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Die Welt · 1908-11-13 · 45 (13.11.1908) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
45 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 16)
Language
German
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DIE3§KELT No. 45 Namen eröffnet. Bemerkenswert ist die allgemeine Teilnahme der Juden, die selbst solche Kreise ergriff, die sonst der jüdischen Literatur ablehnend gegenüberstehen. Auch die fortschrittliche russische Presse brachte eingehende Begrüßungsartikel. Die Jahresversammlung der United Hebrew Charities in New York Die Jahresversammlung der United Hebrew Charities wurde am Mittwochabend im Gesellschaftshause abgehalten. Die Arbeit des letzten, an Not besonders reichen Jahres wurde wesentlich beeinträchtigt durch den geringen Fonds, den man zur Verfügung hatte, denn ein großer Teil der Zuwendungen, welche man erwartete, ist nicht eingegangen. In der Tat klagen die Leiter der verschiedenen Vereine die Juden von New York an, zu nachlässig zu sein, wenn es sich darum handelt, ihre Glaubensgenossen zu unterstützen. Es mußten deshalb für über $ 100 000 mehr Mittel bereitgestellt und ausgegeben werden, als durch die gewöhnlichen Quellen den Vereinen zu Gebote stehen, um die Not nicht zu groß werden zu lassen. Der Bericht hebt auch hervor, daß wegen Mangels an Mitteln, die den jüdischen Wohltätigkeitsvereinen zur Verfügung standen, die Gesellschaften gezwungen waren, im Dezember. ihre Türen eine Zeitlang zu schließen, bis die Gemeindevertretung ihnen neue Einnahmequellen zuführte. Nach einer Konferenz von jüdischen Wohltätigkeitsfreunden wurde im Juni ein Aufruf erlassen zur Gründung eines besondern Fonds, damit man wenigstens in dringenden Fällen den Armen von East Side helfen könne. Aber nur 257 Personen beteiligten sich an den Gaben. Herr Jacob H. Schiff hat eine Gabe von $ 20 000 gegeben, welche dazu benutzt werden soll, Darlehen an solche Familien zu gewähren, welche die Wohltätigkeit noch nie haben in Anspruch zu nehmen brauchen. Zuwendungen haben ferner folgende Nichtjuden gemacht: Mrs. Rüssel Sage $ 50C0, Warner Van Norden S 4000. Auch diese Summen wurden dem Fonds zur Vergebung von Darlehen zugewiesen. Die Folgen der finanziellen Depression waren unter den Juden nicht vor Juni zu beobachten, dann aber beginnt ein schwerer Ansturm auf die Hilfsquellen der Gesellschaft. Krankheits- und Unglücksfälle erforderten 2673 Hilfeleistungen, ungefähr 2000 Familien waren jeder männlichen Unterstützung beraubt, lind 306 mußten wegen vorgeschrittenen Alters unterstützt werden. Nur 75 Fälle oder 7 ioder gesamten Unterstützungsfälle ergaben nach näherer Untersuchung, daß unrichtige und lügenhafte Angaben gemacht worden waren. Der Fonds Jacob H. Schiff erledigte 858 Darlehen, in einer Gesamthöhe von $ 70 069. In 441 Fällen hat die Zurückzahlung begonnen und in 335 Fällen wird volle Zurückzahlung erwartet. Pläne zur vollständigen Einrichtung eines Bureaus wurden festgesetzt. Der Bericht betont eine merkwürdige Ausnahme von der allgemeinen Kegel, welche sich bei der jüdischen Bevölkerung gezeigt hat. Während sonst in schlimmen Zeiten die Fremden aus dem Lande wieder auswandern, kehrten die Jüdischen Flüchtlinge, die aus Rußland und Rumänien infolge der dortigen Verfolgungen geflohen waren, trotz der schlimmen Zeiten, welche hier herrschten, nach ihren Geburtsländern nicht zurück. Auch war aus demselben Grunde keine nennenswerte Verminderung der Jüdischen Einwanderung während des letzten Jahres eingetreten. Während des letzten finalischen Jahres landeten 62326 jüdische Einwanderer gegen 109603 im vorhergehenden Jahre. Darum, so schließt der Bericht, herrscht bei uns der Wunsch, daß diese Organisation immer mit genügendem Fonds versehen sei. Insofern als wir die Almosenspender der Gemeinde sind, muß uns jede Summe, die uns anvertraut wird, genügen. Aber wenn die Mittel unzulänglich sind, haben darunter nicht die „Vereinigten Jüdischen Wohltätigkeitsvereine" zu leiden, sondern die Armen, deren Bitten keine Erhörung finden können. Absetzung des Chachambaschi von Jerusalem Bekanntlich wurden seit dem Umschwung in der Türkei gegen die Amtsführung des Chachambaschi Panisel in Jerusalem vielfach heftige Angriffe erhoben. Schon mehrfach wurde die Nachricht seiner Demission oder gar Absetzung verbreitet, aber immer wieder dementiert. Neuerdings wurde gemeldet, daß die vorgesetzte Behörde, der Chachambaschi-Stellvertreter der Türkei, Haim Nahum, eine Untersuchungskommission nach Jerusalem entsandt habe, die die Beschwerden prüfen sollte. Diese Untersuchung ist offenbar ungünstig für Rabbi Panisel ausgefallen, wie nachstehendes Telegramm besagt: Jerusalem, 10. November, 4,45 nachm. (Privattelegr.) Soeben wurde die Absetzung des Chachambaschi Panisel verkündet. IH^I^ NOTIZEN ^^^1 E. W. Lewin-Epstein über die Umwälzung im Orient Herr E. W. Lewin-Epstein, Mitglied des A. C, der erst jüngst zwei Monate in Palästina weilte (bekanntlich gehörte er zu "den Gründern der Kolonie Rechoboth), wurde nach seiner Rückkehr nach Amerika von einem Vertreter des American Hebrew interviewt. Dabei äußerte er sich über die gegenwärtige Lage in Palästina wie folgt: „Die Jungtürken sind jetzt noch zu chauvinistisch, um zuzulassen, daß andere die industriellen und kommerziellen Möglichkeiten ihres Landes ausbeuten, weswegen sie mit der Erteilung von Konzessionen zurückhalten. Da sie nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um selbst die verschiedenen Unternehmungen auszuführen — und es könnten sehr große Profite dort erzielt werden —, sind die Dinge jetzt mehr oder weniger auf einem toten Punkt angelangt. Aber dieses wird nicht andauern. Wenn die Jungtürken wollen, daß das Land gedeihe und blühe, werden sie fremdes Kapital willkommen heißen müssen, und die ersten Investierungen, die zugelassen werden, werden die Machthaber überzeugen, daß es im Interesse der Türkei liegt, die industriellen Möglichkeiten jedermann zugänglich zu machen und mehr und mehr die Einwanderung zu ermuntern. Vorläufig machen die Jungtürken hauptsächlich noch Schwierigkeiten bei der Vergebung großer,- öffentlicher Arbeiten. Privatunternehmungen genießen jetzt schon jede Begünstigung, und die Juden in Palästina werden darin in keiner Hinsicht behindert. Was die Kolonien anbetrifft, so habe ich überall eine deutliche Besserung der Verhältnisse wahrnehmen können, und die jüdischen Kolonisten genießen tatsächlich ihr gutes Auskommen. Ich bin seit einer Reihe von Jahren nicht mehr in Palästina gewesen, und seit dieser Zeit sind manche der Kolonien so gewachsen, daß ich sie nicht wiedererkannt habe. Überall herrscht rege Tätigkeit und die Leute schauen sehr vertrauensvoll in die Zukunft." Großen Eindruck machte auf Herrn Lewin-Epstein der kulturelle Fortschritt, der überall wahrzunehmen ist. Enthusiastisch äußerte er sich über die wachsende Bedeutung der hebräischen Sprache, die das allgemeine Bindeglied der Juden in Palästina geworden ist. Die Orientmission der Alliance Die Zusammensetzung der von der Alliance in den Orient entsandten Kommission hat den orthodoxen Kreisen Anlaß zum Mißvergnügen gegeben. Sieben deutsche Rabbiner richteten an die Alliance ein Schreiben, in dem sie ersuchten, es möchte auch ein orthodoxer Rabbiner der Mission beigegeben werden. Nun genießt Rabbiner Israel Levi-Paris, der eine der Alliancedelegierten, der Großmeister jüdischer Wissenschaft in Frankreich,' den Ruf, «in streng konservativer Jude zu sein, und auch Herrn Dr. Porges aus Leipzig, der zweite der Abgeordneten, kann man keine Gegnerschaft gegen das religiöse Judentum nachsagen. Das Gesuch der deutschen Rabbiner um Delegierung „eines Vertrauensmanns des gesetzestreuen Judentums" wurde von holländischer Seite lebhaft unterstützt. Indessen beschloß das Zentralkomitee der Alliance in seiner eigens dazu einberufenen Sitzung einstimmig, das Gesuch abzulehnen, weil das Zentralkomitee bei Auswahl der Delegierten deren Zugehörigkeit zu der einen oder andern rel:giösen Richtung überhaupt nicht in Betracht gezogen, sondern bloß auf Festigkeit der religiösen Oberzeugung, Würdigkeit, Intelligenz, Charakter, wissenschaftliche Begabung und persönliches und briefliches Ansehen geachtet habe. Würde jetzt ein Delegierter einer bestimmten Partei nachträglich hinzugezogen, so würde das ein Zweifel in die Unparteilichkeit der andern Mitglieder gesetzt bedeuten. Daher bedauere das Zentralkomitee, den Antrag ablehnen zu müssen. Wachsender Antisemitismus in Amerika Wie ein Satyrspiel nach dem Drama, so folgt auf die Verkündung des neuen Assimilationsideals in Zangwills „Schmelztiegel" die folgende Nachricht des Evening Standard, der sich unter dem 12. Oktober aus Washington berichten läßt: Ein hierveröffenüichter Bericht besagt, daß tausende jüdischer Familien im letzten Sommer tatsächlich aus Amerika geflohen sind und ihren Sommeraufenthalt außerhalb genommen haben lediglich wegen des Vorurteils, daß gegen sie in fast jedem Badeort am atlantischen Ozean herrscht Es ist peinlich, fährt der Bericht fort, konstatieren zu müssen, daß der amerikanische Antisemitismus neuerdings beträchtlich wächst. JEr ist ein Produkt der jüngsten Zeit und droht, noch schärfer zu werden

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