Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 44 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Inhalts der Statuten erteilte der Herr Vorsitzende das Wort Herrn stud. jür. Ernst Koref (Verein jüd. Hochschüler „Bar Kochba", Prag) zu seinem Referate über „Die Entwicklung des Zionismus in der Weltorganisation und in Böhmen", das von der zahlreichen Zuhörerschaft mit lautem Beifall aufgenommen wurde, der in ebensolchem Maße Herrn stud. jur. Angelo Goldstein (Bar Kochba, Prag) zu-eil wurde, der in gehaltvoller Rede die Ausführungen des Vorredners ergänzte. Besonderer Hervorhebung bedarf noch die Rede des Herrn Rabbiners J. H. Schwarz-, der in durchdachten, launigen Worten den neuen Verein begrüßte und ihm die herzlichsten Glückwünsche auf seinen weitern Weg mitgab. Darauf erfolgten die Wahlen mit nachstehendem Resultat: Salm, Obmann; David Löwner, Obmannstellvertreter; Heinrich Freund, Kassierer; Emil Gerber, Schriftführer; Graf, Herrmann und Böhm. Als Delegierte zum Distriktstag wurden gewählt die Herren Salm und Siegfried Löwner. Darauf beantragt Herr Lebenhart, dem Vereine jüdischer Hochschüler „Bar Kochba" in Prag, dessen Mitwirkung vor allem die Gründung des neuen Vereins ermöglicht hat, den wärmsten Dank auszusprechen, was unter stürmischem Beifail einstimmig angenommen wurde. Die erste größere Aktion des neuen Vereins ist die Aufstellung einer eignen Kandidatenliste für die Wahlen in die Kultusgemeinde, die in nächster Zeit stattfinden. Rußland Herr M. Scheinkin aus Jaffa bemüht sich zurzeit, in Rußland genossenschaftliche Vereine zum Zwecke der Landerwerbung in Palästina zu gründen. In Moskau hatte seine Mission einen großen Erfolg. Herr Wischnack und Herr Neiditsch versprachen 100.000 Rubel in Palästina zu investieren, und mehrere andere Gesinnungsgenossen haben versprochen, ihren Beispiel zu folgen. England In der verflossenen Woche fanden in der Provinz mehrfach Versammlungen statt. In Manchester sprach Dr. Weitzmann über die Aussichten des Zionismus, und am darauffolgenden Sonntag Mr..M. Sortmann über den Nationalfonds. Im Jugendverein in Manchester hielt Mr. Simon Manel einen Vortrag über „Unser Programm im Leben". Der Frauenverein in Leeds eröffnete die Wintersaison am verflossenen Montag. Er veranstaltet Kurse in Hebräisch, Englisch, Zuschneiden, Stickerei usw. Auch pflegt er Musik und Literatur. In der Joung Men's Zionist. Association in Liverpool hielt Mr. P. L. Benas einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über „Aussichten des modernen Judentums". Der Verein in Cardiff "beschloß in seiner Generalversammlung, alle drei Monate eine Aktie der Kolonialbank zur Verlosung zu bringen. Auch wird der Verein 3 Guinees an den Parteifonds abführen. Der zionistische Damenverein in Glasgow beschloß, Abendkurse'einzurichten, bei denen u. a. die jüdische Literatur gepflegt werden soll. Grimsby: Herr Rabbiner Dr. Strauß aus Bradford hielt am letzten Sonntag vor einem zahlreichen Publikum einen höchst interessanten Vortrag über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Zionismus. Nur in Palästina und Mesopotamien sei dem Juden eine Zukunft sicher, aber etwas Geduld gehöre dazu, was ja dem Juden nicht so schwer fallen dürfte, da er fast zwei Jahrtausende auf Rückkehr in seine Heimat wartete. — Der 1 Vs stündige Vortrag, der mit Feuer und Enthusiasmus gehalten wurde, machte sichtlichen Eindruck auf die Zuhörer. — r1^^ NACHRICHTEN Die Parlamentswahlen in Palästina , (Originalbericht) Jaffa, 25.' Oktober 1908. Gestern haben hier die Deputiertenwahlen für den Kreis Jaffa stattgefunden, nachdem die Wahlen in den andern Kreisen bereits abgeschlossen waren. Das Resultat ist, daß drei Mohammedaner zu Abgeordneten für den Sandschak Jerusalem gewählt worden sind, und zwar: Rohi el Kalidi, türkischer Konsul in Bordeaux; Said Effendi Husseni in Jerusalem; Hafez Bey, stellvertretender Kaimakam in Gaza. Alle drei Abgeordnete sind sehr gebildete und aufgeklärte Leute, die auch den Juden gegenüber stets eine freundliche Stellung ..eingenommen haben und hoffentlich auch im Parlament die Rechte der Juden vertreten werden. Dr. Levy in Jerusalem hat seine Kandidatur nicht aufgestellt, nachdem aus dem Ausfall der Wahlen im. Kreise Jerusalem zu ersehen war, daß die mohammedanischen Wahlmänner nur für mohammedanische Kandidaten stimmen würden. Die jüdischen Wahlmänner haben deshalb, nachdem Dr. Levys Kandidatur nicht in Frage kam, ihreStimmen für die obengenannten mohammedanischen Kandidaten abgegeben. Die Christen haben, obwohl sie im Sandschak Jerusalem recht zahlreich sind, insbesondere in den Städten Bethlehem, Nazareth, Ramleh, auf ihre Kandidaten nur unbedeutende Minderheiten vereinigen können. Deutschland Die deutsche Regierung und die rumänische Judenfrage Der Vorsitzende des Hilfsvereins der Deutschen Juden, Herr James Simon, hat infolge von aus Rumänien an den HHfsverein ergangenen Anregungen an die deutsche Reichsregierung die Frage gerichtet,ob sie geneigt sein würde, auf der bevorstehenden Konferenz das Verhalten der rumänischen Regierung in bezug auf die laut § 44 des Berliner Vertrages übernommenen Verpflichtungen zur Sprache zu bringen. Das Auswärtige Amt hat erklärt; daß es zurzeit nicht in der Lage sei, eine dahingehende Zusage zu geben, und diesen Standpunkt in folgender Weise motiviert: Soweit sich übersehen läßt, besteht bei allen Signatarmächten des Berliner Vertrags der Wunsch, das Programm einer eventuellen Konferenz auf diejenigen Fragen zu beschränken, die durch die politischen Vorgänge auf dem Balkan akut geworden sind. Artikel 44 des Berliner Vertrags ist durch diese Vorgänge nicht berührt worden. Es muß ferner berücksichtigt werden, daß man deutscherseits jede Initiative bei Aufstellung des Programms für eine eventuelle Konferenz vermieden, dagegen aber bei den - bisherigen Erörterungen aus schwerwiegenden politischen Erwägungen nachdrücklich den oben angedeuteten Standpunkt der Einschränkung des Konferenzprogramms vertreten hat Deutschland würde daher gänzlich aus seiner Rolle fallen, wenn es jetzt eine Diskussion des Artikels 44 verlangen wolle. Diesem Standpunkt gegenüber mußte sich der Vorsitzende des Hilfsvereins der Deutschen Juden im Augenblick darauf beschränken, die Reichsregiei ung zu ersuchen, die Angelegenheit im Auge zu behalten und in Fühlung mit den andern Signatarmächten des Berliner Vertrags zu bleiben, an welche sicherm Vernehmen nach gleichartige Anträge gerichtet werden sollen. Allgemeine jüdische Kolonisationsorganisation Im Anschlüsse an die in unserer letzten Nummer gebrachte Mitteilung von der erfolgten Konstituierung der allgemeinen jüdischen Kolonisationsorganisation bringen wir nachstehenden Auszug aus einem Schreiben, das von dem permanenten, vorbereitenden Komitee dieser Organisation im Laufe der letzten Wochen an eine Reihe von Glaubensgenossen gerichtet wurde und interessante Angaben N über die von der neuen Organisation zunächst geplante Taktik enthält: „In Ausführung der ihm von der Konferenz jüdischer Notabein am 20. September zu Berlin erteilten Aufträge, hat das unterzeichnete Komitee die beiden Hauptgegenstände der Konferenz: die Bildung eines ständigen Ausschusses jüdischer Organisationen und die Gründung der Allgemeinen jüdischen Kolonisationsorganisation, einer eingehenden Erwägung unterworfen. Es ist hierbei zu einem Ergebnisse gelangt, das sich wohl den meisten, wenn nicht allen Teilnehmern an den zwei Berliner Konferenzen aufgedrängt haben wird: daß nämlich der gedeihliche Fortgang der beiden erwähnten Aktionen, denen unbedingt eine gleiche Wichtigkeit und Aktualität zuerkannt werden muß,-; -in dem gegenwärtigen Stadium außerordentlich gefördert werden würde, wenn sie nicht mehr gelegentlich derselben Veranstaltungen zur Diskussion gestellt wären, wenn jede von ihnen gesondert behandelt und jeder die Fürsorge eines speziellen Komitees zuteil werden würde. Das Komitee erachtet es daher als seine erste und dringendste Aufgabe, die erforderlichen organisatorischen Maßregeln zu treffen, damit beide Werke, so innig auch ihr ideeller Zusammenhang ist, formell zunächst getrennt voneinander weitergeführt werden können, und zwar bis zum Ausbau der beiden in Aussicht genommenen Körperschaften, d. i. des gemeinsamen Ausschusses der'Organisationen und der Allgemeinen Jüdischen Kölonisationsorganisation. Es sollen demnach zwei voneinander unabhängige vorbereitende Komitees geschaffen werden. Gemäß dem Beschlüsse der Konferenz vom 20. September wird das Komitee für die Bildung eines ständigen Ausschusses der Organisationen in der Weise zusammengesetzt, daß diejenigen Organisationen, welche der Idee der Korporation auf Grund des Antrages der Berliner Konferenz im Prinzip zugestimmt haben, auf-