Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 44 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316296-3316341--51203-3378825- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^^W^^T^^^POS?^ DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6W ERSCHEINT JEDEN FREITAR ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XII. JAHRG. KÖLN, 6. November 1908 ]3nrD c'W« 2^ DER ZIONISMUS UND DAS LERNEN (Die Wege der unmittelbaren und mittelbaren Propaganda) Für unsere Propaganda kommen natürlicherweise . unmittelbar-zionistische Materien in erster Reihe in Betrachtend dieses schon um so mehr, als diese Materien, die ihrer Natur nach parteithepretisch und parteipraktisch sind, in der Tätigkeit des Vereins für jüdische -Geschichte und Literatur gar keine Berücksichtigung finden. Zu dieser Kategorie gehören sämtliche zionistischen und palästinensischen Sujets, beispielsweise all jene Sujets, die. im „zionistischen ABC-Buche" Aufnahme gefunden haben, und noch manche andere. Das Material muß natürlich eingehender behandelt werden, und es wäre, eine Binsenwahrheit hinzuzufügen, daß es für einen wirkungsvollen Vortrag erforderlich ist, daß der Rohstoff mit dichterischer Gestaltungskraft und mit rednerischer Begeisterung dargestellt werde. - Zu den aktuellen Fragen gehört das V erhältnis des jüdischen Volkes zur neuen, freien Türkei, die nationale Gleichberechtigung und Anerkennung der Selbstverwaltungen, - die Volkskunde bezüglich der Sephardim, die nationalen Eigenheiten der türkischen Juden und die Kulturbestrebungen, Geschichte, Literatur- und Folklore der türkischen Judenf die literarischkulturellen Zusammenhänge der hebräischen u nd der arabischen Kultur; die Neuerscheinungen , auf literarischem Gebiete in Palästina; die Neugestaltung der ökonomischen Verhältnisse. Konsularberichte, Projekte und 'Studien; Kolonisationstheorien in ihrer Anwendung auf Palästina; die Geschichte national er Bewegungen und Analogien bezüglich der jüdisch-nationalen Bewegung usw. Dabei müssen auch die grundsätzlichen Themata nicht unberücksichtigt bleiben: Uber Kongresse, Jahres-- konferenzen, A.-C.-Sitzungen müssen Referate gehalten, über die Institutionen des Zionismus, Zentralleitung, Laadsmannschaft- und Föderationszentralen, Kolonialbank, Anglo- Parestine Company und Filialen, über das Palästinaamt, die Vertretung in Konstantinopel usw. können interessante Berichte erstattet, und auf ein besonderes Interesse könnten Vorträge über Bezalel und beiläufig über das jüdische Kunstgewerbe im allgemeinen seitens eines intelligenten Publikums rechnen. Die Nationalbibliothek, das Gymnasium und die sonstigen Schulen, die Kindergärten und das Werk unserer Pogromwaisenpflege müssen sachkundig und in ernster Weise behandelt werden. Dann kommt. das Gebiet der zionistischen Presse und Literatur. Ist ein neues Buch über Palästina erschienen (wir nennen beispielsweise den neuen Band des kleinen, aber trefflich redigierten „Luach Erez Israel* von Lunz), so kann es zum Gegenstand eines interessanten Referats gemacht werden. Die Entwicklung der hebräischen Presse in Palästina, ihr Inhalt und die sich in ihr wiederspiegelnden Strömungen sind ebenfalls von großem Interesse für jeden Zionisten. Dazu kommt jetzt noch die spaniolische Presse; die eine besondere Aufmerksamkeit verdient. Es würden sich auch für populäre Vorträge Biographien und Charakteristiken hervorragender zionistis-cher Theoretiker und Praktiker eignen. Spezielle Deklamationsabende für den Vortrag künstlerischer Produktion bilden ein ganz besonderes Gebiet, bei dem nach Natur der Sache das Künstlerische mehr in den Vordergrund gerückt werden muß. In der letzten Zeit bewegte sich die Wahl der Themata in einem zu engen Kreise, was zu einer einseitigen Überschätzung gewisser Erzeugnisse und zu einer Ignorierung anderer Werke wie auch zu einer durch Monotonie hervorgerufenen Ermüdung führte. Dieses Gebiet bedarf einer Erweiterung und Erfrischung. Daran reihen sich die Festvorträge, unter denen das Makkabäerfest wohl den ersten und würdigsten Platz einnimmt, wohingegen das Purimf est mehr dem Humor und der Geselligkeit dient. Auch dieses Gebiet könnte noch andere Feste umfassen. Der Zionismus lehrt es, die historischen Erinnerungen innerlich mitzuerleben. Aber beschränken wir uns nicht ausschließlich auf direkte Propaganda. Unser Zionismus hängt mit dem Judentum zusammen. Er ist das eigentliche Judentum!