Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 31 (7.8.1908)
- Date
- 1908-08-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Universität, einen Vortrag über den politischen Zionismus hielt, der großen Eindruck machte. Den Vorsitz in der Versammlung führte Mr. Clarence de Sola, Präsident der kanadischen Federation. Australien Die zionistische Bewegung macht weiter hier gute Fortschritte. In Sydney arbeitet die Sydney Zionist Society unter der bewährten Leitung des Herrn Percy J. Marks mit beträchtlichem Erfolg. Als vorläufiges Ergebnis ihrer Arbeit war sie in der Lage, dem Jewish Colonial Trust £ 25 zu überweisen, die für den Nationalfonds, den Parteifonds und den Bezalel bestimmt sind. Auch in Neuseeland wird jetzt gut gearbeitet Hier ist es hauptsächlich die Wellington Zionist League, die sich der Propaganda für den Zionismus gewidmet hat Als Ergebnis einer zurzeit veranstalteten Sammlung wurden dem J. C. T. £ 40 überwiesen; auch wurde beschlossen, den Namen des Vorsitzenden, Mr. David Nathan, ins Goldene Buch einzutragen. , Die Diskussionsabende des Vereins sind sehr gut besucht und nehmen regelmäßig einen interessanfen Verlauf. NACHRICHTEN Palästina (Von unserm Berichterstatter) Vom Palästinarat Jaffa, 26. Juli. Auf mehreren Sitzungen befaßte sich der Palästinarat mit dem ihm vom Odessaer Komitee vorgelegten Etat für das Jahr 1908,09. In erster Reihe handelte es sich um die Frage, ob und in welcher Form das Informationsbureau weiter bestehen soll und ob durch Ausscheidung eines Teiles der Agenden des Vertreters der Chowewe Zion in Jaffa auch die Ausgaben dieses Bureaus sich verringern würden. Von einigen Herren wurde die . Ansicht vertreten, daß infolge des Rückgangs der Immigrationsbewegung der weitere Bestand des Informationsbureaus sich erübrige; andere Mitglieder dagegen meinten, daß sämtliche Angelegenheiten des Schulwesens, die den Hauptteil der Tätigkeit der Chowewe- Zion umfassen, dem palästinensischen Jahresverband zu übertragen sind. Zuletzt wurde beschlossen, das Informationsbureau dem Bureau der Odessaer Komitees einzuverleiben und seine Leitung dem Vertreter des Komitees zu unterwerfen und auch die Geschäftsstelle des Geulah mit dem Bureau der Chowewe Zion zu vereinigen. Die regulären Ausgaben des Odessaer Komitees für palästinensische Zwecke betragen an 75 000 Frcs., wovon fast 3. .i Subventionen von Schulen und Ausgaben zur Förderung literarischer Publikationen und Unterstützung von Bibliotheken betreffen. Von den Schulanstalten erfordert die meisten Kosten die ausschließlich vom Odessaer Komitee unterhaltene und sehr gut geleitete Mädchenschule in Jaffa, deren Jahresetat etwa 25000 Frcs. beträgt. Fast 300 Kinder erhalten in dieser Schule eine gute allgemeine und nationaljüdische Ausbildung. Das Hebräische Gymnasium erhielt im letzten Jahre eine Subvention von 3000 Frcs. vom Odessaer Komitee, die im nächsten Jahre auf 5000 Frcs. erhöht werden soll. 9000 Frcs. betragen die Subventionen für Schulen in den Kolonien und über 2000 Frcs. die Beiträge an Kindergärten. Die Ausgaben für kommunale Interessen in einigen jüdischen Kolonien betrugen im verflossenen Jahre an. 6000 Frcs. und sollen nächstes Jahr auf etwa 4500 Frcsreduziert werden. Einführung ägyptischer Arbeiter in die Kolonien Große allgemeine Verstimmung erweckte hier die Absicht einiger Kolonisten in Pethach-Tikwa, aus Ägypten billige Plantagenarbeiter für die Orangenpflanzungen nach der Kolonie kommen zu lassen. Hoffentlich wird dieser in seinen Folgen für die Kolonisation geradezu gefährliche Schritt noch rechtzeitig vereitelt. Die Verkündung der Verfassung Jerusalem, 27. Juli: Die Ankündigung des Paschas, daß der Sultan die Konstitution erneuert, erregte hier allgemeine Befriedigung. Ein Fremdenblatt für Palästina. Der Herausgeber der Ägyptischen Nachrichten, F. Köhler, wird vom 1. November ein in deutscher Sprache geschriebenes Fremdenblatt für Ägypten und Palästina erscheinen lassen. Es soll an alle an Land gehenden Reisenden in den Häfen von Alexandrien, Port Said, Jaffa, Haifa, Beirut und Konstantinopel unentgeltlich verteilt werden. Außerdem wird es auf allen Schiffen ausliegen, die das Mittelmeer befahren. Eine neue Palästinazeitschrift Seit einiger Zeit erscheint die Zeitschrift „Palästina" in veränderter Gestalt als Monatsschrift in München. Der rührigen ' Redaktion ist es gelungen, die Zeitschrift recht interessant auszugestalten. Bisher sind 4 Nummern' erschienen, die eine ganze Menge des Interessanten und Wertvollen gebracht haben. Unsere bekanntesten Palästinakenner sind als Mitarbeiter für die Zeitung gewonnen, und wenn ihr Umfang bisher noch zu wünschen übrig läßt so wird dieser Mangel am besten dadurch behoben werden, daß unsere Gesinnungsgenossen das Blatt recht eifrig abonnieren. Bei dem niedrigen Preise, der für das Inland 2.50^, für das Ausland 3.— pro Monat beträgt sollte man es wirklich für die Pflicht aller Palästinafreunde betrachten, die Zeitung zu bestellen. Zuschriften für die Zeitung sind zu richten an Redakteur Felix Theilhaber, München, Pettenkoferstraße 25. Österreich (Von unserm Korrespondenten) Die Verstadtlichung der Omnibus-Gesellschaft Der Staats- und Kommunalsozialismus bedeutet immer für die jüdischen Angestellten und Arbeiter den Verlust einer ziemlich armseligen Position. Nicht nur in Wien, auch in deutsch-liberal und szlachzizisch regierten Gemeinden. Diesmal kam die Wiener Omnibus-Gesellschaft an die Reihe. Herr Reizes war einmal mosaisch, und die Omnibus-Gesellschaft hatte viele jüdische Kondukteure und Beamte. Jetzt übernimmt die christlich-soziale'Stadtverwaltung das Unternehmen. Man hatte Grund zur Besorgnis, daß so und so viele jüdische Familien aufs Pflaster geschleudert werden. Nun, Herr R. v. Taussig, der Hof- und Geldjude der Antisemiten, war so großmütig, zu erklären, daß die Verstadtlichung keine Massenentlassung der jüdischen Angestellten nach sich ziehen wird. Nun ja! Das ist auch nicht notwendig. Es gibt unmerkliche, still, unscheinbar wie Gift wirkende Mittel, um den jüdischen Angestellten das Verbleiben zu verleiden, unerträglich zu machen. Die Intervention des Herrn R. von Taussig brachte daher niemandem Trost und kann niemanden über den Ausgang der Aktion im Zweifel lassen. Noch einige jüdische proletarische Existenzen werden hinweggeschwemmt . . . Herr Reizes aber spendete eine Millionengabe „für das Kind", wofür er wahrscheinlich geadelt wird. Die Zukunft der Kinder „seiner" brotlos werdenden jüdischen Angestellten interessiert ihn freilich nicht. Die Christlichsozialen in der Bukowina Die entscheidende Versammlung der Czernowitzer Rumänen war eine Absage an Onciul und die Christlichsozialen. Sie soll jedoch nicht falsch gedeutet werden. Es verschuldete das Mißlingen der Gessmann'schen Aktion der Baron Morsey, der nur mit den katholischen Rumänen zusammengehen wollte. Die Schismatiker sind ihm ein Greuel. Das bewirkte eine Gegenagitation der griechisch-katholischen Geistlichkeit. An der Gesamtsituation ändert die Stellungnahme der Rumänen nicht viel. Der Antisemitismus hielt im Buchenlande seinen Einzug. England (Von unserem Korrespondenten) Ein neues soziales Hilfswerk im East End von London Eine bemerkenswerte soziale Einrichtung, ist jüngst in East End von vier jungen jüdischen Leuten zwecks kultureller Hebung des Chetto gegründet worden. Zwei der Gründer sind begeisterte Zionisten, Norman Bentwich (ein Sohn von Herbert Bentwich) und Leon Simon. Ein anderer, Dr. Mordechai Epstein, war bisher Hörer der jüdischen Seminare.in Breslau und Berlin und ist jetzt Sekretär von Claude Montefiores Jewish Religious Union. Sie mieteten zwei zusammenhängende Häuser im East End für die Dauer