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Die Welt · 1908-10-16 · 41 (16.10.1908) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
41 (16.10.1908)
Date
1908-10-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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AUS DER BEWEGUNG Deutschland Frankfurt am Main. Die zionistische Ortsgruppe hielt nach der Pause, die während des Sommers eingetreten war. am 8. Oktober im Saale des Börsenrestaurants eine Monatsversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. Siegfried Schwarzschild, begrüßte die sehr zählreich erschienenen Mitglieder und Gäste. Er führte aus, daß auch während des Sommers die zionistische Arbeit nicht geruht habe, daß wiederholte Vorstandssitzungen Anregung zu zionistischer Tätigkeit gegeben haben. Man habe zur Verbreitung der Kenntnis der heutigen wirtschaftlichen Situation in Palästina die Broschüre „Wirtschaftliche Tätigkeit in Fa'ästina" in zahlreichen Exemplaren an hiesige jüdische Kreise zum Versand gebracht und das zionistische ABC-Buch verbreitet. Lobende Anerkennung spendete der Vorsitzende der hier bestehenden rührigen zionistischen Jugendgruppe. Daß dieses Lob berechtigt, beweise die Tatsache, daß die Jugendgruppe am Todestage unseres seligen Führers 25 Ölbäume für den Herzlwald gestiftet habe. Es seien nunmehr 10000 Ölbäume für den Herzlwald gestiftet Redner erwähnte die Jahreskonferenz des Aktionskomitees in Cöln und wies auf die Reise des Präsidenten Wolffsohn nach Rußland hin, die eine Erstarkung der zionistischen Tätigkeit in diesem Lande zur Folge gehabt habe. Der Vorsitzende nahm ferner Veranlassung, dagegen zu protestieren, daß, wie dies in den jüngsten Tagen hier geschehen, ein . Rabbiner in seiner Predigt die Zugehörigkeit zum Zionismus und zum Misrachi verurteilte. Bei allem Respekt vor dem Amte und der Person des Rabbiners dürfe der Angriff von der Kanzel herab nicht widerspruchslos hingenommen werden. Dort können sich die Angegriffenen nicht wehren; um so mehr müßte man in einer zionistischen Versammlung darauf hinweisen, daß die Frage der Zugehörigkeit zu einer politischen Bewegung, und um eine solche handle es sich doch, sich nicht so ohne weiteres mit ja und nein beantworten ließe. Nachdem der Vorsitzende noch auf den erfreulichen Umstand hingewiesen, daß etwa 90"/» des neu geschaffenen Parteifonds von den Zionisten Deutschlands aufgebracht worden seien (? Diese Zahl stimmt nicht, es sind bisher nur 29%. D. Red.), forderte er zur regen Tätigkeit für die zionistischen Institutionen wie Schekel, Nationalfonds, Palestine Land Development Company, Öibaumspende, Bezalel auf. Hierauf hielt Herr Dr. Grün hut aus Jerusalem ein Referat über „Die gegenwärtige Situation in Palästina und der Zionismus." Die interessanten _Ausführungen fanden ungeteilten Beifall. Referent ist der festen Oberzeugung, daß unter dem jetzt in der Türkei herrschenden Regime der Zionismus seinem Endziel rasch um ein bedeutendes näher kommen werde und daß jetzt die Zeit zum Handeln gekommen sei. Man dürfe sich durch andere Nationen im Landerwerb in Palästina nicht überflügeln lassen. Eine rationell betriebene Landwirtschaft müsse in dem sehr fruchtbaren Lande aufblühen. Der Ausbau des Bahnnetzes würde fördernd auf Handel und Industrie einwirken. Die Heilquellen von Tiberias jiach dem Muster einer europäischen Badeanstalt ausgebaut, würden ein rentables Unternehmen sein. Nachdem der Redner unter lebhaftem Beifall seinen Vortrag beendet, setzte die Diskussion ein, die in der Hauptsache sich um die Konsequenzen drehte, welche die neuen und neuesten Vorgänge in der Türkei auf die zionistische Bewegung ausüben könnten. Insbesondere verstanden es die Herren Levigard und Stern, die Schwarzmaler ad absurdum zu führen und in begeisternder Weise für die zionistische Sache einzutreten. Nach einem Schlußworte des Referenten endete der interessante Abend, der der zionistischen Sache neue Freunde, der hiesigen Ortsgruppe neue Mitglieder zuführte. Straßbarg: Die hi .sige zionistische Ortsgruppe hielt gestern abend ihren ersten Vortragsabend für dieses Semester. Der Vorsitzende Dr. Caleb sprach über die gegenwärtige Lage des Zionismus. Nach einigen einleitenden Bemerkungen über die Bewegung überhaupt, behandelte der Redner eingehendst die gegenwärtige Lage unter dem neuen Regime. Wenn auch die Teilnehmerzahl nicht besonders groß war, so wurde die Diskussion doch, da die Erschienenen wirkliche Interessenten waren, recht lebhaft. Die Sammlung für den Nationalfonds ergab 6.75 Jt. Köln: Die zionistische Ortsgruppe nahm nach langen und heftigen Erörterungen, die zwei Sitzungen ausfüllten, die Vorstandswahl vor. Gewählt wurden die Herren Goldreich (Vorsitzender), - Berger, Dannenberg jr., A. Hofmann, Pollak, Reinhard, Dr. Weil. ^^^^^^^^^■Kj^X^t^.^ f-.^a^iir-w- ,W*~V^ Österreich Sakalat: Am Donnerstag den 24. fand hier eine sehr gut besuchte Volksversammlung statt, in der Herr Moritz Stockei über „Die Lage der Juden in Galizien" sprach. Sein Vortrag, in dem er die jammervolle Lage der galizischen Juden und das Verhalten der Polen ihnen gegenüber treffend schilderte, fand großen Beifall. Tescnen: Am 22. ds. findet hier die konstituierende Generalversammlung der Ortsgruppe des allgemeinen jüdischen Arbeiterverbandes Poalei Zion statt, bei welcher Herr Gg. Pollak und Gg. Schorr aus Chranow referieren werden. Westgalizischer Distriktstag Am 1. November 1908 findet in Ta'rnöw der Distriktstag der zionistischen Organisation Westgaliziens mit folgender Tages-* Ordnung statt: 1. Begrüßung (Gg. Dr. Hilfstein), Wahl des Bureaus usw. 2. Rechenschaftsbericht, Referenten Gg. Dr. Krengel und Gg. Dr. Wahrhaftig. 3. Feststellung des Budgets für das Jahr 5669. 4. Die jetzige Lage im Zionismus und unsere nächsten Aufgaben, Referent Gg. Dr. S. Feldblum. Abends eine Volksversammlung. Für das D. K. Dr. Hilfstein. Dr. Feldblum, Anläßlich des Todestages ihres A. H. Alfred Chodrower hielt . die akademische Verbindung „Kadimah" in Wien am Montag den 28. v. M. einen Trauerkonvent ab, in welchem A. H. Leopold Sitzmann die Gedenkrede hielt und in herzlichen Worten der hingebungsvollen Tätigkeit und selbstlosen Opferfreude des Verstorbenen gedachte. Türkei Saloniki: Die Vorbereitungen zur Bildung eines Zionistischen Zirkels in Saloniki sind bereits soweit gediehen, daß in einer in den nächsten Tagen stattfindenden Versammlung die Konstitution des Vereins beschlossen werden wird. Amerika Versammlung des Zionistischen Exekutivkomitees Eine Versammlung des Exekutivkomitees der Amerikanischen Zionistischen Federation würde am Abend des 14. September im Hause der Federation abgehalten. Die Versammlung beschäftigte sich lediglich mit Fragen der Arbeitsverteilung und der Art der Propaganda für das kommende Jahr. Mannigfaltige Pläne wurden von den Obmännern der verschiedenen Vereine vorgeschlagen. Der Bericht des Sekretärs empfahl unter anderem eine systematische Propaganda in verschiedenen jüdischen Bezirken und Maßregeln zugunsten des Judentums. Es wurde auch angeregt, daß Programme ausgearbeitet werden sollten, welche möglichst vielen Vereinen zum Zwecke der Veranstaltung von Vereinsversammlungen zur Verfügung gestellt werden sollten, damit, den Vereinen auf diese Weise ihre Arbeit erleichtert werde. Es wurde ferner beschlossen,' daß der Sekretär von Amts wegen Mitglied aller Vereine sei und das Recht habe, an allen Versammlungen teilzunehmen. Mr. H. T. Isaacs von Cincinnatti legte sein Amt als Mitglied des - Exekutivkomitees nieder, weil es ihm unmöglich sei, für die Zukunft den Pflichten seines Amtes die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Die Amtsniederlegung wurde mit Bedauern angenommen, und die Wahl eines Nachfolgers des Herrn Isaacs wurde vertagt. Die Frage der neuen Möglichkeiten, die sich dem Zionismus .. durch die veränderte politische Lage in der Türkei eventuell bieten könnten, wurde alsdann zum Gegenstande einer lebhaften Diskussion gemacht. Man besprach die neuen Ereignisse in der Türkei mit Genugtuung, wollte aber den Wortlaut einer entsprechenden Resolution nicht eher festsetzen, als bis ein Bericht des engeren Aktions- Komitees eingelaufen sei, der Klarheit über die neue Lage bringen sollte. Das Exekutivkomitee schlug die Einberufung einer jüdischen Lehrerkonferenz in Verbindung mit der nächsten Versammlung vor. Das Organisationskomitee der Jugendvereine berichtete, daß neue

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