Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 41 (16.10.1908)
- Date
- 1908-10-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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*£S^*^^*ez?r& ^^<^^^Sr^^^z^^^^r^^>.^ --s^yy DIE KÖLN AM RHEIN, KAROl.INGERRING 6 W ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG ML JAHRG. Köln, 16. Oktober 1908 tmirfr a"nn*c* man n"d ZUR ARBEIT! Die bevorstehende Wintersaison zionistischer Vereinsarbeit beginnt unter den Auspizien eines hoffnungsreichen Aufschwunges unserer Parteibestrebungen. Ein neuer, kräftiger, gesunder Zug beginnt in Palästina zu wehen. Der alte Geist der Schwere und des Stillstandes, der jeden Fortschritt auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet in dem so vernachlässigten Orient hemmte, ist endlich geschwunden, und an seine Stelle ist eine kraftvolle Bewegung getreten, an der sich -alle friedens- und arbeitsliebenden Nationalitäten des ottomanischen Gesamtreiches beteiligen und unter denen das jüdische Volk, ganz in seiner Eigenart und auf dem geweihten Boden seiner Geschichte, die Aufgabe hat, ein Faktor der Zivilisation zu werden. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgt die zionistische Gesamtheit dem bedeutsamen Prozeß der Parlamentswahlen in Palästina, an ,dem sich unsere nach Recht und Freiheit lechzenden Brüder und Pioniere, vom Bewußtseinder hochbedeutenden Wichtigkeit der Betätigung bürgerlicher Pflicht durchdrungen, mit tiefem Ernst und großer Energie beteiligen. In dieser Nummer finden die Leser einen interessanten Situationsbericht über die Vorbereitungen und Vorgänge — und welcher Zionist, welcher Jude, ja, welcher Kulturmensch fühlt sich von diesem Phänomen, in dem sich der Wandel der Zeiten , wiedefspiegelt, nicht mächtig angeregt? Handelt es sich doch nicht nur um das Ergebnis der Wahlen, das infolge der verschiedenen Möglichkeiten sich so oder anders gestalten mag, sondern um den Akt an sich, um das keimende politisch-kulturelle Leben, um den Sonnenaufgang moderner staatlicher Gestaltungskraft, um ein Merkmal der Verwirklichung eines der allgemeinmenschlichen Postulate in dem Lande, das unser Herzl zuerst „Altneuland" nannte! Mußsich da nicht unserer Brust der altherkömmliche, hebräische Segensspruch entringen: „Schehechijanu" — daß es uns beschieden ' war, diesen Beginn einer Auferstehung zu erleben? Ja, die neue Verfassung, das kann man ohne Übertreibung behaupten, bildet einen Markstein in der Geschichte Palästinas, einen scharfen, Wendepunkt zu einer neuen segensvollen Gestaltung der Verhältnisse in Kleinasien: Es herrscht überall eine Begeisterung, eine Entschlossenheit, wie man sie seit Jahrhunderten dort nicht erlebt hat. Unter diesen Umständen dürfte der Skeptizismus gegen die Ausführbarkeit realer zionistischer Arbeit, der bisher noch in manchen jüdischen Kreisen herrschte, allmählich schwinden. Wir dürfen hoffen, daß sich die Erkenntnis von den großen kulturellen Aufgaben unseres Volkstums in dem Lande, mit dem es durch unauflösbare historische Bande verknüpft ist, in ihrem vollen Ernste durchsetzen, und daß das jüdische Volk im Vollbewußtsein der dringenden Forderungen der Zeit endlich einig werden wird. In dieser Hoffnung bestärken uns auch manche Symptome von Annäherungsversuchen seitens anderer Kreise. - Mit schwingenden Fühlfäden wird an unseren Peripherien und „Nachbarländern" herumgetastet. Der Maßstab der Beurteilung hat sich — das wird offenherzig zugestanden! — infolge der Ereignisse vollständig verschoben. Man^ entdeckt — Asien. „Der Orient steht ja wirklich den heimatlosen Juden historisch und geographisch näher als die Monstre-Neughettos Amerikas!" Die Auffassung gewinnt an Boden, daß es „an einer bahnbrechenden, zielbewußten und großzügigen Neugestaltung einer konzentrierten jüdischen Kolonialpolitik gebricht". Es ist eine Umprägung unserer Worte. Es ist bereits an dieser Stelle in der vorwöchentlichen Nummer in dieses Problem des Zusammenschlusses hineingeleuchtet worden. Wir wollten nicht mit ein paar allgemeinen Wendungen über die grundsätzlichen Unterschiede hinweggleiten; die Schau- und Prunkstücke mußten auf ihren Wert geprüft, die Parolen und die Abbreviaturen: JCA, JTO, AJCO, AJU — und wie sie sich noch weiter verzweigen und bis an das Ende der Alphabetkombinationen gliedern werden, — und das leere Gerede, das Herumwerfen mit seichten Worten, mußte unter die Lupe genommen werden. Es war notwendig, die Phrase auf ihren bittern Wert zu prüfen und ganz nüchtern und objektiv die Sachlage zu untersuchen und -denjenigen gegenüber, die sich vom Winde des Augenblicks treiben lassen und die alle scharfen Begriffsunterscheidungen als lästigen Ballast empfinden, die Richtlinien unserer Idee erscheinen zu