Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 37 (18.9.1908)
- Date
- 1908-09-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 37 DIE3 KELT 13 andern Tag dem Dorfe Abadie freistehen soll. Das uns gehörende an den Wadi angrenzende Land umfaßt etwa 600 Dunam und liegt, zwischen Abadie und der neuen, Ansiedlung Kinereth. Da es als bewässerbares Land eine intensive Arbeit beansprucht, die von den Kolonisten wegen der Entfernung des Grundstückes von der Kolonie nicht geleistet werden kann, besteht die Absicht, diesen Teil jüdischen Arbeitern in Pacht zu überlassen. Im allgemeinen ist hier das Verhältnis zwischen Kolonisten und Arbeitern günstig. So ist von den Kolonisten die Anregung ausgegangen, den Arbeitern Wahlrecht und im allgemeinen „ein Bürgerrecht" in der Kolonie einzuräumen. Es ist hier noch Platz für mehrere fleißige und nicht anspruchsvolle jüdische Arbeiter. Die Sterblichkeit der jüdischen Bevölkerung in Sichron Jacob, Schefeja und Beth-Schlome schwankt zwischen 8—18 pro Mille. Von Tierkrankheiten hat man "in der letzten Zeit nicht zu leiden gehabt. Man hat jedoch in der Umgebung von Sichron mehrfach krepierte Kühe gefunden. Sollte die Rinderpest, welche vor drei Jahren gewütet hat, uns von neuem bedrohen? Landkäufe. Die Verwaltung der lea beschäftigt sich mit dem Ankauf eines Terrains in der Nähe von Beth-Schlome, die Verhandlungen gehen ihren gewöhnlichen schleppenden Gang, man ist bisher noch zu keinem Resultat gekommen.. Die Kolonisten von Sichron möchten gern zusammen mit der Ica oder mit irgendeiner zionistischen Organisation das große Terrain kaufen, das zwischen Sichron und den Ländereien von Burdech liegt. Es handelt sich um 18000 Dunam; die Forderung dafür ist aber so übertrieben hoch, daß vorläufig von dem Kauf keine Rede sein kann. Es gibt ferner ein Stück Land in der Nachbarschaft von Marah, über dessen Ankauf schon mehrfach gesprochen worden ist Endlich sind noch bei Burdech auf dem Wege nach Chedera 2000 Dunam zu kaufen, aber auch bei diesem Lande ist man über belanglose Vorbesprechungen nicht herausgekommen. In dem benachbarten Atlith hat die Ica mit der Aufteilung des ihr dort gehörigen Landbesitzes begonnen. Es wurden etwa zehn bisherige Pächter als Kolonisten installiert. Jeder Kolonist erhält zirka 15 ha Land, ein Häuschen und einen Stall, dagegen müssen sich die Kolonisten mit wenigen Ausnahmen Inventar und Vieh aus eigenen Mitteln anschaffen. Man beginnt schon mit dem - Bau der Häuschen. Leider hat die Regierung nicht erlaubt, die Häuschen auf dem höchsten Punkt aufzubauen und man hat sie auf einem weniger gesunden tiefern Ort, bauen müssen. Die jüdische Bevölkerung in Sichron vermehrt sich ihrer Zahl nach fast gar nicht, ein paar Kolonisten sind weggezogen, um in Ägypten oder Amerika ihr Glück zu machen, andere wieder sind mit einigem Geld vom Auslande nach Sichron Jacob zurückgekehrt. Die natürliche Vermehrung der Bevölkerung ist sehr stark. Die Geburten übersteigen um 12 bis 20»/o die Sterbefälle. Fremde Juden siedeln sich nur ganz ausnahmsweise in Sichron an, was sich hoffentlich ändern wird, sobald der Landerwerb erleichtert und die Zahlung, des Kaufpreises in Raten ermöglicht wird. In ganz Sichron Jacob mit Schefeja und Bath Schlome gibt es zirk'a 1000 jüdische Seelen. Die Paßfrage in Palästina Der Hilfsverein der Deutschen Juden übersendet uns die nachstehende Mitteilung: Wiederholentlich war es vorgekommen, daß bei der Landung in Jaffa die türkischen Beamten Persönlichkeiten, die sie für Juden hielten, den Paß abnahmen und ihnen zur Legitimation auf dem Lande statt des Passes einen roten Zettel gaben. Diese Einrichtung war darauf zurückzuführen, daß die türkische Regierung eine Masseneinwanderung von Juden in Palästina zunächst zu kontrollieren und alsdann zu verhindern wünschte. Bei dieser Prozedur ereignete es sich nicht selten, daß auch Reisende, die gar keine Juden waren, nur weil ihr Äußeres jüdisch aussah, oder weil ihr Name den türkischen Beamten jüdisch erschien, sich die zeitweise Konfiskation ihres Passes und die Ausstattung mit dem roten Zettel gefallen lassen mußten. Alle Proteste gegen dieses Verfahren, das unsere Glaubensgenossen einer andern Behandlung unterwarf als die Nichtjuden, war bisher erfolglos geblieben. Als Herr Dr. Nathan am 14. Mai ds. Js. gleichfalls in Jaffa landete, wurde auch ihm der Paß abgenommen, und er erhielt statt dessen den üblichen roten Zettel, und das geschah, obgleich der Kaiserlich Deutsche Vizekonsul in Jaffa die Güte gehabt hatte, seinen xKawassen zu schicken, damit auf diese Weise alle Weitläufigkeiten beim Landen vermieden würden. Es gelang auch alsdann dem Vizekonsul nicht, trotz energischer Bemühungen, die Aushändigung des Passes für Herrn Dr. Nathan zu erlangen. Diesen Anlaß benutzt Herr Dr. Nathan, um die Frage der Behandlung fremder Juden in Jaffa, wenigstens insofern als es sich um deutsche Juden handelt, zum prinzipiellen Austrag zu bringen. In einer Beschwerde an das Vizekonsulat in Jaffa legt Herr Dr. Nathan dar, daß die differenzielle Behandlung deutscher Staatsangehöriger je nach ihrer religiösen Zugehörigkeit, seitens der türkischen Behörden als eine Ungesetzlichkeit zu betrachten sei, und daß es dem Ansehen Deutschlands nicht entsprechen "könne, - wenn einzelnen seiner Staatsangehörigen von türkischen Beamten eine Ausnahmestellung zugewiesen würde. Es wurde in dem Schreiben alsdann noch besonders darauf aufmerksam gemacht, - daß der Paß eines Reisenden sein Eigentum sei, und. daß der Paß bei Reisen in orientalischen Ländern überdies als ein besonders wertvolles Eigentumsstück zu betrachten sei, da man ohne Paß ' erhebliche Gefahren laufen kann. Die Einbehaltung des Passes käme also einer zeitweiligen Konfiskation eines im Besitze eines deutschen Reisenden befindlichen Eigentumsstückes gleich. Diese Reklamation hat Erfolg gehabt; * dank der überaus energischen und anerkennenswerten Bemühungen der deutschen Behörden ist nunmehr Remedur geschaffen. In einem Schreiben vom 28. August, das der kaiserliche Botschafter in Konstantinopel, Freiherr v. Marschall, an Herrn Dr. Nathan gerichtet hat, heißt es: „Ich teile Ihnen ergebenst mit, daß die Angelegenheit durch' Absetzung des Paßbeamten Neschat Effendi ihre Erledigung gefunden hat." Die unwürdige Behandlung von Juden, die deutsche Reichsangehörige sind, wird damit wohl endgültig in Jaffa beseitigt sein. Man kann aber auch zuversichtlich voraussetzen, daß das moderne Regiment in der Türkei es seinerseits sich angelegen sein lassen wird, Reisende, die Palästina aufsuchen, in einer liberalen, modernen Anschauungen entsprechenden Weise behandeln zu lassen. oooooool AUS DER BEWEGUNG ( o o o o o o o Sitzungen in Köln Am Sonntag, den 13. September fand in Kölnim Zionistischen Zentralbureau eine Sitzung des Engeren Aktions-Komitees statt. Anwesend waren die Herren Präsident Wolffsohn, J. Hf. Kann und Professor Warburg, sowie die Herren Sokolow und Berger als Protokollführer. Den Hauptgegenstand der Beratungen bildete die Besprechung der jetzigen politischen Lage in der Türkei. Zu dieser Frage lag ein sehr reichhaltiges Material vor. Die Stellungnahme der zionistischen Organisation zu den aktuellen türkischen Fragen wurde eingehend besprochen und die verschiedenen Propaganda- und Organisationsmöglichkeiten im gegenwärtigen Stadium der Verhältnisse in Erwägung gezogen. Eine Reihe von Anregungen und Projekten wurde geprüft und soll weiterverfolgt werden. An" diesen Gegenstand schloß sich die Beratung über einen Komplex von Palästinafragen an, wie sie sich durch die Neugestaltung der Dinge ergeben haben. Sodann wurde auch die Präge der praktischen " Ausführung verschiedener Beschlüsse der Jahreskonferenz beraten. Zu einigen Punkten der Beratung wurden auch die in Köln weilenden Mitglieder des Großen A. C, die Herren Co wen und Dr. Hantke, zugezogen. Im Anschlüsse an die Sitzung des E. A. C. fand auch eine Besprechung der anwesenden Direktoren d$s