Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1908-09-25 · 38 (25.9.1908) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
38 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316296-3316335--51085-3378550
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

leiten. Die Arbeiten selbst sollen im Submissionswege vergeben werden. Willcox wird mit einem großen Stabe bereits am 1. November sein Hauptquartier in Bagdad aufschlagen. Juden und Bulgaren Der Großrabbiner von Salonik Jakob Meir hat, wie „Die Neue Türkei" berichtet, die Israeliten Monastirs aufgefordert, die bulgarischen Gäste, die sich von Salönik nach Monastir begeben haben, recht herzlich zu empfangen, indem er von dem Standpunkte ausgeht, daß eine bulgarenfreundliche Haltung der türkischen Israeliten nur dazu -beitragen könne, die Lage der Juden in Bulgarien zu bessern. Die Yemenitischeh Juden Konstantinopel, 22. September. (Mitteilung des Deutschen Bureaus der Alliance Israelit« Universelle) Die Israeliten von Yemen haben an den Chachambaschi telegraphisch die Bitte gerichtet, er möge dem Sultan gegenüber der Dolmetscher ihres innigsten Dankes für die Verleihung der Konstitution . sein, und für die möglichst beschleunigte Durchführung der Reformen eintreten. Dieses Telegramm stellt die ersten Beziehungen dar zwischen den Israeliten von Yemen und dem Großrabbinat und den andern Israeliten der Türkei überhaupt Der Chachambaschi hat dem Kultusminister von jenem Telegramm Kenntnis gegeben und gleichzeitig telegraphisch an den Vorsteher der Israelitischen Gemeinde in Sanaa (Yemen) die Aufforderung gerichtet, ehestens einen ausführlichen Bericht einzusenden, der über die Zahl der Israeliten in Yemen, über ihre Tätigkeit und über die Organisation ihrer Gemeinde Aufschluß gibt. Nach Eingang dieses Berichts will das Großrabbinat an die Israeliten von Yemen eine Delegation entsenden. Dem Chachambaschi Nahoum ist der Medjidjeorden 3. Klasse verliehen worden. Die Judenfrage in Finnland Helsingfors, 19. September. Die Vertreter der Handelsgesellschaften Finnlands haben beschlossen, den Senat zu ersuchen, ein Komitee aus Sachverständigen zu bilden zur gründlichen Prüfung der Judenfrage, welche in Finnland nicht gesetzlich geregelt ist. Die Erlaubnis zu freier Übersiedelung der Juden und die Gewährung voller Gleichberechtigung würde nach Ansicht dieser einheimischen Handelskreise die wirtschaftliche Lage Finnlands ungünstig beeinflussen. (!!) Dreihundertster Geburtstag Oliver Cromwells Am 3. September wurde der dreihundertste Geburtstag Oliver Cromwells gefeiert Es gibt nur wenige Denkmäler Oliver Cromwells, dieses großen Freundes der Juden in England, eines befindet sich in Manchester. An diesem Denkmale ließ am Tage der Feier die jüdische Gemeinde Manchesters einen Kranz niederlegen mit einer Inschrift, die an die Gastfreundlichkeit erinnert, die Oliver Cromwell den ersten Juden gewährte, die im Jahre 1658 nach England kamen, um sich daselbst niederzulassen. Die Manchesterer Presse nahm von diesem Akte der Dankbarkeit freundlich Notiz. Kongreß für Religionsgeschichte in Oxford Auf dem Kongreß für Religionsgeschichte, der verflossene Woche in Oxford stattfand, erntete Professor Jastrow, der Vorsitzende der Abteilung für semitische Religionen, allgemeinen Beifall sowohl für die glänzende Leitung der Verhandlungen als auch für seinen ausgezeichneten Vortrag. Er faßte darin die mannigfachen neuen Errungenschaften und Theorien zusammen, die auf dem Felde der semitischen Religionsgeschichte sich ergeben haben und kritisierte kurz die verschiedenen Ergebnisse dieser Forschungen. Einen Hauptteil der Beratungen nahmen wiederum die Ausführungen Prof. Haupts ein, der auch vor diesem Forum seine Theorie über das angebliche Ariertum Jesus vortrug, damit aber auf scharfen Wiederspruch stieß. Insbesondere trat ihm Dr. Gaster mit sehr beweiskräftigen Argumenten entgegen. Dr. Gäster hielt später einen Vortrag über „Die jüdische Volksmasse zur Zeit des zweiten Tempels im Lichte samaritanischer Überlieferungen ". Rußland (Von unserem Korrespondenten) - . Nach den Sommerferien ist bei uns in der politischen Welt ein regeres Leben eingetreten. Einerseits hafein erneuerter sozialkünstlerischer Eifer das allgemeine Feiern des Tolstoi-Jubiläums hervorgerufen, anderseits hat das extrem-reaktionäre Gebahren "~des Ministers Schwarz die Gleichgültigkeit auch derjenigen Kreise verscheucht die bis jetzt jedem Regierungsschritt sympatisch gegenüberstanden. Fürst Uwarow, der Führer der Oktobristen, erklärte einem Mitarbeiter der Petersburger Zeitungen, daß die Partei der Oktobristen und die Rechten mit einer Interpelation in der Duma wegen der letzten Erlasse des Ministers Schwarz auftreten. Sollte der Minister nicht zurücktreten, so würde die Duma das Budget des Bildungsministeriums nicht bestätigen. Schwarz war früher liberal und spielte auch eine gewisse Rolle in den Kreisen der freisinnigen Professoren. Doch seit einiger Zeit änderte er seine Überzeugungen und man vermutet, daß er jetzt eine Kreatur gewisser sehr einflußreicher Hofsphären sei, und daß die ganze Richtung der Erlasse des Bildungsministeriums von Außen beeinflußt worden ist Die rücksichtslosen Tendenzen, welche Herr Schwarz in der letzten Zeit in der Verfolgung der freisinnigen Professoren der Universität an den Tag legte, können auch als persönliche Ranküne erklärt werden, die-der Minister als Renegat etwa hegen mag, aber sie kann auch dazu beigetragen haben, denn tatsächlich ist Herr Schwarz jetzt der bestgehaßte Mann der russischen Regierung. Dafür müssen nun die „kadetischen" Professoren und die jüdischen Studenten büßen. Man knüpft die größte Hoffnung an die Person des Herrn Stolypin, welcher im Vergleich zu den russischen Staatsleuten der Gegenwart ein wirklich „konstitutioneller'* Minister genannt werden kann. Stolypin kritisiert scharf die Tätigkeit der Echtrussen und erklärte kategorisch, daß die Regierung keine Absicht habe, die reaktionären Resolutionen des Missionarkongresses, die gegen die Andersgläubigen gerichtet sind, zu verwirklichen. Zu den Aktiven der Judenfrage kann man vorläufig nur wenige Projekte zählen. Ein gut informiertes Organ der Oktobristen „Golos Moskwy" brachte die Nachricht daß die Regierung das Projekt der Ausdehnung des Ansiedlungsrayons und gewisser Erleichterungen im Erwerb von Grundstücken durch Juden in die Duma, einbringen will. Die Frage der „prozentuellen" Beschränkungen in den höhern Lehranstalten soll auf der Sitzung des Ministerrates erörtert und wahrscheinlich zur Entscheidung der Duma gestellt werden. Das Kriegsministerium soll auch gewisse Reformen, die die '■ Beschränkungen gegen die Juden aufheben, in der Aushebung der Rekruten durchführen. Das Ministerium gelangte zur Überzeugung, daß die Beschränkungen gegen die Juden sehr schlechte Folgen haben: in das Militär kommt ein vollständig zum Dienst unfähiges Element und die gesundern und reichern können sich vor den Rechtsvorschriften schützen. „Rietsch" bringt die Nachricht daß im Handelsministerium Vorschriften für jüdische Reisende ausgearbeitet werden. Sie sollen spezielle Handelszeugnisse bekommen, die ihnen das Recht geben, außer des Ansiedlungsrayons zu wohnen. In welcher beklagenswerter Lage sich die jüdischen Massen in den größern Städten befinden, beweist folgender Aufruf, der in den Odessaer Blättern durch die Ges. „Ezras Chojlim" veröffentlicht worden ist „Laut statistischen Daten befinden sich 50000 Juden, d. h. der dritte Teil der jüdischen Bevölkerung, in Odessa in vollständiger ■ Not. Diese 50 000 Menschen haben keine bestimmte Beschäftigung und leben von Tag zu Tag für 10, 20, 30 Kop. täglich (die Obst- . händler) oder auch für 30, 40 Kop. (Fuhrleute, doch müssen. sie den Besitzern der Fuhrwerke 10, 15 Kop. zahlen). Sie wohnen in kalten, feuchten, dunklen Kammern, gewöhnlich zu 3—4 Familien in einer Kammer. Es herrschen dort allerlei ansteckende Krankheiten, wie Typhus, Diptherie, Scharlach und Schwindsucht die in der besten jüdischen Jugend Verwüstungen anrichten." Die Ges. „Ezras Chojlim" in Odessa wendet sich an alle Juden mit der Bitte um Hilfe für die unglücklichen Brüder. Der vormalige Deputierte Anikin, einer der Führer der ersten Duma, gab für das Volk eine Broschüre heraus, unter dem Titel: „Was sind Juden? und warum haßt du die schwarzen Hundert?", in welcher er in sehr populärer Weise die Lage der Juden und die Entstehung der sogen. Judenfrage in Rußland beschreibt Das Werk ist von großer Liebe für die jüdischen Massen durchdrungen. In diesen Tagen fährt nach Argentinien eine Gruppe von 3& jungen Leuten, die die Ackerbauferme in Minsk beendigt haben. Unlängst wurden in den Gouvernements des Ansiedlungsrayons sogen, „kleine Semstwaverwaltüngen" eingeführt Diese „kleine Semstwaverwaltüngen", die die liberalen Traditionen der größern Semstwa vollständig aufgeben, legen eine extrem reaktionäre und antisemitische Richtung an den Tag. . Petersburg, 14. September. Der Generalgouverneur von . Sewastopol ordnete an, daß alle Juden aus dem Südteil der Stadt ziehen, wo die Kasernen der Garnison stehen. Den Juden ist auch ein vorübergehender Aufenthalt in diesem Stadtteil verboten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.