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Die Welt · 1908-09-04 · 35 (4.9.1908) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
35 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
– (sequence 15)
Language
German
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ä^^^^^^^^ss^^F^^^s?^; ^Np: 35 ~ Eine ähnliche Ansicht,, wenn auch in anderer Form,-sprach auctf Roditschew aus. Auch er äußerte sich, daß man von der jetzigen Duma eher eine Verschlimmerung der gegenwärtigen Lage der Juden, als eine Besserung erwarten kann. Dieselben Gedanken schimmern auch durch die Äußerungen des Premiers in seiner Unterredung mit Stead. Ein jüdisches Pendant zum Falle Schücking Ein geradezu unerhörtes Vorkommnis wird aus Mannheim gemeldet: In der „Ztschr. f. Schulgesundheitspflege" (21. Jg. 1908) veröffentlicht Dr. med. Julius-Moses in Mannheim „ein Nachwort zur Darmstädter Versammlung des Deutschen Vereins für Schulgesundheitspflege" und teilt darin mit, daß das ihm erst in Aussicht gestellte medizinische Referat über die Mädchenschulhygiene Herrn Prof. Dr. Schmidt in. Bonn mit der unzutreffenden Begründung erteilt worden sei, daß dieser die Frage zuerst angeregt habe. In Darmstadt habe ihm der Vorsitzende des Deutschen Vereins für Schulgesundheitspflege aber offen erklärt, er habe sich unter Hinweis auf seinen in Baden unter allseitigem Beifall gehaltenen Vortrag für ihn eingesetzt, der Vorstand habe in aber wegen, seines Namens abgelehnt, nicht aber wegen seines Namens als Schulhygieniker, - sondern wegen seines alttestamentarischen Charakters. Es'sei in jener Sitzung erklärt worden, daß, wenn sein Name als Referent auf der Tagesordnung stünde, das preußische Ministerium sich auf keinen Fall in Darmstadt vertreten lassen würde. Dr. Möses-Mannheim schreibt: „Das Vorgehen des Vereinsvorstandes zielt darauf hinaus, die Mitglieder, die gleich mir mit der ohnehin nicht, leicht zu tragenden Bürde eines alttestamentarischen Namens belastet sind, zu Mitgliedern zweiter Klasse zu degradieren und ohne Rücksicht auf ihre sonstige Qualitäten von der aktiven Beteiligung im Vereine auszuschließen. Die Rechtloserklärung einer Gruppe von Mitgliedern, denen man nichts vorwerfen kann als ihren Namen, hat mit dem politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Antisemitismus nichts zu tun. Es handelt sich vielmehr um die schroffe Durchbrechung der Gepflogenheiten der wissenschaftlichen Körperschaften, die auch in den vom Antisemitismus am lebhaftesten durchtobten Zeiten und Ländern einen neutralen Boden darstellten, auf dem alle wissenschaftlichen Arbeiter Platz fanden. In dem von- Vorurteilen diktierten Verlassen eines in der Wissenschaft sonst hochgehaltenen. Prinzips erblicke Feh eine große Gefahr für das Gedeihen des Vereins selbst" Bemerkenswert ist, daß der Berichterstatter über die Darmstädter Versammlung in derselben Nummer der Zeitschrift schreibt: „... Nur so darf es erklärt werden, wenn verdiente Mitarbeiter auf dem Gebiete der Schulgesundheitspflege aus rassenpsychologischen Gründen an die Wand gedrückt und hinsichtlich praktischer Mitarbeit kalt gestellt werden. Das ist bedauerlich und fördert gewiß die Arbeitsfreudigkeit und die lebhafte Beteiligung an den Fragen der Schulgesundheitspflege in keiner Weise." Wir wissen nicht, wie das offizielledeutsche Judentum sich zu dieser geradezu skandalösen Brüskierung stellen wird. Jedenfalls hoffen wir, daß unverzüglich ■Schritte getan werden, um festzustellen, ob die Erklärung des Vorsitzenden auf Informationen beruht, die ihm von amtlicher preußischer Stelle zugegangen sind. In diesem Falle muß erwartet werden, daß das deutsche Judentum einmütig gegen diesen unerhörten und schmachvollen Regierungsantisemitismus Stellung nimmt. Wir sind gespannt zu erfahren, ob der deutsche Liberalismus dieses Gegenstück zum Falle Schücking mit der Ensrgie zurückweisen wird, die dieser neue „Blockskandal" verdient. Alliance und Zionismus Der „American Hebrew" schreibt zu dem berüchtigten Artikel . über den Einfluß des Zionismus auf die Judentaufen in „Ost und West": Es scheint daß die Alliance Israelite beschlossen hat soviel sie kann, die Arbeit der Zionisten zu verkleinern, gegen die sie eine tödliche Abneigung zu haben scheint In dem von der Alliance subventionierten Blatte „Ost und West" führt ein Mitarbeiter die vielen Obertritte unter den Wiener Juden auf den Zionismus zurück. Der Verfasser dieses Artikels zieht weder die anormale Lage derösterreichischen Juden, noch die Tatsache in Betracht daß, wenn nicht die Zionisten auf dem Plane erschienen wären, es noch viel mehr Judentaufen gegeben hätte. Welche Kritik immer am Zionismus geübt werden mag, das eine müssen alle wohlinformierten Beobachter zugeben, daß die Zionisten die Assimilation gehemmt und zur Wiedergeburt des Judentums, die allseitig beobachtet werden kann, einen starken Antrieb gegeben haben. Der Zionismus hat die Juden aufgefordert, den jüdischen Traditionen treu zu bleiben, und ist äußerst wirkungsvoll für das Bewußtsein der Ein- .;; - n heit der Juden eingetreten.. Dasselbe kann aber, nicht von solchen Organisationen wie der Alliance gesagt werden, die den Anforderungen des Judentums notorisch indifferent gegenübergestanden und sich zu einer Politik" bekannt hat die, wie ein Beobachter sich ausdrückte, darauf abzielte, „aus Juden Franzosen zu machen". Die Eröffnung der Mekkabahn Konstantinopel, 2. Sept. Gestern fand die Eröffnung der Mekkabahn bis Medina statt. Damit ist der wichtigste und schwierigste Teil dieses Bahnbaues vollendet. Es bleibt noch die kurze Strecke bis Mekka und zum Meer, die voraussichtlich schon im nächsten Frühjahr vollendet sein wird. Chemin de fer Ottoman de Smyrna ä AdTn Die Einnahmen für die zweite Juliwoche beliefen sich auf 755474 Piaster gegen 551763 Piaster für die gleiche Zeit des Vorjahres. Die mittlere Einnahme für die zwei letzten Wochen betrug 707 286 Piaster gegen 515960 Piaster im Jahre 1907. ^KORRESPONDENZEN^ Sehr geehrte Redaktion! Ich erhielt hier die Nr. 33 der „Welt" mit dem Bericht über die Generalversammlung des Jüd. Nationalfonds. Da sich in diesem Bericht einige Stellenbefinden, die zu Mißverständnissen Veranlassung geben könnten, bitte ich freundlichst, dieselben berichtigen zu wollen. Bei dem Bericht über ungern Besitzstand in Palästina, Seite 5 unten, muß es heißen: „Unsere Besitzungen in Palästina bringen uns zurzeit leider noch nichts ein, sondern die Kosten der Verwaltung decken sich nicht einmal mit dem Erträgnis der Pacht, so daß wir daraus auf Einnahmen nicht rechnen können." Bei meiner Erklärung des Vorgangs betr. die Häuserbaugenossenschaft in Haifa heißt es: „Infolge eines Versehens sei die A. P. C. in Jaffa nicht rechtzeitig von der Bedingung, die das Direktorium gestellt habe, verständigt worden." Ich lege Wert darauf zu erklären, - daß dies Versehen nicht auf ein Verschulden des Hauptbureaus des N. F. zurückzuführen ist, sondern auf einen entschuldbaren Irrtum der A. P." C. in London. Der Beriebt über den Antrag Dr. Tschlenow, Achuzat Bajit betr., ist unvollständig. Nach der Erklärung des Vorsitzenden des Direktoriums, daß er den Antrag Dr. Tschlenow nur als ein Mißtrauensvotum gegen das Direktorium betrachten könne, zog Dr. Tschlenow seinen Antrag zurück. Mit dem von Dr. Lewin gestellten, von Tschlenow unterstützten Antrag, daß die noch übrigen 250000frcs. . für Jaffa reserviert bleiben sollten, erklärte sich der Vorsitzende einverstanden, und wurde dieser Antrag sodann einstimmig angenommen. Auch meine Schlußerklärung lautete wesentlich anders. Ich habe in keiner Form zugegeben, daß das Direktorium irgendwie seine Kompetenz überschritten habe, was aus dem Schlußsatz des Protokolls zu folgern wäre. Von einer solchen Kompetenzüberschreitung konnte überhaupt keine Rede sein. Die Schlußansprache bezog sich vielmehr auf die Ausführungen des Berichtes des Hauptbureaus über eine etwa beabsichtigte Kompetenzbeschränkung des Direktoriums. In dieser Hinsicht habe ich besonders hervorgehoben, nachdem ich mich überzeugt habe, daß die Mehrheit der Jahreskonferenz meine Darlegungen dahin aufgefaßt habe, als ob ich bestreiten wolle, daß der Kongreß die oberste Behörde auch für den N. F. sei, so sehe ich ein, daß meine diesbezüglichen Ausführungen mißverständlich seien und ich dieselben nicht aufrecht erhalten könne. Ich wolle daher gerne nochmals die Versicherung abgeben, daß ich den Standpunkt der Jahreskonferenz als richtig anerkennen und denselben auch bei meiner künftigen Tätigkeit vertreten werde. Hochachtend, mit Zionsgruß Dr. Bodenheimer . Bekanntmachung Es wird hiermit bekanntgegeben, daß auch heuer in den Räumen des Zionistischen Zentralvereins an den hohen Feiertagen (Roschhaschonoh und Jom-Kippur) ein Gottesdienst stattfinden wird. Anmeldungen für Plätze nimmt Herr W.Teitelbaum im Bureau IX., Wien, Türkenstraße 9, entgegen. Die Gesinnungsgenossen werden ersucht, sich rechtzeitig Plätze zu siehern. ^^^Sö^SfSfeää&iSss

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