Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 34 (28.8.1908)
- Date
- 1908-08-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3316296-3316331--50996-3378459- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
die3|kelt ktor am Jews College ernannt worden ist, dessen Bruder Rev. is Daiches zum Rabbiner der Gemeinde. Der neugewählte pabbiner ist in der jüdisch-wissenschaftlichen Welt nicht unbekannt, hat verschiedene gelehrte Abhandlungen veröffentlicht und auch Zeitschriften (u. a. dem Haolam) mitgearbeitet. Vom rumänischen Antisemitismus jj* Der Magistrat (Bürgermeister) der Stadt Jassy hat beschlossen,?alle Schulreparaturen und auch sonstige Arbeiten nicht mehr den jüdischen Unternehmern zu übergeben, sondern nur den ^Rumänen. Es ist dabei interessant zu bemerken, daß die Bevölkerung der Stadt Jassy aus mindestens 50 % Juden besteht, Tdie nur Handwerker und* Kaufleute sind, von denen gewiß die Stadt den größten Teil ihrer Einnahmen bezieht. ■■' Uns nimmt aber dieser Beschluß des Jassyer Magistrats nicht '■ mehr Wunder, da es bekanntlich die Jassyer Präfektur war. die die Austreibung der Juden aus den Dörfern im vergangenen Frühling begonnen und auch b»i der Wahl des antisemitischen Abgeordneten und Judenfresser, Prof. N. Jorga. dem Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes „Neamul 'Romaneu" tätig' mitgewirkt hat. Ernteergebnisse in Anatolien :" Das deutsche Generalkonsulat in Konstantinopel berichtet »-unterm 16. d. M.: Die Ende Juni in den Vilajets Konia und Angora niedergegangenen Spätregen haben die diesjährige Ernte wenigstens , noch etwas günstiger zu gestalten vermocht, als erwartet wurde; sie haben anderseits den Beginn der Erntearbeit (für Gerste in der . Regel Anfang Juli, für Weizen gegen Mitte Juli) um etwa eine Woche ■ binausgerückt. Infolge der im ganzen ungünstigen Witterung ist •: trotz der Vergrößerung der Anbaufläche eine der Menge nach gegen " das Vorjahr geringere Ernte erzielt worden. Das Vilajet Angora ■ bat gegen das Vorjahr eine um etwa 60 bis SO Prozent bessere i Ernte aufzuweisen. Dagegen bleibt im Vilajet Konia die Ernte um ^ehva 10 Prozent gegen das Vorjahr zurück. Hiernach schätzt man ^äas Ernteergebnis in Konia bei Weizen auf 450. Gerste 9S. Roggen 61 ^Tausend Tonnen, in Angora bei Weizen auf 4S0. Gerste 200 und |Roggen t>5 Tausend Tonnen. R> Ernteergebnisse in Syrien Wm Das deutsche Konsulat in Beirut berichtet unterm 9. d. M.: BgDie Getreideernte ist in allen Teilen Syriens bereits beendet; sie Rfieferte sowohl nach Menge als auch nach Beschaffenheit außerge- ■twöhnlich gute Erträge. REine archäologische Expedition nach Kleinasien KL Das archäologische Institut von Liverpool hat eine Expedition Kpuisgesandt. die Ausgrabungen in Sakje Geuzi an der syrischen "pHGrenze von Kleinasien veranstalten soll. Die Stätte würde im Rjyorigen Jahre von mehreren Mitgliedern des Instituts besucht, und B|es wurden verschiedene hittitische Bildhauerarbeiten in der Nach- Kpbarschaft von Hügeln, die augenscheinlich die Trümmerstätten von "Eilten Niederlassungen sind, bemerkt. Die Ausgrabungen werden Kunter Leitung von' Professor Garstang vorgenommen, der von Horst ■FSchliephack und Artur Wilkin unterstützt wird. Die Forscher sind Mg bereits abgereist, um noch in dieser Saison etwa 2 Monate lang ■KAusgrabungsarbeiten vorzunehmen. ■|Der Niedergang des „Verbandes des russischen K Volkes" Rj|' Aus Petersburg schreibt man uns vom 5. August: Hr Es vergeht kein Tag ohne öffentliche Skandale im „Verbände Hgjes russischen Volkes". Die Gruppen dieser Pogromorganisation Hgösen sich an vielen Stellen des Reiches auf und erregen dabei Kjjjinen ekelerregenden Gestank. Immer handelt es sich nicht nur ■gm persönliche Intrigen, sondern um verdächtige materielle Opera- "■|onen. Darin ist ja der Chef der Organisation selber groß. Be- ^Banntlich hat dieser Hauptdemagoge trotz der unzweideutigsten ^Beschuldigungen bislang noch immer nicht über die von ihm ver- Mfcendeten und, wie allerseits behauptet wird, veruntreuten Gelder "jjwgendwelche Rechenschaft abgegeben. Die gleichen oder ähn- ■|chen Anklagen erheben sich nun gegen die offiziellen Gruppen- ""■gru-eter in Odessa, Simferopol, Cherson, Nikolajew, Jelissawetgrad HKid an anderen Orten, und ausgeschiedene Mitglieder sind es ge- "HKöhnlich, die mit Enthüllungen kommen. Anstatt solche Ent- ^KjUungen zu widerlegen, pflegen dann die offiziellen Verbands- "^"B|rtreter in ihren Blättchen ein ungeheures Geschimpfe zu erheben "jjjj^d das russische Volk vor den neuen „Verrätern" zu warnen. Diese Misere scheint einfach dadurch entstanden zu sein, daß ""Hg? Petersburger „hochgestellten" Geldquellen gegenwärtig nicht reichlich fließen. Der Wert des „Verbandes des russischen Volkes" wird nämlich von den entscheidenden Petersburger Stellen, und mit vollem Recht, auf seine spezielle Rolle im Pogromtreiben eingeschätzt. Bei der augenblicklichen politischen Konjunktur ist jedoch für die nächste Zeit kein Pogrombedarf vorhanden; die am Ruder befindlichen Männer vermögen ihre reaktionären Gelüste durch andere, für das Reich weniger kostspielige Mittel in Erfüllung zu bringen. Darum kämpft ja auch keine einzige Partei mit solcher fanatischen Energie gegen Stolypin uud Konsorten, wie der „echtrussische" Verband, der fortwährend die jetzige „konstitutionelle" Regierungspolitik mit nicht wiederzugebenden Epitetha versieht. Jede Gelegenheit wird von den Verbandsleitern benutzt, um gegen das „verräterische" System Sturm zu laufen. Neuerdings hat der Chef selber, der berüchtigte Dr. Dubrowin, eine Glanzleistung vollbracht. In einer gelegentlich des Missionskongresses zu Kiew von den Schwarzhundertlern abgehaltenen großen öffentlichen Versammlung kam es zu stürmischen nnd überraschenden Szenen. Dr. Dubrowin, der noch vor nicht langer Zeit beim Zaren aus- und" einging und deswegen in den bureaukratischen Sphären mit einem gewissen Nimbus umgeben ist, richtete an das gespannt lauschende Publikum die Frage, wer der schlimmste Feind des Reiches sei. Aus dem Chor der Schwarzhundertler ertönten Rufe: „Die Juden!" -Nein!" rief Dubrowin aus. „Die Polen", kam es nunmehr, „die Revolutionäre, die Studenten, die Kadetten" hieß es dann weiter, aber immer wieder schüttelte Dubrowin ablehnend mit dem Kopfe, bis er zu aller Überraschung und zum Entsetzen mancher seiner Anhänger in den Saal hineinschmetterte: „Die Bureaukratie!" Und dann kam die Erklärung dieses unheimlichen Ausrufes. Natürlich war nicht die Bureaukratie im allgemeinen gemeint, sondern ihr gegenwärtiger offizieller Vertreter Stolypin war der Sündenbock. Gegen ihn und seine Reichsduma richtete sich der Anlauf, der übrigens einen gefährlichen Beigeschmack hat. Denn als die Dumasession geschlossen wurde, veröffentlichte das Hauptorgan des „Verbandes" eine mit einem speziellen Zeichen versehene Kundgebung, worin das russische Volk aufgefordert wurde, dafür zu sorgen, daß die Reichsduma nicht mehr zusammentrete. Was aber mögen sich die Verbändler in der Provinz darunter denken? Die Sprache Dubrowins soll übrigens gerade in den Kiewer höchsten Verwaltungskreisen verstimmend gewirkt haben, und es heißt, daß er unmittelbar nach seiner Rede angewiesen worden sei, die Stadt sofort zu verlassen. Allein in Kiew herrscht ein gemäßigter Mann, der bekannte General Suchomlinow. An anderen Stellen verfährt die Obrigkeit gegen Dubrowin und seine Gesellschaft weit glimpflicher. Wie sollte es auch an Orten wie Odessa, Jalta usw. anders sein, wenn die Bureaukratiespitzen selber dem Verbände angehören? j^kOR^SPQNDENZEN^j Antwerpen, 23. August 1908. Sehr geehrte Redaktion! In dem Bericht über die Sitzung des Nationalfonds in Nr. 33 der „Welt" ist zu lesen, daß ich mich der Abstimmung über den Antrag Kohan-Bernstein, bezüglich der Anleihe, die der N. F. an die A. P. C. gewähren soll, enthalten habe. Nun habe ich aber vor der Abstimmung eine Erklärung abgegeben, mit dem ausdrücklichen Ersuchen, daß sie ins Protokoll aufgenommen werde, und sehe ich mich veranlaßt, da sonst mein Verhalten unverständlich bleibt, um Veröffentlichung dieser Zeilen zu bitten. Ich schloß mich der Ansicht derjenigen Herren an. die es für unzweckmäßig hielten, in diesem Augenblick Gelder des N. F. auf längere Zeit festzulegen und richtete an das Direktorium die Anfrage: Wenn wir bei Verwendung der N. F.-Gelder so ziemlich vorsichtig sind und schwerwiegende Bedenken hegen, Agrarkredite zu gewähren, sind diese Bedenken beseitigt, wenn wir das Geld des N. F. zu diesem Zwecke der A. P. C. überweisen? Haben wir, sobald die A. P. C. das Geschäft besorgt, mehr Sicherheiten? Das Direktorium war der Ansicht daß wir jetzt in der Sitzung des N.F. wären und nur die Angelegenheiten des N.F. zu besprechen hätten. Die A. P. C. biete übrigens dem N. F. jede Garantie. Diese Erklärung konnte mich nicht befriedigen, und ich habe als Aufsichtsrat der Bank Verwahrung dagegen eingelegt. Wir haben über die Gelder der Bank sowohl als über die Gelder des N. F. in gleicher Weise zu wachen, und die Bedenken, die für die eine Institution geltend sind, sind es auch für die andere. Es würde doch nichts nützen, bemerkte ich, wenn ich gegen den Antrag stimmte und enthielt mich der Abstimmung. Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruß Jean Fischer