationstätigkeit zu ermöglichen, hat sich vor kurzem als englische eingetragene * Pfundaktien-Gesellschaft die Palestine Land Development Company gebildet. Außer einer großen Schicht Unbemittelter, die den sehnlichsten Wunsch haben, in Palästina Bauern zu werden, und die man bei methodischer Kolonisationstätigkeit zunächst als Landarbeiter, sodann als Pächter und schließlich als selbständige Landwirte ansiedeln könnte, gibt es zahlreiche mehr oder minder Begüterte, die in Palästina Landwirtschaft treiben möchten. Zu diesem Zwecke ist eine Gesellschaft notwendig, die größere Landflächen erwirbt, sie parzelliert, Ameliorationen vornimmt und das Land im allgemeinen so vorbereitet, daß der junge Kolonist es bald zu bewirtschaften in "der Lage ist. Palästina ist zumeist noch jungfräulich, unbebaut. Wie der einzelne im Urwalde hilflos dasteht und zu seiner Lichtung und Urbarmachung der intensiven organisierten Mitarbeit seiner Mitmenschen bedarf, so muß Palästina erst durch gemeinsame Arbeit, durch die Mithilfe aller Juden urbar und zur Aufnahme großer Schaaren jüdischer Auswanderer geeignet gemacht werden. Jetzt ergeht der Ruf aus Palästina an alle Brüder in der.Zerstreuung, jenen Instituten, die sich die Urbarmachung des palästinensischen Bodens und seine Vorbereitung für das jüdische Volk — jedes auf einem bestimmten Gebiete — zur Aufgabe gemacht haben, genügende Kräfte zuzuführen, um den großen Massen, die hier leben wollen, aber noch nicht können, die baldige Rückkehr nach ihrer Väter Lande zu ermöglichen. Da ist der Jüdische Nationalfonds, die Geulah, die Palestine Land Development Company für Landerwerb und Ansiedlung von Juden, die Jüdische Bank zur Förderung des Handels und Verkehrs, das Palästina- Industrie-Syndikat für die Vorbereitung und Hebung der Industrie im Land. Es sind lauter Volksinstitute, Instrumente des jüdischen Volkes für die allseitige wirtschaftliche Erschließung Palästinas. Sie werden Großes leisten können, wenn man ihnen die nötigen Mittel verschafft. Es muß aber bald geschehen und der geeignete Moment darf nicht verpaßt werden! Jaffa, 27. November. Dr. Jochanan Bei der Administration der „Welt" in Köln sind folgende Spenden eingegangen: Für das Palastina-Ressort: Gesammelt durch den Nederland'sche Zionistenbond in Amsterdam...........................•- Mk. 25.25 Für die Nationalbibliothek in Jerusalem: Gesammelt durch den Nederland'sche Zionistenbond in Amsterdam.............................. Mk. 6.75 Für die misrachlstlsche Mittelschule in Palästina: Dr. M. Zobel, Köln, kondoliert Hermann Struck, Berlin Jt 1.— Bei Herrn Professor Warburg, Berlin, sind eingegangen: Für den Palästina-Kulturfonds I: Beitrag des Herrn Dr. Isac Straus, München.....„ 300.— Für den Palästina-Kulturfonds II: Sammlungen in Deutschland laut der „ Jüdischen Rundschau" Nr. 40 Jt 143.60, Nr. 41 6.50, Nr. 42 4.—, Nr. 43 2918.30 (Sammlung des oberschlesischen Gruppenverbandes) Nr. 44 —-75 ...............zus. <M 3073.15 Für ein Denkmal des verstorbenen Dr. Leo Kohan in Palästina: Sammlung Person in Amsterdam ,........•■ . JC 10.—* Hedwig Dohm, die ihren 75. Geburtstag feiert, veröffentlicht in dem Novemberheft von „Nord und Süd" (Verlag Berlin W. 35), einen geistessprühenden Artikel über Hans von Kahlenberg. — Bernhard Shaw bringt die Fortsetzung seines Dramas „Der Arzt am Scheideweg", das seines köstlichsten Geistes voll ist. — Felix Hollaenders Roman „Die reines Herzens sind", entrollt dem Schlüsse zu packende psychologische Bilder und entwickelt die grandiose Tragödie zweier Menschen, die reines Herzens durch das Leben gingen und doch schuldig geworden sind. — Ernst Schur behandelt sehr ausführlich „Die Ausstellung München 1908". — Frieda Schanz und Hertha Federmann veröffentlichen stimmungsvolle neue Gedichte. — Robert Bauer bespricht die „Juristischen Symptome der Gegenwart". — Hermann Bahr, der berühmte österreichische Dichter, veröffentlicht im Novemberheft von „Nord und Süd" einen packenden Nachruf Josef Olbrichs, des großen Künstlers, der sein Freund war. Zwei Vierfarbendrucke der besten Bilder Raphaels schmücken dieses Heft, und Alice Fliegel übersetzt geschickt, Paul Konodys tiefgründende Essay über den Künstler Raphael. — Oberhaupt wird der Bilderschmuck von „Nord und Süd" von Heft zu Heft mannigfaltiger und reicher. — Erwähnt man noch den dramatischen Monatsbericht und ein Musikstück von Leo Fall, zu dem Professor Altmann einen ausführlichen Text geschrieben hat, und eine reiz~ volle Episode Brahms und — „Die Dollarprinzessin" von Dr. Willner, dem Textdichter der bekannten Operette Dollarprinzessin, so drängt sich geradezu die Oberzeugung auf, daß „Nord und Süd" von Heft zu Heft in die Höhe steigt und zu einer Zeitschrift auswächst, die in keiner gebildeten Familie fehlen darf.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.