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Die Welt · 1908-10-09 · 40 (9.10.1908) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
40 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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^^^gigpssp i^^^^^a^xKs^-- - * *&g**'lV.fn' j*»-»-^ "^„-a Nö. 40 DIETOElX : 13 Organisation aufgehen. Die Arbeitsgebiete der einzelnen Organisationen müssen abgegrenzt und ihre Selbständigkeit gesichert sein. Es genügt eine weitgehende Interessengemeinschaft. In dem Ausschuß muß auch eine Vertretung aller derer angestrebt werden, denen geholfen werden soll, der Russen, Rumänen usw. Aber auch die Vertretung der Länder ohne große Organisationen ist erforderlich. Auf eine proportionale Vertretung der Organisationen kommt es nicht an, da eine Majorisierung ausgeschlossen ist. Hauptsache ist die Vertretung aller." An der weiteren Diskussion beteiligten sich die Herren Dr. Bendinger-Prag, Baurat O. Marmorek-Wien, Dr. Pasmanik-Genf, Geh. Rat Pinner-Berlin,. Landtags-Abg. Dr. Cohn-Dessau, Dr. F. Oppenheimer-Berlin, Rechtsanwalt Dr. Klee-Berlin, Kommerzienrat Benj. Hirsch-Halberstadt u. a. In der Nachmittagssitzung wurden zunächst Maßregeln zur Durchführung der einstimmig angenommenen, von Dr. P. Nathan eingebrachten und von Professor Philippsohn amendierten Resolution beraten und vertrauliche, darauf bezügliche Beschlüsse gefaßt Hierauf trat man in den zweiten Teil der Tagesordnung „KolonisatorischeWirksamkeit der Allgemeinen jüdischen Kolonisations- Organisation" ein. Nach den Referaten von Dr. Alfred Nossig „Leitende Ideen und Arbeitsplan der A. J. K. O." und Dr. G. Heymann-Berlin (in Vertretung des Herrn Oskar Wassermann-Berlin) „Jüdischer Industrie-Kreditfonds", die in weiteren Berichten auszugsweise veröffentlicht werden sollen, entspann sich eine längere Debatte, an der sich hauptsächlich nachstehende Herren beteiligten:. Dr. H. Hildesheimer- Berlin, Dr. Edmund Kohn-Wien, Professor Mandelstamm-Kiew, Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Aron- Berlin, Hermann Landau-London. Professor Mandelstamm-Kiew begrüßt mit Genugtuung "den Umschwung in der Türkei, dem es zu danken sei, daß zunächst die Palästina-Kolonisation erhebliche Fortschritte machen könne. Diese genüge doch nicht zur Lösung des östlichen Ghettoproblems. Dazu sei die Erschließung eines viel größeren Gebietes, etwa . Mesopotamiens, für die Juden erforderlich. Redner hofft, daß sämtliche Organisationen im Verein dieses Werk unternehmen werden. Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Aron-Berlin: „Wenn ein so gewaltiges Werk wie die Besiedelung eines Gebietes durch Juden in •Angriff genommen wird, so muß es auch eine neue Epoche inaugurieren. Die jüdische Kolonisation muß auf genossenschaftlicher Grundlage sich aufbauen." Hermann Landau-London: „Ich kenne genau den armen jüdischen Mann und weiß, was ihm nottut Ich kenne auch die beiden jüdischen Kolonisationsgebiete Amerika und den Orient. In Amerika werden die Emigranten bei der Landung in empörender Weise behandelt. Argentinien ist ein moralisch versumpftes Land. Ich habe die politischen Pläne der Zionisten stets bekämpft Aber ich halte den Orient für ein vorzügliches Ansiedelungsgebiet für die Juden, besonders jetzt, wo die Türkei eine Verfassung und eine moderne Regierung erhält Wir müssen eine Kolonisations- Organisation gründen, aber eine wirklich leistungsfähige, eine Weltorganisation. Die Vermögenden werden größere Beträge spenden; aber auch die minder Bemittelten müssen dabei sein, und ich bin überzeugt, daß selbst die Ärmsten gerne 5 Shill. pro Kopf entrichten werden, und sei es gegen wöchentliche Abzahlungen. Die hervorragendsten Glaubensgenossen werden sich an die Spitze der neuen Kolonisations- Aktion stellen, aber wir dürfen nicht mit leeren Händen vor sie hintreten, sondern mit einer gut vorbereiteten Organisation." Nach Annahme der bereits veröffentlichten Resolution, die die Kolonisationsangelegenheit dem permanenten vorbereitenden Komitee zur weiteren Veranlassnng überweist, wurde die Frage der Beschaffung eines Betriebsfonds für die unternommene Aktion besprochen. Auf Antrag von Dr. Alfred Nossig wurde eine Finanzkommission mit dem Rechte der Kooptation zunächst aus folgenden Herren gewählt: Jules Dreyfus-Brodsky-Basel, Hermann Landau- London, Kommerzienrat A. Loewenberg- Berlin, Kommerzienrat A. Sternberg-Breslau, Bankier M. A. Straus-Karlsruhe. Rußland (Von unserem Korrespondenten) Die Wohnrechtsfrage der Juden außerhalb des Ansiedlungsrayons macht noch immer den Regierungsbehörden sehr viel zu schaffen. In Kiew hören die Maßnahmen der Polizei gegen die Einwanderung fremder Juden nicht auf. Erst vor kurzem hat die obere Polizeiverwaltung an sämtliche Revierkommissare einen strengen Befehl erlassen, unterkeinen Umständen Wohnrechtszeugnisse an Juden auszuliefern. -Es wird nur mit den Schülern und Schülerinnen der Massage- und Turnschule des Doktor Kramarenko eine Ausnahme gemacht, indem ihnen die Erlaubnis erteilt wird, in zwei Stadtteilen zu wohnen. Also^ ein kleines Schülerghetto. Die Dinge kehren, wie wir sehen, zur alten „Ordnung" zurück. In Petersburg sind es wieder die jüdischen Kinder, gegen die die Strenge des Wohnverbots gerichtet ist. Infolge der prozentualen Beschränkung des Besuchs der öffentlichen Regierungsschulen und der Uberfüllung derselben im Ansiedlungsrayon, sehen sich manche Eltern veranlaßt, ihre Knaben nach Petersburg zu schicken und sie dort in den Gymnasien zu plazieren. Im vorigen und vorvergangenen Jahre, als die Wohnrechtsgesetze nicht zu strikt gehandhabt worden sind, ging das noch an. In diesem Jahre hingegen verlangt die Polizei von den jüdischen Gymnasiumskandidaten das Vorzeigen des Wohnrechtszeugnisses, das weder sie noch ihre Eltern, die Bewohner des Ansiedlungsrayons sind, besitzen. Ja, man ging noch weiter: auch in Fällen, in denen die Eltern das Privilegium in Petersburg wohnen zu dürfen, - besitzen, aber davon keinen beständigen praktischen Gebrauch machen, verbot man den Kindern, sich in Petersburg für den Schulbesuch oder zwecks Vorbereitung für denselben aufzuhalten. Es wird als ein Gnadenakt betrachtet, daß die Polizei in einem vereinzelten Falle dem Sohne eines priviliegierten Juden, trotzdem er nicht in Petersburg wohnt, die Erlaubnis erteilt hat, sich in Petersburg auf- - zuhalten, um die jüdische Schule des Herrn Eisenbett zu besuchen. Merkwürdigerweise geschieht all das am Vorabend der Eintragung eines Regierungsvorschlags in die Duma, nachdem der Ansiedlungsrayon ausgedehnt und den Juden das Recht eingeräumt werden soll, Boden zu kaufen. Die Nachricht ist schon so viele Mal wiederholt worden, daß es kein Wunder nimmt daß sie allgemein skeptisch aufgenommen wird. Diese Nachricht wurde durch den „Golos Moskwy" und den „Wietscher" verbreitet Wie wir aus glaubwürdiger Quelle erfahren, handelt es sich um den Anschluß einer Reihe' von Döifern und kleinern Flecken an den Ansiedlungsrayon. Das Erwerbsrecht auf Boden hingegen soll sich nur auf einige privilegierte Kategorien beschränken. Tatsächlich ist das Ministerium des Innern der Durchführung gewisser Erleichterungen in der Lage der Juden nicht abgeneigt. Es läßt sich aber nicht voraussehen, welches Geschick dieser Vorschlag in der Duma und dann im Reichsrat finden wird. In der Duma dürfte ein solcher Vorschlag noch eine Mehrheit, ' trotz des Gezeters der Echtrussen, finden. Die Oktobristen und die gemäßigten Mitglieder der Rechten werden es kaum wagen, dem Ministerium des Innern in dieser Beziehung Schwierigkeiten zu bereiten, aber die Schicksale dieser Vorlage im Reichsrat sind in ■ Dunkel gehüllt Im Reichsrat dominieren noch immer die rückständigen Elemente. _ Schlimm genug, daß das Ministerium des Innern im Lichte der neuen Entwicklungen als eine liberale Instanz erscheinen muß. Dieses Ministerium, das traditionell die Judenbeschränkungen verkörperte, ist jetzt viel aufgeklärter als das Ministerium für Volksaufklärung, an dessen Spitze — nomen est omen — Herr Schwarz steht Die Beschränkung des Mittel- und Hochschulenbesuchs wurde noch nie so rücksichtslos wie jetzt durchgeführt. Die Zeitungen sind von Nachrichten über die Maßnahmen und Verbote auf diesem Gebiete so überfüllt, daß man den Eindruck hat, daß das jetzige Aufklärungsministerium sich in ein Kriegsministerium gegen die jüdische studierende Jugend umgewandelt hat In dem großen russischen Reiche mit der 70 bis 80°/u schrift- und leseunkundigen Bevölkerung hätte doch ein Ministerium für Volksaufklärung wichtigere Aufgaben, als diesen Ahrimankampf mit dem jüdischen Lichtdurst! — In Wilna beginnt vom jüdischen Neujahr ab ein neues Wochenblatt unter dem Titel „Der Tag" zu erscheinen. Das Blatt wird unparteiisch sein. — Aus Petersburg wird berichtet, daß eine Gruppe Kadetten an Miliukoff die Frage zu richten beabsichtigt warum er seine Unterschrift für das Projekt verweigerte, die rumänische Judenfrage, wie es die Mitglieder des jüdischen Nationalklubs, die österreichischen Reichsratsabgeordneten beantragt haben, der internationalen Friedenskonferenz zu unterbreiten. Der Oktobrist Gutschkow soll im Gegensatz zu Miliukoff seine Unterschrift bereitwilligst in Aussicht gestellt haben. (?) Der Ministerpräsident Stolypin gewinnt unter den Juden eine in Zunahme begriffene Popularität, die in verschiedenen Kundgebungen seitens konservativer Elemente ihren Ausdruck. findet So haben die Ältesten der Odessaer Synagoge an ihn ein Dankschreiben gerichtet, in dem sie seinen Verdiensten für die Beruhigung Odessas, das so lange von der Pogrompanik gelitten hat, Anerkennung zollen.

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