Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 37 (18.9.1908)
- Date
- 1908-09-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Lod 1× ep/1045074
- Tiberias 1× ep/1048138
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12 * DIE 3^ Sämtliche Pflanzungsbesitzer haben hier einen Verein unter dem Namen „Chaklai" (Agrikultur) gegründet, dessen Zweck es ist, die einschlägigen Kulturen genau zu studieren, den Umfang des Anbaus mit den Absatzverhältnissen auf dem Weltmarkt im Einklang zu erhalten und eine Krisis, wie sie im Weinbau eingetreten ist, rechtzeitig zu verhüten. Die J. C. A. hat unserer Kolonie eine Anleihe von lOOOO Frcs. gewährt, um die Straßen von der Grenze der Kolonie von Jaffa aus bis zur Synagoge und vom Weinkeller bis zur Grenze gegen Rechowoth auszubessern. Am 15. Aw wurde das 26jährige Bestehen unserer Kolonie von allen Einwohnern gefeiert. In den umliegenden arabischen Dörfern ist eine Rinderpest ausgebrochen. Seitens der Regierung und unserer Kolonieverwaltung sind Maßnahmen getroffen worden, um einer Ausdehnung der Seuche vorzubeugen. Bei dieser Gelegenheit ist zu bemerken, daß ein tüchtiger Tierarzt in Judäa und zwei Tierärzte in Galiläa große Praxis finden und der Landwirtschaft von Nutzen sein könnten. Ber Jacob (Bir Salem). Endlich wurde in der Tiefe von 38 m an der Stelle, an der sich Ruinen des alten Brunnens befanden, Wasser gefunden und einzelne Bestandteile der einstigen Wasserschöpfvorrichtungen entdeckt. Jetzt ist also ein großer Obelstand, an dem die junge Kolonie empfindlich zu leiden hatte, behoben. Die Pflanzungen des letzten Winters haben sehr befriedigende Resultate ergeben, dagegen haben Kartoffeln, Tomaten und anderes Gemüse wegen der niederen Preise dieses Jahres nur geringe Einnahmen gebracht. Jedoch würde im allgemeinen gerade ein Gemüseanbau in größerem Umfange den Kolonisten eine Existenz sichern; hierzu wäre die Errichtung einer Bewässerungsanlage, die 25 000 Frcs. kosten müßte, erforderlich. Beth Arif b. Lydda. Ende Aw fanden Prüfungen in der Schule Kiriath-Sefer statt; die Schule, die jetzt an 30 Schüler bereits zählt, ist für die Zeit bis nach den Feiertagen geschlossen. Die Fabrik „Athid" vergrößert ihre Arbeitsräume durch einen Neubau und wird nach einiger Zeit neben der Ölfabrikation auch die Seifenfabrikation in ihrer hiesigen Filiale einführen. Jetzt sind in der Fabrik in Beth-Arif 15 Arbeiter, beschäftigt. Wadi-Chanin. Der Bau der sechs Häuser auf der Straße, die den älteren Teil unserer Kolonie (Wadi-Chanin) mit dem neueren (Nes Zionah) verbinden soll (auf dem seinerzeit von der Geulah angekauften Boden), hat bereits begonnen. Die Errichtung dieser Häuser wurde durch ein Darlehen der Ica im Betrage von 18 000 Frcs. 'ermöglicht. Rechowoth. Unsere Kolonie zeichnet sich durch sehr gesundes Wasser aus. Es ist jedoch ein großer Übelstand, insbesondere für die entfernteren und auf Anhöhen gelegenen Wohnungen, daß das Wasser von einem entlegenen Brunnen geholt werden muß. Diesem Obelstand wird jetzt durch Anlage einer Wasserleitung abgeholfen werden. Für diese Anlage hat Herr Sachs aus Chicago, der unsere Kolonie vor kurzem besuchte, 25 000 Frcs. auf 25 Jahre, zu 6% verzinslich, geliehen. Zum Dank dafür wurde beschlossen, Herrn Sachs aus dem Besitze der Kolonie einen Bauplatz für ein Haus einzuräumen. In den letzten Tagen ist die Vereinigung der Rechowother Weinbauer-Genossenschaft (Agudath-Hakormim) mit dem Syndikat der Weinbauer in Rischon, dessen Wein durch die verschiedenen Karmelgesellschaften in allen Ländern der Welt abgesetzt wird, erfolgt. Die Agudath Hakormim in Rechowoth hat sich vor vier Jahren als Aktiengesellschaft mit Anteilen von je 500 Frcs. gebildet. Sie hat einen eigenen Keller errichtet, der mit Inventar gegenwärtig einen Wert von ca. 70000 Frcs. repräsentiert. Trotz großer materieller Opfer der Mitglieder war die Rechowother Weinbaugenossenschaft schließlich doch nicht in der Lage, das mit hohen Kosten verbundene Weingeschäft erfolgreich fortzuführen. Der Rischoner Weinkeller zahlte den bisherigen Mitgliedern der Agudath Hakormim in Rechowoth 13 Frcs. pro Kantar für die diesjährigen Trauben nach deren Zusteliung nach Richon. Nach längeren Unterhandlungen ist es schließlich gelungen, die übermäßig hohen Oscherforderungen der Bezirksverwaltung in Ramie zurückzuweisen und den' Oscher auf die gesetzmäßige Höhe zu reduzieren. b) Galiläa. Sichron Jacob. Die Aussichten für die diesjährige Ernte lassen ein besseres als durchschnittliches Ergebnis erwarten. Freilich wird das Resultat der vorjährigen Ernte, die für Getreide eine außerordentlich gute war, nicht erreicht werden. Die Pferdebohne hat sehr vom Hagel gelitten, ebenso teilweise die Kichererbse. Bemerkenswert ist, daß in Marah, wo die Ernten bisher nur sehr mittelmäßig waren, dieses Jahr eine recht gute Weizen- und Gerstenernte zu erwarten ist. Die endgültigen Ernteresultate werden erst gegen Ende September bekannt sein. KELT No. 37 Der Oscher ist dieses Jahr von denselben Personen gepachtet •worden wie im vorigen Jahre. Sie bilden eine Gesellschaft, an deren Spitze eine alte und reiche arabische Familie steht Der Oscher ist auf ungefähr 105 000 Piaster (ca. 25 000 Frcs.) geschätzt worden (gegen 87 00Ö Piaster im ,Vorjahrer von denen auf Sichron Jacob mit Beth-Schlome (Em el Djemal) uni Schefeja 51000 Piaster, auf Marah 32 000 Piaster und auf Burdech 23 000 Piaster entfallen. Arbeiter. Der wunde Punkt im Leben der Kolonie ist der Mangel an jüdischen Arbeitern. Mit Befriedigung kann man konstatieren, daß jetzt darin teilweise eine Besserung sich anbahnt, denn es gibt schon einige Kolonisten, welche jüdische Arbeiter haben, andere Kolonisten haben aber trotz mehrfacher Bemühungen keine jüdischen Arbeiter bekommen können. Es besteht ein Plan, einige jüdische Arbeiter nach Marah zu nehmen, sie für das ganze Jahr anzustellen, ünd_ ihnen außer einem kleinen Lohne noch einen bestimmten Anteil an "der Ernte zu geben. Diese Arbeiter können, sich organisieren, um für sich Unterhalt und Wohnung zu beschaffen, und sie werden sicherlich durch die Kolonisten und die Administration gefördert werden. Da es hier sehr leicht ist, Vieh aller Art aufzuziehen, könnten die Arbeiter mit der Zeit auch die Viehzucht aufnehmen und sich hieraus Einnahmen und Lebensmittel verschaffen. Übrigens würden auch in Sichron Jacob und Beth-Schlome einige jüdische Arbeiter während des ganzen Jahres Beschäftigung finden. Gesundheitszustand. Sichron ist trotz seiner schönen Lage (180 m über dem Meeresspiegel) nicht frei von Malaria,. welche besonders gegen das Ende des Sommers in stärkerem Maße auftritt. Augenkrankheiten sind weniger häufig als in den anderen Kolonien verbreitet und sie nehmen nur in Ausnahmefällen einen schlimmen Ausgang. Wenn ein Malariafall tödlich verläuft, so handelt es sich immer um einen aus dem benachbarten Chedera oder einer andern Ortschaft -mit ähnlichen Verhältnissen eingeschleppten Fall (in früheren Jahren hat es allerdings auch in Sichron perniziöses Fieber mit tödlichem Ausgang gegeben). In den letzten Jahren ist kein einziger Fall vorgekommen, daß jemand infolge einer gewissen, in Palästina mitunter bösartig auftretenden Form des Trachoms das Augenlicht verloren hat. Es gibt in ganz Palästina vielleicht keinen gesünderen Ort als die benachbarte kleine Kolonie Schefeja. Sie liegt zwar etwas niedriger als Sichron, hat aber dank ihrer freien Lage, ihres Bodens und der Beschaffenheit ihres Quellwassers, ein vorzügliches Klima und einen ausgezeichneten Gesundheitszustand. Die Beziehungen zur arabischen Bevölkerung sind im allgemeinen gut ohne "gerade herzlich zu sein. In Sichron Jacob gibt es ungefähr 400 Araber und Araberinnen, und mindestens ebensoviele halten sich als Tagelöhner, Hausierer usw. vorübergehend dort auf. Unzweifelhaft besitzen die Araber einen großen Respekt vor dem hohen kulturellen Niveau der Juden, und sie wissen auch den hohen Komfort, das gute Familienleben, die fortgeschrittene Arbeitsmethode und---die Leichtigkeit im Geldausgeben zu schätzen. Anderseits gibt es auch Araber, welche die Juden für etwas weichlich halten und an einen Mangel an Solidarität unter den Juden glauben. Interessant ist. daß die Araber zum großen Teile bereits das Jüdische von den Juden gelernt Jiaben und mit ihnen jüdisch sprechen. Tiberias: Vor einigen Wochen vereinigten sich hier mehrere aschkenasische Juden, um außerhalb der Stadtmauer Häuser zu erbauen. Bekanntlich war dies bis jetzt nicht erlaubt weshalb die Innenstadt überfüllt, eflg und schmutzig war und zahlreiche Krankheiten ausbrachen. Vor einigen Jahren hat die Cholera hier viel mehr Opfer gefordert als irgendwoanders, und bei einer Pockenepidemie sind fast 300 Kinder umgekommen. Eine sephardische Häuserbaugesellschaft besteht schon seit längerer.Zeit, die jedoch nur geringes Kapital besitzt da ihre Mitglieder (40 an der Zahl) nur einen Monatsbeitrag von 1 Bishlik (ca. 45 Pfennig) leisten. Dagegen hat jedes der 20 Mitglieder der aschkenasischen Gesellschaft bei einem hiesigen Bankhause sofort 120 Frcs. deponiert. Dieser Betrag soll zunächst zum Ankauf eines Terrains von etwa 40 Dunam in der Nähe des Begräbnisplatzes des Rabbi Mosche ben Maimon (Rambam) dienen. Die Baukosten sollen für ein jedes Haus etwa 3000 Frcs. betragen. Milchamie: Wir waren gezwungen, in diesem Jahre unser Getreide zu geringeren Preisen, als sie hier in der Umgebung erreicht wurden, zu verkaufen. Im nächsten Jahre aber hofft man, daß sich alle galiläischen Kolonien vereinigen werden und die A. P. C. den Verkauf ihres Getreides übernehmen wird. In einem Prozeß mit einem Nachbardorfe Abadie, welches uns an der Benutzung des wasserreichen Wadi - el Fedschas hinderte, erlangten wir ein für uns günstiges Urteil, kraft dessen von nun ab die Benutzung des Wadi abwechselnd einen Tag uns, den