Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 32 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Dagegen gibt es keine Bedenken. Diese 10% stellen nichts anderes dar, als etwas, was bei allen Bankinstitutionen in der ganzen Welt Sitte ist Ich möchte Sie bitten, den Antrag anzunehmen, da vorläufig der dringenden Not abgeholfen werden muß. Wir verlangen vom A. C. große Dinge, geben ihm aber kein Geld. Wir besitzen noch zwei bedeutende -Quellen, die nicht in Anspruch genommen werden.' Erstens die Ortsgruppen, die alljährlich Unsummen verpulvern; zweitens muß es möglich sein, in einer solchen Situation, wie die jetzige ist, daß die Wohlhabenden unter uns sich verpflichten, größere Beträge für die Organisation beizusteuern, wie es überall Sitte ist Alles Mißtrauen müssen Sie zurückstellen, wo es sich darum handelt, unsere Pflicht und Schuldigkeit zu tun. Fischer ist der Ansicht, daß man die Institutionen schädige, wenn der Antrag des E. A. C. angenommen wird, insbesondere den Nationalfonds. Bei dem gegenwärtigen günstigen Moment müsse die öffentliche Meinung angerufen werden, dann werde man die Mittel bekommen. Es heißt jetzt alle Kräfte einsetzen und die Kritik einschränken. Redner wendet sich in scharfen Worten gegen die Ausführungen des Herrn Trietsch. Er beantragt, daß 10 u,'o aller Einnahmen der Föderationen an das A. C. abgeführt werden, ebenso der Schekel ohne jeden Abzug. Dr. Brau de: Die Annahme der Resolution könne dem Ansehen der Bank und des Nationalfonds schaden. Dr. Mahler unterstützt den Antrag des E. A. C. Ich schlage ferner vor, für jede Föderation ein A. C.-Mitglied zu ernennen, welches die Interessen des A. C. in der Föderation vertritt, sich die gesamte Finanzgebarung angelegen sein läßt, dafür sorgt, daß die Schekel ordnungsgemäß dem E. A. C. zugewiesen werden usw. Dr. Stand erklärt sich gegen die Resolution, weil sie dem Ansehen der Bank und des Nationalfonds schade, es müßten auf andere Weise Mittel beschafft werden. Feiwel: Wenn ich gegen die Resolution gesprochen habe, geschah das nicht nur aus Bedenken finanzieller Natur, sondern deshalb hauptsächlich, weil ich befürchte, daß eine solche Resolution alle Arbeit lahmlegen würde. Gegen die Bewilligung von Geldern für das E. A; C. wäre ich nicht, wenn uns gleichzeitig ein neuer, groß angelegter Agitationsplan vorgelegt worden wäre. Ich modifiziere meinen Antrag dahin, daß die vom E. A. C. geforderten 10°,o von Bank und Fonds bewilligt werden, aber nur in Form eines Darlehens. Ferner stelle ich den Antrag, es solle der Versuch gemacht werden, aus unseren Reihen noch einen besonderen Fonds durch Oberweisung besonderer Spenden zu bilden. Dr. Lewin wendet sich dagegen, daß Herr Dr. Hantke vom politisch unreifen Menschen sprach. Die politisch Unreifen haben bisher in der Bewegung alle Mittel aufgebracht und alle Institutionen geschaffen. Man muß bei dem Antrage des E. A. C. die Psychologie der Masse berücksichtigen. Es gibt eine momentane Not, weil unsere Kasse leer ist und es gibt eine chronische Krankheit, weil die Schekelzahler zurückgehen. Ich glaube, es liegt dies auch daran, daß in unseren Reihen das Verständnis für den Geist des Zionismus zurückgegangen ist. Wir müßten für eine Vertiefung der Anschauungen unserer Zionisten sorgen, dann würde sich daraus von selbst eine Agitation ergeben, die genügen würde, die nötigen Mittel aufzubringen. Moser: Ich glaube, daß wir uns in unserer Bewegung zuviel gegenseitig bekämpfen. Nur wenn wir einig sind, werden wir imstande sein, einen Fonds aufzubringen. Ich unterstütze den Antrag des Herrn Feiwel die lO°/o leihweise zu nehmen. Außerdem aber soll man eine Finanzkommission wählen, die etwa aus 12 Personen bestehen könnte! und dem A. C. als finanzieller Berater zur Seite stehen müßte. Idelsohn: Ich bin gegen die Auferlegung neuer Steuern, die Zionisten sind schon genügend besteuert. Ich bin aber für die von dem A. C. vorgeschlagene Resolution, weil ich kein anderes Mittel sehe, dem A. C. die erforderliche materielle Unterstützung zu geben. Mit dem Antrag Moser auf Einsetzung einer Finanzkomrrrission bin ich sehr einverstanden. Diese Kommission sollte aber auch einem Krebsschaden zu Leibe gehen, an dem unsere Organisation krankt, und der sehr viel dazu beiträgt, die Einnahme der Organisation zu schmälern. Das ist die Planlosigkeit, mit der alle Augenblicke neue Sammlungen unternommen werden. Zu gleicher Zeit werden Dutzende von Versammlungen eingeleitet, und eine schädigt die andere. Die Kommission sollte das Recht haben, neue Sammlungen zu verbieten oder zu beschränken und die bestehenden in harmonischer Weise so einzurichten, daß sie sich nicht gegenseitig beeinträchtigen. B. Goldberg: Man soll der Organisation die Dividenden der Bank überweisen, die 5 Jahre nach der Ausschüttung noch nicht behoben wurden. Auf diesen zu erwartenden Fonds könne man schon jetzt einen Vorschuß bei der Bank nehmen. Außerdem sollten die Schekelsammlungen für das Ende des Köngreßjahres bis zu den Herbstfeiertagen fortgesetzt we^eni'/des wettern könne man an die Einrichtung von Lotterien nisw: ::detfkeri. Podlischewsky ist unbediHgt für den Antrag des E. A. C. Die Zentrale habe die einzelnen Institutionen geschaffen, jetzt müßten die Institutionen auch die Zentrale unterstützen. Er gehe noch weiter: Dem E. A. C. müßten sämtliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, die es verlange. Wenn die geforderten 10 °/o nicht ausreichen, müßte der Betrag erhöht Averden. Er ist auch für die Anregungen des Herrn Goldberg, Dr. Tschlenow ist aus prinzipiellen und praktischen Gründen gegen die Resolution des E. A. C. Man solle auf die verfallenen Aktien und die nicht abgehobenen Dividenden bei der Bank einen Vorschuß nehmen. Er stellt den Antrag, den Reservefonds II des Jewish Colonial Trust (für Inhaber von verfallen erklärten Aktien), dem A. C. zur Verfügung zu stellen. Präsident Wolffsohn: Herr -Dr. Kohah-Bernstein hat gesagt, daß Herzl solche Schwierigkeiten ohne Mühe überwunden habe. Allerdings, aber Herzl hat sich auch für die Bewegung zugrunde gerichtet und damit unserer Sache den allerschlechtesten Dienst erwiesen. Das geht nicht an, daß einer oder einige alles dasaufbringen sollen, was Hunderttausend in kleinen Beiträgen mit leichter Mühe beschaffen können. Herr Dr. Tschlenow meint, mit den 10°/o sei uns auch nicht geholfen. Wenn wir aber diese 10°/o in den letzten drei Jahren gehabt hätten, ständen wir heute nicht materiell so schlecht,- wie es jetzt der Fall ist. Jede Regierung muß ihre Steuern regelmäßig erhalten, sonst kann sie nicht bestehen. Gewiß werden die 10°/o nicht ausreichen, alle unsere Bedürfnisse damit zu decken; aber sie sollen uns auch lediglich eine regelmäßige Grundlage geben, mit der wir unter allen Umständen rechnen können. Und dann muß ich Ihnen noch eines sagen, meine Herren. Hier wird immer so gesprochen, als ob alles, was zu machen ist, vom E. A. C. geleistet werden muß. Die Sache verhält sich aber ganz anders. Wir sind ja bloß die ausführende Behörde des Großen Aktionskomitees, wir tun ja nur das, wozu Sie uns den Auftrag geben. Alles, was Sie gegen uns sagen, sagen Sie gegen sich selbst, meine Herren. Sie machen uns Vorwürfe, daß wir nicht genug getan haben, Sie verlangen, daß wir eine große Agitation entfalten, — geben Sie uns doch die Mittel dazu. Nach allem, was ich hier gehört habe, nach der ganzen Stimmung, die hier herrscht, muß ich Ihnen erklären: Jch habe mir die Sache überlegt: Ich werde mit meinen Kollegen vom E. A. C. darüber beraten, ob wir nicht unter diesen Umständen den Antrag vollständig zurückziehen oder ihn nur aufrecht erhalten sollen, wenn er ^mit größer Mehrheit angenommen wird. Wenn er mit einer Majorität von einigen wenigen Stimmen angenommen werden sollte, muß ich fürchten, daß man von hier weggehen und draußen diesen Antrag und seine Durchführung gegen uns agitatorisch verwerten wird. Wenn Sie unsern Antrag nicht einstimmig oder wenigstens mit großer Mehrheit annehmen werden, dann bleibt nichts anderes übrig, als eine Finanzkommission zu scharfen, wie Herr Moser sie vorgeschlagen hat. Diese möge dann zusehen, ob und wie sie uns materielle Hilfsquellen erschließen kann. Ich unterbreche jetzt die Sitzung und werde Ihnen heute nachmittag weitere Mitteilung über diese Sache machen. Nachmittagssitzung Die Sitzung wird um 31/* Uhr eröffnet Präsident Wolffsohn: Ich habe mich mit meinen Kollegen im E. A. C. über die Situation beraten. Die Herren sind mit mir der Meinung, daß wenn, die Jahreskonferenz den Antrag des E. A. C. auf Besteuerung der Institutionen mit 10°/o ihres Reinertrags "mit großer Majorität nicht annimmt wir unseren Antrag zurückziehen.