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Die Welt · 1897-07-16 · 7 (16.7.1897) · p. 16

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
7 (16.7.1897)
Article
Die junghebräische Literatur
Date
1897-07-16
Page
16 (sequence 3)
Language
German
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Seite K. JPfcsSVMC Nr. 7. Wie ein frischer Quell wird sie Hervorbrechen, stark und klar, lebenbringend und lebenergäuzend — die junghebräische Literatur. Die Bücherwelt. Bericht Liber die dritte Generalversammlung der „Choveve Zion" in Rumänien vom 26. und 27. April 1897. Galatz 1897. S. 56. Wiederum liegt die Stimme eines ganzen Landes vor uns. Auf Bulgarien folgt Rumänien. Die vorliegende Broschüre enthält den Bericht über die jüngst stattgehabte rumänische Landeskonferenz. Es sind viele interessante, merkwürdige, von tief empfundener Begeisterung für die zionistische Sache getragene Reden. Viele Reden, aber Eine Stimme: der Ruf nach dem „Judenstaat". Von großer agitatorischer Kraft war die Ansprache des Präsidenten des Centralcomitös, Pineles; mehr wissenschaftlich und von historischem Eeiste getragen die unseres Freundes Dr. Lippe. Daß für den Zionisten-Congreß in Basel drei Delegirte bestimmt wurden, fand in der Versammlung lauten Beifall. Und es waren Männer von bürgerlicher Stellung und Welterfahrung. Aber sie alle sind nur von einem Einem Streben durchglüht, dem Herr Pineles in beredten Worten Ausdruck verlieh: „Wir wollen nicht mehr einen Staat im Staate bilden, sondern einen Staat unter den Staate n." L. Volncy über Palästina. „Wir haben gesehen, wie durch eine glückliche Combination der Eigenschaften des Klimas und des Bodens diese Provinz (Syrien mit Inbegriff Palästinas) unter einem abgegrenzten Himmel die Vortheile so vieler Zonen vereinigt, als ob die Natur gerade diese Provinz zu einem der angenehmsten Plätze auf dem Erdboden machen wollte." (Aus dem Werke Volney's: Yoyapre en Syrie et en Egypte pendant les annees 1783—1785. Paris 1787.) Uriel Acosta Erzählung von I. Zangwill. II. Theil: Nriel Acosta. (6. Fortsetzung.) „Was, Sennor da Costa, Du hast Dein Opfer vergessen?* Mit einem seltsamen Erschauern fühlte er die endlosen Jahre in Amsterdam wie die Windungen einer eisigen Schlange von sich herabgeleiten, als er die fröhliche Stimme des Arzt>s aus Oporto erkannte. Wohl trug sie ihn in das Verlies des heiligen Osficiums zurück; aber sie erinnerte ihn nicht an das Dunkel des Gewölbes, sondern an Sonnenschein, blauen Himmel, Frühling und Jugend. Durch den leisen Nebel wonniger Thränen blickte er das gütige, gerunzelte Gesicht des jetzt eisgrauen Arztes an, umklammerte seine große, warme Hand, hielt sie fest und vergaß, sie los zu lassen, als zöge sie ihn zum Leben, zur Liebe, zu den Menschen zurück. Die ersten wenigen Worte Dom Diegos machten ihm klar, daß dieser von Uriels Excommunication nichts gehört hatte. Er war erst seit Kurzem in der Stadt, wohin ihn die erneuerte Thätigkeit des heiligen Osficiums, traurig genug, am Ende seines Lebens getrieben hatte. „Ich sehnte mich in Portugal zu sterben, aber nicht in den Händen der Inquisition," sagte er mit seinem derben Lachen. Uriel erstickte den wilden Impuls, ihm von der noch grausameren Inquisition der Judenhcit zu erzählen; denn er erinnerte sich plötzlich, daß Dom Diego ihm sofort das gesegnete Vorrecht der menschlichen Rede entziehen würde. „Hast Du eine gute Reise gehabt?" fragte er statt dessen. „Nein, die Wogen waren in der katholischen Liga," antwortete der alte Mann mit einem säuern Gesicht. „Aber der Gott Israels schläft und schlummert nicht, und ich freue mich, Dich getroffen zu haben, wenn auch nur, damit Du mich in diesem Wasser-Labyrinth nach meiner Wohnung zurückgeleitest." Unterwegs beantwortete Uriel die Fragen des alten Mannes so gut er konnte. Seine Mutter sei todt, sein Bruder Vidal hatte geheiratet, aber seine Frau war ein paar Jahre später gestorben, indem sie einen Knaben dis Leben gab, der jetzt schön wie ein Cherub aufwuchs. Ja, seine Vermögens-Verhältnisse standen gut, da er seine Angelegenheilen schon vor langer Zeit Josef — das heißt Vidal — anvertraut hatte; dieser habe das ganze Vermögen der Familie in einer holländischen Compagnie angelegt, die eine Privatflotille hielt, um die Schatzschiffe im Kriege mit Spanien zu kapern. Er sagte ihm nicht, daß die Zinsen seines Vermögens ihm förmlich durch einen Anwalt ausbezahlt wurden und daß er in der täglichen Angst lebte, sein ihm entfremdeter, frommer Bruder, der jetzt eine Säule der Synagoge war, könne, von Gott weiß was für einer teuflischen Verfügung der Kirche oder des Staates unterstützt, eines Tages den Besitz des Ketzers sich aneignen und ihn verhungern lasten. Aber während des ganzen Spazierganges wunderte er sich, wieso Dom Diego, der doch im fortwährenden Briefwechsel mit Amsterdam stand, nie von seiner Excommunication gehört habe und seine Bitterkeit kehrte wieder, als er sich cntsann, daß der Bann sich auf die Erwähnung seines Namens erstreckt habe, daß er gleichsam ein Todter, Todtbegrabener, Vergessener sei. Noch ehe er die Einladung des Arztes, seine Schwelle zu überschreiten, angenommen hatte, beschloß er dieses Stillschweigen für sich auszunützen; er, der sich innerlich stets seiner fleckenlosen Ehre gerühmt hatte, beschloß nun einen schweigenden Betrug auszuführcn War es nicht gerecht, wenn er die Schurken mit ihrer eigenen Waffe überlistete? Er war aus dem Gcdächtniß der Menschen entschwunden — mochte es so sein! Sollte ihm die plötzliche Freude, die Freundschaft mit einem ans seinem eigenen Blute und Geschlechte, geraubt werden — er, dessen Seele vor Dürre verschmachtete, obwohl er bis zu diesem Augenblicke zu stolz gewesen war, um es sich's selbst einzugestehen. Aber als er Dom Diegos Wohnung betrat und die unerwartete, vergessene Janthe erblickte — Janthe, die aus einem süßen Kinde zur unvergleichlichen Anmuth der ersten Jungfrauenzeit erwachsen war, Janthe mit ihren funkelnden, lächelnden Augen, ihrer schmeichelnden Stimme und ihren sanften Bewegungen — da verwandelte sich der Entschluß, ein passives Schweigen zu bewahren, in den Vorsatz, verzweifelt gegen eine Entdeckung zu kämpfen. Im Erglühen seiner Seele, in dem Sichregen von Jugend und Frühling in seinen Adern, in der schmelzenden Wonne seiner Stimmung, genügte der erste Anblick des schönen Mädchengesichtes, das sich lächelnd dem Gaste des Vaters zuneigte, um sein Herz in einer neuen, süßen, lärmenden, heiligen Erregung aufflammen zu lasten. Was für eine fröhliche Tischgesellschaft war das! Jedes Gericht ward mit der Brühe freudiger Erinnerungen verzehrt. Wie fröhlich neckte er Janthe wegen ihrer kindischen Reden! Natürlich erinnert sie sich seiner, des Spielzeuges, der Blumen, sagte sie und schilderte, wie komisch er im Gespräche mit ihrem Vater die Stirne gerunzelt habe. Ja, diese komischen Falten habe cr noch immer: und einmal berührte sie einen Augenblick im Scherz leicht seine Stirn mit ihren schlanken Fingern und er erzitterte in schmerzlichem Entzücken. Sie spielte auch aus der Laute, auf der Laute, die er ihr einst geschenkt; die schlanken Finger machten auf dem vielfältigen Instrumente eine bezaubernde Musik, obwohl ihre Pose während des Spieles noch bezaubernder war. Er verließ das Haus wie trunken, wie verzückt, und als die kalte Nochtluft die Stirn traf, dn sie berührt hotte, erschauerte er in wilder Energie. Gott sei dank, er war noch jung, obwohl fünfzehn Jahre aus seinem Leben ausgefresten worden waren und er sich so alt und grau wie die Marschen vorgekommen war. Ich bin noch jung! dachte er wild und trotzig. Zu Hause lag sein Notizbuch wie gewöhnlich offen auf dem Pulte, wie ein Freund, der hören wollte, was für Gedanken ihm auf seinem einsamen Spaziergauge gekommen seien. Wie fern und fremd erschien ihm jetzt dieser kalte Vertraute wie unwesentlich und doch wie e> hebend, als seine Aug n neugierig den letzten geschriebenen Satz überblickten! „Alles Uebel kommt vom Nichtbcfolgea der w ihren Vernunft und des Naturgesetzes." Wie wahr, wie wahr! Er war weder der wahren Vernunft noch dem Naturgesetze gefolgt. X Am Morgen, als das kalte, erbarmungslose Auge des Denkers die Sophismen seiner Begierden so klar durchdrangen, wie sein körperliches Auge sein graues Haar und sein vorzeitig gealtertes Gesicht sah, erkannte er, wie unmöglich es sei, Dom Diego seine Lage geheim zu hallen, die Ehre verbat dies, obwohl dies — er schreckte nicht davor zurück, sich das zuzugestehen — ohne die Gewißheit einer Entdeckung wenig Einfluß auf ihn gehabt hätte. (Forisetzung folgt.) Herausgeber: Paul Naschauer. — Verantwortlicher Redacteur Dr. S. R. Landau — Druck der „Gesellschaft für graphische Industrie,"

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