Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 31 (7.8.1908)
- Date
- 1908-08-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROl.INGERRING 6 \®/ ERSCHEINT JEDEN FREITAG : ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XII. JAHRG. Köln, 7. August 1908 ra-nnk Bbnn'tf 3n 'i DIE NOTWENDIGE KONZENTRATION Der Petersburger „Fraind" unterschreibt voll und ganz den kritischen Teil des in der vorletzten Nummer der „Welt" abgedruckten Leitartikels: „Der.Zusammenschluß der Organisationen"; sein positiver Teil hingegen hat das genannte Blatt nicht befriedigt. Wie soll die zionistische Organisation dieses Übel beseitigen? Was soll geschehen? Welche Aufgaben soll die Vereiniguug haben? Zweck dieser Zeilen ist, die obigen Fragen klipp und klar zu beantworten. Es sei offen herausgesagt: Die Ansicht muß allmählich eine immer festere und allgemeinere werden, daß die bisherige Konkurrenzpolitik der jüdischen Organisation nicht eben die geschickteste ist, daß Fehler an Fehler sich zu einer langen Kette reihen, daß wir nicht die unentbehrliche einheitliche Struktur besitzen und daß wir uns ohne Not gespalten und geschwächt haben. Der innere Hader und die Zwietracht müssen aufhören, wenn das jüdische Volk nicht Schaden leiden soll. Wir müssen eine Konzentration unserer Parteien erlangen, um uns gegen unsere Feinde schützen zu können. Bis jetzt haben wir diese Konzentration nicht erlangt. So oft etwas unternommen werden sollte, brach der Streit der Gruppen aus: brauchte nur eine Gruppe etwas zu beantragen, so wird es von der anderen Gruppe schon von vornherein verdächtigt und verworfen. Jeder will der einzige Retter sein, jede Gruppe nimmt für sich dieses Monopol in Anspruch und blickt auf jeden Außenstehenden, der den Versuch macht, irgendetwas zu unternehmen, wie auf einen frechen Eindringling. Die Parteien, Koterien und Kliquen stehen schon so weit voneinander, daß die eine nicht mehr weiß, was die andere zu tun beabsichtigt; wir lösen uns in Atome auf. Was soll nun geschehen? Darauf kann man ganz präzis antworten: Alle Unternehmungen der vorhandenen Parteien und Organisationen auf dem Gebiete der Judenfrage im Goluth — natürlich kommt der osteuropäische Goluth in erster Reihe in Betracht — sollen zuerst unter denselben gemeinsam beraten und dabei stets festgestellt werden, was und durch wen etwas gemacht werden könne. Auf diese Art wären alle die Kämpfe nicht auf der offenen Szene vor der höhnisch und vergnügt zusehenden Galerie, sondern hinter den Kulissen ausgefochten werden. Freilich wird das ohne Selbstverleugnung, Verzicht auf manche persönliche Eitelkeit und ohne stramme Disziplin nicht möglich sein, und diese drei Eigenschaften sind bei unserem Volke selten vereint zu finden; aber es ist die höchste Zeit, diese Eigenschaften unter uns zu entwickeln. Wir sind' genug geschlagen worden, um dieses einmal einzusehen. Wie kann die zionistische Organisation diesen Zusammenschluß zustandebringen? Möge uns der „Fraind" verzeihen: hier ist ihm eine kleine, aber wesentliche Begriffsverwechselung unterlaufen. Nicht in der zionistischen Organisation, sondern „auf dem Boden des Zionismus" — hieß es im genannten Aufsatze — kann und soll ein solcher Zusammenschluß erreicht werden. Die zionistische Organisation kann den Rahmen ihres Programms nicht sprengen, aber daß der zionistische Boden für die Idee einer einheitlichen Vertretung jüdischer Interessen ergiebiger und günstiger ist als der Boden einer französisch-jüdischen Alliance, einer englisch-jüdischen Association, sagen wir auch: eines russisch-jüdischen Kadetten-Anhängsels, das wird ja kein Mensch in Abrede stellen können! Was hindert eigentlich das Zustandekommen einer Konzentration? ' Das Kleine, das Zufällige, das Lokale! Unter dem jüdischen Mantel, den sich manche Partei in malerischen Falten umwirft, guckt so oft der Pferdefuß der Assimilation hervor .... Die Parteien haben zu viel Trennendes und zu wenig Gemeinsames, um zusammen arbeiten zu können. Die Organisationen haben ganz verschiedene Methoden und sind von Faktoren, die ihnen örtlich und zeitlich nahestehen, abhängig. Wir wollen ihre Verdienste nicht verkleinern und sind auch überzeugt, daß sie nicht weniger als wir die Notwendigkeit einer Konzentration einsehen, aber niemand fühlt diese Notwendigkeit tiefer, und niemand ist berufener, die Initiative nach dieser Richtung zu ergreifen, als die Zionisten. Wohlverstanden: nicht ein zionistisches Bureau, eine Bank oder ein Komitee. Das sind bestimmte Einrichtungen mit Statuten und Zweckbestimmungen. Aber man darf nicht vergessen, daß der Zionismus die Verteidigung des jüdischen Zentralgedankens gegenüber den Sonderinteressen und Gelüsten der einzelnen fa&4&4ä&g&Lä£^«. /^V.Ti,"£a«iVak»* ■ ."V* -.