Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 47 (27.11.1908)
- Date
- 1908-11-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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zwar in verschiedenen Sprachen, denn, die arabischen und türkischen Landesteile sind sehr verschieden in kultureller und sprachlicher Hinsicht, und genau genommen müßte man ein hebräisches, türkisches, arabisches, spaniolisches und französisches Organ, haben. Um nur einen kleinen Teil aller dieser Wünsche befriedigen zu können, um nur einigermaßen dem Augenblick genügen zu können, müßten wir über viele Millionen verfügen. Statt dessen haben wir nicht genug Mittel, um die laufenden Ausgaben des Aktionskomitees zu decken. Es ist traurig, aber wahr,: daß unsere Organisation den Wert finanzieller Unabhängigkeit, der Führung bisher in keiner Weise begriffen hat. Täglich tritt man an das A. C. mit Projekten, Vorschlägen größten Maßstabs heran, ohne im geringsten zu über-, legen, wie alle die guten Gedanken verwirklicht werden sollen. Und man rechnet der Leitung als Unterlassungssünde an, was doch schließlich die eigne Saumseligkeit verschuldet hat. Der Parteifonds hat nach Jahresfrist kaum den Betrag von 80 000 erreicht. Aus manchen Ländern — und keineswegs nur aus den Bezirken der Not — sind geradezu lächerlich geringe Beträge eingegangen,. und die Landesvertretungen berichten, daß es einfach unmöglich erscheint, für die' Verwaltung das Parteigeld ^aufzubringen^ während doch für den Nationalfonds, die Ölbaumspende usw. reichlich gespendet wird. Man wird sich also mit der Tatsache abfinden und überlegen müssen, wie sich neue Geldquellen erschließen lassen. Denn wir. bedürfen großer Mittel, wenn wir nicht gegen die andern in Palästina tätigen Faktoren ins Hintertreffen kommen wollen. Zunächst wird es daher nötig sein, unsere Bankinstitute wirklich kapitalkräftig, zu machen. Ihr Kapital ist völlig unzureichend für die. ihrer harrenden Auf-. gaben, sie können sich heute an keinen großen "Unternehmen beteiligen, weder Eisenbahnen, noch Häfen noch, '. Straßen bauen. Es muß deshalb eine geordnete und systematische Arbeit für den Verkauf von Shares des; Trust und der Anglo Palestine Co. einsetzen. Es gibt noch heute sehr eifrige und angesehene Parteigenossen, die nicht einen einzigen Anteil unserer Banken besitzen. Viele Gesinnungsgenossen haben die Notwendigkeit, diesen Zustand zu ändern, bisher nicht erkannt. Und doch gewähren heute die Banken bereits eineganz, leidliche Verzinsung des Anlagekapitals, und sie werden in Zukunft noch bessere Resultate zeitigen. Es kann auf die Dauer nicht unmöglich sein, eine regelmäßige Dividende von 4 bis 41i->°:o zu erzielen. Wird dies erreicht, so werden die Shares unschwer unterzubringen sein, um so mehr als heute die Stimmung des Publikums eine für Palästina überaus günstige ist, so günstig wie noch niemals seit dem I. Kongreß. Heute findet die Palästinaarbeit Anklang in Kreisen, denen noch vor zehn Jahren jeder Gedanke an jüdische Dinge weltenfremd war. Die Gründung der A. J. K. O. hat das eklatant erwiesen. Man möchte gerne etwas Praktisches tun und stößt sich nur vielfach an dem Begriff Zionismus, den man als einen theoretisch-nationalen ohne praktische Zwecke auffaßt. Wenn man den Zweiflern dagegen praktische Ziele zeigt, sind sie. oft gerne geneigt, diese letztern zu unterstützen, auch wenn sie sonst politisch anderer Ansicht bleiben. Diese Stimmung sollte ausgenutzt werden! Die Agitation für die Banken muß in Versammlungen und privatim erfolgen und darf der für den Nationalfonds in keiner Weise nachstehen. Jeder Share4 der neu gezeichnet wird; bedeutet r^sitiven Machtzuwachs. Gehen wir so in allen Ländern gleichmäßig vor, so kann, es nicht schwer halten, das Bankkapital auf die erforderliche Höhe zu bringen. In zweiter Linie kömmt sodann die Arbeit für den Palästinakulturfonds. Auch hier wird eine, regelmäßige Propaganda von Seiten der Ortsgruppen einsetzen müssen, damit wir wenigstens einiges tun Die Zuschüsse;:ah\; Schulen,- den BezaleL gemeinnützige und Miffurelle Institute' aller;Ärt müssendurch die Schaffung eines gro^ Das ist, -abgesehen von allem' andern, äußerst wichtig für unsern Einfluß auf die; Jüdehheit des Orients, die in kultureller Beziehung heute ganz von der Alliance und . dem Hilfsverein abhängt. Unsere Tätigkeit muß überhaupt sichtbarer ins Auge treten, als dies bisher der Fall war. Die Menschheit hängt nun einmal sehr vom Schein ab, und der Erfolg schafft Anhänger. Auch nach dieser Richtung hin muß bei-uns manches geändert - werden. 1 Endlich muß das erwachende: Interesse für den Orient durch Vorträge und Fachkurse gehoben werden. Die Landsmannschaften sollten daher Vorträge ausarbeiten lassen, die sie dann den Ortsgruppen (möglichst mit Lichtbildern) zur Verfügung stellen könnten. Es ist nicht immer möglich, einen auswärtigen „großen Redner" zu finden. Die vervielfältigten Vorträge aber könnten auch von Einheimischen vorgetragen werden und würden ihre Wirkung nicht; verfehlen. Das deutsche Zentralkomitee hat unlängst durch -seine Beschlüsse alle diese Vorschläge und noch andere . nebensächlichem Gharakters gebilligt, einen besondern Ausschuß zur Förderung der Angelegenheit gebildet und sich in einem Aufnif an die Ortsgruppen gewendet. ■ Die andern Landsmannschaften sollten diesem Beispiele folgen, und vielleicht wäre es zweckmäßig, wenn, das Aktionskomitee sichan die Spitze der Bewegung stellte. Der Augenblick darf nicht verpaßt werden, man' soll nicht dereinst von unserer Politik wie Bismarck von der preußischen sagen können, daß sie eine Reihe von versäumten Gelegenheiten biete. In der nächsten . Sitzung des Aktionskomitees muß ein' ausgearbeiteter Plan für unsere neue Tätigkeit im Orient vorliegen, und er muß sich stützen können auf -die Meinungsäußerungen der Vorstände der Landsmannschaften. Der Orient geht großen Tagen; entgegen, die neue Zeit darf uns nicht ungerüstet finden.- Es darf heute keinen Unterschied mehr zwischen praktischen und politischen Zionisten geben. Der VIII. Kongreß hat den letztern die Gewähr gebracht, daß die politische. Arbeit fortgeführt werden .soll; der IX. Kongreß soll nun, da rechtliche Garantien für die-praktische Arbeit .gegeben sind, die letztere organisieren! Bis dahin abter müssen die einleitenden Schritte getan sein; die Vorarbeiten fallen der nächsten Tagung des Aktionskomitees zu. Dr. A. Friedemann Palästinakunde Von Pastor O. Eberhard, Kotelow Es ist gerade fünfzig Jahre her, da erschien in der vom Institut zur Förderung israelitischer Literatur herausgegebenen Sammlung das denkwürdige und noch heute lesenswerte Buch von Dr. Ludwig August Frankl: „Nach Jerusalem!" Dr. .Frankl hatte bei seinen