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Die Welt · 1908-12-18 · 50-51 (18.12.1908) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
50-51 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
– (sequence 23)
Language
German
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ist es-auf "einige- Jahre aii sechs kaukasische-.Famflieh verpachtet worden,'dievor einiger Zeit' naefr Palästina gekommen sind: Es ist* erfreulich, das die kaukasischen -Juden, die für den Betrieb' der Landwirtschaft-viele gute Eigenschaften aus ihrem Herkunftslande mitbringen,' allmählich mehr und mehr in Palästina Fuß fassen. Jaffa: Die Bautätigkeit in Jaffa und Jerusalem ist noch immer sehr rege. Wenn im . nächsten Frühjahr die Häuserbaugesellschaft Achüzath-Baith in Jaffa mit der Errichtung von Häusern beginnen wird, wird die Nachfrage nach jüdischen Bauarbeitern (Maurern, Zimmerern) wahrscheinlich..noch stärker werden. Es bietet sich hier für tüchtige jüdische Arbeiter "eineMöglichkeif zu lohnendem Verdienst Bisher ist die Nachfrage nach tüchtigen jüdischen Bauarbeitern größer als das Angebot Kastinie: In unserer Kolonie ist vor 1—2 Jahren mit der Anpflanzung von Rizinus begonnen worden. Diese Pflanze hat sich bei uns außerordentlich gut entwickelt und scheint, da sie auch auf weniger gutem Boden fortkommt, für die Landwirtschaft eine große Bedeutung zu gewinnen. Die Rizinuskerne werden zur Fabrikation von Rizinusöl nach Europa exportiert, wo für Rizinuskerne dauernd lohnender Absatz zu finden ist. Schriftsetzerstreik in Jerusalem Jerusalem, 1. Dez. Aus nichtigem Grunde entstanden, hält der Schriftsetzerstreik schon mehrere Tage an. und hat eine so scharfe Form angenommen, daß man im Interesse des allgemeinen Friedens die baldige Versöhnung der Arbeitgeber und Arbeiter wünschen muß. Ein Buchdrucker, namens Levy,. mißhandelte ungerechterweise einen seiner Gesellen. Darauf verlangte der Schriftsetzerverein, dem der geschlagene Arbeiter als Mitglied angehörte, von Levy Satisfaktion und schlug zu diesem Zwecke die Einberufung eines Schiedsgerichts vor. Der Buchdrucker Levy war anfangs geneigt, auf die Forderungen der Arbeiter einzugehen, trat jedoch später davon zurück, wie behauptet wird, unter dem Einfluß anderer Buchdrucker, mit denen er sich inzwischen verständigt hatte. Auf einer Versammlung der Druckereibesitzer, zu der auch Vertreter des „Waad-Kol-Hakollelim" und andere bekanntere Persönlichkeiten Jerusalems, wie Direktor Antebi,. Direktor Ephr. Cohn u. a. hinzugezogen wurden, wurde beschlossen, mit den Arbeitern erst dann in weitere Unterhandlungen einzutreten, wenn sie aus dem Schriftsetzerverein austreten würden. Auf diese Forderung reagierten die Buchdruckereiarbeiter mit einem allgemeinen Streik. Während des Streiks kam es zu einem Konflikt zwischen den streikenden Arbeitern und einigen andern, die trotz des Streiks weiter arbeiteten. Die Arbeitenden wurden von den Streikenden beschimpft und geschlagen. Als zum Schutze der arbeitenden Arbeiter Araber und Soldaten herbeigeholt wurden, wurde von einem Arbeiter aus einem Revolver geschossen, angeblich, damit die herbeigeholten Araber in Schrecken versetzt würden und zurückträten. Darauf wurde seitens der Arbeitgeber der Schutz der Behörde und der Konsulate gegen diese Arbeiter als gefährliche Elemente angerufen und seitens der Rabbiner aller Kollelim wurde ein Verbot derBeschäftigung jener Arbeiter, die den jetzigen Arbeiterorganisationen ~ angehören, ausgesprochen. Da die Arbeitgeber zum großen Teil von den Rabbinern abhängig sind, werden sie gezwungen sein, den Issur der Rabbiner einzuhalten. Es wird jetzt versucht die Rabbiner dazu zu bewegen, ihr Verbot zurückzurufen. Vorläufig dauert der Streik und die starke Spannung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern an. Generalversammlung des Weinbauernsyndikats in Rischon le Zion Rischon le Zion, 20. Nov. Acht Tage dauerte die in der ersten Hälfte dieses Monats einberufene allgemeine Mitgliederversammlung des vereinigten Weinbauernsyndikats. (Es gehören dazu Weinbauern aus den Kolonien Rischon, Rechowoth, Gederah, Wadi-Hanin, Petach-Tikwah und Sichron-Jacob.) Von den 289 Mitgliedern, die das Syndikat' in allen diesen Kolonien zählt, waren achtzig persönlich erschienen, die übrigen hatten ihre Stimmen auf die. erschienenen Mitglieder durch Vollmacht übertragen. Einen sehr ausführlichen Bericht über die Geschäfte des Syndikats im Jahre Oktober 1907—Oktober 1908 erstattete der Vorsitzende des Syndikats, Herr Gluskin.. Nahezu. 40000 Hektoliter Wein sind' im-, verflossenen Jahre verkauft worden. Der erzielte Durchschnittspreis erlaubte Frcs. 16.— pro Kantar (ca.300 kg) Trauben an die Kolonisten zu zahlen. Hierzu kommen noch 6 Frcs. pro Kantar von dem vom Baron Rothschild den Kolonisten überlassenen Fonds. Bekanntlich hat der Baron Rothschild bei der Übergabe des Rischoner Weinkellers an die Kolonisten zur selbständigen Verwaltung ihnen noch 1 600 000 Frcs. zur Verfügung gestellt, die zur Deckung von Defiziten im Laufe von 6 Jahren dienen sollen, bis die Absatzverhältnisse für den Wein sich wieder gebessert hätten. Von diesem Beitrage des Barons entfiel in diesem Jahre ein Zuschuß von je 6 Frcs. auf jeden Kantar Trauben. Auf Vorschlag des Direktors Gluskin beschloß die Generalversammlung nur 3 Frcs. auszahlen zu lassen, 3 Frcs. aber dem Reservefonds zuzuschießen. Somit erhielten die Mitglieder des Syndikats 19 Frcs. pro Kantar Trauben. Zum Schlüsse sprach die Versammlung dem Baron Rothschild ihren Dank und den Wunsch aus, er möge in nächster Zeit die Freude erleben, die von . ihm unterstützten Kolonien blühen und gedeihen su sehen. Auch dem Vorsitzenden Gluskin votierte die Versammlung ihr Vertrauen und die Anerkennung für seine Leistungen. Rischon le Zion: Die Arbeiter begründeten hier eine Volksküche. Unsere Schule zählt dieses Jahr 192 Kinder, der Kindergarten 98 und die Talmud-Thora nahezu 50. Im verflossenen Jahre (5668) sind 35 Kinder in unserer Kolonie geboren worden. Eisenbahn Jaffa-Jerusalem Nachdem der Eisenbahnverkehr in Palästina kürzlich durch die Einführung des täglichen Personenzugverkehrs auf der Strecke Haifa-Damaskus eine bedeutende Verbesserung erfuhr, ist jetzt eine weitere Verbesserung dadurch herbeigeführt worden, daß seit dem 1. Dezember die Personenzüge auf der Strecke Jaffa-Jerusalem in jeder Richtung nicht nur einmal, sondern zweimal täglich verkehren. Des Morgens (um 7 bzw. 8 Uhr) und mittags um 1 Uhr wird ein Zug in jeder Richtung abgelassen. Man kann also jetzt in einem Tage von Jaffa nach Jerusalem und zurück fahren, was bisher trotz der relativ kurzen Entfernung (86 km) nicht möglich war. Haifa: Der Generaldirektor der Hedschasbahn, Gaudin (Christ), der letztens nach Konstantinopel berufen wurde, wird nicht mehr nach Haifa zurückkehren. An seine Stelle wurde ein früherer Ingenieur namens Muktarbey berufen. Wie gemeldet wird, werden auch alle Militärbeamten von Hedschas nach Konstantinopel zurückgerufen werden. Der Jüdische Klub und das türkische Parlament Wien, 16. Dez. (Privattelegramm): Der Jüdische Klub sandte an das türkische Parlament ein Begrüßungstelegramm, worin er dem Wunsche Ausdruck gab, das Jüdische Volk im Lande seiner Väter vereinigt zu sehen. Wiedererscheinen des „Fraind" Der „Fraind", die bekannte jüdische Tageszeitung, die vor kurzer Zeit gezwungen war, ihr Erscheinen einzustellen, wird seit einigen Tagen wieder ausgegeben. Verband deutscher Taufjuden? In deutsch-jüdischen Kreisen bespricht man mehr oder minder erregt einen Vorfall, der sich jüngst in Berlin zugetragen hat und der ein recht bezeichnendes Licht auf die sogenannte „Gesinnung" der sogenannten „maßgebenden" Juden Preußen-Deutschlands und insbesondere der Leiter des .„Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" und des „Verbandes deutscher Juden" wirft Bei einer Stadtverordnetenwahl in Berlin standen sich ein demokratischer Kandidat und der sattsam bekannte Dr. Mugdan gegenüber, jene Zierde des preußischen Abgeordnetenhauses, die sich erfreulicherweise bereits vor fünfzehn Jahren hat taufen lassen und seit dieser Zeit wie der Herr Doktor öfters klagen mußte, hin und wieder in ihrem allerdings noch jungfräulichen „christlichen Gefühlen" verletzt wurde. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß Herr Dr. Mugdan zu den rühmlichen Erfolgen, die er jedesmal im preußischen Abgeordnetenhause erzielt wenn er dort seine hervorragend „freisinnigen" sozialen. Anschauungen zum Besten gibt, auch noch den eines glänzenden Durchfalls bei dieser Wahl gefügt hätte, wenn er nicht außer der Unterstützung aller reaktionären Elemente und insbesondere der Antisemiten, die selbstverständlich den Renegaten in ihr Herz geschlossen haben, auch noch die seiner jüdischen Kollegen aus dem Abgeordnetenhaus und seiner Freunde aus dem Vorstand des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und des Verbandes deutscher Juden"gefunden hätte. Der beamtete Syndikus

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