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Die Welt · 1908-08-28 · 34 (28.8.1908) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
34 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE ME LT l KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6\# ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG f ( XII. JAHRG. KÖLN, 28. August 1908 p-|ir6 B^nn'c* bl^N V' No. 34. ZUR LAGE i Es ist naturlich, daß die Ereignisse in der Türkei tasere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, Iber sinnverwirrend dürfen sie auf uns doch nicht Wirken. Es ist erhebend, daß der Freiheitsgedanke in siner bis jetzt so unwandelbar starren Despotie solche Siege feiert; es ist höchst interessant, wie in einer bis jätzt schlafenden Welt alles mit einemmal so wach und egsam, so beweglich und buntschillernd geworden ist, yie die Ketten gesprengt, die Fesseln gelöst, die Angst jewichen, der stumpfe Fatalismus verscheucht, wie dies auflebt und in einer gewaltigen Begeisterung aufbdert! Wir sind weit entfernt davon, die Bedeutung ieses Völkerfrühlings zu unterschätzen; im Gegenteil, rir begrüßen ihn als die Morgenröte einer bessern -ukunft, nicht nur für die andern, sondern auch für uns. Vir hoffen zuversichtlich, daß wir im Osmanenreiche itt allgemeinen und in Palästina im besondern besseren iten entgegengehen, und sollten unser auch Zerwürfsse und Zwietracht auf dem- Wege unserer natioen Bestrebungen harren, auf jeden Fall werden wir ern Wettkampf im vollen Tageslichte mit kulturellen ementen auszufechten haben, und schon das ist ein ßer Vorteil. In einem konstitutionellen Staate, der aus veriedenartigen Nationalitäten und Parteien zusammenesetzt ist, wo das Osmanentum als ein neutrales, verfallendes und allgemeines Moment der Reichseinheit, etwa das Österreichertum oder das Amerikanertum zufassen.sein wird, das die nationale Eigenart der ölkerschaften und die Kontinuität ihrer historischen Wicklung ebensowenig wie die Selbstverwaltung der ovinzen beschränken kann und darf — im Rahmen er solchen Zusammenfassung, die nach außen einig, festigt und gesichert, nach innen hingegen frei und gleichend, als eine harmonische Mosaik sich geten soll, werden wir uns unserm Ziele, das doch nicht politisch-militärischen abenteuerlichen Absonderungsüsten, sondern auf der Sicherung unserer Heimstätte auf dem Bestreben zu einem Sichauslebenkönnen ht, organisch und systematisch, nähern. Die' >ersehrtheit des Gesamtreiches und die Erhaltung er Großmachtstellung erscheinen im Lichte einer Ken Entwicklung als unser vitalstes Interesse und die Anerkennung dieses Prinzips ist keine kriecherische Liebedienerei, ja nicht einmal eine Konzession unsererseits, nein, sie ist die unmittelbarste, logische Notwendigkeit unserer eigenen wohlverstandenen nationalen Interessen. Denn wir müssen, um nicht zwischen den Mühlsteinen der Großmächte zerrieben zu werden, einen sicheren Rückhalt und einen mächtigen Schutz haben, damit wir unseren friedlichen Aufgaben leben können. Ein solcher osmanischer Patriotismus, der dem Gesamtstaate gelten würde, wäre nicht mit jenem Patriotismus zu verwechseln, der für das Linsengericht unzulänglicher, problematischer Bürgerrechte von uns die nationale Selbstverleugnung erheischt. Und sollten, wie gesagt, in diesem staatlichen, vielgliedrigen Organismus seitens gewisser Faktoren, d. h. seitens gewisser Nationalitäten, Parteien oder Interessengruppen Tendenzen hervortreten, die an uns grollende Anforderungen stellen würden, so bleibt uns das große Gebiet der üblichen loyal-politischen Kombinationen offen. Wir werden unsere Bundesgenossen suchen, und je größer unsere bürgerliche Tüchtigkeit und je bedeutender unsere wirtschaftlichen Fortschritte und die kulturellen, durch uns geschaffenen Werte sein werden, desto leicher wird es uns sein, die erwünschte Stütze zu finden. Wir mögen noch so gering an Zahl sein, die Quantität allein macht es. nicht, die den Aufschwung eines Volkes bedingt. Nach unserer Anzahl müßten wir ja überhaupt in der ganzen Welt zu einer vollständigen Bedeutungslosigkeit herabsinken und doch sind wir keine „quantite negligeable". Wir sind dünn gesät, aber wir fassen tiefe Wurzel und wir schießen hoch empor. Jeder günstige Sonnenstrahl fördert unser Wachstum und die Widerstände tragen vielleicht noch mehr dazu bei, unsere Energie zu erhöhen. Wir sind strebsam, elastisch, anpassungsfähig, unser Aufnahmeapparat für die neuesten Ideen wirkt schneller und lebhafter als bei den andern. Haben wir auch im konspirativen Stadium der jungtürkischen Vorbereitungsarbeit keine allzugroße Rolle gespielt, so unterliegt es doch kaum einem Zweifel, daß wir in dem jetzt beginnenden Umformüngsprozeß des osmanischen ^* Reiches unsern Mann stellen werden. Haben unsere Brüder bis jetzt*— bedauerlicherweise — nur wenig l*

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