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Die Welt · 1908-09-11 · 36 (11.9.1908) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
36 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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KÖLN AM RHEIN, KAROUNGERRING 6 W ERSCHEINT JEDEN FREITAG Z.ENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XII. JAHRO: KÖLNi 'lrr. September 1968 p"rtr6 - E&nnV-bbi* POLITISCHE PHANTASIEN Der nächststehende Aufsatz ist ein Musterstück der Tageserzeugnisse politischer Neo-Romantik, die, durch die neue innere türkische Lage angeregt, jetzt in den verschiedensten Variationen sowohl den reichlich zuströmenden Redaktionseinlauf, wie die regste öffentliche und private Diskussion in allen Kreisen unserer „Partei beherrschen. Er eignet sich besonders für den Zweck, an der Hand der ihm zügrunde liegenden Beweisführung das eigene Programm zu erörtern und den eigenen Standpunkt in der beregten Frage,, den Auseinandersetzungen dieser Abhandlung gegenüber, zu beleuchten. Neben beachtenswerten Anregungen, — Mutmaßungen und Prophezeiungen, neben der Schärfe der Kritik und der schonungslosen Analyse in Anwendung auf das in . Frage gestellte frühere System — der vertrauensseligste Optimismus und die naivste Unbekümmertheit den Unzulänglichkeiten, den Schwächen und den Zweifeln gegenüber, die an dem neuen, eigenen, jetzt vorgeschlagenen System haften, — das waren die ^Merkmale der meisten Projekte, die früher gegen den politischen Zionismus auftauchten und sind auch die charakteristischen Züge der neuen Pläne geblieben, die jetzt in einer anderen Form hoch in die Halme schießen. Da die türkische Revolution eine nationale ist, müssen sämtliche Nationalitäten gleichberechtigt werden, folglich müssen es auch die Juden, ergo — und da kommt eine ganze Reihe von Veränderungen, denen die zionistische Organisation unterworfen werden müsse. Wäre es nicht unsererseits eine bedauerliche Verwirrung, ja, eine 'Leichtfertigkeit, auf Grund schöner Hypothesen schon jetzt Werte umzuwerten? Noch ist die, Gleichberechtigung der .Nationalitäten nicht sicher, noch steht es nicht fest,' daß man uns sogar im Stammland unserer Nation als vollberechtigtes Volkstum genügend berücksichtigen wird. Es muß mit verfrühten Fiktionen aufgeräumt werden; dieses phantastische Überschätzen und Unterschätzen der jetzigen und der früheren Lage muß aufhören, das"Urteil zu trüben; es muß klar vor Äugen stehen, daß eine Periode langer, sehr langer politischer Bemühungen bevorsteht, 'his ■ wir in der Lage sind, auch nur einen:Anspruch darauf zu . erheben;' als- territoriale - Nationalität handelt Ä zd.werden'.''-Was werden in' der wechselvolierX Periödedie Optimisten von heute sagen? Gibt's dann nicht wieder einen Rückfall in die alte Verdrossenheit? Jetzt heißt es: Politik an Ort und Stelle! Die rücksichtslosesten Praktiker von gestern verlangen heute eine fieberhafte Politik, freilich nicht anderswo,'nur dort;: sogar'die Ethiker, die fast geneigt' waren, in jedem Herantreten "an irgendwelche Machtfafctören einen- Akt der "Selbsterniedrigung zu erblicken: möchten sich jetzt'in den Strudel - der türkischen Parteien- und :Nationalitätenpolitik hineinstürzen. Sie, die die' Diplomatie verabscheuten, die das Lavieren und die Kompromisse nach hüben und drüben mit - prophetischer "Entrüstung verurteilten, sehen nicht voraus^ daß das-"ehemalige Diplömatisiereri eine heilige Funktion war gegen das Parlanientieren mit Parteien und Fuhrern, mit Programmen und Konzessionen, mit allen Spitzfindigkeiten der Wahlkampagne-Manöver etc. Aber jetzt' tobt und schallt es: Politik! — Wäre es doch nur nicht eine leere Parole von. kurzlebiger Dauer! Daß die Frage einer neuen Politik im Mittelpunkt zionistischen Sinnens steht, ist natürlich, : Und wie hoch auch der Autor des nächstst'ehehden Aufsatzes ' die Neugestaltung der türkischen Regierung einschätzt,"— er hat noch zu wenig gesagt. Daß wir auch unserseits über die Weisheit det^ Untätigkeit hinauskommen müssen, — ist schön züm Überdruß wiederholt worden und kann nicht energisch "genug wiederholt werden. Aber eben weil wir nicht im Warteräürri der Weltgeschichte bleiben wollen, , weil wir nicht Zionismen;'ides bloßen Glaubens, sondern auch der Tat, der frischen ' lebendigen 'Tat sind, dürfen wir uns nicht diirch.'die . Form verblenden lassen, sondern wir müssen: das': Oberflächliche' und Zeitgemäße von'-den früheren Maßnahmen vollständig wegstreifen und"'de'n'/Kern"" aLtis^:'den'"Gebarifngsmethöd£n■ herausgreifen, damit wir -einsehen, daß wir ganz dieselben Aufgaben haben wie früher und daß wir zwar nach neuen Methoden, aber im An- . Schluß an das Frühere arbeiten müssen. v Die Natioriälitätsfrage ist hi der Türkei noch lange nicht gelöst; — und die allgemeine Lösunghilft uns auch - nicht vollständig. Das soll nicht heißen, die Türkei habe : nicht jetzt einen kulturhistorisch bedeutungsvollen Schritt " vorwärts gemacht; öder daß -wir -von hdiesen!^Fort-

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